Gottfried von Straßburgs Tristan: Allegorie der Minnegrotte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

24 Seiten, Note: 9


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aufbau und Wichtigkeit der Minnegrottenepisode

3. Gottfrieds Minnegrottenallegorie
3.1. Wunschleben
3.2. Vergleich zu Thomas und autobiographischer Exkurs I
3.3. Gottfrieds Auslegung
3.4. Autobiographischer Exkurs II

4. Minnegrottenallegorie in der Forschung
4.1. Locus amoenus
4.2. ÄEin Versuch zur Psychologie der Liebe“
4.3. Die ÄMinnegrotte als begrenzte Utopie“
4.4. Kritik an höfischer Kultur und Allegorie des Liebesaktes
4.5. Literarische Deutung
4.6. Kirchenallegorie

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Minnegrotte erleben Tristan und Isolde den Höhepunkt ihrer Liebe. Anders als vorherige Erzähler der Legende, widmet sich Gottfried von Straßburg dem Liebesort ganz besonders, indem er den einzelnen Grottenelementen allegorische Bedeutungen, spezielle Eigenschaften der Minne, zuschreibt.1 Durch das umfangreiche Elaborat des deutschen Tristanautors erlangt die Minnegrottenepisode einen vornehmlichen Stellenwert im Roman und in der Literaturforschung. Die ergiebige Arbeit Gottfrieds bewegt viele Literaturwissenschaftler dazu, der Minnegrottenallegorie besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Das Bestreben ihr gerecht zu werden2, ist in einer Sammlung von verschiedenen teils unvereinbaren Auslegungen der Minnegrottenal- legorie resultiert.

Diese Arbeit schneidet einen Bruchteil dieser unterschiedlichen Deutungsansätze an. Nach einer Beschreibung des Aufbaus und der Wichtigkeit der Minnegrottenepisode, folgt eine Erklärung der Allegorie Gottfrieds und ihre Auslegung in einzelnen Theorien. Meine Schlussbetrachtung ist eine Beurteilung der Übereinstimmung von Gottfrieds Minnegrottenallegorie mit den erläuterten Forschungen darüber.

2. Aufbau und Wichtigkeit der Minnegrottenepisode

Aufgrund ihrer Verbannung vom Hof begeben sich Tristan und Isolde in Begleitung von Kurvenal auf einen langen Weg (V. 16678- 16702)3 zur Minnegrotte. Nach ihrer Ankunft wird zunächst die Minnegrotte detailliert beschrieben (V. 16703-16729), darauf folgen die Beschreibungen des Lustortes (V. 16730- 16760) und der Wildnis (V. 16761-16766). In den Versen 16773 bis 16806 verabschieden sich die Liebenden von Kurvenal, der mit dem Auftrag eine Aussöhnungsmöglichkeit mit Marke zu fin- den, wieder zurück an den Hof kehrt. In den Versen 16807 bis 16908 schildert Gott- fried Tristan und Isoldes wunschleben (V. 16846, 16872), das Speise- und Gesell- schaftswunder. Auf die Glaubwürdigkeit des Speisewunders geht er in seinem ersten autobiographischen Exkurs (V. 16909-16922) ein. Dieser und der zweite autobiogra- phische Exkurs (V. 17100-17138) umrahmen die Allegorese der zuvor beschriebenen Grotte und Wildnis (V. 16928-17099). Die letzten Verse der Minnegrottenszene be- schreiben das wunschleben (V. 16846, 16872) am Lustort, in der Minnegrotte und in der Wildnis (V. 17139-17274).1

Nach dieser Gliederung hat die Minnegrottenszene eine ÄZentralkomposition“2, in deren Mitte die allegorische Auslegung der Grotte und um sie herum die auktorialen Erzählungen sind. Den äußeren Rahmen darum bildet das wunschleben (V. 16846, 16872), das mittels zusammenhängender Naturbeschreibungen mit den andere Kompositionselementen verbunden ist.3

