Fokus in den romanischen Sprachen im Vergleich zum Deutschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

31 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsklärung
1.1 Informationsstruktur
1.2 Fokus

2. Fokuskonstruktionen
2.1 Fokussierung allein durch Intonation
2.2 Betonte Personalpronomen
2.3 Verwendung betonter anstelle unbetonter Objektpronomen
2.4 Lexikalische Hervorhebung durch Fokuspartikeln
2.5 Subjektinversion
2.6 Voranstellung des Objekts
2.7 Voranstellung anderer Satzteile
2.8 Spaltsätze
2.8.1 Italienisch
2.8.1.1 Gespaltene Sätze mit 'a'
2.8.2 Spanisch
2.8.3 Französisch
2.8.4 Deutsch
2.9 Pseudospaltsätze
2.9.1 Italienisch
2.9.2 Spanisch
2.9.3 Französisch
2.9.4 Deutsch
2.9.5 Spalt- und Pseudospaltsätze im Vergleich

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Este mensaje no lo escribí YO. - # Diese Nachricht nicht geschrieben ICH. Diese Nachricht schrieb nicht ICH.

ICH habe diese Nachricht nicht geschrieben.

In der vorliegenden Arbeit geht es um die verschiedenen Varianten der Fokuskonstruktionen. Es soll deutlich gemacht werden, welche Möglichkeiten romanische Sprachen, speziell das Spanische, Italienische und Französische im Vergleich zum Deutschen haben, um bestimmte Satzteile hervorzuheben. Am Anfang wird der Begriff Informationsstruktur geklärt. Anschließend folgt die Betrachtung der einzelnen Fokusarten, um im Nachhinein auf die jeweiligen Fokuskonstruktionen näher eingehen zu können.

Ziel der Analyse ist es, zu zeigen, dass beim Übersetzen in die Zielsprache nicht immer die gleiche Fokuskonstruktion verwendet werden kann, die auch in der Ausgangssprache benutzt wurde, selbst wenn es sich um zwei romanische Sprachen handelt. Es soll deutlich gemacht werden, dass jede Sprache andere Möglichkeiten zur Fokussierung bevorzugt.

Wie die oben genannten Beispiele zeigen, wäre eine wortwörtliche Übersetzung entweder grammatikalisch nicht korrekt, literarisch gehoben oder umgangssprachlich. Erst die letzte deutsche Variante stellt eine äquivalente Übersetzung zum spanischen Satz dar. Deutlich wird allerdings, dass es sich dabei um zwei verschiedene Fokuskonstruktionen handelt. Welche Varianten verwendet wurden, soll im Folgenden geklärt werden.

Ebenfalls soll gezeigt werden, dass vor allem das Französische bei der Hervorhebung einzelner Satzteile eine besondere Rolle spielt, da es fast immer nur auf eine Methode - Spaltsätze (phrases clivées) - zurückgreifen kann.

1. Begriffsklärung

1.1 Informationsstruktur

Der Begriff Informationsstruktur spielt in der allgemeinen Sprachwissenschaft eine wichtige Rolle. Hierbei handelt es sich um die kommunikative Gewichtung der Propositionsteile. Genauer gesagt geht es um die Präsentation eines Sachverhaltes durch den Sprecher. Dabei spielen der Kontext und der Kenntnisstand des Hörers eine entscheidende Rolle.

Syntaktisch gesehen ist die Informationsstruktur die Gliederung eines Satzes beziehungsweise die Markierung einzelner Satzteile als Fokus, Hintergrund, Thema, Rhema, Kommentar oder Topik.1 Wichtig dabei ist, dass sich die Informationsstruktur im Vergleich zur semantischen und grammatischen Ebene nicht in Form von hierarchischen Abhängigkeitsverhältnissen organisiert. Sie ist vielmehr linear aufgebaut. Das untenstehende Schema soll dies bildlich verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Funktion der Informationsstruktur-Kategorien liegt in der Reflexion kontextueller Eigenschaften wie Vorerwähntheit beziehungsweise Neuheit, Kontrast oder relevante Fragen. Somit dienen Informationsstruktur-Kategorien weitgehend der Stiftung von Textkohärenz, aber auch Kohäsion. Sie signalisieren was der Sprecher im Diskurskontext als neu, alt, relevant oder unerwartet ansieht. In diesem Zusammenhang scheint die Informationsstruktur- Markierung redundant zu sein. Doch es gibt auch Fälle, in denen die Informationsstruktur lediglich als Informationsträger fungiert: Wenn der Gesprächspartner nicht sofort erkennen beziehungsweise erahnen kann, was in der jeweiligen Äußerung hervorgehoben ist oder wird und die einzelnen Diskursaspekte erst akkommodieren muss, ist die Informationsstruktur nicht redundant.2

