Berufsabitur und vertikale Durchlässigkeit im französischen Bildungssystem


Seminararbeit, 2010
20 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Gang derUntersuchung

3. Das Bildungssystem in Frankreich

4. Die Aufwertung der schulischen beruflichen Bildung
4.1 Die Reform des collège
4.2 Die Eingliederungsklassen
4.3 Duale berufliche Ausbildung

5. Reform der lycées

6. Die Rolle des Baccalauréat professionnel (Berufsabitur)

7. Frankreichs Berufsbildung im Zeichen des EQR

8. Zusammenfassung undAusblick

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Abiturtypen nach der Reform von 1992

Abb. 2: Das französische Bildungssystem vor Bac Pro

Abb. 3: Das französische Bildungssystem vor Bac Pro

Abb. 4: Der Europäische Qualifikationsrahmen als Metarahme

1. Problemstellung

Das Berufsbildungssystem Frankreichs wird allgemein als schulisch und staatlich gesteuert beschrieben.[1] Zu Beginn der 70er Jahre des 20.

Jahrhunderts setzte sich in Frankreich die Erkenntnis durch, dass sich eine wachsende Kluft zwischen dem Bildungssystem und den Beschäftigungspolitiken der Unternehmen bildete, die sich nachteilig für die Eingliederungschancen Jugendlicher in den Arbeitsmarkt auswirkte.[2] Ende der 70er und Anfang der 80er wurden daher mehrere staatliche Programme und Reformen umgesetzt, die die hohe Jugendarbeitslosigkeit, speziell der benachteiligten Bevölkerungsschichten, bekämpfen sollte.

Alle französischen Initiativen teilten sich das gemeinsame Ziel, Lernwege offener zu gestalten und Bildungsversagen sowie Bildungssackgassen zu bekämpfen. Ott/Deißinger bezeichnen diese Maßnahmen als „Öffnung der Subsysteme“.[3] Ein zentraler Schritt in der Bildungshistorie Frankreichs, um dieser Forderung nachzukommen, stellt die Einführung des Berufsabiturs (baccalauréat professionnel) dar. Die vorliegende Arbeit soll zeigen, wie die verschiedenen Reformbemühungen sich auf mögliche Bildungswege ausgewirkt haben. Im Detail soll aufgezeigt, auf welcher Grundlage das Berufsabitur eingeführt wurde und welche neuen Möglichkeiten sich für Frankreichs Jugendliche ergeben haben.

Anschließend soll diese Arbeit Frankreichs Berufsbildungssystem mit Hinblick auf den europäischen Qualifikationsrahmen durchleuchten. Ein zentrales Anliegen dieses EQR war die Förderung der Durchlässigkeit in den verschiedenen Bildungssystemen der Mitgliedsstaaten. Die vorliegende Studie soll untersuchen, inwieweit das Land dieser Forderung bis heute nachgekommen ist.

2. Gang der Untersuchung

Nach der Problemstellung wird zuerst das spezifische Berufsbildungssystem Frankreichs (Kapitel 3) untersucht. Dabei werden verschiedene Ansätze, die die berufliche Bildung dauerhaft aufwerten sollten, in Kapitel 4 genauer durchleuchtet. Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll jedoch das Berufsabitur (baccalauréat professionnel) stehen, das in Kapitel 6 näher vorgestellt wird. Durch die Einführung dieses Bac Pro wurde der Versuch unternommen, die generelle Durchlässigkeit zu erhöhen. Grundsätzlich ist festzustellen, dass sowohl der allgemeine Bildungsbereich als auch beruflich organisierte Bildungswege vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Daher können bildungspolitische Motive nicht immer berufsbildenden oder allgemeinbildenden Reformansätzen zugeschrieben werden. Daher wird in Kapitel 4 die Reform der lycées, die vergleichbare Ziele verfolgte, wie die Einführung des Berufsabiturs, genauer analysiert.

In Kapitel 7 wird das französische Berufsbildungssystem im Zeichen des europäischen Qualifikationsrahmens betrachtet. Im abschließenden Kapitel 8 werden die Erkenntnisse zusammengefasst.

