Der Holocaust: Politologischer und psychologischer Erklärungsansatz im Vergleich


Referat / Aufsatz (Schule), 2011
5 Seiten, Note: 2,25

Leseprobe

Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit der antisemitischen Haltung der Deutschen vor und während des Zweiten Weltkrieges. In ihr stelle ich zwei Expertenmeinungen gegenüber, die versuchen zu erklären, wie und warum es zum Holocaust kommen konnte.

Literaturverzeichnis

- Daniel J. Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker.Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, Berlin 1996, S. 39, 103 f.
- Harald Welzer: Die Deutschen und ihr „Drittes Reich“, aus Politik und Zeitgeschichte 14-15/2007, S. 25

Ursachen des Holocausts in Deutschland

Die Sekundärquelle „Eliminatorischer Antisemitismus der Deutschen“ von Daniel Jonah Goldhagen aus dem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“, erschienen im Jahr 1996 handelt von der Erklärung des Holocausts aufgrund des lange existierenden Antisemitismus in Deutschland. Dabei handelt es sich um einen politologischen Sachtext, der wohl mehr an das Fachpublikum beziehungsweise die interessierte Bevölkerung als an die große Masse gerichtet ist, da es sich bei der Quelle um Fachliteratur handelt.

In dem Sachtext stellt der Politologe die Thesen auf, dass sich in Deutschland bereits lange Zeit vor der Machtergreifung des NS-Regimes eine brutale Variante des Antisemitismus durchgesetzt habe und sich die Nationalsozialisten lediglich in einer Gesellschaft befunden hätten, die die NS-Ideologie bereitwillig aufgenommen haben. Zudem sagt er, die Bevölkerung habe die Beseitigung derjüdischen Bevölkerung in Deutschland unterstützt (vgl. Z. 1-13).

Diese Thesen versucht der Autor mit sieben Argumenten und Beispielen zu verdeutlichen. Beispielsweise führt Goldhagen an, der Antisemitismus sei bereits ab dem 19. Jahrhundert in Deutschland vertreten gewesen und Juden hätten für die Deutschen ein Symbol für etwas schlechtes dargestellt (vgl. Z.17 f.). Außerdem sei der „moderne Antisemitismus“ der Ansicht gewesen, dass ohne die Beseitigung der Juden kein Frieden möglich sei (vgl. Z. 22-25). Auch sei im 19. Jahrhundert der Begriff „Rasse“ aufgekommen, wobei die „rassistische Variante des Antisemitismus“ (Z. 27 f.) nicht nur von der Idee her gewalttätig sei, sondern auch in der Realität (vgl. Z. 27-30).

Bei der Quelle „'Volksgemeinschaft' und 'Herrenmenschenrasse'“ handelt es sich ebenfalls um Sekundärliteratur. Hierbei handelt es sich um einen sozialpsychologischen Sachtext aus dem Jahr 2007, in dem der Psychologe Harald Welzer eine Erklärung dazu abgibt, warum der Holocaust stattfinden konnte. Auch bei dieser Quelle ist der Adressat das Fachpublikum, da es sich hierbei ebenfalls um wissenschaftliche Fachliteratur handelt.

In diesem Text stellt Welzer die These auf, dass es aus psychologischer Sicht selbsterklärend sei, warum die Rassenideologie der Nationalsozialisten auf Zustimmung gestoßen sei (vgl. Z. 1-3). Diesen Ansatz führt er mit dem Beispiel aus, dass durch die Idee der „Herrenmenschenrasse“ selbst ein sozial deklassierter und ungelernter deutsche Arbeiter jemanden gehabt habe, über den er hätte stehen können. Zusätzlich sei dies gesellschaftlich noch anerkannt worden (vgl. Z. 5-9).

Der Sozialpsychologe sagt zudem, der Nationalsozialismus habe gute Karrierechancen geboten und gerade viele jüngere Personen hätten durch die Siegesbilanz der „Arier“ Augstiegschancen gesehen (vgl. Z. 19-25).

Außerdem habe die Befragung von Zeitzeugen ergeben, dass die Zeit vor dem Russlandfeldzug eine schöne Zeit gewesen sei (vgl. Z. 36-39). Auch habe eine Vielzahl von Personen angegeben, dass die Ausbeutung der Juden nicht als schlimm anerkannt worden sei, da diejüdische Bevölkerung nicht mehr zur Gesellschaft gehört habe (vgl. Z. 41-45).

