Das Lehrbuch ‚Mittelpunkt C1‘ erschien das erste Mal 2008 im Ernst Klett Verlag. Die Redaktion selbst bezeichnet dieses als den „Beginn einer neuen Lehrwerksgeneration“1 und begründet dies mit dem Verweis auf die Kannbeschreibungen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen.2 Diese Beschreibungen bestimmen alle in dem Lehrwerk enthaltenen Lehrziele und Inhalte in Orientierung an das Niveau C1. Damit soll ein transparenter Lernprozess gesichert und alle Ergebnisse international vergleichbar sein.3 Dabei geht das Lehrwerk über das bloße Sprachenlernen hinaus und verweist auf das Besondere einer neuen Kultur (in diesem Falle der deutschen Kultur) und die Wichtigkeit von affektiven Lernerfolgen (bei welchen die eigene Persönlichkeit mit eingebracht werden soll und dadurch eigene Werte und Vorstellungen berücksichtigt werden). Interessant ist, dass die Lerner4 mit den Aufgabenformaten der C1-Prüfung des Goethe-Instituts (vgl. „Goethe-Zertifikat C1“) vertraut gemacht werden. Darüber hinaus beinhaltet das Lehrwerk Aufgaben von TELC („telc Deutsch C1“), „TestDaF“ und „DSH“. Dabei verteilen sich solche prüfungsrelevanten Aufgaben über das gesamte Lehrbuch und die zusätzlichen Medien, die online zur Verfügung gestellt werden. ‚Mittelpunkt C1‘ richtet sich an den fortgeschrittenen Lerner, der das Sprachniveau C1 des Referenzrahmens erreichen möchte. Dabei wird das Lernalter 16+ (i.e. ab einem Alter von 16 Jahren ohne spätere Altersbegrenzung) empfohlen. Die Produktpalette der ‚Mittelpunkt‘-Reihe ist für Lernende und Lehrende sehr umfangreich. [...] Die Arbeit soll zeigen, ob die Altersgruppen spezifisch angesprochen werden und inwieweit das Lehrbuch an den Ansprüchen fortgeschrittener und erwachsener Lerner orientiert ist und diese auch umsetzen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Endogene Lernervariable ‚Alter‘
3. Lehrwerke und Lehrwerkentwicklung im DaF-Unterricht
4. Analyse ‚Mittelpunkt C1‘ – Wird ‚Mittelpunkt C1‘ seinen Anforderungen gerecht?
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das DaF-Lehrwerk „Mittelpunkt C1 – Deutsch als Fremdsprache für Fortgeschrittene“ im Hinblick auf seine Eignung für die Zielgruppe der Lernenden ab 16 Jahren unter besonderer Berücksichtigung der Lernervariable ‚Alter‘.
- Theoretische Grundlagen zum Zusammenhang zwischen Alter und Spracherwerb
- Kriterien für eine altersgerechte Lehrwerkentwicklung im DaF-Kontext
- Analyse des Lehrwerkkonzepts von „Mittelpunkt C1“
- Bewertung der Textsorten, Aufgabenformate und Fertigkeitsorientierung
- Prüfung der Eignung für die Zielgruppe der fortgeschrittenen Lerner
Auszug aus dem Buch
2. Endogene Lernervariable ‚Alter‘
Der Erwerb eine Primärsprache (i.e. Muttersprache) gehört zu den herausfordernsten intellektuellen Aufgaben, welche ein Mensch während seines Lebens bewältigen muss. Interessant hierbei ist, dass diese Aufgabe in den frühesten Jahren des Menschenlebens geschafft werden muss, wenn sich biologische, sozial-interaktive und kognitive Aspekte ebenfalls noch entwickeln. Der Zusammenhang zwischen Alter und Spracherwerb gehört mit zu den wichtigsten Forschungsgebieten der internationalen Spracherwerbsforschung. Dabei werden Fragen nach Unterschieden in der Schnelligkeit des Spracherwerbs, Prozessen, Kompetenzen, kritischen oder sensiblen Phasen und der Vermittlung beantwortet – zumindest wird nach Antworten gesucht, die empirisch belegt werden können. Ziel ist es, die dann ermittelten Altersunterschiede theoretisch zu erklären und Verbesserungen für den Sprachunterricht zu entwickeln. Doch besonders im Bereich ‚Deutsch als Fremdsprache‘ gibt es noch großen Nachholbedarf und bisher nur sehr wenig genau Erforschtes.