3. Das Bildungssystem in Frankreich

Grundsätzlich ist das französische Bildungssystem geprägt von landesspezifischen Charakteristiken und Traditionen. Daher werden in Frankreich generell andere bildungspolitische Probleme diskutiert als in Deutschland. Ganztagesschulen sind in Frankreich gesellschaftlich längst akzeptiert, wohingegen in Deutschland diese Debatte immer noch geführt wird. Im Mittelpunkt französischer Bildungsdebatten stehen primär die Anpassung des Bildungsangebots an die stärker gewordene Schülerheterogenität und insbesondere die Bekämpfung des Schulversagens. Besonders die Unruhen in den Vororten 2005-2006 haben dieser Diskussion Auftrieb verliehen. Parallel zu den gesellschaftspolitischen Bemühungen, wird von der Bildungspolitik gefordert, die sozialen und geografischen Chancenungleichheiten zu verringern. Ein Ansatz der in Frankreich verfolgt wird, stellt die Aufwertung der beruflichen Bildung dar.[4]

Ähnlich wie in Deutschland sind jedoch große bildungspolitische Reformen nur schwer umzusetzen. Daher hat Frankreich in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine Politik der kleinen Schritte verfolgt. Stufenweise wurden Strukturen des Bildungswesens verändert und das Bildungsangebot an die neuen Bedürfnisse ausgerichtet.[5] Ein Ziel war dabei, die bildungspolitischen Bemühungen zu dezentralisieren, um sozial benachteiligte Gebiete besser zu stellen und dadurch das Schulversagen nachhaltig zu bekämpfen.[6]

Grundsätzlich ist die französische Berufsbildung vorwiegend vollzeitschulisch organisiert. Die beruflichen Vollzeitschulen (lycées professionnels) haben seit jeher die Verantwortung der beruflichen Bildung übernommen, wodurch sich eine zunehmende Distanz zum Wirtschaftssystem und dem Arbeitsmarkt entwickelt hat.[7] Das französische Bildungsmodell zeichnet sich dabei durch eine spezifische Struktur aus, in der eine Bildungsstufe zu einem höheren Berufsabschluss führen kann. Am Deutlichsten zeigt sich dies im Verzeichnis der Ausbildungsniveaus. Hier werden Bildungsabschlüsse und Beschäftigungen verbunden.

Klassifikation der Ausbildungsniveaus in Frankreich Niveau I und II: Personal in Beschäftigungsverhältnissen, für die in aller Regel eine Ausbildung verlangt wird, die mindestens einer License (mindestens 3 Jahre Studium) entspricht.

Niveau III: Personal in Beschäftigungsverhältnissen, für die in aller Regel eine Ausbildung verlangt wird, die mindestens einem Brevet de technicien supérieur (BTS), ein Diplôme universitaire de technologie (DUT) oder einem Abschluss der ersten beiden Studienjahre (Grundstudium) entspricht.

Niveau IV: Personal in Beschäftigungsverhältnissen, für die in aller Regel eine Ausbildung verlangt wird, die dem allgemeinbildenden, technischen oder beruflichen Abitur (Baccalauréat général, Baccalauréat technologique, Baccalauréat professionnel) oder dem Techniker-Brief (Brevet de Technicien) entspricht oder zu einem Meisterabschluss führt.

Niveau V: Personal in Beschäftigungsverhältnissen, für die in aller Regel eine Ausbildung verlangt wird, die mindestens einem Berufsfachschulabschluss oder einem Lehrabschluss entspricht (BEP oder CAP)

Niveau VI: Personal in Beschäftigungsverhältnissen, bei denen in aller Regel außer dem Abschluss der Schulpflicht keine weitere Ausbildung verlangt wird.[8]

[...]


[1] Vgl. Ott/Deißinger (2010), S.1

[2] Vgl. Hildebrandt (1996), S.lff.

[3] Vgl. Ott/Deißinger (2010), S.1

[4] Vgl. Hildebrandt (1996), S.2-5

[5] Vgl. Lauer (2003), S.3

[6] Vgl. Hildebrandt (1996), S.4ff.

[7] Vgl. Ott/Deißinger (2010), S.20

[8] Vgl. Kirsch (2006), S.92ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Berufsabitur und vertikale Durchlässigkeit im französischen Bildungssystem
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V195423
ISBN (eBook)
9783656215851
ISBN (Buch)
9783656216490
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berufsabitur, durchlässigkeit, bildungssystem
Arbeit zitieren
Michael Kipp (Autor), 2010, Berufsabitur und vertikale Durchlässigkeit im französischen Bildungssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195423

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