Alltag und Erziehung im mittelalterlichen Kloster

Ein kompakter Überblick


Referat (Ausarbeitung), 2000

12 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Geschichte des Klosters und seiner Regeln
1.1 Die Ursprünge des Klosterlebens
1.3 Der Klosterplan

2. Disziplinen und Inhalte im Leben eines Mönches
2.1 Tätigkeiten eines Mönchen
2.2 Die Disziplin und Laster eines Mönchen

3. Struktur, Tagesablauf und Erziehung im Kloster
3.1.Struktur der Klosterfamilie
3.2 Der Tagesablauf eines Hirsauer Mönches
3.3 Die Kleidung am Beispiel der Benediktiner
3.4 Die Klosterschule
3.4.1 Struktur der Klosterschule
3.4.2 Latein, die Sprache der Gebildeten
3.4.3 Die Klosterschule am Beispiel des Gregorius von H. von Aue

Quellenverzeichnis

1. Zur Geschichte des Klosters und seiner Regeln

1.1 Die Ursprünge des Klosterlebens

Die Ursprünge der monastischen Gemeinschaften lassen sich sehr gut aus überlieferten Texten von Johannes Cassianus zu Beginn des 5. Jahrhunderts entnehmen. Seinem Bericht zufolge läßt sich die Lebensweise der Mönche bis in die Zeit der apostolischen Predigt zurückverfolgen. Es gab Massen von Begeisterten, die den Predigten der Apostel lauschten. Nach deren Tod jedoch kühlte bei einigen der Eifer ab. Diejenigen, deren apostolischer Eifer und die Erinnerung an die klassische Vollkommenheit in Erinnerung geblieben war, verließen die Gemeinschaft derer, die ein nachlässigeres Leben für sich und die Kirche Gottes als zulässig sahen. Sie begannen die Regeln, die ihrer Überzeugung nach für die gesamte Kirche aufgestellt waren, allein und auf sich gestellt strengstens zu befolgen. Sie verzichteten auf die Ehe, hielten sich von Verwandten und deren Leben fern. Aufgrund der Strenge ihres einsamen und familienlosen Daseins wurden diese von der Masse der Gläubigen getrennten allmählich monachi genannt. Die Gemeinschaften, die sie bildeten, bezeichnete man als Klosterwesen, während ihre Zellen und Unterkünfte Kloster genannt wurden.[1] (Kloster (lat. claustrum) meint die abgeschlossene, gemeinsame Wohnung von Ordensleuten.)

So fasste Cassianus zur Unterrichtung für Mönche Südgalliens die Ursprünge der monastischen Gemeinschaft zusammen.

Für ihn waren die Entscheidung für das Zölibat, die Askese, der Verzicht auf jegliche Form von Privateigentum sowie die damit verbundene Zusammenlegung der Güter grundlegende Bestandteile zur Aufrechterhaltung der monastischen Gemeinschaft mit den Inhalten ihres Ursprungs. Dass dies nicht eines jeden Mönchs Auffassung oder Interpretation der apostolischen Predigt war, wird sich im Laufe der Jahrhunderte noch zeigen.

Ein weiterer Aspekt des Berichts von Cassianus ist, das sich mit dem gemeinschaftlichen Leben im Kloster organisatorische Strukturen herausbildeten.

Er wurden Regeln und Ordnungen verfasst, mit denen die Kriterien des Gehorsams und der Disziplin sich zu wesentlichen Bestandteilen zu entwickeln begannen.

Zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert werden viele neue Klöster gegründet, das Mönchswesen erlebt einen Aufschwung und wird im Laufe der Jahrhunderte eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Durch Schenkungen, Unterstützungen, Aufenthalte und vieles mehr versucht man, sich das nachweltliche Seelenheil zu sichern, zu welchem die „direkteste Verbindung“ das Kloster darstellt. Durch die Expansion der monastischen Gemeinschaften, durch die unterschiedlichen Interpretationen, durch Vernachlässigung der ursprünglichen Ideale wird die Entwicklung und Ausarbeitung präziser Verhaltensvorschriften – Regeln – notwendig.

