Betrachtet man die politische Historie der römischen Republik, so erkennt man schnell, dass diese Geschichte stark geprägt war von dem Kampf um politische Mitbestimmung. Insbesondere die Plebejer, die nichtadelige Bevölkerung der Republik, forderten immer deutlicher ein Recht auf signifikante Partizipation in politischen Fragen ein. Da die Entscheidung über politische Sachverhalte jedoch traditionell den adeligen Patriziern oblag, kam es zu einem Gegensatz zwischen diesen beiden Bevölkerungsgruppen, der in den jahrhundertelang immer wieder aufflammenden Ständekämpfen seine deutlichste Ausprägung fand. Im Verlaufe dieser wurde den Plebejern tatsächlich eine beachtliche Fülle an Mitbestimmungsrechten übertragen. So erhielt die Plebs eine eigenständige Volksvertretung, das concilium plebis. Dieser Volksvertretung gelang es, sich in etwa zwei Jahrhunderten in der Politik der Republik zu etablieren und darüber hinaus alle weiteren Volksvertretungen an Bedeutung zu übertreffen. Aufgrunddessen wird das concilium plebis als das “most effective medium of legislation“ (A. Lintott, 1999) im republikanischen Rom bezeichnet. Das Zitat weist auch darauf hin, dass mit dem Aufstieg des concilium plebis die Machtverhältnisse in Rom „umgekehrt“ wurden, was bedeuten soll, dass der Großteil der politischen Macht von den Patriziern auf die Plebejer übertragen wurde.
Inhaltsverzeichnis
1.: Einleitung und Forschungsdiskussion
2.: Hauptteil
2. 1.: Entstehungsgeschichte des concilium plebis
2. 2.: Die Rolle des concilium plebis im Gesamtgefüge der römischen Volksversammlungen
2. 3.: Das Verhältnis der Patrizier zum etablierten concilium plebis
3.: Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den politischen Machtzuwachs des concilium plebis in der Römischen Republik, um zu ergründen, wie es trotz seines Ursprungs als Gegenpol zur patrizischen Ordnung zur einflussreichsten gesetzgebenden Versammlung aufsteigen konnte.
- Historische Entstehung im Kontext der Ständekämpfe
- Vergleichende Analyse der römischen Volksversammlungen
- Bedeutung der lex Hortensia für die legislative Autonomie
- Methoden der patrizischen Einflussnahme und Manipulation
- Wandel der Machtverhältnisse zwischen Patriziern und Plebejern
Auszug aus dem Buch
2. 1.: Entstehungsgeschichte des concilium plebis
Gründung des concilium plebis. Will man die Gründungsgeschichte des concilium plebis ergründen, so muss man sich zunächst einen Überblick über den historischen Kontext verschaffen. Die Gründung des conciliums wird im Allgemeinen, basierend auf den Darstellungen Livius’2, auf das Jahr 471 v. Chr. datiert. Zu dieser Zeit dominierten die Ständekämpfe den römischen Alltag. Der Grund für diesen Konflikt zwischen Plebejern und Patriziern war die stark begrenzte politische Partizipation der Plebejer. Die nichtadeligen Plebejer äußerten mit zunehmender Deutlichkeit ihr Verlangen nach politischen Reformen und standen besonders dem mos maiorum kritisch gegenüber. Der mos maiorum (übersetzt etwa „Sitte der Vorfahren“) war ein ungeschriebener Kodex moralischer Vorstellungen, die die politischen Praktiken des herrschenden adeligen Patriziertums maßgeblich bestimmten. Da die Patrizier den mos maiorum als sakrales von den Göttern gegebenes Regelwerk sahen, lehnten sie politische Reformen strikt ab. Im Gegensatz dazu betrachteten die Plebejer die „Sitte der Vorfahren“ als eine Sammlung von Gewohnheitsrechten, die keinen Bezug zum Göttlichen hätte, sodass die Plebejer es als legitim sahen, Reformen zu fordern.
