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Vorteilhaft Vorurteile verurteilen: Die Überwindung von Stereotypen durch Gestaltpädagogik

Titel: Vorteilhaft Vorurteile verurteilen: Die Überwindung von Stereotypen durch Gestaltpädagogik

Examensarbeit , 2012 , 96 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stefanie Schliephorst (Autor:in)

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
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Ist es auch heute, trotz fokussierter Anti-Diskriminierungs-Arbeit, noch nicht möglich,Vorurteile zu überwinden?
Bei meinem Lösungsversuch dieser Fragestellung möchte ich mich auf die Methoden und Prinzipien der Gestaltpädagogik stützen. Dies beruht auf dem Wissen über die Entstehung von Vorurteilen, das wiederum scheinbare Schnittpunkte mit den Ansätzen der Gestaltpädagogik zu haben scheint.
Es soll erörtert werden, ob Stereotypen vielleicht doch einen wahren Kern besitzen, wobei die Forschungen Hintons (2002) und Theorien Hofstedes (2006) [u.a. das 5-Dimensionen Modell]miteinander verglichen werden sollen. In Anlehnung an die hier dargestellten Ergebnisse, wird gezeigt, wie aus einem kulturellen Unterschied ein Vorurteil werden kann. Dabei stehen psychologische und soziologische Erscheinungen wie Ethnozentrismus, Wahrnehmungskonstruktion, kognitive Vereinfachung, Kategorisierung, Sozialisation und das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung im Mittelpunkt. Sie stellen das Stadium dar, in dem Stereotypen entstehen. Zweitens ergeben sich hier mehrere Überschneidungen mit den später dargelegten gestaltpädagogischen Prinzipien.
Das vierte Kapitel soll der Relevanz von Stereotypen und Vorurteilen gelten. Dabei werde ich zuerst auf ihre allgemeinen Wirkungen und Folgen eingehen, da Vorurteile gesellschaftlich oft verpönt sind, kaum aber jemand weiß, warum. Danach möchte ich auch die Bedeutsamkeit von vorgefassten Meinungen auf Seite der Lehrer betrachten und gleichzeitig zeigen, dass niemand frei von Vorurteilen zu sein scheint. Schließlich soll auch die bildungspolitische Wichtigkeit der Abschaffung von Intoleranzen beleuchtet werden. Dazu werde ich beispielhaft die fächerübergreifenden Kompetenzen sowie den Lehrplan Französisch untersuchen.
Danach soll im darauffolgenden Kapitel gezeigt werden, wie Vorurteile abgeschafft werden können und wo die Gestaltpädagogik ansetzt. Dazu werde ich die zwölf gestaltpädagogischen Prinzipien nach Burow (1988) theoretisch auf ihre Möglichkeiten und Grenzen in der Vorurteilsüberwindung untersuchen.
Diese Theorie soll schließlich auch in die Praxis umgesetzt werden. Demzufolge möchte ich in Kapitel 6 meine Erfahrungen mit Gestaltpädagogik, angewendet auf die Vorurteile französischer Schüler über Deutsche, darstellen und herausfinden, ob es tatsächlich möglich ist, Stereotypen mit Hilfe dieser Erziehungswissenschaft zu verhindern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von Stereotyp und Vorurteil

