Erich Kästner lebte von 1899 bis 1974 und schrieb neben Unterhaltungsliteratur, Gedichtbänden, Kabarett- und Chanson-Texten auch die unterschiedlichsten Kinderromane. So entstand beispielsweise im Jahr 1929 sein erstes Kinderbuch Emil und die Detektive. Aufgrund der Entstehungszeit ist es nun fraglich, ob Kästner-Literatur aktuell genug für den gegenwärtigen Literaturunterricht ist. Um diese Problemstellung zu bearbeiten, werden im Folgenden zunächst zwei fachdidaktische Vorschläge zum oben genannten Kinderbuch vorgestellt. Diese sollen zeigen, inwiefern die Literatur von Erich Kästner noch für die Schule geeignet ist. Um den Blick nicht nur auf Emil und die Detektive zu richten, wird des Weiteren ein fachdidaktischer Vorschlag zum Roman Fabian dargestellt. Eigentlich reicht dies nicht aus, um das Problem eingehend zu behandeln. Da der Umfang der Ausarbeitung beschränkt ist, wird sich lediglich auf zwei Romane bezogen und es wird davon ausgegangen, dass diese bekannt sind. Im Folgenden werden vorweg die fachdidaktischen Empfehlungen einzeln vorgestellt und es wird gezeigt, wie diese in den Deutschunterricht integrierbar sind beziehungsweise für das Behandeln von Kästner-Literatur in der Schule helfen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fachdidaktische Vorschläge zu Emil und die Detektive
2.1. Ein literarischer Spaziergang
2.2. Eine Schullandheimrallye
3. Das Lesetagebuch als ein fachdidaktischer Vorschlag zu Fabian
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Aktualität und Integrationsmöglichkeiten der literarischen Werke von Erich Kästner im modernen Deutschunterricht. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch handlungs- und produktionsorientierte Methoden Schülerinnen und Schüler zur aktiven Auseinandersetzung mit den Romanen "Emil und die Detektive" und "Fabian" motiviert werden können.
- Literarische Spaziergänge als Mittel zur Kontextualisierung
- Einsatz von Schullandheimrallyes zur Lesemotivation
- Das Lesetagebuch als Methode der produktiven Texterschließung
- Förderung der Lesekompetenz durch handlungsorientierten Unterricht
- Bewertung der zeitgemäßen Relevanz klassischer Kinder- und Jugendlektüre
Auszug aus dem Buch
2.1. Ein literarischer Spaziergang
Bei diesem Vorschlag geht es darum, einen Spaziergang zu „einer Geschichte, einem Autor, oder auch einem Thema“ durchzuführen. Um mit einer Schulklasse einen solchen literarischen Spaziergang auf die Beine stellen zu können, sollte ein Roman folgende Voraussetzung erfüllen: die Nennung von realen Straßennamen und Plätzen. Ziel eines literarischen Spaziergangs ist es, diese Orte „nicht nur als Namen stehen zu lassen, sondern zu Erlebnisorten der Geschichte werden zu lassen“.