Die Ärhythmisch[e] Wiederholung“4, Ädas wohldurchdachte Neben- und Ineinander von Beschreibung und Erklärung, Einschub und Wiederanknüpfung, ›persönlichem‹ Kommentar und Handlungsfortführung, der kompositorische Aufwand und die rheto- rische Virtuosität“5 zeigen, dass Gottfried die Szene sehr gut durchdacht hat. Sowohl die inhaltliche Bedeutung, als auch der Umfang der Minnegrottenepisode zeigt ihre Wichtigkeit. Sie umfasst über 1100 Verse (V. 16621-17722), welches ein Achtel der Liebesgeschichte Tristan und Isoldes ab dem Minnetrank ausmacht.6

Vom Aufbruch der drei, V. 16660, bis zu Markes Rückkehr von der Jagd, V. 17658, sind es genau 999 Verse, es fehlt also gerade ein Vers zur Tausend! Da die Tausend auch die beatitudo aeterna symbolisiert, wäre es denkbar, daß Gottfried durch diese fast perfekte Tausend andeuten wollte, daß die Minnegrotte noch nicht das Endgültige darstellte, ihm aber ganz nahe kam.7

Allein zur Ausdeutung der Grotte dichtet Gottfried mehr als 200 Verse8, denn sie ist der einzige Ort, wo die Liebe zwischen Tristan und Isolde sich ungehindert ausleben darf; […] wo die Realität des Hofes, wo die beengenden Konventionen der Gesellschaft außer Kraft ge- setzt sind [und wo] die Vorstellung von einem utopischen Minneideal konkretisiert [ist].9

3. Gottfrieds Minnegrottenallegorie

3.1. Wunschleben

Eine bildliche Vorstellung des Wunschlebens, das Tristan und Isolde erwartet, be- kommen wir dank Gottfrieds anschaulicher Beschreibung der Grotte und des Lustor- tes. Nach der Verabschiedung Kurvenals sind sie nun nur ein und ein (V. 16853) und brauchen nichts außer sich, nicht einmal Nahrung. Denn si sâhen beide ein ander an, / dâ generten sȋ sich van. der wuocher, den daz ouge bar, / daz was ir zweier lipnar. / si enâzen niht dar inne / wan muot unde minne. (V. 16815- 16820). ÄDie Metapher von Liebe als Speise schillert.“1 Gottfried stellt Minne als Kraftspender und Erfüller aller Bedürfnisse dar.2 Diese Genügsamkeit ist ein uraltes Märchenmotiv, doch bei Gottfried ist sie nicht bloß als ein Märchengegenstand zu deuten.

In den mittelalterlichen P a r a d i e s schilderungen nun tritt die ´satietas sine fame`Formel häufig auf, wenn etwa in Predigten die Freuden des Himmels ausgemalt werden. Wo aber Gottfrieds Minnegrottendarstellung so viele Züge aufweist, die an die Topik dieser theologischen Paradiesvorstellungen erinnern, dünkt es sehr wahrscheinlich zu sein, daß auch das Motiv des Speisewunders vor allem eine Atmosphäre erwecken soll, die das wirkliche Paradies vergegenwärtigt.3

