Migrationsarbeit in der Jugendhilfe

Konfrontative Gesprächsführung als Methode der pädagogischen Arbeit mit muslimischen Klienten in der stationären Jugendhilfe


Hausarbeit, 2012

22 Seiten, Note: noch ausstehend

Anton Schuster (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

HEIMERZIEHUNG
Definition Heimerziehung
Ziele der Heimerziehung

MIGRATION
Definition Migration

UNTERSTÜTZUNGSMÖGLICHKEITEN BEI DER HILFEN ZUR ERZIEHUNG
Vollzeitpflege
Heimerziehung / Sonstige Betreute Wohnformen
Weitere Hilfen Zur Erziehung nach dem KJHG

HILFEN ZUR ERZIEHUNG FÜR FAM. MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

KONFRONTATIONSPÄDAGOGIK
Einführung indie Konfrontationspädagogik

PÄDAGOGISCHE ANSÄTZE

DIE KONTRONTATIVE GESPRÄCHSFÜHRUNG
WAS HEIßT KONFRONTATIVE GESPRÄCHSFÜHRUNG UND WO WIRD SIE
EINGESETZT
WIE WERDEN KONFLIKTE GELÖST

PERSÖNLICHER AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung:

Migration bedeutet für jeden eine große Herausforderung und geht oft mit einem Verlust an sozialem und kulturellem Kapital einher. Ein Verlust an sozialem Kapital bedeutet, dass gewachsene soziale Netzwerke wegbrechen und damit auch emotionale Unterstützung im Alltag verloren geht (vgl. Leyendecker, 2011, S. 240 ff.). Von diesem Aspekt habe ich mir kaum Gedanken gemacht, was Migration für die Gesellschaft bedeutet. Aber genau dieser Satz hat mir den Zugang zu diesem Thema schmackhaft gemacht. Ich wollte mehr darüber erfahren, wie die Sicht aus der Perspektive der Einwanderungsgesellschaft ist, wie sie denken, handeln und warum das Thema Migration immer mehr Bedeutung in der sozialen Arbeit erhält.

Migration spielt in der stationären Jugendhilfe bislang keine große Rolle, weil es kein lebensrelevantes Thema in der Arbeit der stationären Jugendhilfe war (vgl. Ruffing, 2010, S. 12). Dabei ist eine Öffnung der Migrationsarbeit in der stationären Jugendhilfe immer dringlicher. Wie in vielen anderen Bereichen, in denen wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussionen oder Publikationen zur Migrationsarbeit veröffentlicht werden, finden die Ausrichtungen der Fragestellung und der Vergleiche überwiegend bei Mehrheitsdeutschen statt. Das bedeutet, dass hier der Migrationsaspekt nur mangelhaft bis ungenügend berücksichtig wird. Hierdurch ist zu vermuten, dass deswegen in Planungen, Durchführungen und in den Angebotsstrukturen der Jugendhilfe Migranten nicht gleichermaßen wie Deutsche angesprochen und berücksichtigt werden / wurden (vgl. Ruffing, 2010, S. 12). In vielen namhaften Studien wie beispielsweise „Männer im Aufbruch" (Zulehner, 1999) oder „Männer in Bewegung" , (vgl. Zulehner, 2009) die, durch die Kirchen als empirische Studien in Auftrag gegeben wurden, um die Männerarbeit näher in den Fokus zu rücken, wurden Männer mit Migrationsherkunft nicht ausreichend (2009) bzw. gar nicht (1998) berücksichtigt. Hierdurch lässt sich aufzeigen, dass die Jugendhilfe im Bereich der Migrationsarbeit vor neuen Herausforderungen und Reformen steht. Nicht nur die Jugendhilfe muss hier neue Wege gehen. Freizeiteinrichtungen wie Jugendtreffs, Schulen, Kindergärten und andere Institutionen stehen vor neuen Herausforderungen der Inklusions- und Migrationsarbeit. Während der Ausarbeitung der vorliegenden Hausarbeit habe ich festgestellt, dass es sehr schwer ist wissenschaftliche Publikationen und empirische Studien über Migration im Kontext der stationären Jugendhilfe zu finden. Daher gibt diese vorliegende Hausarbeit nur einen kleinen Einblick in die Arbeit der stationären Jugendhilfe im Kontext mit Migrationsarbeit. Ausgehend von Definitionen der Begriffe Heimerziehung, Migration und einer kurzen Einführung in die Grundlagen der Konfrontationspädagogik entwerfe ich die Fragestellung, welche Methode in der Migrationsarbeit mit muslimischen Jungen in der Jugendhilfe bereits erfolgreich zum Einsatz kommt?

