Gesungene und gesprochene Aspekte in der Oper "L’incoronazione di Poppea"

Sprechgesang, eigentlicher Gesang, Liedgesang (vor der strikten Trennung von Rezitativ und Arie) – Wann „singen“ Nerone und Poppea tatsächlich?


Seminararbeit, 2010

13 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Rezitativ im17. Jahrhundert

3. Arie im17. Jahrhundert

4. Inhalt der Oper

5. Gesungene Passagen innerhalb des Rezitativs

6. Zusammenfassung

7. Bibliographie

1. Einleitung

In diesem Seminar haben wir uns näher mit Monteverdis dramatischem Werk befasst. Unser Schwerpunkt lag hierbei auf den Opern L'Orfeo, Il Ritorno d'Ulisse und L'incoronazione di Poppea. Zudem haben wir uns auch mit der Madrigalkunst Monteverdis sowie der Bedeutung Monteverdis als Opernkomponist heute beschäftigt.

Die Oper L'incoronazione di Poppea, mit der ich mich in dieser Arbeit beschäftigen werde, wurde zum ersten Mal in der Karnevalsaison 1642-43 in Venedig uraufgeführt. Das Libretto hierzu hatte Giovanni Francesco Busenello geschrieben, und die Musik wird Monteverdi zugeschrieben, obwohl es immer wieder Zweifel gibt, ob diese Oper nun wirklich von ihm stammt. Es gibt zudem auch keine Originalpartitur, sondern nur zwei Kopien ungefähr aus dem Jahre 1650, die sich zudem sehr voneinander unterscheiden.

In meiner Arbeit nun werde ich näher auf die gesungen und gesprochenen Aspekte in der Oper L'incoronazione di Poppea eingehen. Das Besondere hierbei ist, dass es in der Oper neben dem Gesang, sprich der Arie, und dem Sprechgesang, dem Rezitativ, auch noch gesungene Passagen innerhalb des Rezitativs gibt. Wann und wieso das Phänomen nun auftritt, werde ich im Folgenden ausführlicher erläutern, und unter dem Geschichtspunkt: ,,Sprechgesang, eigentlicher Gesang, Liedgesang (vor der strikten Trennung von Rezitativ und Arie) - Wann „singen" Nerone und Poppea tatsächlich?" untersuchen.

Um dies näher zu erläutern, werde ich kurz zusammenfassen, was eine Arie und ein Rezitativ speziell ausmacht, wieso nun in dieser Oper einige der Elemente miteinander vermischt sind und zudem auch noch auf welche Art und Weise Monteverdi dies darstellt.

2. Rezitativ im 17. Jahrhundert

Unter dem Begriff Rezitativ (aus dem Italienischen stammend: recitare = vortragen) versteht man einen Sprechgesang, genauer gesagt eine tonlich gehobene Art des Sprechens, die man als feierliche Deklamation beschreibt.

Eine Orientierung fand das Rezitativ an der Monodie des griechischen Dramas, das ein Sologesang mit Kitharbegleitung war. Aufgrund mangelnder Kenntnisse der griechischen Monodie entstand nun um 1600 ein neuer Sprechgesang mit zeitgemäßer Generalbassbegleitung. Die Generalbassbegleitung dient dabei als Grundlage für eine freie Entfaltung der Stimme, die sich zudem leicht nach den Sängern richten konnte.[1]

In der Frühzeit des Rezitativs unterscheidet man beim Rezitativ drei verschiedene Stilarten:

1. Stile narrativo (erzählender Stil): dieser Stil ist ohne Aktion und schlicht. Die Melodik orientiert sich an der sprachlichen Syntax. Die Harmonik bleibt in Teilstrecken oder aber auch länger gleich und wechselt erst mit einer neuen Idee.
2. Stile recitativo (vortragender Stil): darunter versteht manjeden gehobenen Sprechgesang.
3. Stile rappresentativo (darstellender Stil): schildert affektreich die Gemüts- und Seelenzustände der Hauptpersonen. Dieser Stil ist ziemlich ausdrucksstark und ähnelt dem des Solomadrigals, in dem die theatralischen Gesten, der Dialog und die dramatische Bühnenaktion Ausdruck finden. Dieser Stil ähnelt oft dem Arioso manchmal sogar bis hin zu einer Art der frühen Opernarie.

Im weiteren Verlauf verlagert sich jedoch die Affektdarstellung nun in die Arie, und dem Rezitativ kommt die Aufgabe zu, die Handlung voranzutreiben.

3. Die Arie im 17. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es schon erste Vorstufen für die Arie als geschlossene musikalische Form im Gegensatz zur rezitativischen Deklamation. Wichtig für diese Form sind nun Wiederholungsstrukturen, die man später als Ritornellformen oder als zyklische A-B-A Struktur (alte, liedhafte Form) wiederfinden wird. Ansätze dazu findet man auch schon in Opern Monteverdis und vielen seiner Zeitgenossen.

