Zur Vorschulerziehung in der Deutschen Demokratischen Republik


Hausarbeit, 2009
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Begründung der Themenwahl und Fragestellung

2. Definition

3. Rückblickende Herleitung und Rahmenbedingungen

4. Ziele der sozialistischen Vorschulerziehung

5. Alltag in der Kinderbetreuung

6. Arten der Erziehungseinrichtungen

7. Mögliche Alternativen

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Begründung der Themenwahl und Fragestellung

Wenn ich an meine Vorschulzeit im Kindergarten zurückdenke, habe ich eigentlich stets nur schöne Erinnerungen. Ich wurde im Jahr 1985 in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik geboren. Mein Vater war, was für damalige Verhältnisse eher selten zu finden war, ein selbständiger Maschinenbau Ingenieur. Er hatte eine eigene Autowerkstatt. Meine Mutter war, wie so viele Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik, bei einem Fleischer als Verkäuferin Vollzeit beschäftigt. Da auch meine Großeltern nicht in der Lage waren mich in der Vorschulzeit zu Hause zu betreuen und zu erziehen, blieb also nur die Möglichkeit eines Kindergartens.

Der Kindergarten, welcher von mir besucht wurde, war ein kleiner „Dorfkindergarten“ mit circa 30 Tagesplätzen. Es war eine kleine „Heile Welt“, mit vielen Spielen, Ausflügen und Sport. Ich wurde soweit ich mich erinnern kann täglich morgens zwischen 06:00 Uhr und 07:00 Uhr dort „abgegeben“ und so gegen 17:00 Uhr wieder abgeholt.

Der Tag war stets durchgeplant und es kam nie Langeweile auf. Wir kochten, kauften zusammen im „Dorfkonsum“ ein, gingen in die „Dorfgaststätte“ zum Mittag und lernten auf dem Weg dorthin die Verkehrsregeln. Wir trieben viel Sport, hatten ein großes Außenareal mit Spielplatz zur Verfügung und gingen oft an „Erkundungstagen“ in den örtlichen Wald, um dort Bäume, Pflanzen und Tiere zu sehen und sie kennen zu lernen. Subjektiv reflektierend würde ich es, wie schon erwähnt, als eine sehr schöne Zeit bezeichnen.

1991 wurde ich dann eingeschult, was bedeutet, dass ich eigentlich meine gesamte Vorschulzeit in einem DDR – Kindergarten verbracht habe.

Nun stellt sich mir aber auch die Frage: War an dieser Kindergarten- beziehungsweise Vorschulpolitik der Deutschen Demokratischen Republik wirklich alles so „blumig“? Wurde nicht auch schon versucht in der frühen Erziehungs- und Sozialisierungsphase des Klein- oder Vorschulkindes sozialistisch geprägte Grundthemen und Grundeinstellungen zu vermitteln?

Wenn ich jetzt objektiv zurückschaue, erinnere ich mich daran mit Plastiksoldaten der Nationalen Volksarmee gespielt zu haben und auf dem Weg zum Mittagessen sozialistische Kinderlieder über die Völkerfreundschaft mit der damaligen Sowjetunion gesungen zu haben. Ich erinnere mich heute teilweise sogar noch an die Texte wie zum Beispiel: „Wenn ich groß bin, gehe ich zur Volksarmee...“

Je mehr Literatur ich heute zu dem Thema lese und für diese Hausarbeit aufarbeite, desto mehr Parallelen kann ich zu meinen Erinnerungen ziehen, desto mehr „System“ hinter dieser ganzen Vorschulerziehung der Deutschen Demokratischen Republik wird mir offenbart.

Ich möchte in dieser Hausarbeit versuchen diese Erziehung und Sozialisation, in dem sozialistischen Staatssystem der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, zu erläutern. Ich will versuchen ihre damaligen Methoden, Ziele und Strukturen aufzuzeigen aber auch versuchen den „Kindergartenalltag“ ein wenig zu beleuchten. War der Sinn und Zweck der sozialistischen Vorschulerziehung einzig und allein die Herausbildung der sozialistischen Persönlichkeit?

2. Definition

Um in das Thema der Vorschulerziehung einzusteigen möchte ich zu aller erst einmal den Begriff der Vorschulerziehung völlig neutral betrachtet definieren.

Unter der Vorschulerziehung versteht man im weiteren Sinn die gesamte Erziehung, welche einem Kind vor der Einschulung, also der Schulreife zuteil wird. (vgl. Brockhaus, 257)

Es existieren hier zwei Faktoren als Sozialisationsinstanzen. Erstens durch das Elternhaus, auf welche ich in meinen Ausführungen weniger eingehen möchte, und zweitens durch die Kinderkrippe / Kindergarten. Im engeren Sinn bedeutet Vorschulerziehung die gezielte Vorbereitung des noch nicht schulreifen Kindes auf die Schule beziehungsweise den Schulbesuch. (vgl. Brockhaus, 257)

Was bedeutet jedoch der Kindergartenbesuch für das Kind? Das Kind besucht Tag für Tag den Kindergarten. Hier wird es höchstwahrscheinlich nur erzogen oder betreut weil die Eltern berufstätig sind. Viele Eltern würden ihre Kinder nicht in einen Kindergarten bringen, wenn sie finanziell unabhängiger wären. Das Kind bekommt im Kindergarten Werte und Normen der Gesellschaft vermittelt, lernt mit anderen unbekannten Kindern umzugehen, findet Freunde und lernt seinen Standpunkt in Gruppe kennen.

