Der Orden der Malteser oder auch der Orden der Johanniter, wie die Malteser bis zu ihrer Übersiedelung nach Malta im Jahre 1530 genannt wurden, ist auch heute noch vielen Menschen ein Begriff. Die Malteser leiten Pflegeheime und sind in der Diakonie tätig. Somit ist der Orden heute wieder bei dem ursprünglichen Ziel seiner Gründung im 11. Jahrhundert angekommen: Schutz und Hilfe für Pilger anzubieten oder, auf die Gegenwart bezogen, für Menschen, die beispielweise während einer Krankheit Pflege benötigen.
Doch mehrere Jahrhunderte lang musste der Orden neben den karitativen auch militärische Aufgaben übernehmen. Im Jahre 1522 griff der frisch gekürte Sultan der Osmanen, Süleyman I., die Ritter unter ihrem damaligen Großmeister Philippe de Villiers de l’Isle-Adam an und vertrieb sie von ihrem Ordenssitz auf Rhodos. Nach sieben Jahren der Heimatlosigkeit wies ihnen schließlich Kaiser Karl V. die Insel Malta zu. Doch auch diesen Aufenthaltsort des Malteserordens sollte Süleyman ihnen streitig machen. Genau 37 Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen der beiden Parteien kam es zu einer erneuten Schlacht.
Im Folgenden soll nun diese große Belagerung von Malta im Jahre 1565 im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen. Hervorgehoben werden soll dabei die Rolle des damaligen Großmeisters Jean Parisot de la Valette. Zunächst werden die geschichtlichen Entwicklungen des Malteserordens und die Bedeutung der Insel Malta für die christliche Welt näher beleuchtet.
Im weiteren Verlauf zeigen La Valettes Biographie, seine vorausschauende Vorbereitungen und Verbesserungen der Fortifikationen in Malta seine außergewöhnlichen Führungsqualitäten.
Auch die Gründe Süleymans I. den Malteserorden anzugreifen und die Pläne, Waffen und Einheiten des osmanischen Heeres sollen dargelegt werden.
Schließlich wird die Schlacht um Malta selbst im Mittelpunkt stehen und dabei vor allem die Belagerungen der Forts St. Elmo, St. Angelo und St-Michael. Ein Ausblick zum Schluss zeigt den Zustand Maltas nach der Belagerung und das letzte große Projekt des Großmeisters la Valette: die Gründung der Stadt Valetta.
Um Verwirrungen vorzubeugen wird im Folgenden nur noch vom Orden der Malteser und nicht mehr vom Orden der Johanniter die Rede sein, auch wenn Zeitpunkte behandelt werden, die vor der Verlegung des Ordenssitzes nach Malta liegen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Einführende Grundlagen
1.1 Entwicklung und Aufbau des Malteserordens
1.2 Geographische Gegebenheiten Maltas
1.3 Bedeutung Maltas für Europa und den Orden
2. Verteidigungspläne Jean Parisot de la Valettes
2.1 Der Großmeister
2.2 Langfristige Vorbereitungen auf Malta
2.3 Die Waffen und Streitkräfte des Ordens
2.4 Der Plan der Verteidigung
3. Eroberungspläne Süleymans I.
3.1 Gründe für die Belagerung
3.2 Die Waffen und Einheiten der Osmanen
3.3 Der Plan der Eroberung
4. Die große Belagerung Maltas 1565
4.1 Der Beginn der Schlacht
4.2 Die Belagerung von St. Elmo
4.3 Der Angriff auf Senglea und Birgu
4.4 Das Ende der Belagerung
5. Nach der Belagerung
5.1 Zustand Maltas nach der Belagerung
5.2 Gründung der Hauptstadt Valletta
5.3 Tod des Großmeisters
Der Schild Europas
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die historische Bedeutung der Belagerung von Malta im Jahr 1565. Dabei steht insbesondere die strategische Führung durch Großmeister Jean Parisot de la Valette im Fokus, um zu analysieren, wie der Malteserorden trotz massiver Unterlegenheit gegen das Osmanische Reich bestehen konnte und welchen Einfluss dieser Sieg auf die christliche Weltordnung hatte.
- Historische Entwicklung und Strukturen des Malteserordens
- Geographische und strategische Bedeutung der Insel Malta
- Führungsqualitäten und Verteidigungsstrategien von Jean Parisot de la Valette
- Die osmanischen Eroberungspläne und militärischen Kapazitäten unter Süleyman I.
