Kafkas "In der Strafkolonie". Hintergründe und Entstehung des Textes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

13 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu Franz KAFKAs Leben
2.1 KAFKAs Ziele und über seine Wertigkeit des Schreibens

3. Zeitliche und inhaltliche Einordnung KAFKAs Werk

4. Vorstellung des Textes: In der Strafkolonie

5. Hintergrundwissen
5.1 Über Strafkolonien
5.1.1 Gegner der Deportation
5.1.2 KAFKA bekannte Strafkolonien
5.2 Die Apparate und Heilanstalten der „neuen“ Welt
5.3 Die Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt

6. Mögliche Quellen bekannter Autoren
6.1 Fjodor M. Dostojewski
6.2 Friedrich Nietzsche

7. Resumée

8. Literaturnachweis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit sollen KAFKAs Leben, die äußeren sowie inneren Einflüsse, die Geschehnisse in seinem Privatleben sowie zeitgeschichtliche Ereignisse beleuchtet werden.

Letztes Ziel, welches hinter all den Recherchen steht, ist das Verständnis des Textes „In der Strafkolonie“, bzw. dessen Entstehungsgeschichte, mögliche Bezüge, Intentionen und Interpretationen der Erzählung aufzudecken.

Abschließend soll ein Vergleich mit anderen Literaten vollzogen werden, um zum Einen die möglichen Bedeutung der kurzen Erzählung und deren Tragweite aufzuzeigen, und zum anderen die Darstellung der Thematik bei anderen Autoren, speziell zur „Strafkolonie“ darzustellen.

In einem ersten Schritt soll KAFKAs Leben, seine Gedanken, die privaten Einflüsse und der innere Diskurs beschrieben werden.

Der Mittelteil soll den Text „In der Strafkolonie“ wiedergeben. Weitere Ausführungen spiegeln die damalige Zeit und eventuelle Zusammenhänge wieder. Hier werden mögliche äußere Einflußfaktoren zusammengetragen. Angefangen bei der politischen Situation, Kriegsberichten etc., über KAFKAs Aufenthalte in Sanatorien sowie seiner Arbeitsstelle und den damit verbundenen Erlebnissen, bis hin zum damaligen allgemeinen Verständnis von der „neuen“ Zeit.

Im letzten Teil werden Texte von DOSTOJEWSKI und NIETZSCHE aufgegriffen, welche sich mit gleicher Thematik auseinandersetzten.

2. Zu Franz KAFKAs Leben

Franz KAFKA wird 1883 als Sohn des tschechisch-jüdischen Galanteriewarenhändlers Hermann KAFKA in Prag geboren. Er studiert von 1901-1906 Jura und wird 1908 Versicherungsjurist der „Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt“ in Prag, wo er – mit Unterbrechungen, bedingt durch Krankheit und Schriftstellerei – bis 1922 arbeitet. Aufgrund seiner Krankheit wird er im Sommer 1922 frühzeitig pensioniert. Nach verschiedenen Sanatoriumsaufenthalten verläßt er Prag. Im September 1923 zieht er zusammen mit Dora Diamant in eine Wohnung in Berlin. Im April 1924 muß er sich in das Sanatorium in Kierling bei Wien begeben, wo er am 3. Juni an Lungen- bzw. Kehlkopftuberkulose stirbt.

Zwischen 1904 und 1905 entsteht KAFKAs phantastische Erzählung „Beschreibung eines Kampfes“, welche eine nächtliche Wanderung durch das verschneite Prag beschreibt. In ihr kann man das Modell, der Kampf zwischen dem einsamen Erzähler und dem von seinem Mädchen prahlenden Bekannten, für viele spätere Werke sehen.

Diese Konstellation wiederholt sich in der Erzählung „Das Urteil“ spiegelbildlich. In ihr steht der verlobte Ich-Erzähler dem einsamen Junggesellen-Freund in Rußland gegenüber. Kurz bevor KAFKA diese von ihm als Durchbruch erlebte Erzählung schreibt, lernt er im August 1912 Felice Bauer kennen, Angestellte einer Berliner Firma für Parlographen. Über 500 Briefe und Postkarten schreibt KAFKA in der gemeinsamen Zeit an Felice. Er verlobt sich zweimal mit ihr. Das erste Mal Ostern 1914, doch bereits im Juli des gleichen Jahres wird sie wieder aufgehoben. KAFKA fühlt sich gerichtet, wie man aus seinen Tagebuchaufzeichnungen entnehmen kann. (T 407). Er beginnt nun mit der Arbeit am „Prozeß“.

