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Moskaus langer Arm - Stalin und der Kommunismus in Polen

Title: Moskaus langer Arm - Stalin und der Kommunismus in Polen

Bachelor Thesis , 2010 , 33 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Markus Bingel (Author)

History of Europe - European Postwar Period
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Das stalinistische System, welches seit Ende des Zweiten Weltkrieges mit der Hilfe Moskaus in vielen Staaten Osteuropas etabliert wurde, fand auch in Polen seinen Niederschlag. In der Polnischen Arbeiterpartei (PPR-Polska Partia Robotnycza) zeichnete sich sehr bald ein Konflikt zwischen den in Moskau ausgebildeten Kommunisten um Boleslaw Bierut und den sogenannten „Heimatkommunisten“ um Wladyslaw Gomulka ab. Zahlreiche polnische Publikation der letzten zehn Jahre werfen ein neues Licht auf den Machtkampf in der Parteispitze der PPR bzw. der späteren PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnikow- Vereinigte Polnische Arbeiterpartei). Sie beleuchten die Vorgänge nicht in Bezug auf die internationalen Geschehnisse, sondern konzentrieren sich auf Strukturen und Säuberungen innerhalb der PZPR. Diese im Detail sehr genauen Untersuchungen konzentrieren sich beinahe ausnahmslos auf die Ereignisse in Polen, ohne Berücksichtigung der internationalen Entwicklung in Osteuropa. Ziel der Arbeit ist es, zu klären, ob die Vorgänge in Polen ausschlaggebend für die Ablösung Gomulkas und dessen Verurteilung waren, oder ob der Machtkampf in der PZPR nicht vielmehr vor einem internationalen Hintergrund betrachtet werden muss. Hierzu werden in dieser Arbeit die Ereignisse in Osteuropa nach dem zweiten Weltkrieg genauer betrachtet und in die Sowjetisierungsdiskussion eingeordnet. Anschließend erfolgt eine genaue Darstellung der polnischen Positionen zum Machtkampf zwischen Gomulka und Bierut (inklusive einer ausführlichen Darstellung des polnischen Sicherheits- und Geheimdienstapparates), bevor im letzten Teil der Arbeit der Versuch gewagt wird, die Vorgehensweise in Polen im internationalen Kontext zu betrachten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

„Sowjetisierung oder „Nationaler Weg zum Sozialismus“? Einige einleitende Bemerkungen

Anmerkungen zum Begriff der Sowjetisierung

Einordnung in den Forschungsstand

Heimatkommunisten oder Moskowiter? Die Frage nach der politischen Vorherrschaft innerhalb der PPR/PZPR

a) Die Anfänge der PPR und die schwierige Führungsfrage

b) Die Aufteilung Europas in Interessensphären

c) Die Ausschaltung der Londoner Exilregierung und der Opposition um Mikołajczyk

d) Der Kampf gegen Gomułka vor dem Hintergrund der Entwicklung in Jugoslawien

e) Gomułkas politische Positionen und deren Abweichung von der Linie Bieruts/Stalins

f) Die Ausschaltung Gomułkas

Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg ein „Nationaler Weg zum Sozialismus“ unter der Führung von Władysław Gomułka realisierbar gewesen wäre oder ob die geopolitischen Rahmenbedingungen sowie die stalinistische Einflussnahme eine solche Entwicklung von vornherein ausschlossen.

  • Analyse des Begriffs der Sowjetisierung im osteuropäischen Kontext.
  • Untersuchung des Machtkampfes zwischen „Heimatkommunisten“ und „Moskowitern“ innerhalb der PPR/PZPR.
  • Bewertung der Rolle der Exilregierung und der Opposition unter Mikołajczyk.
  • Einfluss der stalinistischen Außenpolitik und der Jugoslawien-Krise auf die polnische Parteipolitik.
  • Untersuchung der Mechanismen, die zur Entmachtung Gomułkas und zur Etablierung des stalinistischen Systems führten.

Auszug aus dem Buch

Heimatkommunisten oder Moskowiter? Die Frage nach der politischen Vorherrschaft innerhalb der PPR/PZPR

So unterschiedlich sich der Ablauf der kommunistischen Machterlangung in den Staaten des Einflussgebiets der Sowjetunion vollzog, so kann man dennoch von einem gewissen Grundmuster bzw. einem groben Schema ausgehen, nach welchem sich die Machterlangung der kommunistischen Parteien in Osteuropa vollzog. Am Ende dieses Prozesses waren Anfang der 1950er Jahre in Rumänien, Bulgarien, Albanien, Ungarn, der Tschechoslowakei, der DDR und in Polen Einparteienherrschaften errichtet worden, die praktisch über keine Opposition verfügten. Jugoslawien stellt in dieser Entwicklung in mehrerlei Hinsicht einen Sonderfall dar, welcher im Verlauf dieser Arbeit auch in Bezug auf die Ausschaltung der Heimatkommunisten um Gomulka noch von Bedeutung sein wird.

Im nächsten Abschnitt Soll die Entwicklung der PPR/PZPR in Polen genauer betrachtet werden, stets in Bezug auf den Konflikt zwischen den Heimatkommunisten und den Moskowitern.