Diese Vorschulerziehung findet jedoch fern der Sozialisation des Elternhauses statt, denn der Inhalt dieser Erziehung wird durch den regierenden Staat definiert. Das Elternhaus mit seinen Werten und Normen haben hier nur einen geringen Einfluss.

3. Herleitung und Rahmenbedingungen

Nachdem im Mai 1945, nach 6 Jahren Krieg, die deutsche Kapitulation unterzeichnet wurde, war noch keinem deutschen Bürger bewusst, welche grundlegende Umgestaltung die alliierten Siegermächte mit dem in Schutt und Asche liegenden Deutschland vorhatten. Das verwüstete Land wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Auf den Straßen herrschte Not und Elend. Der tägliche Überlebenskampf um Nahrung und ein festes Dach über dem Kopf war gerade in den Städten allgegenwärtig. Die Ehemänner waren im Krieg gefallen oder befanden sich in Kriegsgefangenschaft. Nun war es an den Frauen. Sie machten sich schon sehr früh und schnell an den Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Was jedoch geschah mit den zum Teil Waise gewordenen Kindern und Kleinkindern? Wer kümmerte sich um die Kinder der „Trümmerfrauen“, während diese den ganzen Tag über hart an dem Wiederaufbau des Landes arbeiteten?

Vielerorts waren die Kinder sich selbst und ihrem eigenen Schicksal überlassen.

Wie schon aus der Fragestellung und auch dem Thema zu entnehmen, möchte ich mich bei meiner Ausarbeitung auf die Deutsche Demokratische Republik konzentrieren. Deshalb werde ich an dieser Stelle die amerikanische, britische und französische Besatzungszone außer Betracht lassen und mich ab jetzt nur auf die sowjetische beziehen, welche dann ja im Verlauf der Geschichte zur Deutschen Demokratischen Republik wird.

Relativ schnell, nämlich am 30. Mai, 22 Tage nach der Kapitulation Deutschlands, eröffnet im Berliner Stadtteil Weißensee in der sowjetischen Besatzungszone der erste Kindergarten. Am 5. Juni eröffnet dann der Zweite mit der Unterstützung der sowjetischen Stadtkommandantur. (vgl. Barow-Bernstorff 1977, 423)

Über die ersten Nachkriegsjahre werden nun immer mehr Kindertagesstätten, verteilt über die gesamte sowjetische Besatzungszone, kontinuierlich eröffnet. So kommt es, dass bereits im Jahr 1950 die Zahl der Kindergärten auf circa 4000 geschätzt wird. (vgl. Krecker 1986, 434)

Diese frühen Einrichtungen waren oft in ehemaligen Gefangenenlagern oder Lagerräumen zu finden. Die Ausstattung war sperrig. Objektiv betrachtet war der Zustand also katastrophal. Die Dächer waren undicht und es zog durch die dünnen Holzwände.

Jede Kindertagesstätte war für circa 45 Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren ausgelegt. Es gab oft mehrere Aufenthaltsräume, die mit kleinen Öfen und diversen Schlafmöglichkeiten ausgestattet waren. (vgl. Stürmer 1954, 59)

So stellte sich der Anfang der sozialistischen Vorschulerziehung dar. Zu diesem Zeitpunkt wurden noch keine festen Erziehungsziele postuliert. Das Ziel dieser Tagesstätten war vorerst die Entlastung der arbeitenden Mütter und das Schaffen eines sicheren Umfeldes für die Kinder tagsüber.

4. Ziele der sozialistischen Vorschulerziehung

In diesem Teil meiner Hausarbeit möchte ich nun auf die allgemeinen Ziele der Vorschulerziehung der Deutschen Demokratischen Republik eingehen. Diese sollen wirklich kurz, knapp und universell die sozialistischen Erziehungsgedanken über den kompletten Zeitraum der Existenz dieses Systems aufzeigen.

Am 1. September 1985 wurde von Margot Honecker, der damaligen Ministerin für Volksbildung, das sogenannte „Blaue Buch“ herausgegeben. Dieses trat für alle staatlichen Kindergärten mit sofortiger Wirkung verbindlich in Kraft. Dieses „Blaue Buch“ war der Meilenstein der Kindergartenpädagogik in der Deutschen Demokratischen Republik. Hier wurde schriftlich fixiert, dass das Kind der sozialistischen Arbeiter- und Bauernfamilie von klein auf zu einem sozialistischen Staatsbürgern zu erziehen sei. (vgl. Kosubeck 1987, 699)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Zur Vorschulerziehung in der Deutschen Demokratischen Republik
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V197541
ISBN (eBook)
9783656236429
ISBN (Buch)
9783656237761
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vorschulerziehung, deutschen, demokratischen, republik, DDR, Vorschule, Sozialisation, Kinder, Kindergarten, KITA, Krippe
Arbeit zitieren
Stephan Janzyk (Autor), 2009, Zur Vorschulerziehung in der Deutschen Demokratischen Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197541

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