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Literatur als Polisemie? - Die (Dys)Funktionalität des Autors in Peter Szondi`s Hermeneutik

Title: Literatur als Polisemie? - Die (Dys)Funktionalität des Autors in Peter Szondi`s Hermeneutik

Essay , 2011 , 5 Pages

Autor:in: Bachelor of Arts (B.A.) Mateusz Cwik (Author)

German Studies - Comparative Literature
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PETER SZONDI, meines Erachtens einer der grössten Literaturtheoretiker des 20. Jahrhunderts, erlangte vorwiegend durch seine Theorie des historischen Formwandels Bekanntheit, die gegen EMIL STAIGERS werkimmanente Rezeptionstheorie auf einer Spannung zwischen den formalen und den inhaltlichen Aspekten eines literarischen Werkes beruht. Ich möchte mich allerdings mit einem weniger bekannten Aspekt seines literaturtheoretischen Schaffens auseinandersetzen, der ‚literarischen Hermeneutik‘. Im Zusammenhang mit seinem expliziten Bezug auf hermeneutische Traditionen der Antike und auf die Auslegungen FRIEDRICH SCHLEIERMACHERS, in denen zwischen dem sog. sensus literaris und dem sensus spiritualis eines literarischen Textes unterschieden wird, behaart SZONDI auf der Ausarbeitung einer hermeneutischen Vorgehensweise mit literarischen Werken, die den wörtlichen (denotativen) und allegorischen (konnotativen) Sinn synthetisieren würde, ohne aber „[…] das dichterische denotativen Wort auf Eindeutigkeit zu reduzieren“. Hinsichtlich dieser Wiederaufnahme der antiken Tradition und der Verständnistheorie SCHLEIERMACHERS möchte ich die interessante Frage nach der Rolle des Autors in SZONDI`S Hermeneutik aufwerfen. Mit anderen Worten, es soll eruiert werden, wie SZONDI die Rolle des Autors in seinem hermeneutischen Konstrukt positioniert?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und theoretischer Bezugsrahmen

1.1 Der Autor im literarischen Kontext

1.2 Hermeneutische Grundlagen bei Szondi

2. Die Dysfunktionalisierung des Autors

2.1 Polisemie als Merkmal der Literarizität

2.2 Trennung von Autor als Individuum und Autor als Urheber

3. Synthese und Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Autors in der literarischen Hermeneutik von Peter Szondi, mit dem primären Ziel zu klären, wie Szondi die Position des Autors innerhalb seines theoretischen Konstrukts bestimmt und ob eine bewusste "Dysfunktionalisierung" des Autors im Rezeptionsprozess stattfindet.

  • Verbindung von antiker Hermeneutik und moderner Literaturtheorie
  • Bedeutung der Polisemie für die Textinterpretation
  • Abgrenzung zwischen historischer Person und literarischer Urheberinstanz
  • Kritik an intentionalistischen Interpretationsansätzen
  • Selbstständigkeit des literarischen Werkes nach Szondi

Auszug aus dem Buch

Die (Dys)Funktionalität des Autors in Peter Szondi's Hermeneutik

Die multisemantische Funktionalität der literarischen Sprache, die sich aus der Tatsache des Daseins einer allegorischen Zeichendeutung ergibt, besitzt, basierend auf SZONDIS ‚Einführung in die literarische Hermeneutik‘ (1975), die Fähigkeit, das Recht des Autors auf die Deutung seines Textes zu bestreiten. Solange das Zeichen im wörtlichen Sinne zu verstehen ist (sensus literaris), kann der Rezipient durch die Untersuchung der früheren Textfassungen eines literarischen Werkes dem Sinn des Textes empirisch nachgehen (SZONDI 1975, S. 23). Gemäss SZONDI zielt die Entschlüsselung der Bedeutung eines Textes jedoch nicht darauf ab, die Intention des Autors zu ermitteln. Genannt werden zwei wichtige Argumente für solche Dysfunktionalisierung des Autors im Rezeptionsprozess eines literarischen Werkes (SZONDI 1975, S. 110f.).

