Sigmund Freud und Erik Erikson sind hierbei zwei der bedeutendsten Theoretiker des vergangenen Jahrhunderts, die sich mit dem Prozess der Identitätsbildung bzw. der Frage nach dem Ich beschäftigt haben1. Freud gilt als der Begründer der Psychoanalyse, einer der zwei großen Forschungsrichtungen neben dem amerikanischen Pragmatismus, die sich als erste mit diesem wissenschaftlichen Feld der Identitätsforschung auseinander gesetzt haben.2 Auch wenn Freud selber sich nur indirekt damit beschäftigt und den Begriff der „Identität“ nur ein einziges Mal verwendete, so ist sein Konzept des „Es, Ich und Über-Ich“ eine „große Errungenschaft auf dem Gebiet der Identitätsforschung“ und bildet als Theorie der Struktur der Psyche mit seinem Werk über die psychosexuelle Entwicklung des Menschen gleichermaßen eine wissenschaftliche Vorarbeit für andere Identitätsforscher wie zum Beispiel sein Schüler Erik Erikson.3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sigmund Freuds Strukturmodell der Psyche und sein Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung
3. Erik Eriksons Begriff der Identität und das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung
3.1 Erikson: Bedeutung der Adolenszensphase für die Bildung einer Identität
4. Sigmund Freud und Erik Erikson: Ein Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Identitätstheorien von Sigmund Freud und Erik Erikson. Dabei liegt der Fokus auf der Gegenüberstellung von Freuds psychosexuellem Entwicklungsmodell und Eriksons psychosozialem Stufenmodell, um den Einfluss von Freuds psychoanalytischem Ansatz auf die Entwicklung der Identitätstheorie bei Erikson sowie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.
- Strukturmodell der menschlichen Psyche nach Freud
- Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung
- Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung
- Bedeutung der Adoleszenz für die Identitätsbildung
- Interaktionistische Perspektive der Identitätsforschung
Auszug aus dem Buch
3.1 Erikson: Bedeutung der Adolenszensphase für die Bildung einer Identität
Innerhalb dieses Prozesses der lebenslangen Identitätsbildung schrieb Erikson der fünften Stufe, der Adoleszenzphase, eine besondere Bedeutung zu. Die Adoleszenz ist insofern für Erikson entscheidend, als dass in dieser Phase, im Übergang von der Kindheit hin zum Erwachsenenalter, ein Rahmen für eine innere Identität geschaffen wird. Der Jugendliche verlässt hier allmählich die primären und gemeinschaftlichen Beziehungsgeflechte, wie die Familie, und bereitet sich auf gesellschaftliche Beziehungen vor. Durch Rollenexperimente und Phasen des Ausprobierens sucht der Jugendliche nach seinem Platz innerhalb der Gesellschaft und versucht, seine eigene Identität herauszubilden: „Dadurch gewinnt der junge Erwachsene das sichere Gefühl innerer und sozialer Kontinuität, das die Brücke zwischen dem, was er als Kind war, und dem, was er nunmehr im Begriff ist zu werden: eine Brücke, die zugleich das Bild, in dem er sich selber wahrnimmt, mit dem Bilde verbindet, unter dem er von seiner Gruppe, seiner Sozialität erkannt wird.“
Eben diese fünfte und bedeutende Stufe der Adoleszenz beginnt mit der Pubertät und endet ca. mit dem 18- 21 Lebensjahr. In der Adolenszenzphase gilt also, mittels all der gesammelten Erfahrungen aus den vorherigen vier absolvierten Phasen, sein gesamtes Wissen über sich selbst und die Welt zusammenzufügen, sein eigenes Selbstbild zu entwickeln und seine soziale Rolle innerhalb der Gesellschaft zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Identitätsforschung ein und stellt die theoretische Bedeutung von Freud und Erikson als Begründer sowie Weiterentwickler der Psychoanalyse dar.
2. Sigmund Freuds Strukturmodell der Psyche und sein Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung: Dieses Kapitel erläutert Freuds Instanzenmodell (Es, Ich, Über-Ich) sowie sein Phasenmodell, das die menschliche Entwicklung primär durch den Sexualtrieb und frühkindliche Prägungen erklärt.
3. Erik Eriksons Begriff der Identität und das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung: Das Kapitel stellt Eriksons epigenetisches Prinzip und sein achtstufiges Modell vor, das die Entwicklung als lebenslangen Prozess in Interaktion mit der Umwelt betrachtet.
3.1 Erikson: Bedeutung der Adolenszensphase für die Bildung einer Identität: Hier wird fokussiert auf die Adoleszenz als kritische Übergangsphase eingegangen, in der die Ich-Identität durch soziale Rollenexperimente und die Abgrenzung von der Kindheit geformt wird.
4. Sigmund Freud und Erik Erikson: Ein Vergleich: Der Vergleich arbeitet die Unterschiede in der Gewichtung von Triebtheorie (Freud) gegenüber sozio-kulturellen Faktoren (Erikson) heraus und zeigt auf, wie Erikson Freuds Theorien adaptierte und erweiterte.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Erikson Freuds Modell zwar als Grundlage nutzte, dieses jedoch durch eine interaktionistische und lebenslange Perspektive maßgeblich erweiterte.
Schlüsselwörter
Identitätsbildung, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Erik Erikson, psychosexuelle Entwicklung, psychosoziale Entwicklung, Ich-Identität, Adoleszenz, Stufenmodell, Triebtheorie, Sozialisation, Identitätsdiffusion, Epigenetisches Prinzip, Rollenidentität, Entwicklungspsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Identitätsbildung durch die Theoretiker Sigmund Freud und Erik Erikson.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Struktur der Psyche, Phasenmodelle der menschlichen Entwicklung sowie die Bedeutung sozialer Faktoren für die Identitätsfindung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Freuds psychosexuellem Modell und Eriksons psychosozialem Ansatz aufzuzeigen und den Einfluss Freuds auf Erikson zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und dem vergleichenden Studium psychoanalytischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Strukturmodelle beider Denker, Eriksons Stufenmodell im Detail, die spezifische Bedeutung der Adoleszenz sowie einen direkten Vergleich ihrer Lehren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Identitätsbildung, Psychoanalyse, psychosexuelle Entwicklung, psychosoziale Entwicklung, Ich-Identität und Adoleszenz.
Warum ist die Adoleszenz laut Erikson so bedeutend?
Sie gilt als kritische Phase des Übergangs, in der Jugendliche durch Rollenexperimente ihre eigene Identität festigen und eine Brücke zwischen ihrer Vergangenheit und ihrer zukünftigen sozialen Rolle schlagen.
Wie unterscheidet sich Eriksons Identitätsbegriff von der klassischen Psychoanalyse?
Im Gegensatz zu Freud sieht Erikson Identitätsbildung nicht als in der Kindheit abgeschlossen, sondern als lebenslangen Dialog zwischen dem Individuum und seiner sozialen Umwelt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2011, Identitätstheorie bei Erikson und Freud, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194869