Was ist nun von Bedeutung für den Erwerb einer fremden Sprache, die nicht die Primärsprache ist? Zuerst einmal wirkt er sich zumeist positiv auf den Lerner aus, da er – biologisch gesehen – mit einem Prozess der Selbstentfaltung verbunden ist. Wird eine fremde Sprache noch vor dem dritten bzw. vierten Lebensjahr erlernt, ist es noch kein nachzeitiger Erwerb einer fremden Sprache, denn je früher eine fremde Sprache angeeignet wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die spezifischen neuronalen Vernetzungen herausbilden. Wird die Sprache nach dem dritten bzw. vierten Lebensjahr erworben, ist der Lerner umso mehr auf schon vorhandene Gehirnstrukturen angewiesen, die sich durch die Primärsprache etabliert haben. Die Fremdsprache muss also in die Vernetzungen der Primärsprache integriert werden. Aus diesem Grund ist der nachzeitige Spracherwerb ein partiell anderer Prozess und kann nicht mit dem sehr frühen Erwerb einer weiteren Sprache gleichgesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Lehrwerks „Mittelpunkt C1“ und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich der Eignung für die Zielgruppe ab 16 Jahren.
2. Endogene Lernervariable ‚Alter‘: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Spracherwerb in verschiedenen Lebensphasen und dessen Bedeutung für den Fremdsprachenunterricht.
3. Lehrwerke und Lehrwerkentwicklung im DaF-Unterricht: Erörterung allgemeiner Kriterien an moderne Lehrwerke sowie deren Rolle als kurstragendes Medium im Unterricht.
4. Analyse ‚Mittelpunkt C1‘ – Wird ‚Mittelpunkt C1‘ seinen Anforderungen gerecht?: Praktische Untersuchung des Lehrwerks hinsichtlich Struktur, Themenwahl, Aufgabenformaten, Textsorten und Berücksichtigung der Zielgruppenbedürfnisse.
5. Zusammenfassung: Abschließende Bewertung des Lehrwerks und Fazit über die Eignung für fortgeschrittene Lerner unter Berücksichtigung der altersbezogenen Faktoren.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, DaF, Mittelpunkt C1, Lernervariable, Alter, Spracherwerbsforschung, Lehrwerkentwicklung, Sprachniveau C1, Lernerautonomie, Didaktik, Fertigkeitentraining, Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen, Erwachsenenbildung, Fremdsprachenunterricht, Sprachkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des DaF-Lehrwerks „Mittelpunkt C1“ und prüft, ob dessen Konzeption den Anforderungen fortgeschrittener Lerner ab 16 Jahren gerecht wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bedeutung des Alters beim Spracherwerb, den allgemeinen Anforderungen an eine moderne Lehrwerkentwicklung und der detaillierten praktischen Untersuchung des „Mittelpunkt C1“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das Lehrwerk auf die spezifischen kognitiven Voraussetzungen und Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen auf dem Niveau C1 eingeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf theoretischen Erkenntnissen der Spracherwerbsforschung basiert und diese mit den Inhalten und methodischen Ansätzen des Lehrwerks abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Rolle des Alters beim Sprachenlernen sowie eine umfassende Analyse der Lehrwerkstruktur, der Texte, Hörverstehensübungen und der Grammatikvermittlung im Lehrbuch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Deutsch als Fremdsprache, Lehrwerkentwicklung, Spracherwerb, Lernervariable Alter, Sprachniveau C1 und didaktische Eignung.
Wie bewertet die Autorin die Texte im „Mittelpunkt C1“?
Die Texte werden als informativ, aktuell und authentisch eingestuft, wobei darauf hingewiesen wird, dass ihr Anspruchsniveau mit zunehmender Seitenzahl steigt, um die Lernenden adäquat auf das C1-Niveau vorzubereiten.
Welche Bedeutung haben die Hörtexte im Lehrwerk?
Die Hörtexte werden besonders gelobt, da sie eine große Vielfalt an Sprechern (inklusive Dialekten und Akzenten) bieten, was die Lerner sehr praxisnah auf reale Kommunikationssituationen im deutschsprachigen Raum vorbereitet.
- Quote paper
- Jana Spiegelhauer (Author), 2011, Analyse des DaF-Lehrbuches „Mittelpunkt C1 – Deutsch als Fremdsprache für Fortgeschrittene“ anhand der Lernervariable ‚Alter‘, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194492