Im Juli 1917 kommt es zur zweiten Verlobung mit Felice Bauer. Einen Monat später jedoch erleidet KAFKA in der Nacht zwischen dem 08. Und 09. August einen Blutsturz. KAFKA ist an Tuberkulose. Er selbst nennt diese Krankheit „die Rettung vor der Heirat“ gleichzeitig aber auch die „endgültige Niederlage“ (Brod 144).[1]

Im Winter des Jahres 1917 kommt es zur zweiten Trennung von Felice Bauer. KAFKA hat es nicht vermocht, sich zu binden, eine Familie aufzubauen, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

„Ich glaube, Du hast es nicht genug begriffen, dass Schreiben meine einzige Daseinsmöglichkeit ist“ schreibt KAFKA am 20.04.1913 an Felice. (T 311)

KAFKAs Dasein wird das eines Hungerkünstlers. KAFKAs Grundkonflikt läßt keine klare, bewußt gewollte Entscheidung zu. Er lebt sein Leben in einem Spannungsverhältnis, einer für ihn immer andauernden Zerreißprobe: Auf der einen Seite „Ehe und Märtyrertod“ auf der anderen „Zölibat und Selbstmord“ (T87).

Auf schmerzliche Weise löst die Krankheit dieses Dilemma.

KAFKAs Leben verlief unspektakulär und sein Werk blieb zu Lebzeiten nahezu unbekannt. Zu Weltruhm gelangte er erst in den vierziger und fünfziger Jahren.[2]

2.1 KAFKAs Ziele und über seine Wertigkeit des Schreibens

Trotz dieses aporetischen Dilemmas, trotz des ewigen Spannungsverhältnisses, welches unter Punkt 2 beschrieben wird, war sich KAFKA über seine Neigung selbst sehr klar.

„Alles, was sich nicht auf Literatur bezieht, hasse ich, es langweilt mich“.

(T 311 f.)

Er lebte für das Schreiben. Texte zu verfassen, seine Gedanken in eine Form von Erzählung zu bringen, ermöglichten ihm kaum, ein „normales“ Leben zu führen.

„ Der Sinn für die Darstellung meines traumhaften Lebens hat alles andere ins Nebensächliche gerückt und es ist in einer schrecklichen Weise verkümmert [...].

(T 420)

Es kann als Überlegung in den Raum gestellt werden, ob die Tatsache seines schriftstellerischen Talents die Ursache für das Verkümmern anderer war, oder ob die Problematik des Lebens, seine ganz persönlichen Probleme mit seinem Vater und mit den Frauen in seinem Leben, ihn in die Literatur flüchten ließen, wo er Halt fand.

„ Als es in meinem Organismus klar geworden war, dass das Schreiben die ergiebigste Richtung meines Wesens sei, drängte sich alles hin und ließ alle Fähigkeiten leer stehn, die sich auf die Freuden des Geschlechtes, des Essens, des Trinkens, des philosophischen Nachdenkens, der Musik zuallererst, richtete. Ich magerte nach allen diesen Richtungen ab.“ (T 229)

Und obwohl ihm das Schreiben von solcher Wichtigkeit, solcher starker Lebensinhalt war, dass man meinen könnte, er blühe darin auf, bedeutete es auch eine oft quälende Anstrengung, die ein Hinabtauchen ins Unbewußte nötig machte.

„Das Schreiben ist ein süßer wunderbarer Lohn, aber wofür? [...] Lohn für Teufelsdienst [...] Dieses Hinabgehen zu den dunklen Mächten, diese Entfesselung von Natur aus gebundener Geister, fragwürdige Umarmungen und was alles noch von unten vor sich gehen mag, von dem man oben nichts mehr weiß, wenn man im Sonnenlicht Geschichten schreibt.

(Br 384)

„Nur so kann geschrieben werden“, notierte KAFKA am 23. September 1912 , „ nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher vollständigen Öffnung des Leibes und der Seele.“

(T 293 f.)

[...]


[1] Hans H. HIEBEL: Franz Kafka. Materialien der Fernuniversität Hagen. 1998

[2] Hans H. HIEBEL: Franz Kafka. Materialien der Fernuniversität Hagen. 1998

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kafkas "In der Strafkolonie". Hintergründe und Entstehung des Textes
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Germanistik)
Veranstaltung
Der neue Mensch des 20 Jahrhunderts in Kunst und Literatur
Note
3
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V19445
ISBN (eBook)
9783638235761
ISBN (Buch)
9783656455745
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hintergründe, Entstehung, Textes, Strafkolonie, Franz, KAFKA, Hauptseminar, Mensch, Jahrhunderts, Kunst, Literatur
Arbeit zitieren
Kirsten Schmelzer (Autor), 2000, Kafkas "In der Strafkolonie". Hintergründe und Entstehung des Textes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19445

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