Der Trend zu Allfinanzunternehmen und seine Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft der Banken


Seminararbeit, 2012
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Definition des Allfinanzgedanken

2. Zielsetzung

3. Notwendigkeit derAllfinanzpolitik im 21. Jahrhundert

4. Praktische Umsetzung
4.1 Verbundsystem
4.2 Kooperation
4.3 Konzern

5. Vor- und Nachteile
5.1 Vorteile aus Sicht des Kunden
5.2 Nachteile aus Sicht des Kunden
5.3 Vorteile aus Sicht der Bank
5.4 Nachteile aus Sicht der Bank

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Versicherung

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Genossenschaftsverbund

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Definition desAllfinanzgedanken

Der Begriff „Allfinanz" beschreibt das Angebot sämtlicher mit dem Geldverkehr zusammenhängenden Geschäfte. Dieses Angebot besteht aus den Kernprodukten der Banken[1] und komplementären Produkten artverwandter Branchen[2] (z.B. klassische Bankprodukte und Lebensversicherungen). Die Banken sind in diesem Konstrukt mit Versicherungen kapitalmäßig oder durch entsprechende Verträge verbunden. Diese Zusammenarbeit zwischen Banken, Versicherungen und anderen Unternehmen, die auf dem Finanzsektor angesiedelt sind, wird auf unterschiedliche Weise umgesetzt. Ziel der Allfinanzpolitik der Banken ist vor allem das Vermögen der privaten Haushalte im eigenen Unternehmen oder Konzern langfristig zu binden.[3] Neben den Banken hat die Versicherungswirtschaft erhebliches Interesse an dieser Kundenklientel.

2. Zielsetzung

Die Zielsetzung des Allfinanzgedanken ist das Bestreben das Leistungssortiment soweit auszuweiten, dass alle Bedürfnisse des Kunden mit den eigenen Finanzprodukten oder eines angeschlossenen Partners befriedigt werden können. Der Kunde soll durch alle Lebensabschnitte umfassend und individuell beraten und betreut werden. Zu diesem Zweck sollen dem Kunden speziell für die jeweilige Situation Finanzprodukte und Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden. Viele Finanzinstitute arbeiten zu diesem Zweck mit einem Lebensphasenmodell. Hierbei wird der Kunde durch eine Segmentierung in Lebensphasen einsortiert. Das erlaubt es der Bank Rückschlüsse auf die damit einhergehenden Bedürfnisse des Kunden zu schließen.[4] Aus Sicht der Banken ist der Schritt zum Allfinanzunternehmen notwendig, um weiter am Markt bestehen zu können. Gerade durch die immer weiter voranschreitende Globalisierung steigen das Angebot an Finanzprodukten und der Kostendruck. Durch die Ausrichtung zum Allfinanzunternehmen ergeben sich für die Bank neue Märkte und damit auch neue Ertragsmöglichkeiten, um die sinkenden Margen im Bereich der Spar- und Termineinlagen auszugleichen. Zusätzlich wird durch den Trend zum Allfinanzunternehmen die eigene Marktstellung gestärkt und der Bekanntheitsgrad gesteigert. Durch die Allfinanzpolitik soll der Kunde die Möglichkeit erhalten, alle Finanzprodukte unter einem Dach abschließen zu können.