494 v. Chr. kam es schließlich zu der secessio plebis, der demonstrativ zur Schau gestellten Verweigerung des Militärdienstes durch die Plebejer. Durch den so geäußerten Protest gerieten die Patrizier zunehmend unter Druck, welcher noch dadurch verstärkt wurde, dass sich die Plebejer mehr und mehr organisierten, um gemeinsam über ihre politischen Forderungen zu beraten. Bei einem dieser Treffen, welches wohl noch im Jahr der secessio stattfand, wurden auch die ersten Volkstribune der römischen Geschichte gewählt. Einer dieser Volkstribune, L. Publilius Volero, schlug 471 v. Chr. vor, dass eine Volksversammlung geschaffen werden sollte, deren Mitglieder ausschließlich der plebejischen Bevölkerungsgruppe entstammten. Ein Volkstribun sollte als Vorsitzender dieser Versammlung der Plebejer fungieren. Auf den Druck der plebejischen Massen hin wurde dieser Vorschlag umgehend akzeptiert, sodass das Jahr 471 v. Chr. als das Gründungsjahr des concilium plebis angesehen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1.: Einleitung und Forschungsdiskussion: Einführung in die Thematik der Ständekämpfe und Definition der Zielsetzung der Arbeit, inklusive einer Darstellung der verwendeten Quellenlage.
2.: Hauptteil: Detaillierte Analyse der Entstehung, der institutionellen Struktur und des Verhältnisses des concilium plebis zur patrizischen Elite.
2. 1.: Entstehungsgeschichte des concilium plebis: Untersuchung der historischen Ursprünge und der ersten Schritte der Plebejer zur politischen Selbstorganisation bis zur Anerkennung als verfassungskonforme Versammlung.
2. 2.: Die Rolle des concilium plebis im Gesamtgefüge der römischen Volksversammlungen: Vergleich des concilium plebis mit anderen Versammlungen wie den comitia curiata und centuriata zur Begründung seines legislativen Aufstiegs.
2. 3.: Das Verhältnis der Patrizier zum etablierten concilium plebis: Analyse der Versuche des Senats und der Patrizier, die Entscheidungen des concilium plebis durch Manipulation und formale Mitsprache zu beeinflussen.
3.: Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Umkehr der Machtverhältnisse und der Auswirkungen der Ständekämpfe auf die politische Sozialstruktur Roms.
Schlüsselwörter
Römische Republik, concilium plebis, Ständekämpfe, Plebejer, Patrizier, lex Hortensia, patrum auctoritas, Volkstribun, plebiscitum, politische Partizipation, Verfassungsgeschichte, mos maiorum, Legislative, Volksversammlung, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des concilium plebis und zeigt auf, wie diese Versammlung zur zentralen legislativen Institution der Römischen Republik aufstieg.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Konflikte zwischen Patriziern und Plebejern (Ständekämpfe), die organisatorische Struktur der verschiedenen Volksversammlungen sowie die Verfassungsgeschichte der Republik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für den enormen Machtzuwachs des concilium plebis zu identifizieren und die daraus resultierende Umkehr der politischen Machtverhältnisse in Rom zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer kritischen Analyse einschlägiger antiker Quellen (insbesondere Livius) sowie der Auswertung historischer Sekundärliteratur und moderner Forscherthesen.
Welche Schwerpunkte setzt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese des concilium plebis, einen Vergleich mit bestehenden Versammlungsformen wie den comitia centuriata sowie die Analyse der patrizischen Gegenstrategien.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Römische Republik, concilium plebis, Ständekämpfe, lex Hortensia und die politische Emanzipation der Plebejer.
Welche Rolle spielt die lex Hortensia?
Sie wird als entscheidender Wendepunkt dargestellt, der die patrum auctoritas abschaffte und die Beschlüsse des concilium plebis verbindlich für das gesamte römische Volk machte.
Wie versuchten Patrizier, das concilium plebis zu beeinflussen?
Die Methoden reichten von der Manipulation des Abstimmungsverhaltens durch Patronatsverhältnisse bei den contiones bis hin zur offiziellen Einflussnahme auf die Volkstribune.
- Arbeit zitieren
- Chris Lukas Walkowiak (Autor:in), 2011, Entwicklungsgeschichte und Machtzuwachs des concilium plebis in der Römischen Republik , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197567