Der Biogasmarkt ist eine vergleichsweise junge und sich in stetem Wandel befindliche Branche. Starke Differenzierungen der Anlagen hinsichtlich Art und Größe von Inputströmen, bzw. der Vielzahl am Markt verfügbarer Technologien, sind zu erkennen. Besonders die der Biogasproduktion nachgestellten Gasaufbereitung - sei es die Fein- bzw. Grobentschwefelung oder die Aufbereitung des Biogases auf Endgasqualität - bietet viele Varianten der technischen Umsetzung.
Im Umfang dieses Essays wurde ein Überblick über verschiedene am Markt verfügbare Biogasentschwefelungsverfahren mit den entsprechenden verfahrenstechnischen Eigenheiten erarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
I Einführung
II Verfahrensübersicht
a) Chemisch adsorptive Trockenentschwefelung
b) Biologische Oxidation
c) Chemisch/physikalische Adsorption
d) Chemische Fällung
III Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen systematischen Überblick über die am Markt verfügbaren Biogasentschwefelungsverfahren zu geben, ihre technischen Funktionsweisen darzulegen und deren Eignung für unterschiedliche Anlagengrößen und Verwendungszwecke zu bewerten.
- Grundlagen der Schwefelwasserstoffbildung in Biogasanlagen
- Klassifizierung der Entschwefelungsverfahren nach physikalischen, chemischen und biologischen Prinzipien
- Detaillierte Analyse der verfahrenstechnischen Vor- und Nachteile
- Wirtschaftliche Betrachtung und Kostenvergleich der Entschwefelungsmethoden
- Anforderungen an die Biogasqualität für verschiedene Nutzungspfade
Auszug aus dem Buch
b) Biologische Oxidation
Durch eine geregelte Zufuhr von Sauerstoff können reduzierte Schwefelverbindungen durch spezielle Mikroorganismen (z.B. Thiomicrospira sp. und Thiobacillus sp.) oxidiert werden [4]. Dies kann sowohl im Fermenter, als auch außerhalb in Entschwefelungskolonnen erfolgen (s. Abb. 2).
Bei der internen Biogasentschwefelung wird die mikrobielle Oxidation durch Einleitung von Sauerstoff in den Fermenter initialisiert. Folgende Reaktionspfade sind relevant:
2 H2S + O2 → 2S + 2H2O (3)
2 H2S + 3 O2 → 2 H2SO3 (4)
In Deutschland verfügen etwa 33 % der landwirtschaftlichen Anlagen ausschließlich über Eine Entschwefelung durch die Zufuhr von Luftsauerstoff [5]. In der Literatur sind zudem Versuche dokumentiert, in denen den Mikroorganismen an Stelle von Luftsauerstoff Nitrat als Elektronendonator dient [6][7]. Extern erfolgt die Entschwefelung in separaten Füllkörperkolonnen, welche ein- oder zweistufig gestaltet werden können. Durch das Einleiten eines Waschmediums wird der Schwefelwasserstoff aus dem Rohbiogas gelöst. Zur Regenerierung der Waschlösung bedarf es einer hohen Sauerstoffzufuhr von etwa 6 % [8]. Als Folge verschlechtern sich die kalorischen Eigenschaften des Biogases. Eine zweistufige Ausführung ermöglicht eine Trennung der Schwefelwäsche von der Regenerierung der Waschlösung und führt somit nicht zur “Verdünnung“ des Biogases mit Sauerstoff. Das Verfahren der zweistufigen Biowäsche eignet sich deshalb als einziges biologisches Verfahren zur Aufbereitung des Biogases auf Erdgasqualität [9].
Zusammenfassung der Kapitel
I Einführung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Biogasentschwefelung in Deutschland und beschreibt die Entstehung von Schwefelwasserstoff sowie die geltenden Qualitätsanforderungen an Biogas.
II Verfahrensübersicht: Hier werden die wesentlichen Kategorien der Entschwefelung – chemisch adsorptive Trockenentschwefelung, biologische Oxidation, chemisch/physikalische Adsorption und chemische Fällung – detailliert technisch erläutert.
III Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil bewertet die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Verfahren unter Berücksichtigung von Investitions- und Betriebskosten und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Biogasaufbereitung.
Schlüsselwörter
Biogas, Entschwefelung, Schwefelwasserstoff, Biowäscher, Aktivkohle, Sulfidfällung, Methan, Gasaufbereitung, Erdgasqualität, Trockenentschwefelung, Biogasanlagen, Verfahrenstechnik, Mikroorganismen, Kostenvergleich, Prozessstabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über die in Deutschland etablierten Verfahren zur Entfernung von Schwefelwasserstoff aus Biogas.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die verfahrenstechnischen Grundlagen, die ökonomische Bewertung sowie die Einsatzbereiche der unterschiedlichen Entschwefelungsmethoden in landwirtschaftlichen Biogasanlagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren darzustellen, um Betreibern eine Entscheidungshilfe für die Auswahl eines geeigneten Entschwefelungskonzepts zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung von Markterhebungen sowie verfahrenstechnischen Prozessanalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die vier Hauptkategorien der Entschwefelung (chemisch adsorptiv, biologisch, chemisch/physikalisch und chemische Fällung) detailliert analysiert und technisch beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Biogasentschwefelung, Schwefelwasserstoff, Biogasaufbereitung, Wirtschaftlichkeit und Anlagentechnik.
Warum ist eine Aufbereitung des Biogases auf Erdgasqualität so anspruchsvoll?
Für die Netzeinspeisung sind sehr niedrige Grenzwerte (< 5 mg/Nm3) erforderlich, was nach aktuellem Stand der Technik meist zweistufige biologische Verfahren oder spezifische Fällungsmethoden notwendig macht.
Welches Entschwefelungsverfahren ist bei sehr großen Gasströmen besonders vorteilhaft?
Aufgrund des Kosten-Nutzen-Verhältnisses und der Reinigungsleistung werden bei großen Anlagen häufig zweistufige Biowäscher oder spezifische externe Anlagenkonzepte bevorzugt.
- Arbeit zitieren
- Marvin Gruhn (Autor:in), 2011, Übersicht über etablierte Biogasentschwefelungsverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194418