Zur Durchführung: Es werden speziell Orte ausgesucht und besucht, welche mit dem zu behandelnden Buch in Verbindung zu bringen sind – folglich etwas mit ihm zu tun haben, damit die Schülerinnen und Schüler einen direkten Bezug zum Gelesenen herstellen können. An diesen Orten kann Unterschiedliches getan werden: lesen, schreiben, malen, diskutieren. Laut Tanja Siemer kann der Leser so „die Geschichte unmittelbar an den Schauplätzen“ erfahren und so Fiktion und Realität in Zusammenhang bringen. Der Leser soll durch einen literarischen Spaziergang feststellen, dass es die Orte aus dem Buch in der Realität gibt, auch wenn eine fiktive Geschichte vorliegt. „Ebenso bekommen die Inhalte durch die eigene Begegnung und damit durch das persönliche Erfahren eine neue, vielleicht andere Bedeutung. […] Ganz konkrete Erinnerungen und unterschiedliche, sinnliche Wahrnehmungen machen die Geschichte zu einem persönlichen Erlebnis. […] bei einem literarischen Spaziergang hat das Erlebnis einen direkten Bezug zum Gelesenen und wird nicht aus bereits gemachten Erfahrungen zu einer fiktiven Vorstellung aufgebaut.“ - so Tanja Siemer. Wenn genannte Orte im Text nicht realistisch vorhanden sind, können Orte „auch aus einem anderen Zusammenhang mit den Inhalten des Textmaterials in Verbindung gebracht werden.“ Ein weiteres Ziel eines literarischen Spaziergangs ist, dass das Besuchen von Orten Informationen zu bestimmten Inhalten liefern kann – beispielsweise eignet sich der Besuch der Geburts- oder Wohnstätte eines Autors für das Erfahren seiner Lebensumstände und Beweggründe zum Schreiben seiner Texte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Erich Kästners literarisches Werk und stellt die Forschungsfrage nach der Aktualität seiner Romane für den heutigen Deutschunterricht.
2. Fachdidaktische Vorschläge zu Emil und die Detektive: Dieses Kapitel stellt zwei praxisorientierte Methoden vor, den Roman "Emil und die Detektive" durch reale Schauplatzbegehungen und spielerische Rallyes lebendig zu vermitteln.
2.1. Ein literarischer Spaziergang: Der literarische Spaziergang wird als Methode erläutert, bei der Schülerinnen und Schüler reale Orte der Romanhandlung aufsuchen, um eine tiefere Verbindung zum Text aufzubauen.
2.2. Eine Schullandheimrallye: Dieses Kapitel beschreibt eine organisierte Rallye, die durch Aufgaben und spielerische Elemente insbesondere leseschwache Kinder motivieren soll, sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen.
3. Das Lesetagebuch als ein fachdidaktischer Vorschlag zu Fabian: Hier wird das Lesetagebuch als Methode analysiert, um eine intensive und produktive Auseinandersetzung mit dem komplexeren Roman "Fabian" zu ermöglichen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kästners Werke trotz fehlender moderner Technik aufgrund ihrer zeitlosen Thematik weiterhin wertvolle Lektüren für einen handlungsorientierten Deutschunterricht darstellen.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Emil und die Detektive, Fabian, literarischer Spaziergang, Schullandheimrallye, Lesetagebuch, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Lesemotivation, Textverstehen, Schauplatzbegehung, Literaturvermittlung, Rezeptionsprozess, Schulpraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Aufarbeitung von Erich Kästners Romanen für den Literaturunterricht der Schule.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der handlungs- und produktionsorientierten Literaturdidaktik im Kontext von Kästners Werken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Erich Kästners Romane auch heute noch hochaktuell sind und durch kreative Unterrichtsmethoden erfolgreich vermittelt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Wissensvermittlung diskutiert?
Diskutiert werden vor allem drei Methoden: der literarische Spaziergang, die Schullandheimrallye und das Führen eines Lesetagebuchs.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in konkrete fachdidaktische Vorschläge zu "Emil und die Detektive" sowie eine methodische Analyse des Lesetagebuchs am Beispiel von "Fabian".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Literaturvermittlung, Lesemotivation, produktive Texterschließung und handlungsorientierter Unterricht definiert.
Warum wird der "literarische Spaziergang" als besonders effektiv für "Emil und die Detektive" hervorgehoben?
Weil der Roman sehr präzise Orte in Berlin beschreibt, die als reale Schauplätze eine unmittelbare sinnliche Erfahrung ermöglichen und die Identifikation mit der Geschichte stärken.
Welche Rolle spielt das Lesetagebuch beim Roman "Fabian"?
Es dient als Interpretationshilfe und Bindeglied zwischen der Arbeit unmittelbar am Text (Primärrezeption) und einer reflektierten Auseinandersetzung (Sekundärrezeption), um das Textverständnis zu optimieren.
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- Antonia Zentgraf (Author), 2012, Erich Kästner im Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196718