An dieser Stelle bedarf es der klaren Eingrenzung innerhalb dieser Hausarbeit. Ich werde auf folgende Themen eingehen: Definitionen der Begriffe Heimerziehung, Migration und Konfrontationspädagogik, Hilfe zur Erziehung bei Migrationsfamilien, Unterstützungsmöglichkeiten bei der Hilfe zur Erziehung, sowie eine Methodenvorstellung der konfrontativen Gesprächsführung in der Einzelarbeit mit Klienten mit Migrationshintergrund als Arbeitsvorlage in der Jugendhilfe. Am Schluss dieser Hausarbeit werde ich einen Ausblick geben, wie die Migrationsarbeit in meinem Arbeitsbereich einfließen kann. Da das Thema weitgehend aktuell und umfangreich ist, sind einige Themenbereiche und Einblicke in die Grundlagen sowie die Migrationsarbeit nur angeschnitten und können an Hand der Literaturliste weiter vertieft werden. Meine Hausarbeit soll mithelfen, Migrationsarbeit in der Jugendhilfe stärker zu berücksichtigen. Zudem soll die vorliegende Arbeit zur Professionalisierung meines Arbeitsfeldes als pädagogischer Mitarbeiter in der stationären Jugendhilfe beitragen.

2. Heimerziehung

Heimerziehung ist gemäß traditionellem und heute immer noch überwiegendem Verständnis „eine besondere Klasse anstaltsförmiger Unterbringungen von Kindern, Jugendlichen undjungen Erwachsenen (vgl. Blandow, 1990). Ihr Zweck ist die Pflege, Betreuung, Versorgung, Erziehung und Therapie" von Klienten/innen[1], die sich in Erziehungsmaßnahmen befinden. In der Regel wird eine rund um die Uhr Betreuung gewährleistet, wobei Klienten ihren Lebensmittelpunkt außerhalb der Herkunftsfamilie haben (vgl. Deniz, 2001, S. 15 f.). Als weitere wichtige Merkmale sind die (gesetzlich festgelegten) zeitlichen Begrenzungen einer Heimunterbringung und die Betreuung in einer Art Lebensgemeinschaft durch pädagogische Fachkräfte zu nennen (Schauder, 2003). Grundsätzlich wird in der Literatur allgemein anerkannt, dass Heimerziehung notwendig wird, wenn ambulante oder teilstationäre Hilfeangebote nicht oder nicht mehr greifen bez. adäquate Entwicklung des Kindes nur durch vollstationäre Angebote geleistet werden kann. In welchem Rahmen Anträge auf vollstationäre Hilfen nach §34 SGB VIII von Migrationsfamilien gestellt und bewilligt wurden, ist zum gegenwertigem Zeitpunkt nicht wissenschaftlich belegbar.

2.1 Ziele der Heimerziehung

Die Ziele einer vollstationären Unterbringung können ganz verschieden sein, da die Menschen und deren Problemlagen auch sehr verschieden und individuell ausgeprägt sind. Vorgegeben durch das Sozialgesetzbuch §34 VIII ist eine Ausrichtung, die auf eine Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie abzielt. Eine Rückführung des Klienten in die Herkunftsfamilie soll im Hinblick auf die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen in vertretbaren zeitlichen Rahmen angestrebt werden (§37 SGB VIII). Falls dies nicht umsetzbar ist, soll eine Erziehung in einer anderen Familie vorbereitet, oder eine auf längere Zeit angelegte Lebensform geboten bzw. auf ein selbständiges Leben vorbereitet werden (§34 SGB VIII). Zu beachten ist, dass eine Trennung der Herkunftsfamilie und eine Unterbringung in einer stationären Jugendhilfe immer einen massiven Eingriff in das Leben der Familie bedeutet. Nicht nur der gesellschaftliche Gesamtstatus der Familie verändert sich, sondern auch das Erleben der Eltern wird beeinflusst. Diese sehen sich in diesem Kontext mit den Vorwürfen konfrontiert, schlechte Eltern oder ggf. Angehörige bzw. aus Sicht der Gesellschaft eine stigmatisierte Familie zu sein (Faltermeier, 2004, S. 47 f.). Dieses Gefühl kann bei Migrationsfamilien besonders ausgeprägt sein (hierauf werde ich weiter unten etwas genauer eingehen).