1.2 Fokus

Fokus und Fokussierung sind semantische Begriffe, die die informationelle Gliederung von Äußerungen betreffen: Vorausgesetzter Hintergrundinformation steht fokussierte Information gegenüber, die aus einer kontextuell festgelegten Menge von Alternativen ausgewählt wird. Gekennzeichnet wird der Fokus durch die akzentuelle Hervorhebung eines Ausdrucks, des Fokusexponenten. Die fokussierte Information ist der Teil des Satzes, dem der Sprecher eine besondere Bedeutung zumisst und somit hervorheben möchte.3 Dies kann entweder intonatorisch oder mithilfe einer Kombination intonatorischen und syntaktischen Fokussierung geschehen.4 5

Im Vergleich zum Französischen verfügt das Italienische, ähnlich wie das Deutsche und Spanische, über eine Vielzahl an Möglichkeiten, die zur Fokussierung bestimmter Satzelemente dienen können. Das Französische hingegen kann meist nur auf das Verfahren der Cleft-Konstruktion zurückgreifen. Bei einigen Sprachen, wie beispielsweise dem Italienischen, kann man mehrere Fokusvarianten sogar miteinander kombinieren. Die Vielfalt an Fokussierungsmöglichkeiten beim Spanischen und Italienischen liegt unter anderem auch daran, dass diese zu den sogenannten Pro-Drop-Sprachen gehören. Das heißt, dass die Pronomen unter bestimmten Umständen weggelassen werden können, ohne dass sich die Semantik ändert. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Akteur sowohl dem Sprecher als auch dem Hörer bereits bekannt ist. Diese Art der Variation ermöglicht der Sprache eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der Syntax.

WEHR zufolge, die die Fokuskonstruktion als besondere Hervorhebung bestimmter Satzelemente sieht, gibt es drei verschiedene Subfunktionen, die syntaktisch und intonatorisch jedoch einheitlich kodiert sind: Kontrast, Exhaustive Listing und Emphatischer Fokus (Fokus auf relevanter Information).6

SCHÖPP geht noch einen Schritt weiter und fügt den Additiven Fokus hinzu.7

Was genau sich hinter den einzelnen Subkategorien verbirgt, soll an dieser Stelle geklärt werden. Wenn eine Opposition zu etwas Bestimmtem vorliegt und der Sprecher eine falsche Präsupposition seines Gegenübers korrigiert (X und nicht Y), handelt es sich um einen sogenannten Kontrast versteht man,8 Gap- Filling auch bekannt unter Exhaustive Listing bedeutet, dass eine lückenhafte Präsupposition seines Gesprächspartners gefüllt wird, indem ein Element hervorgehoben und dadurch alle anderen potenziellen Kandidaten ausdrücklich ausgeschlossen (X und niemand anderes) werden.9 Die ersten beiden Funktionen sind stark kontextabhängig. Bei dem Emphatischen Fokus ist es wie bei SCHÖPPS Fokus auf relevante Information: Wenn dieser vorliegt, bedeutet es, dass ein hervorgehobenes Element eine Information enthält, die im situationellen oder sprachlichen Kontext nach Meinung des Sprechers von besonderem Interesse ist. Da in diesem Fall jedoch keinerlei Präsuppositionen vorliegen, wird die Information nicht in scharfer Abgrenzung gegenüber anderen möglichen Kandidaten gesehen.10 Bei einem Additiven Fokus fügt der Sprecher einem Element ein anderes Element hinzu, um auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen, dass zwischen ihnen eine Parallele besteht.11

In den romanischen Sprachen ist Fokus als pragmatische Funktion unabhängig von der Wortstellung (S)-V-O. Genauer gesagt, gibt es im unmarkierten Satz keine feste Position, wo ein fokussiertes Element platziert sein muss.12 Die folgenden Beispiele sollen verdeutlichen, dass Kontrastfokus satzinitial (1), in der Mitte (2) oder am Ende eines Satzes (3) auftreten kann.

Beispiele:

Italienisch

(1) Il DOLCETTO Francesca ha mangiato (non il gelato).
(2) Non ha mangiato MARIO il dolcetto (ma Lorenzo).
(3) Antonio non ha mangiato il DOLCETTO (ma il gelato).

Bei der italienischen Sprache muss man jedoch anmerken, dass Muttersprachlern zufolge die satzinitiale Fokusstellung, wie sie im ersten Beispiel zu finden ist, eher ungewöhnlich ist. Eine Art der folgenden Passivkonstruktion ist demnach geläufiger.

(1a) Il DOLCETTO è stato mangiato da Francesca (non il gelato).

Spanisch

(4) ELLA sabe que hacer.
(5) Creo que ÉL se va.
(6) Louis es MÉDICO.

Französisch

(7) Où est le ballon? - JULIEN l’a.
(8) Il est ÉPERDUMENT amoureux d’elle.
(9) Je suis AMOUREUSE.

Deutsch

(10) KLAUS ist der Ältere von den beiden (nicht Peter).
(11) Kathrin wird MORGEN abreisen (nicht heute).
(12) Schule ist LANGWEILIG.