Das Speisewunder macht sichtbar, dass ihre Liebe ihnen alles gibt, des man ze wunschlebene hât (V. 16846). Gleichermaßen erscheint ihnen die Einsamkeit in der Minnegrotte nicht als Mangel. Ganz im Gegenteil wäre Ädie Vollkommenheit ihrer geraden Zahl, der Zweiheit, […] durch einen Dritten nur zerstört worden“4. Bis zu Beginn dieser Zweiheit schafft die Begleitung durch Kurvenal den ÄBezug auf die heilige Dreifaltigkeit: sus kerten si driu under in (16 679) - man beachte, daß jedes der d r e i letzten Worte dieses einen Verses einen Iktus trägt!“5 In der Minnegrotte jedoch brauchen Tristan und Isolde keine fremde Hilfe mehr zur Verwirklichung ihrer Liebe6, daher soll Kurvenal ihnen durch seine vermittelnde Rolle auf dem Hof helfen. Im lieblichen Tal (V. 17353) ist die Einheit der Liebenden sȏ herehaft (V. 16860), dass sie Ädie glänzende Festgesellschaft am Artushof“7 ersetzt. Als Ä´Denkmodell` für höchstes weltliches Glück kann für den mittelalterlichen Men- schen am besten die sozial definierte Hoffreude in der Tafelrunde des König Artus fungieren“1. Zwar wird diese Freude von dem Minneglück in der Grotte übertroffen, aber die Abwesenheit der Zuwendung von Dritten wird ausdrücklich bemerkt und wirft einen Schatten auf ihr Glück2: sine haeten umbe ein bezzer leben / niht eine bȏne gegeben / wan eine umbe ir ȇre (V. 16875-16877). Anstelle der Artusgesell- schaft haben Tristan und Isolde ihren dienenden Hof, die Natur und die Vögel:

ir staetez ingesinde

daz was diu grüene linde,

der schate und dui sunne,

dui riviere unde der brunne,

bluomen, gras, loup unde bluot,

daz in den ougen sanfte tuot.

ir dienest was der vogele schal,

dui cleine reine nahtegal,

dui troschel unde daz merlȋn

und ander waltvogelȋn. (V. 16881-16890)

Zudem ist Ädie Minne der Liebenden selbst ´ihre Hochzeit, ihr Goldglanz über ihren Freuden` (v. 16896f.) […] Aber die Kategorie ´Ehre` kann die Natur allein nicht einbringen.“3 Das Gesellschaftswunder ist somit nur ein zeitlich begrenztes Wunder, denn am Ende ist es das fehlende gesellschaftliche Ansehen, das die Liebenden ihr Wunschleben verlassen lässt.

Zuvor genießen sie aber noch die Zeit dort, indem sie in der Natur beim süezen vo- gelsange (V. 17156) spazieren gehen, sich Liebesgeschichten erzählen und musizie- ren. Die ÄSehnsuchtsmären“ sind von Phyllis und Kanake, von Byblis und Dido, die in früherer Zeit aus Liebe gestorben sind.4 Sie verdammen die Fälle von Inzest und staatsgefährdender Liaison nicht, sondern entgegnen diesen mit Sympathie.5 Um diese traurigen Erzählungen zu vergessen, widmen sie sich dann dem Harfenspiel und Gesang.

Die Töne der Stimme und der Harfe klingen in der Grotte so lieblich ineinander, wie es -als ein tönendes Symbol der Liebesvereinigung- ihrem Namen entspricht, jenem Namen, der die la fossiure a la gent amant (V. 17224) zu einer Klause der süßen Min- ne weihte.6

Nur mit dem, was ihre Herzen begehrt, beschäftigen sie sich. Auch das Reiten oder Jagen mit ihrem Hund Hüdan gehören dazu. Ganz ausdrücklich betont Gottfried hier wieder, dass die Jagd nicht zur Nahrungssuche dient, was einen Kontrast zur Jagd Markes erzeugt1, sondern durch ir herzen gelust / und durch ir banekȋe (V. 17268/69).

3.2. Vergleich zu Thomas und autobiographischer Exkurs I

Das Speisewunder scheint eine wichtige Rolle in Gottfrieds Minnegrottenszene ein- zunehmen. Im Gegensatz zu Thomas geht er, außer in der ausführlichen Erklärung von Vers 16807 bis 16846, in der oben genannten Stelle zum Jagdmotiv (V. 17270) und erneut in seinem ersten kurzen autobiographischen Exkurs darauf ein (V. 16909- 16922).