Beide Quellen haben den Holocaust beziehungsweise den Antisemitismus als historischen Kontext. Der Einfachheit halber bezeichne ich den Text Goldhagens als „Q1“, die Quelle Welzers als „Q2“.

„Als die Nationalsozialisten schließlich die Macht übernommen hatten, fanden sie sich an der Spitze einer Gesellschaft wieder, [...] die sich leicht für die extremste Form der 'Beseitigung' mobilisieren ließen“ (Q1 Z. 7-12).

Ordnen wir dieses Zitat in das Jahr 1933 ein, da die Nationalsozialisten in diesem Jahr die Macht ergriffen, fingen in diesem Jahr die ersten, im Vergleich zu später noch harmlosen Diskriminierungen der Juden an. So gab es im April 1933 beispielsweise einen Boykott jüdischer Geschäfte, bei dem Scheiben eingeschmissen worden und SA­Männer Leute daran hinderten, in Läden jüdischer Inhaber einzukaufen. Dies war noch eine der harmlosen Einschränkungen derjüdischen Bevölkerung durch Hitler.

,,[...] ungelernte Arbeiter ideelljedemjüdischen Schriftsteller, Schauspieler oder Geschäftsmann überlegen fühlen [...]“ (Q2 Z. 5 ff.).

Dieses Überlegenheitsgefühl basierte darauf, dass das Regime im weiteren Verlauf des Jahres 1933jüdische Beamte in den Ruhestand versetzte. Auch gab es in diesem Jahr Bücherverbrennungen, idejüdische Schriftsteller entehrte. Nicht zu vergessen ist, dass es bis 1939 auch Berufsverbote gegen jüdische Ärzte, Juristen usw. gab. So konnte es praktisch in der Historie dazu kommen, dass sich ein ungelernter Arbeiter einem jüdischen Gelehrten überlegen fühlen konnte.

„Ausgrenzung, Verfolgung und Beraubung der Anderen wurden kategorisch nicht als solche erlebt, weil diese Anderen per definitionem gar nicht dazugehörten [...]“ (Q2 Z. 40-43).

So kam es auch, dass es kaum zu Widerstand seitens der deutschen Bevölkerung kam bzw. die Ausgrenzung als solche gar nicht erkannt wurde, denn so gab es 1935 die Nürnberger Gesetze, die die Beziehungen zwischen Deutschen und Juden einschränkte und diese in Kategorien einteilte. Auch erließ Hitler später ein Gesetz, dass den deutschen Juden den Status des Reichsbürgers aberkannte, die Juden de facto nicht mehr zur Bevölkerung gehörten.

Eine dunkle Stunde war auch das Pogrom am 9. November 1938, bei den Synagogen abgebrannt wurden,jüdischer Besitz zerstört wurde oder man Juden verletzte oder tot schlug.

„[...] die den Ausschluss [...] des Juden selbst aus der deutschen Gesellschaft forderte“ (Q1Z.5 ff.).

Zunächst war es nicht geplant,jüdische Menschen effektiv umzubringen. Während des Blitzkrieges 1939 und 1941, bei dem man „souverän“ sieben Länder besetzte, war es das Ziel Hitlers, die Juden nach Madagaskar oder Sibirien umzusiedeln. Dieser Plan war seit der gescheiterten Operation Barbarossa allerdings nicht mehr zu verwirklichen, weil sich die deutschen Truppen festfuhren und die Gewinnung des „Lebensraumes Ost“ in weite Feme rückte. Somit kam die Idee des Holocausts auf, der planmäßigen Ermordung aller Juden, die auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 beschlossen wurde. Im Osten wurden sämtliche Vernichtungslager errichtet, damit die Bevölkerung hiervon nichts mitbekam. Hierbei bediente man sich in Auschwitz beispielsweise an Gaskammern mit Zyklon B, an dem diejüdischen KZ-Insassen ersticken sollten. In Viehwaggons wurden diese wie Tiere in die Vernichtungslager gebracht, wo sie, wenn sie bei der Ankunft nicht schon tot waren, grausam ermordet wurden.