1.2 Die Regeln des Klosterwesens

Viele verschiedene Regeln wurden in diesem nachapostolischen Zeitraum verfasst. Und je mehr Mönche sich zusammenfanden, um so notwendiger wurden Regeln.

Im Jahre 529 verfasste Benedikt von Nursia (480-550/53) für Monte Cassino Klosterregeln, die Regula S. Benedicti, die wohl maßgeblich von der Magisterregel des Kirchenvaters Augustin abhingen.

Diese Regel wurde einige Jahrhunderte lang für die Mehrheit der monastischen Gemeinschaften im Westen, vor allem zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert, aufgrund der römischen Unterstützung und des karolingischen Einflusses zum Maßstab.

Der Abt Benedikt von Aniane verfolgte mit seinen Regeln das Hauptinteresse, mit einer einzigen, allgemein verbindliche Regel eine Vereinheitlichung des Alltagslebens in allen Klöstern durchzuführen, welches er in drei Synoden 816-819 umzusetzen wußte.

Er wäre als Beginn aller folgenden Reformen zu nennen. Sie alle entsprangen der Diskrepanz zwischen religiösem Ziel des Mönchtums und gesellschaftlicher Funktion des Klosters. Wo ein Kloster seine religiösen Pflichten vernachlässigte, erfüllte es seinen Zweck nicht mehr und mußte reformiert werden.

Der Reformgeist Benedikts war nur von kurzer Dauer, die klösterliche Zucht ließ mancherorts schnell wieder nach, so dass schon zu Beginn des 10. Jh. eine neue Reformwelle zu verzeichnen war.[2]

In jeder Reform ging es um die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ideale, um eine Abgrenzung zur weltlichen „Lebensweise“. Dazu wurden immer wieder die alten Regeln, die Benediktegel angeführt und deren strikte Umsetzung gefordert.

Um sich ein Bild von diesen Regeln machen zu können, seien hier einige Punkte zur Veranschaulichung aufgeführt.

Die Regeln vor der Regula S. Benedicti legten ihren Schwerpunkt im Allgemeinen darauf, den Mönchen den Verzicht auf jede Form individuellen Eigentums vorzuschreiben, was den gemeinschaftlichen Besitz jedoch nicht ausschloß.

Neben Askese und Verzicht auf individuelles Eigentum ist z.B. eine der Regeln des S. Benedicti, dass alle Mönche dazu verpflichtet sind, Lesen und Schreiben zu lernen – zumindest bis zum 50. Lebensjahr, präzisiert die Regula magistri[3] – was dazu führte, dass das Kloster ein deutlich höheres Bildungsniveau als die übrige Gesellschaft aufwies. Die in der westlichen Tradition stehenden Regeln legen gewöhnlich zwei bis drei Stunden täglich für die geistige Lektüre fest.

1.3 Der Klosterplan

[4] Der St. Galler Klosterplan wurde von Prof. Raitz während der Vorlesung mit einem Dia an die Wand projiziert. Zur Veranschaulichung der damaligen Lebensweise wurden die eingezeichneten Räume erläutert.

[...]


[1] Aus: Le Goff: Der Mensch des Mittelalters, S. 50

[2] Hans-Werner Götz: Leben im Mittelalter, Beck Verlag, München 1986, S. 68 f

[3] Was gleichzeitig die Bestätigung ist, dass sich auch Männer im reifen Alter, die noch Analphabeten waren, für das Mönchstum entschieden

[4] Das Kloster als Lebensraum: Der St. Galler Klosterplan (1. Viertel 9. Jh.) (aus HDSWG І.,S.100).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Alltag und Erziehung im mittelalterlichen Kloster
Untertitel
Ein kompakter Überblick
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die ältere deutsche Literaturwissenschaft
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V19444
ISBN (eBook)
9783638235754
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alltag, Erziehung, Kloster, Einführung, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Kirsten Schmelzer (Autor), 2000, Alltag und Erziehung im mittelalterlichen Kloster, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19444

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