Hans-Dietrich Kahl hat in einem 1990 erstmals erschienenen Aufsatz versucht, nachzuweisen, dass Bernhard von Clairvaux beim Predigen des zweiten Kreuzzugs von sibyllinischem Gedankengut geprägt war. Dies wird vor allem am Aufruf und der Urheberschaft zum Wendenkreuzzug festgemacht. In der Forschungsliteratur lässt sich bis heute kaum etwas finden, was diesen Gedanken weiter verfolgt, weder um ihn zu widerlegen, noch um ihn zu stützen. Allenfalls wird darauf hingewiesen, dass ein solcher Einfluss möglich ist. In der vorliegenden Arbeit soll nachgewiesen werden, dass Kahls Rekonstruktion sehr unwahrscheinlich ist. Dazu muss erst einmal ein Überblick über das Thema geschaffen werden und die Hauptargumente Kahls müssen analysiert und nach Möglichkeit entkräftet werden. Gleichzeitig soll, als zweites Ziel dieser Arbeit, versucht werden, der Rekonstruktion der Urheberschaft des Wendenkreuzzugs neue Aspekte hinzuzufügen. Das ganze kann auch hier nur sehr hypothetisch geschehen, weil sich zwar häufig Wahrscheinlichkeiten ableiten lassen, aber nicht viele Rekonstruktionsversuche zur Gänze ausgeschlossen werden können. Aufgrund der Zielsetzung werden in dem Kapitel zu Bernhard als möglichen Urheber und im Kapitel zur Konzeption des Wendenkreuzzugs hauptsächlich zwei Werke Kahls verwendet Werden. Andere Werke werden an diesen Stellen nur genutzt, insofern sie die Beweisführung unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausweitung des zweiten Kreuzzugs
2.1. Einbeziehung deutscher Fursten
2.2. Die Wendenmission
3. Die Frage nach dem Urheber.
3.1. Die Sachsen als Urheber?
3.2. Zusammenfassung
3.3. Bernhard von Clairvaux als Urheber?
3.4. Zusammenfassung
4. Zwischenfazit
5. Konzeption des Kreuzzugs als Beleg sibyllinischer Erwartung?
6. Schluss
7. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
War Bernhard von Clairvaux von sibyllinischem Gedankengut geprägt?
Die Arbeit untersucht die These von Hans-Dietrich Kahl, kommt jedoch zu dem Schluss, dass diese Rekonstruktion für den Aufruf zum zweiten Kreuzzug sehr unwahrscheinlich ist.
Was war der Wendenkreuzzug?
Der Wendenkreuzzug war ein Teil des zweiten Kreuzzugs, der sich gegen die slawischen Stämme (Wenden) im heutigen Nordostdeutschland richtete.
Wer gilt als Urheber des Wendenkreuzzugs?
Die Forschung diskutiert, ob die Initiative von den sächsischen Fürsten oder von Bernhard von Clairvaux ausging. Die Arbeit fügt dieser Diskussion neue Aspekte hinzu.
Was sind sibyllinische Erwartungen?
Dabei handelt es sich um prophetische Vorstellungen über das Ende der Welt oder große religiöse Umbrüche, die oft mit Kreuzzugsbewegungen in Verbindung gebracht werden.
Welche Rolle spielten deutsche Fürsten beim zweiten Kreuzzug?
Ihre Einbeziehung war entscheidend für die Ausweitung des Kreuzzugsgedankens auf die Wendenmission im Norden des Reiches.
- Quote paper
- Stephan Reuther (Author), 2012, Sibyllinische Vorstellungen bei Bernhard von Clairvaux, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196212