- Der Verlauf der Belagerung und die Folgen für die Insel Malta
Auszug aus dem Buch
2. Verteidigungspläne Jean Parisot de la Valettes
Jean Parisot de la Valette, der 1494 in der Gascogne zur Welt kam und 1557 zum Großmeister gewählt wurde, gilt bis heute als der bedeutendste Großmeister des Malteserordens. Während seiner Amtszeit erlangte der Orden den größten Ruhm seiner Geschichte. Schon ein Blick auf La Valettes Laufbahn zeugt von seinen herausragenden Fähigkeiten. La Valette war Gouverneur von Tripolis, Komtur von Lango, Großkommandeur, Großprior von St. Gilles, Stellvertreter des Großmeisters und Großadmiral der Flotte. Besonders herausragend war die Berufung zum Admiral, denn bisher wurde dieser Posten fast ausschließlich an Mitglieder der italienischen Zunge vergeben, Valette jedoch gehörte der Zunge der Provence an.
La Valette stammte aus einer Familie, die bereits zahlreiche Ritter des Malteserordens hervorgebracht hatte. Bewunderer des Großmeisters gingen sogar soweit zu berichten, man habe ihm angesehen, dass er ein Held war. Bereits mit 20 Jahren trat La Valette in den Orden ein und soweit man sein Leben noch nachvollziehen kann, kehrte er nach seiner Aufnahme in den Orden nie wieder zu seiner Familie und deren Besitzungen zurück.
„Er war ein sehr stattlicher Mann, groß, ruhig und nüchtern; mehrere Sprachen – Italienisch, Spanisch, Griechisch, Arabisch und Türkisch – beherrschte er fließend.“ Er schien der geborene Soldat und Kämpfer zu sein und verdeutlichte dies durch seine ruhige Art. Auch in schwierigen Situationen wie der Belagerung von Rhodos, bei der er im Alter von 28 Jahren teilgenommen hatte und bei der Belagerung von Malta ließ er sich nicht durcheinander bringen und beharrte stets auf seinem Plan.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführende Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Malteserordens, seine Entwicklung hin zu einer militärischen Organisation und die geografischen Besonderheiten Maltas als Verteidigungsstandort.
2. Verteidigungspläne Jean Parisot de la Valettes: Hier werden die Biographie des Großmeisters, seine strategischen Vorbereitungen, die Ausbildung der Streitkräfte sowie die taktische Planung der Verteidigung detailliert analysiert.
3. Eroberungspläne Süleymans I.: Dieser Abschnitt beleuchtet die Motive des Sultans für den Angriff auf Malta, die Zusammensetzung der osmanischen Armee und die operativen Pläne des osmanischen Kommandostabs.
4. Die große Belagerung Maltas 1565: Das Hauptkapitel beschreibt den chronologischen Ablauf der Schlacht, beginnend mit der Ankunft der Flotte bis hin zum Ende der Belagerung und dem Rückzug der Osmanen.
5. Nach der Belagerung: Der Abschluss der Arbeit behandelt den Zustand der verwüsteten Insel, den Wiederaufbau unter dem Projekt der Stadtgründung Vallettas sowie das Lebensende des Großmeisters.
Der Schild Europas: Dieses abschließende Kapitel würdigt die Rolle La Valettes als entscheidende Führungspersönlichkeit und historische Symbolfigur für die Verteidigung des christlichen Europas.
Schlüsselwörter
Malteserorden, Johanniter, Jean Parisot de la Valette, Belagerung von Malta 1565, Osmanisches Reich, Süleyman I., Mittelmeer, Festungsbau, St. Elmo, Ordensgeschichte, Militärgeschichte, christliche Bastion, Seefahrt, Valletta, Verteidigungsstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den militärischen Widerstand des Malteserordens gegen das Osmanische Reich während der historischen Belagerung Maltas im Jahr 1565.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die strategischen Planungen des Großmeisters La Valette, die osmanische Kriegführung, die Rolle der Befestigungsanlagen und die historische Bedeutung der Insel Malta.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, durch welche Maßnahmen und welche spezifische Führung La Valettes der Sieg gegen eine zahlenmäßig überlegene Streitmacht errungen werden konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten historisch-analytischen Auswertung von Primärquellen, Augenzeugenberichten und wissenschaftlicher Sekundärliteratur zum Malteserorden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil fokussiert sich auf die Vorbereitungsphase auf beiden Seiten, den konkreten militärischen Verlauf der Belagerung inklusive der Schlachten um St. Elmo und die Auswirkungen des Krieges.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Malteserorden, La Valette, Belagerung 1565, Süleyman I., osmanische Expansion und militärische Verteidigungsstrategie.
Warum war der Ausgang der Schlacht so bedeutend für das christliche Europa?
Malta galt als "Schild Europas" und als entscheidende Bastion, die eine weitere Expansion des Osmanischen Reiches in das Mittelmeer und in Richtung des europäischen Festlandes maßgeblich verhinderte.
Welche Rolle spielte La Valette bei der Gründung von Valletta?
Nach der Belagerung trieb La Valette den Bau der neuen Hauptstadt auf dem Monte Sciberras voran, um die Insel strategisch besser gegen zukünftige Angriffe zu sichern.
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- Ramona Schilling (Author), 2010, Die Belagerung Maltas 1565: Der Widerstandskampf gegen die Osmanen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195556