3. Notwendigkeit der Allfinanzpolitik im21. Jahrhundert

Durch die Weiterentwicklung der Banken zu Globalanbietern von Finanzdienstleistungen verschwimmen die Grenzen zwischen Bank- und sonstigen Finanzdienstleistungen, die ergänzend angeboten werden, immer mehr.[5] Das aktuelle Marktgeschehen im Bankensektor ist von Globalisierung, Deregulierung der Märkte und verstärkten Preis- und Leistungsdruck geprägt. Durch den verstärkten Wettbewerb sinken die Erträge in den Standard-Bankgeschäften.[6] Der deutsche Finanzmarkt ist noch immer von einer hohen Anzahl an Instituten mit nur geringen Marktanteilen geprägt. Um diesen Auswirkungen entgegenzutreten, ist es für Banken notwendig neue Ertragsfelder zu erschließen und die Kosten weiter zu reduzieren. Die Anzahl der Anbieter aus dem Nonbank- und Nearbankbereich in den letzten Jahren stark erhöht. Non-Banks wie z.B. Media Markt bieten zu den Hauptprodukten des Unternehmens auch gleichzeitig den passenden Ratenkredit an und stoßen damit direkt in das Geschäftsfeld der Banken. Near-Banks stammen aus banknahen Finanzdienstleistungsbereichen und haben Ihr Produktportfolio in Richtung von Bankdienstleistungen erweitert. Daher bietet sich eine Zusammenarbeit von Banken und Versicherungen an, um die Bedürfnisse des Kunden optimal zu befriedigen. Die Ausweitung zum Allfinanzunternehmen beinhaltet nicht nur die Zusammenarbeit mit Versicherungen, sondern auch die Erweiterung der eigenen Produktpalette wie z.B. die Immobilienvermittlung, Leasing etc.. Ein immer größer werdendes Problem für die Banken ist die abnehmende Kundenloyalität. Kunden reagieren verstärkt kritisch gegenüber den Produkten und Dienstleistungen die ihnen angeboten werden. Der Preis und die Qualität spielen eine größere Rolle bei der Kaufentscheidung. Die Märkte und das Angebot werden für den Kunden durch unabhängige Informationsquellen wie das Internet, Testzeitschriften und den Verbraucherschutz immer transparenter. Angebote der Bank können schnell und meist ohne großen Aufwand verglichen werden. Die Hemmschwelle ein Finanzprodukt bei einem kostengünstigeren Anbieter abzuschließen ist dadurch viel geringer geworden. Zudem hat das Vertrauen der Kunden zu den Banken und den Beratern in den letzten Jahren gelitten. Durch negative Pressemitteilungen und die Auswirkungen der Finanzmarktkrise hat das Ansehen der Banken in der Bevölkerung abgenommen. Durch das Bestreben der Banken und Versicherungen alle Finanzprodukte in Verbindung mit einer guten Beratungs- und Verkaufskompetenz unter einem Dach anzubieten soll die Kundenloyalität gesteigert werden und das Abwandern des Kundenstammes zu anderen Anbietern von Finanzprodukten verhindert werden.[7]

4. Praktische Umsetzung

Der Beweggrund für die Zusammenarbeit oder den Zusammenschluss von Unternehmen ist der Gedanke, dass sich die wirtschaftlichen Interessen leichter umsetzen lassen.[8] Der Trend zum Allfinanzunternehmen wird von den Kreditinstituten und Versicherungen unterschiedlich verfolgt.

4.1 Verbundsystem

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken nutzen ihr Verbundsystem, um auf die Bedürfnisse ihrer Kunden optimal reagieren zu können. In diesem Verbund haben sich mehrere Unternehmen freiwillig zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre wirtschaftlichen Stärken zu bündeln und damit eine starke Marktposition zu erhalten. Sowohl die regionale Verbundenheit als auch die schon lange bestehenden Kundenbeziehungen wirken sich hierbei positiv aus und die Verbundpartner profitieren davon. Gerade durch die hohe regionale Dichte der Zweigstellen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken lassen sich besonders gut Erträge erzielen. Ein weiterer positiver Effekt ist der hohe Bekanntheitsgrad und der gute Ruf der Banken. Hiervon profitieren die Verbundteilnehmer gleichermaßen. Ein großer Nachteil ist die starke Abhängigkeit der Verbundteilnehmer von den Banken. Da die Mitarbeiter der einzelnen Banken vor Ort mit dem Kunden sprechen, müssen diese über einen hohen Wissensstand und eine gute Beratungsqualität verfügen. Aufgrund der Angebotsvielfalt kann es zu einer nicht bedarfgerechten Beratung kommen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass bestimmt Produkte von mehreren Verbundpartnern angeboten werden. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass hauptsächlich Produkte mit der höchsten Provision verkauft werden. Im Genossenschaftsverbund der Volks- und Raiffeisenbanken tritt dieses Problem z.B. im Bereich der Wohnbaufinanzierung auf. Die R+V Lebensversicherung bietet z.Zt. attraktivere Darlehenskonditionen als die Bausparkasse Schwäbisch Hall an. Zudem sind die Provisionszahlungen für den Bankmitarbeiter höher bei einer R+V Finanzierung. Diesem Trend konnte die Bausparkasse Schwäbisch Hall gegensteuern. Sie profitierte im Jahr 2011 von den Unsicherheiten an den Finanzmärkten und konnte den Absatz steigern. Trotzdem sank das Ergebnis vor Steuern um 8,5 % zum Vorjahr aufgrund der gestiegenen Vermittlungskosten.[9] (vgl. Abb. 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 : Genossenschaftsverbund[10]