Vor dem Holocaust bediente man sich Massenerschießungen, aufgrund des Materialverlustes und des psychologischen Drucks auf die Soldaten entstand schließlich allerdings die Idee der Massenvernichtung. Später sollten sechs Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und andere „Nicht-Arier“ dieser Methode zum Opfer fallen.

Beide Texte stellen verschiedene Thesen für die Erklärung auf, warum der Holocaust stattfinden konnte. Diese stelle ich nun gegenüber.

Der Politologe Daniel Jonah Goldhagen geht davon aus, dass der Antisemitismus bereits seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland besteht und dass der Holocaust aufgrund der starken Ausprägung des Antisemitismus und der bereits vorhandenen Gewaltbereitschaft der Bevölkerung stattfinden konnte, weil es für die Nationalsozialisten ein Leichtes gewesen sei, sich hier an die Spitze der Bevölkerung zu stellen.

Der Sozialpsychologe Welzer hingegen ist davon überzeugt, dass di Politik der Nationalsozialisten und die Einschränkung derjüdischen Bevölkerung durch diese der deutschen Gesellschaft ein Gefühl der Erhabenheit und ein Gemeinschaftsgefühl bescherte. Demnach habe der Nationalsozialismus für Karrierechancen gesorgt.

Daniel Jonah Goldhagen bezieht sich mit seinem Text auf den Ursprung des „modernen Antisemitismus“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts. So taucht beispielsweise zur Zeit der Reichsgründung 1871 das erste Mal der Begriff„Rasse“ als Kategorisierung für Arten von Menschen auf. So sollte beispielsweise der Jude eher vom Affen abstammen als der Christ, beim Militär durftenjüdische Menschen zwar beitreten, mussten aber teilweise mit Diskriminierungen rechnen, beispielsweise bei der Vergabe von Abzeichen etc. Dieses Bild ist auch zur Weimarer Zeit bei einem kleinen Teil der Bevölkerung erhalten geblieben. Goldhagen geht praktisch davon aus, dass das NS-Regime nur etwas ausführte, was schon länger Wunsch der Bevölkerung gewesen sei. Diese Wunsch hat, wenn man den Gedankengang Goldhagens fortführt, im Holocaust geendet. Ansers sieht es bei Welzer aus.

„So ist es psychologisch kein Wunder, dass die praktische Umsetzung der Theorie der Herrenmenschenrasse äußerst zustimmungsfähig war“ (Q2 Z. 1 ff.).

Die Psychologie der Nationalsozialisten sei hier der Grund für den Holocaust gewesen. Dies fing bei der Gleichschaltung der Nationalsozialisten beispielsweise durch die „Hitler-Jugend“ oder dem BDM an und sorgte für ein Gleichheitsgefühl. Zusätzlich wurden die Juden immer weiter entrechtet, sodass unter der deutschen Bevölkerung ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt entstand. Zudem gab es durch die neu entstandene Zwei-Klassen-Gesellschaft fürjeden Deutschen etwas, auf der er herabschauen konnte.

Welzer selber berichtet von Zeitzeugen, die den Nationalsozialismus differenzierter als schöne Zeit darstellen, wahrscheinlich durch das vorhandene Gemeinschaftsgefühl. Dieses konnte allerdings nur aufgrund von Ausgrenzung entstehen.

Anders als Goldhagen geht Welzer davon aus, dass der Antisemitismus und somit der Holocaust nicht durch die Bevölkerung, sondern durch psychische Beeinflussung der Bevölkerung passieren konnte. Dies ist eine gegensätzliche Annahme dazu, dass eine bereits gewalttätige Einstellung gegenüber den Juden geherrscht habe. Es gibt also in den verschiedenen Wissenschaften verschiedene Erklärungsansätze zum Thema Holocaust.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Der Holocaust: Politologischer und psychologischer Erklärungsansatz im Vergleich
Note
2,25
Autor
Jahr
2011
Seiten
5
Katalognummer
V196418
ISBN (eBook)
9783656249726
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Holocaust, Goldhagen, Welzer, Hitler, Judentum, Konzentrationslager, Massenmord
Arbeit zitieren
Simon Winzer (Autor), 2011, Der Holocaust: Politologischer und psychologischer Erklärungsansatz im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196418

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