2. Fokuskonstruktionen

Im Vergleich zum Italienischen, Spanischen oder Portugiesischen hat das Französische keine große Auswahl, was die Hervorhebung einzelner Satzkomponenten betrifft. In den meisten Fällen wird das Verfahren der Satzspaltung (phrases clivées) angewendet.13 Bei den anderen romanischen Sprachen hingegen gibt es, bedingt durch die freie Wortstellung, eine Vielzahl von verschiedenen Möglichkeiten, eine Fokussierung vorzunehmen. Viele Varianten lassen sich in einem Satz auch miteinander kombinieren. Im Folgenden werden die einzelnen Fokusarten näher betrachtet.

2.1 Fokussierung allein durch Intonation

Im Deutschen sowie in den anderen untersuchten romanischen Sprachen kann ein bestimmtes Satzelement allein durch die Intonation fokussiert werden. Dabei bleibt die unmarkierte Wortstellung S-V-O unverändert.

Beispiele:

Italienisch

(13) Quest’anno Lara e Giovanni sono andati in vacanza al Mare, non in MONTANGNA.

(14) Maria ha comprato un VESTITO, non una GONNA.

Spanisch

(15) Juan no toca el PIANO, toca el VIOLÍN.
(16) Hay que trabajar MUCHO para lograrlo.

Französisch

(17) Je ne veux pas un LYS, je veux une ROSE.
(18) Je n’habite pas à BERLIN.

Deutsch

(19) Max hat den Stift nicht GEKLAUT, er hat ihn GEKAUFT.

(20) Der Test ist nicht HEUTE, sondern MORGEN.

In den meisten Fällen von Fokus betont der Sprecher einen Teil seiner Aussage bewusst, um diesen in Opposition zu einer falschen Hypothese des Hörers zu setzen oder um Wissenslücken seines Gegenübers zu füllen. Dabei muss das zur Fokuskonstituente in Opposition stehende Element nicht immer explizit genannt werden (18). Um welche der bereits oben erwähnten Fokussubfunktionen es sich jedoch in den einzelnen Fällen handelt, lässt sich nur mittels des Kontextes erschließen.

2.2 Betonte Personalpronomen

Wie bereits erwähnt, gehören das Spanische und das Italienische zu den sogenannten Pro-Drop-Sprachen. Aus diesem Grund ist bereits die Nennung eines Personalpronomens ein erster Hinweis für eine Fokussierung. Für gewöhnlich tritt in solchen Fällen zusätzlich auch eine intonatorische Hervorhebung auf.14 Im Deutschen und im Französischen hingegen muss das Personalpronomen zwangsläufig genannt werden. Hinzu kommt aber, dass das Französische und das Spanische sogar zwischen betonten und unbetonten Personalpronomen unterscheiden.15 Es sei jedoch zu beachten, dass im Französischen beim Fokus die betonten Personalpronomen auch ohne Präposition auftreten können und nur Subjekte betonen, während betonte Personalpronomen im Spanischen immer eine Präposition verlangen, wenn sie das Objekt im Satz hervorheben.16 Eine Gemeinsamkeit ist jedoch, dass im Zusammenhang mit Fokus betonte Personalpronomen in beiden Sprachen redundant sind.

«Le pronom est redondant par rapport au sujet se trouvant à sa place ordinaire»17

Betonte Personalpronomen im Französischen sind im Singular: moi, toi, lui, elle und im Plural: nous, vous, eux, elles.18 Die spanischen betonten Personalpronomen werden im nachfolgenden Punkt näher betrachtet.

Beispiele:

Italienisch

(21) È stata una lezione interessante e tutti erano entusiasti, ma NOI non abbiamo capito niente.

(22) LUI mi ha aiutato molto, ma IO non ho fatto nulla per appoggiarlo.

Spanisch

(23) Vi a Clara la noche pasada pero ELLA no me notó y YO no le dije nada porque no supe que decir.
(24) TÚ no te preocupes de esto, YO lo voy a arreglar.

[...]


1 Büring S. 1

2 Büring S. 2

3 Wehr S. 81

4 Schöpp S. 86

5 Wehr S. 81

6 Wehr S. 81

7 Schöpp S. 86

8 Wehr S. 81

9 Wehr S. 81

10 Wehr S. 82

11 Schöpp S. 86

12 Schöpp S. 86

13 Schöpp S. 87

14 Schöpp S. 87

15 Vera-Morales S. 178

16 Vera-Morales S. 178

17 Grevisse S. 972

18 Grevisse S. 972

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Fokus in den romanischen Sprachen im Vergleich zum Deutschen
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,6
Autor
Jahr
2012
Seiten
31
Katalognummer
V196396
ISBN (eBook)
9783656224396
ISBN (Buch)
9783656227861
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fokus, Informationsstruktur, Spanisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Spaltsätze, Cleft Senteces, Intonation, Fokuspartikel, Subjektinversion
Arbeit zitieren
Sofia Gogotishvili (Autor), 2012, Fokus in den romanischen Sprachen im Vergleich zum Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196396

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