3 Beurteilung des Wahrheitsgehaltes von Stereotypen

3.1 Stereotypen sind falsch

3.2 Stereotypen besitzen einen wahren Kern

3.2.1 Geert Hofstedes 5-Dimensionen-Modell

3.2.1.1 Konträre Ergebnisse: USA – Thailand

3.2.1.2 Ähnliche Ergebnisse: USA – Deutschland

3.3 Fazit zum Wahrheitsgehalt von Stereotypen

4 Vom kulturellen Unterschied zum Vorurteil

4.1 Ethnozentrismus

4.2 Konstruierte Wahrnehmung und kognitive Vereinfachung

4.3 Kategorisierung

4.4 Sozialisation und selbsterfüllende Prophezeiung

4.4.1 Entstehung und Festigung von Vorurteilen

4.4.2 Selbsterfüllende Prophezeiung – Rosenthal & Jacobson (1968)

5 Relevanz und Wirkungen von Stereotypen und Vorurteilen

5.1 Allgemeine Relevanz

5.2 Relevanz für Lehrer: Keller und Dauenheimer (2003)

5.3 Der hessische Lehrplan

5.3.1 Rahmenkompetenzen

5.3.2 Curriculum für das Fach Französisch

6 Überwindung von Vorurteilen im gestaltpädagogischen Kontext

6.1 Definition Gestaltpädagogik

6.2 Möglichkeiten und Grenzen der Überwindung von Vorurteilen durch gestaltpädagogische Maßnahmen

6.2.1 Prinzipien der Gestaltpädagogik nach Burow (1988)

6.2.1.1 Das Prinzip der Konzentration auf den Kontakt

6.2.1.2 Das Hier-und-Jetzt-Prinzip

6.2.1.3 Das Prinzip der Personenzentrierung

6.2.1.4 Das Prinzip der Bewusstheit

6.2.1.5 Das Prinzip des Lernens durch Erfahrung

6.2.1.6 Das Prinzip des Self-Support

6.2.1.7 Das Prinzip der geschlossenen Gestalt

6.2.1.8 Das Prinzip der Integration

6.2.1.9 Das Prinzip der Verantwortlichkeit

6.2.1.10 Das Prinzip dialogischen Lehrens und Lernens

6.2.1.11 Das Prinzip der Synergie

6.2.1.12 Das Prinzip der Freiwilligkeit

6.3 Fazit zu den Möglichkeiten und Grenzen gestaltpädagogischer Prinzipien im Bezug auf Vorurteilsüberwindung

6.4 Unterstützende Funktionsweisen der Prinzipien durch Methoden

6.4.1 Identifikationsübungen

6.4.2 Feedback

6.4.3 Phantasieübungen

6.4.4 Bewegungsübungen

7 Gestaltpädagogik und Vorurteilsüberwindung am Beispiel Frankreich

7.1 Beschreibung der Studie

7.2 Darstellung der Methoden

7.2.1 1. Stunde: Themenbäume „Deutschland und die Deutschen“

7.2.2 2. Stunde: Präsentation der Themenbäume / Kulturmodell Eisberg

7.2.3 3. Stunde: „Aurélie“ – Wir sind Helden

7.2.4 4. Stunde: Präsentation der kreativen Medien, Abschlussfeier und Nachtest

7.3 Auswertung der Testergebnisse

7.4 Zusammenfassung der Testergebnisse

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern gestaltpädagogische Prinzipien und Methoden geeignet sind, um bestehende Vorurteile bei Schülern abzubauen oder deren Entstehung zu verhindern. Im Fokus steht dabei die Anwendung dieser pädagogischen Ansätze im schulischen Kontext, insbesondere im Fremdsprachenunterricht.

  • Wissenschaftliche Analyse der Entstehung von Stereotypen und Vorurteilen.
  • Untersuchung der psychologischen Mechanismen wie Kategorisierung und selbsterfüllender Prophezeiung.
  • Theoretische Fundierung gestaltpädagogischer Prinzipien nach Burow (1988) in Bezug auf soziale Lernprozesse.
  • Empirische Feldstudie mit einer französischen Schulklasse zur Wirksamkeit gestaltpädagogischer Maßnahmen.
  • Ableitung didaktischer Empfehlungen für eine vorurteilsbewusste schulische Bildung.

Auszug aus dem Buch

6.2.1.2 Das Hier-und-Jetzt-Prinzip

Grundlegend für das Heraufkommen jener „Norm“ war die Kritik Perls an der Überbewertung vergangener Gegebenheiten, wie sie in der Psychoanalyse vorzufinden war. Dem stellte er die Hypothese gegenüber, dass der Kontakt des Klienten mit seiner gegenwärtigen Erfahrung ausreiche, um dem persönlichen Wachstum dienlich zu sein (vgl. Burow, 1988: 100).

Im gestaltpädagogischen Kontext bedeutet jene Prämisse, das die gegenwärtigen, die Lernsituation beeinflussenden Faktoren wahrzunehmen und zu berücksichtigen. Demzufolge haben gemäß jener Pädagogik auch Störungen in der Klasse Vorrang, sodass der Lernstoff erst vermittelt werden kann, wenn Unstimmigkeiten beseitigt wurden. Dies spricht einerseits für einen positiven Umgang mit Vorurteilen, die sich zwischen den Kindern oder in der Lehrer-Schüler-Beziehung ergeben. Denn auf diese Weise werden Vorurteile situativ behandelt, dass heißt genau dann, wenn sie auftreten.

Andererseits ist jenes Prinzip aber auch dann anwendbar, wenn es darum geht, die aktuelle Wahrnehmung der Schüler/innen zu schärfen. Burow (1988: 100) nennt hierfür den exemplarischen Arbeitsauftrag „Achte darauf, was im Hier-und-Jetzt bei dir im Vordergrund des Interesses steht.“, der sich ebenfalls auf die Vermeidung von Vorurteilen übertragen lässt. Um sich hier wieder auf das Beispiel des Schüleraustausches zu beziehen, könnten so die Kinder vor der Abreise mit jener Methode vertraut gemacht und schließlich gebeten werden, sich während des Austausches eine oder zwei Situationen zu schaffen, in denen sie ganz genau auf ihre Gefühle und Wahrnehmungen im Hier und Jetzt achten (im übertragenen Sinne also „Achte darauf, was im Hier-und-Jetzt bei dir im Vordergrund deiner Gefühlswelt / deiner Wahrnehmung steht“) und kritisch auf den bereits vorhandenen Stereotyp beziehen. Allerdings erfordert auch diese Methode die Freiwilligkeit der Lerner, sowie die kritische Überwachung der eigenen Wahrnehmung, welches sicherlich nicht zu jeder Zeit möglich ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Autorin legt die theoretische Basis und ihre persönliche Motivation dar, Vorurteile durch Ansätze der Gestaltpädagogik zu überwinden.