Zusammenfassung der Kapitel

„Sowjetisierung oder „Nationaler Weg zum Sozialismus“? Einige einleitende Bemerkungen: Einführung in die Thematik anhand des Schicksals von Władysław Gomułka und Definition des Forschungsfeldes.

Anmerkungen zum Begriff der Sowjetisierung: Theoretische Auseinandersetzung mit der Begrifflichkeit und Eingrenzung auf die politische Komponente.

Einordnung in den Forschungsstand: Überblick über die wissenschaftliche Debatte und die Bedeutung neuerer Archivöffnungen.

Heimatkommunisten oder Moskowiter? Die Frage nach der politischen Vorherrschaft innerhalb der PPR/PZPR: Analyse des Machtkampfes und der strukturellen Abhängigkeiten unter stalinistischem Einfluss.

a) Die Anfänge der PPR und die schwierige Führungsfrage: Darstellung der Parteientstehung und der bewussten Übergehung sowjetischer Vorgaben durch polnische Kommunisten.

b) Die Aufteilung Europas in Interessensphären: Geopolitische Einordnung Polens im Kontext der Konferenzen von Jalta und Potsdam.

c) Die Ausschaltung der Londoner Exilregierung und der Opposition um Mikołajczyk: Analyse der politischen Strategien zur Marginalisierung nicht-kommunistischer Kräfte.

d) Der Kampf gegen Gomułka vor dem Hintergrund der Entwicklung in Jugoslawien: Untersuchung der Auswirkungen des Bruchs zwischen Stalin und Tito auf die polnische Führung.

e) Gomułkas politische Positionen und deren Abweichung von der Linie Bieruts/Stalins: Gegenüberstellung der divergierenden politischen Visionen von Gomułka und den Moskowitern.

f) Die Ausschaltung Gomułkas: Beschreibung der schrittweisen Entmachtung und der Rolle des Sicherheitsapparates.

Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Abwägung, warum ein polnischer Sonderweg trotz Ansätzen aufgrund der geostrategischen Lage unmöglich war.

Schlüsselwörter

Sowjetisierung, Nationaler Weg zum Sozialismus, PPR, PZPR, Władysław Gomułka, Bolesłav Bierut, Stalinismus, Heimatkommunisten, Moskowiter, Kominform, Mikołajczyk, Machtkampf, Ostblock, Geopolitik, Sicherheitsapparat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob es in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg Möglichkeiten für eine eigenständige politische Entwicklung gab oder ob die Sowjetisierung unausweichlich war.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen der Machtkampf innerhalb der polnischen kommunistischen Partei zwischen national orientierten Kräften und moskautreuen Akteuren sowie der Einfluss Stalins auf diese internen Prozesse.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob ein „Nationaler Weg zum Sozialismus“ unter Gomułka hätte erfolgreich sein können oder ob geopolitische Bedingungen dies von Anfang an verhinderten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung von Fachliteratur sowie zeitgenössischen Quellen und Biografien basiert, um Ereignisse chronologisch und politisch einzuordnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der PPR, die Verdrängung der Exil-Opposition, den Einfluss der Jugoslawien-Krise auf Polen und die schrittweise Ausschaltung Gomułkas durch den stalinistischen Sicherheitsapparat.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Sowjetisierung, Gomułka, Bierut, PPR, Heimatkommunisten und Moskowiter.

Wie unterschied sich die Situation Gomułkas von der Titos?

Während Tito durch seine Partisanenbewegung eine eigenständige Machtbasis hatte und sich Stalin widersetzen konnte, fehlte Gomułka eine solche militärische Rückendeckung, wodurch er politisch angreifbarer war.

Welche Rolle spielte das MBP bei der Entmachtung Gomułkas?

Das Ministerium für öffentliche Sicherheit (MBP) diente als Werkzeug der Moskowiter, um Beweise gegen Gomułka zu konstruieren und die Partei durch Überwachung und Verfolgung auf die Linie Stalins zu bringen.

Warum konnte Gomułka trotz seiner politischen Absetzung zunächst nicht hingerichtet werden?

Obwohl es in anderen Ländern zu Schauprozessen und Hinrichtungen kam, fehlte es in Polen an belastbaren Beweisen gegen Gomułka, die vor der Öffentlichkeit als rechtmäßig hätten präsentiert werden können.

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Details

Title
Moskaus langer Arm - Stalin und der Kommunismus in Polen
College
Bielefeld University  (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Abteilung Geschichtswissenschaft)
Course
Stalinismus
Grade
2,0
Author
Markus Bingel (Author)
Publication Year
2010
Pages
33
Catalog Number
V194535
ISBN (eBook)
9783656196839
ISBN (Book)
9783656200321
Language
German
Tags
Sowjetisierung Stalin Boleslaw Bierut Wladyslaw Gomulka PPR PZPR Stalinismus Polen Sozialismus Nachkriegszeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Bingel (Author), 2010, Moskaus langer Arm - Stalin und der Kommunismus in Polen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194535
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