Der Grundgedanke vom Speisewunder stammt zwar von Thomas: ÄSie hatten nicht Wein noch altes Bier, noch aßen sie gute Speise; sie hatten alles, was sie wollten nach Wunsch; aus Liebe schaute eines das andere an, keins von ihnen konnte sich des anderen ersättigen“, doch er bezeichnet damit lediglich die Unwichtigkeit der leiblichen Nahrung neben der wahren sättigenden Liebe und erzählt sogar offen, dass Tristan sich und Isolde von der Jagd ernährt habe.2

Im Gegensatz dazu besteht Gottfried darauf, uns von der Wahrhaftigkeit des Speisewunders zu überzeugen. Er habe auch irgendwann einmal auf diese Weise gelebt und es schien ihm ausreichend (V. 16920 ff.). Ein Skeptiker, der meint, eine bessere Nahrung als Liebe zu kennen, der jehe, als er´z erkenne (V. 16919). Mit Äich weiß es besser“3 führt RANKE an dieser Stelle sogar Gottfrieds Worte fort. Gottfried begnügt sich nicht einfach mit der Begründung seiner eigenen Erfahrung für das Speisewunder, sondern schließt als weiteren Beweis Ädie große Grottenallegorie an, deren Wahrheit dann wiederum durch einen, nun verstärkten, autobiographischen Exkurs erhärtet wird, V. 17100-17138.“4

Eine andere Abweichung von der Vorlage Thomas` ist die Grottenallegorie Gott- frieds. Selbst die Minnegrottenbeschreibung ist in großen Teilen vom deutschen Dichter ergänzt worden. Laut PIQUET enthält bloß Vers 16703-16706 die Beschrei- bungen von Thomas, die restlichen Verse 16707-16729 sind Gottfrieds Werk5: der kronenförmige, mit Edelsteinen ausgelegte Schlussstein des Gewölbes, der grüne Marmor des Bodens, das Kristallbett, die Fensterchen und die eherne Tür. Folglich existiert die Allegorie der Minnegrotte in der Thomas Fassung überhaupt nicht. ÄSie ist Gottfrieds eigene Erfindung.“1

Bemerkenswert ist RANKEs Feststellung, dass für den weiteren Handlungsverlauf, für die Entdeckung, nur die Fenster und das Grottentor erforderlich sind. Den Marmorestrich und vielleicht auch die verzierte Krone wären möglicherweise zur eindrucksvollen Veranschaulichungsweise des Äpalais féerique“ vorstellbar, aber mit dem Bett in der Mitte der Grotte ȗz cristallȋnem steine / hȏch unde wȋt, wol ȗf erhaben, / alumbe ergraben mit buochstaben, / und seiten ouch die maere, / daz ez bemeinet waere / der gottinne Minne (V. 16718-16723) muss Gottfried gewiss eine weitere Absicht verfolgt haben, nämlich dessen Auslegung.2

3.3. Gottfrieds Auslegung

Gottfried lenkt besondere Aufmerksamkeit auf seine Grottenallegorie, indem er sie durch die Worte ÄNun laßt euch die Mühe nicht verdrießen, euch eröffnen zu lassen, was es zu bedeuten hatte, daß die Grotte so eingerichtet war, wie ich es erzählt ha- be“3 einleitet. Sein Vorgehen bei der Darstellung der Allegorie ist Äschulgerecht zweigeteilt“: Am Anfang stellt er den Grottenbau in der Äamoenen Umgebung“ dar und danach entziffert er die Ämeine, die Bedeutung der Eigenschaften, mit dem gat- tungstypischen sprachlichen Signal der Allegorie daz ist, er nennt also die übertrage- ne Bedeutung, der die architektonischen Details erst ihre Existenz verdanken.“4 So erfahren wir nun Schritt für Schritt den tieferen Sinn der vorangehenden detaillierten Beschreibung der Grotte.5