2 Definition von Stereotyp und Vorurteil: Es werden die grundlegenden Begriffe definiert, wobei insbesondere die Identifikation, die Gruppencharakteristika und die Attribution auf Einzelpersonen im Fokus stehen.

3 Beurteilung des Wahrheitsgehaltes von Stereotypen: Das Kapitel kontrastiert die Ansicht, dass Stereotypen falsch sind, mit Hofstedes 5-Dimensionen-Modell, welches kulturelle Unterschiede objektiv messbar macht.

4 Vom kulturellen Unterschied zum Vorurteil: Hier werden psychologische Mechanismen wie Ethnozentrismus, soziale Kategorisierung und die selbsterfüllende Prophezeiung als Ursprünge für die Entstehung von Vorurteilen analysiert.

5 Relevanz und Wirkungen von Stereotypen und Vorurteilen: Dieses Kapitel beleuchtet die gesellschaftliche und schulische Problematik, inklusive der Stereotype Threat Theory und der Rolle von Lehrkräften.

6 Überwindung von Vorurteilen im gestaltpädagogischen Kontext: Die Autorin verbindet zwölf gestaltpädagogische Prinzipien mit der Zielsetzung, Vorurteile abzubauen und stellt unterstützende Methoden vor.

7 Gestaltpädagogik und Vorurteilsüberwindung am Beispiel Frankreich: Eine praktische Feldstudie in einer französischen Schulklasse illustriert die Anwendung der entwickelten Methoden und wertet die Ergebnisse empirisch aus.

8 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Vorurteile zwar natürlich entstehen, aber durch gestaltpädagogische Prinzipien und bewusste Wahrnehmungsschulung wirksam reduziert werden können.

Schlüsselwörter

Gestaltpädagogik, Vorurteile, Stereotypen, interkulturelles Lernen, Wahrnehmung, Gruppendynamik, soziale Kategorisierung, selbsterfüllende Prophezeiung, Kontaktprozesse, Schüleraustausch, Anti-Diskriminierung, kulturelle Identität, Selbst-Bewusstheit, Persönlichkeitsentwicklung, Pädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten, Vorurteile und Stereotypen bei Jugendlichen durch gezielte gestaltpädagogische Maßnahmen abzubauen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft die Entstehung und Festigung von Vorurteilen mit den Prinzipien der Gestaltpädagogik sowie deren praktischer Umsetzung im schulischen Alltag.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, einen gestaltpädagogischen Ansatz zu definieren, der Schülern hilft, die Entstehung eigener Stereotypen kritisch zu hinterfragen und abzubauen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Neben einer theoretischen Fundierung durch sozialpsychologische Modelle wurde eine empirische Feldstudie in einer französischen Schulklasse durchgeführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu Stereotypen, eine Analyse des hessischen Lehrplans sowie die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit gestaltpädagogischen Maximen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Gestaltpädagogik, Vorurteilsüberwindung, Wahrnehmung, soziale Kategorisierung und interkulturelle Bildung.

Welche Rolle spielt das "Hier-und-Jetzt-Prinzip" bei der Arbeit mit Vorurteilen?

Es ermöglicht, Vorurteile situativ dann zu thematisieren, wenn sie im Unterrichtsgeschehen auftreten, anstatt nur theoretisch über abstrakte Klischees zu sprechen.

Welches Ergebnis zeigte die Feldstudie im französischen Unterricht?

Die Studie ergab, dass sich durch die gestaltpädagogischen Methoden die Wahrnehmung der Schüler hinsichtlich Stereotypen veränderte und die Kommunikation in der Fremdsprache deutlich gesteigert wurde.

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vorteilhaft Vorurteile verurteilen: Die Überwindung von Stereotypen durch Gestaltpädagogik
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Autor
Stefanie Schliephorst (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
96
Katalognummer
V197420
ISBN (eBook)
9783656301448
ISBN (Buch)
9783656303695
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorurteile Gestaltpädagogik Stereotypen Hinton Hofstede
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Schliephorst (Autor:in), 2012, Vorteilhaft Vorurteile verurteilen: Die Überwindung von Stereotypen durch Gestaltpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197420
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Leseprobe aus  96  Seiten
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