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Wörterbücher als Propagandamittel im Nationalsozialismus

Titel: Wörterbücher als Propagandamittel im Nationalsozialismus

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2012 , 31 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Katja Sontag (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Veränderungen im Sprachgebrauch zur Zeit des Nationalsozialismus
sind Gegenstand vieler verschiedener Untersuchungen. Allerdings befassen
sich eher wenige davon mit den Wörterbüchern der nationalsozialistischen
Zeit, um zu klären ob und wie die Darstellung des allgemeinsprachlichen
Wortschatzes in den Nachschlagewerken dieser Zeit den Bedingungen der
totalitären Ideologie angepasst wurde. Dies soll in der vorliegenden Arbeit
zusammenfassend geschehen.
Dafür wird zuerst ein Überblick darüber gegeben, wie sich der
nationalsozialistische Sprachgebrauch im allgemeinen auszeichnete.
Einführend wird ein kurzer Abriss des sprachgeschichtlichen Hintergrundes
gegeben und die Terminologie dahingehend geklärt, ob man überhaupt von
der Sprache des Nationalsozialismus reden kann. Auch ein kleiner Exkurs in
die moralisierende Sprachkritik wird gegeben.
Im Hauptteil der Arbeit wird auf die Verwendung von Wörterbüchern als
Propagandamittel der Nationalsozialisten im genaueren eingegangen. Es
werden die verschiedenen methodischen Möglichkeiten genannt, mit Hilfe
derer es den Nationalsozialisten möglich war, durch gezielte Eingriffe und
Veränderungen den Adressaten zu manipulieren. Dabei wird sowohl auf die
Wörterverzeichnisse an sich, als auch auf die Einleitungen bzw. Vorwörter
eingegangen werden.
Nach einer Aufstellung aller methodischen Möglichkeiten wird sich der Frage
gewidmet, wie diese Änderungen wieder rückgängig gemacht wurden, vor
allem wie schnell und wie gründlich dies geschah. Dazu wird exemplarisch
der Duden – das als das populärste deutsche Wörterbuch bezeichnete
Nachschlagewerk – zurate gezogen und zwei aufeinanderfolgende Auflagen
miteinander verglichen: die 12. Auflage von 1942 und die 13. Auflage von
1948.
Aufgrund des beschränkten Umfanges dieser Arbeit ist es nur möglich, einen
groben Überblick über das Thema zu bieten. Zur weiterführenden Lektüre
möge auf die Literaturliste verwiesen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprache im Nationalsozialismus

2.1 Abriss des sprachgeschichtlichen Hintergrunds

2.2 Zum Begriff „Sprache des Nationalsozialismus“

2.2.1 Bibliographischer Überblick

2.2.2 Gibt es eine „Sprache des Nationalsozialismus“?

2.3 Moralisierende Sprachkritik

2.4 Wirkung der Sprache im Nationalsozialismus

3. Wörterbücher in der NS-Zeit

3. 1 Methodische Konsequenzen

3.2 Frühe Entnazifizierung von Wörterbüchern

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Wörterbücher während der Zeit des Nationalsozialismus als Instrumente der Ideologie und Propaganda eingesetzt wurden und wie diese Manipulationen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren wieder rückgängig gemacht wurden.

  • Sprachgebrauch und Propaganda im Nationalsozialismus
  • Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie auf die Lexikographie
  • Methodische Eingriffe in Wörterbücher (Stichwortauswahl, Bedeutungsangaben)
  • Vergleichende Analyse der Duden-Auflagen von 1942 und 1948
  • Prozess der Entnazifizierung von Nachschlagewerken

Auszug aus dem Buch

3. Wörterbücher in der NS-Zeit

Der Stellenwert, den Sprache in der Propaganda zur Zeit des Nationalsozialismus hatte, wurde im vergangenen Kapitel schon deutlich gemacht. Es ist eine fast schon nachvollziehbare Konsequenz, dass daher Wörterbücher, deren eigentlicher Zweck das Fixieren von Wörtern in ihrer Bedeutung, Schreibung und auch Aussprache ist, als ein politisches Instrument von Nutzen für die Nationalsozialisten sein konnten. Schließlich können Wörterbücher dazu beitragen, Zusammengehörigkeitsgefühle bestimmter gesellschaftlicher Gruppen zu stärken, sowie deren Abgrenzung gegen andere Gruppen zu fördern, nicht zuletzt im Kontext von nationaler Identität (vgl. Schaeder, 70).

Auch wenn Wörterbücher eigentlich wenig mit Politik zu tun haben bilden sie doch nicht nur ab, sondern bewerten auch. Wörter werden dort nicht nur registriert, sondern dies geschieht in einer für die jeweiligen zeitlichen Umstände geprägten Art und Weise. Müller stellt zusammenfassend fest, dass Wörterbücher eine Art Fokus darstellen, „in dem verschiedene außersprachliche und sprachliche Faktoren wie Personen, Wirkungsinstanzen, Positionen und Ereignisse sowie sprachwissenschaftliche Sichtweisen, die aktuelle Standardsprache und Sprachvarietäten ihren Niederschlag finden“ (Müller, 58).