Erstens, wenn man auf den durchaus metaphorischen Titel aus dem berühmten, wenn nicht gar revolutionären Artikel von ROLAND BARTHES an dieser Stelle rekurrieren würde, dann kann gesagt werden, dass die Ursache, die zum ‚Tod des Autors‘ (BARTHES 2000) in seinem eigenen literarischen Werk beiträgt, die Polisemie der Zeichen ist. Mit Polisemie wird die Mehrdeutigkeit der in diesem Text enthaltenen Zeichen gemeint. Hierbei handelt es sich nicht nur um symbolische Zeichen, bei den literarischen Texten macht diese Art der Zeichen allerdings eine eindeutige Mehrheit aus. Diese Polisemie, die meines Erachtens für ein wichtiges Merkmal der Literarizität eines Textes gehalten werden kann, ergibt sich aus der Vielzahl des sensus spiritualis (bzw. sensus allegoricus) eines Textes, welcher das potenzielle semantische Spektrum eines Zeichens erweitert. So wird das Zeichen nicht auf seine denotativen Semantik beschränkt, sondern es findet eine Sinnerweiterung auf seine paradigmatischen Konnotationen statt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und theoretischer Bezugsrahmen: Das Kapitel führt in die literarische Hermeneutik von Peter Szondi ein und verortet sie im Kontext der antiken Tradition und Schleiermachers.

2. Die Dysfunktionalisierung des Autors: Hier werden die zentralen Argumente der Polisemie und der Unterscheidung zwischen Autor-Individuum und Urheberinstanz erarbeitet, die den Autor in seiner Deutungsmacht einschränken.

3. Synthese und Fazit: Das Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und reflektiert den Einfluss von Szondis Ansatz auf die moderne Literaturwissenschaft.

Schlüsselwörter

Peter Szondi, Hermeneutik, Literaturtheorie, Polisemie, Autor, Tod des Autors, sensus literaris, sensus spiritualis, Literarizität, Rezeptionsprozess, Strukturalismus, Textinterpretation, Intentionalität, Zeichendeutung, Werkimmanenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert kritisch die Rolle des Autors in der literarischen Hermeneutik von Peter Szondi und untersucht, warum der Autor in diesem theoretischen Modell als dysfunktional betrachtet wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der literarischen Hermeneutik, dem Konzept der Polisemie, dem Verhältnis von Autor und Werk sowie dem historischen Wandel der Literaturtheorie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu erörtern, wie Szondi die Autorschaft innerhalb seines hermeneutischen Konstrukts positioniert und inwiefern dies zu einer Entmachtung des Autors über seinen Text führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, die auf der exegesischen Untersuchung von Szondis Hauptwerken sowie dem Vergleich mit strukturalistischen Ansätzen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung der Autordysfunktionalität durch die Polisemie der Zeichen und die strikte Trennung von realer Person und Urheberinstanz.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem Polisemie, literarische Hermeneutik, Tod des Autors, Urheberinstanz und Intentionalität.

Wie unterscheidet Szondi zwischen den verschiedenen Ebenen der Bedeutung eines Textes?

Szondi orientiert sich an der Unterscheidung zwischen sensus literaris (wörtlicher Sinn) und sensus spiritualis (allegorischer Sinn), um eine Synthese ohne Eindeutigkeitszwang zu erreichen.

Welche Rolle spielt die Metapher des "Todes des Autors" in der Argumentation?

Die Metapher dient als theoretischer Ankerpunkt, um zu verdeutlichen, dass der Autor durch die semantische Mehrdeutigkeit (Polisemie) des Textes seine Deutungshoheit verliert.

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Details

Title
Literatur als Polisemie? - Die (Dys)Funktionalität des Autors in Peter Szondi`s Hermeneutik
College
University of Zurich
Author
Bachelor of Arts (B.A.) Mateusz Cwik (Author)
Publication Year
2011
Pages
5
Catalog Number
V195986
ISBN (eBook)
9783656222064
Language
German
Tags
literatur polisemie funktionalität autors peter szondi`s hermeneutik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts (B.A.) Mateusz Cwik (Author), 2011, Literatur als Polisemie? - Die (Dys)Funktionalität des Autors in Peter Szondi`s Hermeneutik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195986
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