Ausschlaggebend für die Entwicklung der Arie war die Neuorientierung an der italienischen Lyrik, in Form einer Loslösung von der mottetisch-madrigalen Kompositionsart, in welcher jeder Textgedanke einem neuen musikalischen Gedanken zugeordnet wurde. Nun trat eine neue Strophenform mit kurzen und prägnanten Versen mit regelmäßiger Akzentstruktur und periodischer Binnengliederung hervor.

Weiterhin maßgeblich war auch die überkommene Rezeptionspraxis aus dem 16. Jahrhundert, in welcher man lyrische und epische Texte mit Hilfe von vorgegebenen Modellen musikalisch sowie frei improvisierend vortrug.

Es formten sich nun Modelle wie: Aria per cantar Sonetti, Aria da cantar Ottave (in diesen gibt es nur einen akkordischen Stützbass, der durch die Instrumentalbegleitung gespielt wird.) Dann gab es noch die Aria di Romanesca bzw. die Aria di Ruggiero, diese bildeten das instrumentale Strophengerüst für freie sängerische Erfindungen. Hier entsteht auch die nun Streitfrage der Arienbildung, ob die Formgebung durch den Text oder durch den Instrumentalsatz vorgegeben wird. Weiterhin gab es auch noch Tanzarien, die mal als Canzonetta, Villanella oder Gagliarde bezeichnete.

Claudio Monteverdi ist der erste, der eine Arienform in seine Opern integriert, so verwendet er in seiner Oper L'Orfeo drei Arien, die der neuen Vorgabe entsprachen, das heißt, strophische Komposition auf wiederholender Bassmelodie, regelmäßiger Periodik und rhythmischer Struktur darstellen.

Leopold, Silke. Art.: Arie II. 17.Jahrhundert. In: Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage, hersg.: Ludwig Finscher, Sachteil, Bd. 1/2 , Kassel u..a.: Bärenreiter, 1994, Sp. 813-816

Die Arien variierten zwischen ein-, zwei- oder dreiteiliger Form und kamen im Dreier-, wie auch im Vierer-Takt vor. Hier gab es jedoch auch eine Mischform aus offener Deklamation und arienhafter Geschlossenheit. Am Ende des 17. Jhd. Fusionierten mehrere Formen, sprich die zyklische Dreiteiligkeit der A-B-A Form sowie die Ritornellanlage und verbanden sich mit einer neuen sängerischen Virtuosität zur sogenannten Da-capo-Arie.

4. Inhalt der Oper

Nerone ist den Reizen von Poppea verfallen, die jedoch mit Ottone verheiratet ist. Dieser aber weiß Bescheid über das intime Verhältnis von seiner Frau mit dem Kaiser. Ottavia, die Frau von Nerone, klagt über ihr verlorenes Eheglück und will sich die Unterstützung des Philosophen Seneca, des Volkes sowie des Senates Hilfe versichern.

Daraufhin hält Seneca Nerone den Unterschied von Macht und Machtmissbrauch vor Augen. Neronejedoch befiehlt Seneca den Selbstmord, da er versucht, alles was seiner Liebe im Weg steht, zu beseitigen. Poppea nutzt Nerones Schwäche für ihren eigenen Aufstieg. Es folgt ein missglückter Mordanschlag Ottones und seiner Komplizin Drusilla auf Poppea, die daraufhin beide verbannt werden. Nerone setzt sich über jede Staatsräson hinweg, verstößt Ottavia (seine Frau) und ernennt Poppea zur neuen Kaiserin.

Die Voraussage, die im Prolog gemacht wird, dass Vernunft und Moral gegen Macht und Liebe nichts ausrichten können, hat sich bewahrheitet.

[...]


[1] Michels, Ulrich: dtv-Atlas Musik, Band 1, Musikgeschichte von den Anfängen bis zur Renaissance, Bärenreiter-Verlag Kassel, 2000, S.145

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Gesungene und gesprochene Aspekte in der Oper "L’incoronazione di Poppea"
Untertitel
Sprechgesang, eigentlicher Gesang, Liedgesang (vor der strikten Trennung von Rezitativ und Arie) – Wann „singen“ Nerone und Poppea tatsächlich?
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar Claudio Monteverdis dramatisches Werk
Note
2,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V197400
ISBN (eBook)
9783656235996
ISBN (Buch)
9783656236900
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
L'incoronazione di Poppea, Monteverdi, Sprechen, Singen, Rezitativ, Nerone, Nero, Poppea, Da-capo-Arie, Claudio Monteverdi, Die Krönung der Poppea, Uni Wien, Schwob, Musikwissenschaft, Sophie Houriez
Arbeit zitieren
Sophie Houriez (Autor), 2010, Gesungene und gesprochene Aspekte in der Oper "L’incoronazione di Poppea", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197400

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