Die Rundung der Grotte symbolisiert die Einfachheit der Liebe, sie soll ohne winkel (V. 16934), ohne Betrug und Tücke sein. Die Weite bedeutet die grenzenlose Kraft der Liebe (V. 16937). Die Höhe der Minnegrotte steht für die Hochstimmung des Gemüts, die zu den Wolken aufsteigt. Nichts ist ihr zu viel solange sie zur Gipfel- krone emporsteigen will, wo die tugende (V. 16943) abgebildet ist, und schouwen oben an daz werc (V. 16954). Nach HUBER meint daz werc Ädas Kunstwerk des Steins, verweisend auf das Leben der Vorbilder“6. Tristan und Isolde streben nämlich nicht nach einem abstrakten Ideal, sondern nach Vorbildern der Minne, die sie nach oben führen1 (V. 16955-16962). Diese vorbildliche Minne verlangt Vollkommenheit, Lauterkeit und Reinheit, die durch nichts besser gefasst werden kann als die weiße, glatte und ebene Wand.2 Der grüne Marmorboden steht für die Beständigkeit in sei- ner ewig grünen Festigkeit (V. 16971). Das Kristallbett trägt seinen Namen zur Ver- körperung der kristallklaren, durchsichtigen Liebe (V. 16977-16984) und in ihm Äschneiden sich Vertikale und Horizontale, die seelisch-geistige und die leibliche Dimension“3.

Der Gang zum Kristallbett ist versperrt durch das Grottentor, doch nicht durch ein Schloss oder einen Schlüssel, da es von außen nicht zu öffnen ist, ohne dass man von innen hineingelassen wird. Ä[D]ie Tür selber ist die Treue; sie ist von Erz, denn sie widersteht allen Angriffen der Gewalt, der List und der Lüge und ist nur durch Min- ne zu erobern.“4 Innen befinden sich zwei Riegel aus Zedernholz und Elfenbein. Beide haben Bedeutungen in der Liebe und sind Materialien des Hohenliedes5: das erste symbolisiert Weisheit und Verstand und das zweite Keuschheit und Reinheit. Die verborgene Klinke ist ein Schloss aus Gold mit einem Stift aus Zinn. ÄDas Zinn versinnbildlicht das ständige Streben nach dem Geheimnis der Liebe. Das Gold be- zeichnet die Erfüllung“ (V. 17040/41). Die wahre Minne schafft es ze guldȋner linge (V. 17056). Die drei Fenster der Liebesgrotte sind Güte, Demut und Zucht. Durch diese drei strahlt die Sonne, das heißt die Ehre, hinein und erleuchtet die Höhle mit Glück.

Doch der Weg zur Minnegrotte ist mühselig und schwer, denn sie liegt nicht im Freien, sondern verborgen in dirre wüesten wilde (V. 17073) und ist versperrt mit Felsbrocken. Wer aber ohne einen falschen Schritt in die Wildnis gelangt, der vindet dȃ des herzen spil (V. 17095) und möchte gar nicht woanders sein. Dass Tristan und Isolde fast ohne Mühe Ägradewegs“ die Grotte erreichen (V. 16679ff., 16761ff.), begründet TAX damit, dass ihr ganzer bisheriger Weg und ihr Leben auf dem Hof die vorausgesetzte Mühe zur Minnegrotte darstellen.6 Gottfrieds Allegorese der Minnegrotte ist abgesehen von den ÄAusführungen im Prolog der einzige Minneexkurs, in dem ein ethisches Gesamtmodell der Tristanliebe geboten wird.“1 Diesbezüglich macht WOLF darauf aufmerksam, dass die Allegorie Änicht als bloßer Exkurs zu sehen“ ist, sondern Äwohlberechnet an einem bestimmten Punkt der Erzählung steht […und] vor allem die Aufgabe [hat], die an der weltabgeschiedenen Zweisamkeit Tristans und Isoldes sich offenbarende Minnekonzeption zu rechtfertigen“2, indem er die Grotte, ihre einzelnen Bestandteile und den Weg dahin auf die Eigenschaften der makellosen Liebe ausdeutet.3