Durch die Fremdunterbringung ergeben sich massive Einschnitte in das elterliche Handeln, die sehr verunsichernd sein können. Die eigene Erziehung und ein Teil der Verantwortung der Kinder / Jugendlichen gegenüber muss abgegeben werden, wodurch eine Abhängigkeit anderer Beteiligten (in dem Fall der Mitarbeiter/innen[2] Einrichtung) besteht. Mitarbeiter der Einrichtung beobachten eventuell andere Interessen, Einschätzungen und Bedürfnisse der Klienten, die nicht im Interesse der Erziehung und Verantwortung der leiblichen Eltern ist. Erfahrungsgemäß ist in muslimisch geprägten Erziehungssystemen eine Heimunterbringung ein extremer Einschnitt in das eigene Handeln und in das bestehende Familiensystem.

Hierbei spielen Aspekte, Normen und Werte des Herkunftslandes eine bedeutende Rolle (BAMF, 2011, S. 43 ff). Die Sozialisationshypothesen beziehen sich auf Aspek s Herkunftslandes (ebd S.43 ff.). Sie besagt, dass Migration die Fertilität[3] nicht direkt beeinflusst, sondern dass die in der Kindheit erfahrenen Normen- und Wertekomplexe des Herkunftslandes das generative Verhalten auch im Zielland weiter bestimmt (ebd S.44 ff.). Kulturelle Differenzen zwischen den Ländern manifestieren sich in den jeweiligen Einstellungen zu Kindern, in ihrer Zahl und Bedeutung für das Leben der Eltern und Familien (ebd S. 44 ff.). Im Zielland der Migration werden die bekannten eigenen Normen, Werte und Einstellungen gegenüber Familien und Kindern in Frage gestellt, was das generative Verhalten beeinflussen kann (ebd s.44 ff).

Eins von mehreren Hilfezielen ist, dass die Eltern (Sorgeberechtigten) wieder erziehungsfähig werden, um anschließend eine Rückführung des Klienten in den elterlichen Haushalt zu ermöglichen. Hierfür werden innerhalb des Hilfeprozesses nicht nur Ziele für den/die Klienten der vollstationären Unterbringung vereinbart, sondern auch die Eltern benötigen eine intensive Unterstützung und Zielvereinbarungen um wieder erziehungsfähig zu werden. Hierfür ist ein Angebot der Einrichtung speziell für den Familiendienst wünschenswert. Gerade bei Migrationsfamilien die noch sehr traditionell erziehen, werden klischeehafte Rollenverteilungen innerhalb der Familie praktiziert, die dem allgemeinen Hilfeziel im Wege stehen könnten.

[...]


[1] Im weiteren Verlauf meiner Hausarbeit werde ich für Klienten/innen die maskuline Form Klient wählen, womit die weibliche Form ebenfalls mitgemeint ist.

[2] Im weiteren Verlauf meiner Hausarbeit werde ich für Mitarbeiter/innen die maskuline Form Mitarbeiter wählen, womit die weibliche Form ebenfalls mitgemeint ist.

[3] Fertilität: Nachkommen

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Migrationsarbeit in der Jugendhilfe
Untertitel
Konfrontative Gesprächsführung als Methode der pädagogischen Arbeit mit muslimischen Klienten in der stationären Jugendhilfe
Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
Note
noch ausstehend
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V197329
ISBN (eBook)
9783656235330
ISBN (Buch)
9783656235439
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
migrationsarbeit, jugendhilfe, konfrontative, gesprächsführung, methode, arbeit, klienten
Arbeit zitieren
Anton Schuster (Autor), 2012, Migrationsarbeit in der Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197329

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