Die Filmbranche zu durchschauen ist von je her ein schwieriges Unterfangen, ist sie selbst und alle dort tätigen Akteure außer von Eitelkeit doch vor allem von Heimlichtuerei beherrscht. Kein Regisseur offenbart gerne seine Ausgaben, tatsächliche Filmbudgets sind schwer einzusehen, Gagen werden im Geheimen verhandelt.
Mary Pickford, Florence Lawrence, Theda Bara. Welche von ihnen der erste Filmstar des noch jungen Hollywoods war, ist aufgrund widersprüchlicher Aussagen, verursacht durch die generelle Verschwiegenheit nicht mehr eindeutig festzustellen. Sicher ist aber, dass sie alle zu den Begründerinnen des glamourösen „Starsystems“ gehören, welches die amerikanische Filmbranche über Jahrzehnte bestimmte.
Die Entwicklung des Starsystems ist so alt wie Hollywood selbst.
Was aber ist dieses mysteriöse Starsystem? Welche Mechanismen an seiner Entstehung beschäftigt waren, welchen ökonomischen Nutzen sich die amerikanische Filmbranche daraus zog und warum Ikonen wie Greta Garbo, Humphrey Bogart und Marilyn Monroe in der heutigen Blockbuster-Welt nicht mehr „gemacht“ werden können, wird in dieser Arbeit behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Von Heimlichkeit und Leinwandgrößen
2. Definition „Star“
3. Vom unbekannten Schauspieler zum gehorteten Star
3.1 Die Entwicklung des Starsystems
3.2 Die Gründung der United Artists
4. Filmfinanzierung mit Hilfe des Stars
5. Das Starsystem bis heute
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Hollywood-Starsystems sowie dessen fundamentale ökonomische Bedeutung für die amerikanische Filmindustrie als Marketinginstrument und Qualitätsgarant.
- Historische Genese des Starsystems im frühen Hollywood
- Die ökonomische Funktion von Stars als "Signalling"-Instrument
- Machtdynamiken zwischen Produktionsstudios und Schauspielern
- Der Einfluss der United Artists auf die Unabhängigkeit von Filmschaffenden
- Der Wandel des Starsystems von der Studio-Ära bis in die Gegenwart
Auszug aus dem Buch
4 Filmfinanzierung mit Hilfe des Starsystems
Die zentrale Fragestellung muss nun sein: Welche ökonomischen Gründe veranlassten die Leitungen der größten Filmproduktionsstudios Hollywoods dazu, das Starsystem auf diese Art und Weise zu etablieren und zu praktizieren? Warum bediente man sich nicht normal gestalteter Verträge, um die Schauspieler für Filme zu verpflichten, sondern bediente sich des Knebels des Vertrags-Systems? Die Antwort lautet wie folgt: „Die Stars bedeuten für Hollywood einen wichtigen Produktions- und Kostenfaktor“ (Röwekamp 2003: 90), da die Produktion eines filmischen Werks, egal ob mehrstündiger Spielfilm, Serienfolge oder TV-Film in der Regel ein kostenintensives Unternehmen ist. Da es sich beim Erstellen eines Films um eine kreative, ja oftmals künstlerische Tätigkeit handelt, kann vor Produktionsende selten festgestellt werden, ob das Endprodukt über Massentauglichkeit verfügt. Dennoch muss bereits vor Produktionsbeginn ein Budget zur Verfügung stehen, damit der Film überhaupt entstehen kann. Neben aller Kreativität ist ein Film aber vor allem eines: ein „Konsumgut“ (Beck 2011: 205). Und zwar eines, das ein Kaufinteressierter nicht vor dem Erwerb an- oder ausprobieren kann (vgl. ebd. 206). Das Kernproblem ist also: Der Konsument kauft „ein Gut, ohne es vorher zu kennen“, genannt „experience goods, also Güter, die man erfahren muß“ (ebd. 206). Um den Rezipienten davon überzeugen zu können, sich einen bestimmten Film anzusehen, muss der Film ihm etwas versprechen, ihm einen Anreiz geben, die Ausgabe für ein unbekanntes Gut zu tätigen. Ein Star kann ein solches Versprechen sein (vgl. ebd. 206): Kennt man einen Star, weiß man, was für eine Qualität seine Leistung in der Regel hat. Also kann der potentielle Konsument sich aus der bisherigen Darstellung des Schauspielers ableiten, ob es sich für ihn subjektiv rentiert, den Kinobesuch oder die DVD zu kaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Von Heimlichkeit und Leinwandgrößen: Die Einleitung beleuchtet die historische Verschwiegenheit der Filmbranche und die Entstehung der Stars als „Hollywoods Adel“, die als unnahbare Identifikationsfiguren die Massen faszinierten.