3.4. Autobiographischer Exkurs II

Im anschließenden Abschnitt bekräftigt Gottfried Ädie Verbindlichkeit des Minne- konzeptes unter Hinweis auf eigene Erfahrungen“4. Ausgehend von dem autobiogra- phischen Hinweis: Diz weiz ich wol, wan ich was dȃ (V. 17100), geht er wiederholt auf das Speisewunder (V.17101-17109) und dann auf die Grottenallegorie (V. 17110-17135) ein.5 Die Klinke und den Stift der Tür und das Kristallbett hat er selbst gesehen. Auf dem Bett hat er zwar nie geruht, aber den Marmorfußboden hat er Äzer- treten“ (V.17119). Die Gewölbekrone mit ihrem Schmuck und die sunnebernde vensterlȋn (V. 17133) haben ihm in sein Herz geleuchtet. Doch schlussendlich sind seine Mühen glücklos (ȃne ȃventiure (V. 17109)) und er gelangt nicht Äans Ziel des Seelenaufstiegs“6.

[D]iu waren spor der minne (V.17124) hätte er durch seine Tritte auf den Boden hinterlassen, wenn die grüne Marmorfarbe ihn nicht geschützt hätte. Das deutet darauf hin, dass Ädiese autobiographischen Auslassungen geistig gemeint seien und nicht primitiv-realistisch-geographisch“. Das würde auch den Abschluss seines autobiographischen Exkurses ÄIch kenne diese Grotte schon seit meinem elften Lebensjahr und war trotzdem nie in Cornwall“ (V. 17136-17138) erklären.7

[...]


1 Vgl. BATTLES, S. 1.

2 Vgl. RATHOFER, S. 375.

3 Alle Versangaben aus Gottfried (2007 bzw. 2009).

1 Vgl. Absatz mit Gottfried (1991), S. 157.

2 Siehe HUBER, S. 99.

3 Vgl. Absatz mit ebd.

4 Siehe ebd.

5 Siehe Gottfried (1991), S. 157.

6 Vgl. TAX, S. 120.

7 Siehe Wolf, S. 212.

8 Vgl. RANKE, S. 1.

9 Siehe Gottfried (1991), S. 157/158.

1 Siehe HUBER, S. 100.

2 Vgl. ebd.

3 Siehe TAX, S. 122.

4 Siehe u. vgl. RANKE, S. 4.

5 Siehe TAX, S. 119.

6 Vgl. ebd., S. 126.

7 Siehe RANKE, S. 4.

1 Siehe WESSEL, S. 515.

2 Vgl. HUBER, S. 101.

3 Siehe ebd.

4 Siehe u. vgl. RANKE, S. 5.

5 Vgl. HUBER, S. 102.

6 Siehe RANKE, S. 5.

3 Siehe ebd.

1 Vgl. HUBER, S. 102.

2 Siehe u. vgl. RANKE, S. 4.

4 Siehe u. vgl. WOLF, S. 215.

5 Vgl. TAX, S. 120.

1 Siehe VRABLIK, S. 191.

2 Siehe u. vgl. Absatz mit RANKE, S. 3.

3 Siehe ebd., S. 5.

4 Siehe u. vgl. MERTENS (1995), S. 48.

5 Vgl. RANKE, S. 5.

6 Siehe HUBER, S. 105.

1 Vgl. HUBER, S. 105.

2 Vgl. RANKE, S. 5.

3 Siehe HUBER, S. 105.

4 Siehe RANKE, S. 6.

5 Vgl. HUBER, S. 106.

6 Vgl. TAX, S. 129.

1 Siehe TOMASEK, S. 157.

2 Siehe WOLF, S. 215.

3 Vgl. VRABLIK, S. 186.

4 Siehe TOMASEK, S. 159.

5 Vgl. WOLF, S. 217.

6 Siehe BAYER, S. 169.

7 Vgl. Absatz mit WOLF, S. 218.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gottfried von Straßburgs Tristan: Allegorie der Minnegrotte
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Tristan Rezeption im Mittelalter
Note
9
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V195170
ISBN (eBook)
9783656209508
ISBN (Buch)
9783656212355
Dateigröße
858 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tristan, Gottfried, Mittelalter, Minnegrotte
Arbeit zitieren
Nermin Bastug (Autor), 2011, Gottfried von Straßburgs Tristan: Allegorie der Minnegrotte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195170

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