Haben Wörterbücher jedoch eigentlich eine Darstellungsfunktion, zeichnet die bereits angesprochene stark ausgeprägte implizite Appellfunktion der nationalsozialistischen Sprache und der zeitgenössischen Nachschlagewerke sie als manipulative Propaganda aus. Die Adressaten sollten abweichende Wertemaßstäbe anstandslos übernehmen ohne sie zu hinterfragen. Immerhin wurde es so dargestellt, als seien es Fakten, mit denen die Adressaten konfrontiert wurden, denn Wörterbücher wurden im Allgemeinen für vertrauenswürdig und neutral gehalten. Die Appellfunktion wurde förmlich hinter der Darstellungsfunktion versteckt (vgl. Haß-Zumkehr, 205).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Rolle von Wörterbüchern als Manipulationsinstrument während der NS-Zeit zu untersuchen, und beschreibt das methodische Vorgehen anhand eines Vergleichs der Duden-Auflagen von 1942 und 1948.

2. Sprache im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel beleuchtet den sprachgeschichtlichen Hintergrund und diskutiert kritisch den Begriff der „NS-Sprache“, wobei Sprache als Instrument verstanden wird, das von den Nationalsozialisten instrumentalisiert werden konnte.

3. Wörterbücher in der NS-Zeit: Hier werden die spezifischen methodischen Eingriffe in die Lexikographie, wie die Auswahl von Stichwörtern und die Manipulation von Bedeutungsangaben, detailliert analysiert sowie der frühe Prozess der Entnazifizierung der Nachschlagewerke nach 1945 dargestellt.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Ergebnisse der Arbeit und bestätigt, dass Wörterbücher gezielt zur ideologischen Indoktrination genutzt wurden und deren Bereinigung in der Nachkriegszeit durch Unachtsamkeit oder fehlende Distanz teilweise nur schleppend erfolgte.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Wörterbücher, Lexikographie, Propaganda, Sprachgebrauch, Duden, NS-Sprache, Manipulation, Entnazifizierung, Ideologie, Sprachkritik, Bedeutungswandel, Stichwortwahl, 1942, 1948

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Wörterbücher im Nationalsozialismus als Propagandamittel eingesetzt wurden, um die Sprache ideologisch zu beeinflussen und Adressaten zu manipulieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Beschaffenheit der Sprache des Nationalsozialismus, die Beeinflussung von Nachschlagewerken durch politische Ideologie und der Prozess der linguistischen Bereinigung nach 1945.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es zu klären, ob und wie die Darstellung des allgemeinsprachlichen Wortschatzes in den Wörterbüchern der NS-Zeit an die totalitäre Ideologie angepasst wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine bibliographische Aufarbeitung des Themas sowie eine exemplarische vergleichende Analyse von Wörterbüchern, insbesondere der Duden-Ausgaben von 1942 und 1948.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den methodischen Möglichkeiten der Einflussnahme, etwa durch die Auswahl von Stichwörtern, die Formulierung von Bedeutungsangaben und die Verwendung von Beispielsätzen, sowie deren nachträgliche Korrektur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Wörterbuchpropaganda, Lexikographie, ideologische Beeinflussung und Entnazifizierung charakterisiert.

Warum galten Wörterbücher als besonders geeignetes Mittel für Propaganda?

Wörterbücher galten allgemein als neutrale und objektive Instanzen; daher rechneten die Sprachbenutzer nicht damit, dass sie als politisches Instrument zur Indoktrination genutzt wurden.

Was ergab der Vergleich zwischen den Duden-Auflagen von 1942 und 1948?

Der Vergleich zeigte, dass nach dem Krieg NS-spezifische Vokabeln zügig getilgt wurden, jedoch teilweise noch Passagen und Beispiele in den Vorworten verblieben, was auf eine mangelnde Distanz der Autoren zum vorangegangenen Sprachgebrauch hindeutet.

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Details

Titel
Wörterbücher als Propagandamittel im Nationalsozialismus
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Lexikographie
Note
2,0
Autor
Katja Sontag (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
31
Katalognummer
V195579
ISBN (eBook)
9783656213888
ISBN (Buch)
9783656214151
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NS Nationalsozialismus Nazis Wörterbücher Wörterbuch Duden Trübner Hitler Weltkrieg Propaganda Goebbels Antisemitismus Ausländerfeindlichkeit nationalsozialistisch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katja Sontag (Autor:in), 2012, Wörterbücher als Propagandamittel im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195579
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  31  Seiten
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