2. Definition „Star“: Dieses Kapitel erarbeitet einen medienwissenschaftlichen Definitionsansatz für Filmstars und grenzt den „Starkult“ von der privaten Identität des Schauspielers als öffentliche Repräsentation ab.
3. Vom unbekannten Schauspieler zum gehorteten Star: Das Kapitel analysiert den historischen Aufbau von Stars durch die Studios mittels Typecasting und Vertragsbindungen sowie die Gegenbewegung durch die Gründung der United Artists.
3.1 Die Entwicklung des Starsystems: Hier wird der systematische Aufbau von Stars als ökonomische Notwendigkeit zur Zuschauerbindung im frühen 20. Jahrhundert beschrieben.
3.2 Die Gründung der United Artists: Dieser Abschnitt thematisiert den Aufstand der Schauspieler gegen die monopolistische Ausbeutung durch große Produktionsstudios und die Etablierung kreativer Autonomie.
4. Filmfinanzierung mit Hilfe des Stars: Es wird dargelegt, wie Stars ökonomisch als „Qualitätsgaranten“ fungieren, um das Risiko beim Konsum von „Experience Goods“ zu reduzieren.
5. Das Starsystem bis heute: Das Kapitel vergleicht das historische Vertrags-System mit der heutigen „Freelance“-Struktur und reflektiert den Wandel des Stars von einer göttlich inszenierten Figur hin zu einer greifbaren Person im digitalen Zeitalter.
Schlüsselwörter
Starsystem, Hollywood, Filmfinanzierung, Typecasting, Vertrags-System, United Artists, Filmindustrie, Starimage, Experience Goods, Signaling, Produktionsstudios, Mediale Inszenierung, Filmökonomie, Blockbuster, Bekanntheitsgrad.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des Hollywood-Starsystems von seinen Anfängen im frühen 20. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit und analysiert dessen zentrale Rolle bei der Filmfinanzierung und Markenbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst die Entstehung des Stardaseins, die Machtverhältnisse zwischen Schauspielern und Studios, ökonomische Aspekte wie Budgetierung und Marketing sowie den Wandel der öffentlichen Wahrnehmung von Stars.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, warum die Filmindustrie ein Starsystem etablierte und wie Schauspieler als wirtschaftlicher Faktor zur Risikominimierung und Umsatzsicherung eingesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienhistorische und medienökonomische Analyse, die auf der Auswertung filmwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung des Starsystems, die Gründung der United Artists als Gegenbewegung zur Studio-Macht, die ökonomische Funktion von Stars zur Finanzierung von „Experience Goods“ und den heutigen Status quo.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Starsystem, Filmfinanzierung, Signaling, Typecasting, Vertrags-System, Studio-Epoche und mediale Inszenierung.
Was unterscheidet das „alte“ Starsystem von der heutigen Zeit?
Früher wurden Stars durch Knebelverträge an Studios gebunden und künstlich modelliert; heute agieren sie meist als Freelancer mit eigenem Management, wobei die Diskrepanz zwischen Privatperson und Filmrolle stärker betont wird.
Warum war die Gründung der United Artists so bedeutend?
Sie stellte den ersten erfolgreichen Aufstand von Filmschaffenden gegen die absolute Monopolisierung des Filmmarktes dar und ermöglichte den Stars erstmals die Kontrolle über Produktion und Vertrieb ihrer eigenen Werke.
- Arbeit zitieren
- Jamie Niederer (Autor:in), 2011, Hollywoods Adel , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194294