4.2 Kooperationen

Die Kooperation ist durch eine freiwillige Zusammenarbeit von Unternehmen gekennzeichnet. Im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften behalten die Unternehmen ihre wirtschaftliche und rechtliche Selbstständigkeit und stehen weiter in Konkurrenz. Oft schließen Banken mit Versicherungen einen Kooperationsvertrag. Häufig sind solche Kooperationen mit Beteiligungen verbunden. Banken (!) partizipieren durch ihre kapitalmäßige Beteiligung an dem Unternehmen Erträge durch Geschäfte, die es nicht selbst betreiben darf oder möchte.[11] Eine erfolgreiche Kooperation besteht zwischen der Deutschen Bank und dem Schweizer Versicherungskonzern Zurich Financial Services. Der Zurich Versicherungskonzern konnte 2011 seinen Gewinn um ca. 18 % auf ca. 4 Mrd. Euro steigern.[12] Hierbei profitierte der Versicherungskonzern von der starken Marktstellung und dem bereits bestehendem Vertriebsnetz der Deutschen Bank. Weitere Gründe für diese Kooperation bestehen darin, dass die jeweiligen Kooperationspartner vom Know-how des Partners profitieren. Sowohl die Deutsche Bank als auch der Zurich Konzern sind bereits lange erfolgreich im Finanzsektor tätig und verfügen über die nötige Erfahrung. Dadurch, dass die Unternehmen wirtschaftlich getrennt bleiben und nicht zusammengeschlossen werden, ist eine Kooperation mit relativ geringem Kostenaufwand durchführbar.

[...]


[1] Der Begriff Banken wird in dieser Arbeit synonym für den Begriff Kreditinstitute verwandt.

Die Bestimmung von Kreditinstituten erfolgt im § 1 Abs. 1 KWG.

[2] Vgl. Ludwig, T., Die Integration von Allfinanz-Dienstleistungen in den Multi-Channel-Vertrieb von Banken, Marburg 2010, S. 26

[3] Vgl. Abicht, R. / Bahn, M / Vocke-Schöhl, K. / Wöllenweber, C., Allfinanzgeschäft der Banken, in: Studienwerk der Frankfurt School of Finance & Management Allgemeine Bankbetriebswirtschaft, Stand November2008, Frankfurt, Teil 4 Kapitel 3.1 S. 13

[4] Vgl. Bartmann, D. / Nirschl, M. / Peters, A, Retail Banking, Frankfurt am Main 2008, S 64 f.

[5] Vgl. Abicht, R. / Bahn, M / Vocke-Schöhl, K. / Wöllenweber, C., Allfinanzgeschäft der Banken, in: Studienwerk der Frankfurt School of Finance & Management Allgemeine Bankbetriebswirtschaft, Stand November2008, Frankfurt, Teil 4 Kapitel 3.1 S. 8

[6] Vgl. Bartmann, D. / Nirschl, M. / Peters, A, Retail Banking, Frankfurt am Main 2008, S 22

[7] Vgl. Ludwig, T., Die Integration von Allfinanz-Dienstleistungen in den Multi-Channel-Vertrieb von Banken, Marburg 2010, S. 48

[8] Vgl. Ludwig, T., Die Integration von Allfinanz-Dienstleistungen in den Multi-Channel-Vertrieb von Banken, Marburg 2010, S. 51

[9] Vgl. Metz, M, 2012 Abrufdatum: 09.04.2012

[10] „Genossenschaftsverbund", www.volksbank-haselünne.de. 09.04.2012

[11] Vgl. Abicht, R. / Bahn, M / Vocke-Schöhl, K. / Wöllenweber, C., Allfinanzgeschäft der Banken, in: Studienwerk der Frankfurt School of Finance & Management Allgemeine Bankbetriebswirtschaft, Stand November2008, Frankfurt, Teil 4 Kapitel 2.5, S. 13

[12] Vgl. Handelsblatt.de, 2012, 09.04.2012

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Trend zu Allfinanzunternehmen und seine Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft der Banken
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Veranstaltung
Bankbetriebswirt
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V197184
ISBN (eBook)
9783656232933
ISBN (Buch)
9783656233275
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trend, allfinanzunternehmen, auswirkungen, privatkundengeschäft, banken
Arbeit zitieren
Thomas Dust (Autor), 2012, Der Trend zu Allfinanzunternehmen und seine Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft der Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197184

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