Hilfe zur Selbsthilfe anstatt Entwicklungshilfe - Eine umsetzbare Strategie für Afrika?


Seminararbeit, 2012

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklarung und kurzer geschichtlicher Ruckblick uber die Entwick- lungshilfe

3. Entwicklungshilfe Oder ,,Hilfe zur Selbsthilfe“? - mittlerweile eine Grundsatzdebatte
3.1 Voten fur die Entwicklungshilfe in Afrika
3.2 Voten fur die ,,Hilfe zur Selbsthilfe" Afrikas, oder: - „„Wer Afrika helfen will, darf kein Geld geben"

4. Wo liegt der „gemeinsame Nenner“ aller Stimmen?
4.1 Was die moderne Entwicklungshilfe laut Experten tun kann / tun sollte
4.2 Ausgewahlte Aspekte der „neuen Entwicklungshilfe"
4.2.1 Hilfe am Beispiel der Eigenverantwortung (Hilfe zur Selbsthilfe)
4.2.2 Hilfe am Beispiel der Verbesserung der politischen Strukturen
4.2.3 Hilfe am Beispiel von Klein- und Mikrokrediten
4.2.4 Hilfe am Beispiel von Bildung und spezieller Forderung der Frauen

5. Schlusswortund Fazit

6. Appendix

7. Literaturverzeichnis

Hilfe zur Selbsthilfe anstatt Entwicklungshilfe - Eine umsetzbare Strategie fur Afrika?

1. Einleitung

„Tief in jedem liberalen Glauben gibt es eine innere Gewissheit, dass in einer Welt moralischer Unsicherheit eine bestimmte Idee heilig ist, dass ein bestimm- ter Glaube nicht kompromittiert werden darf: Die Reichen mussen den Armen helfen, und auf internationaler Ebene ist das eine Frage der Entwicklungshilfe.

[...] Doch geht es den Afrikanern durch die mehr als eine Billion Dollar Entwick­lungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten gezahlt wurde, tatsachlich besser?

Nein, im Gegenteil: Den Empfangern der Hilfeleistungen geht es wesentlich schlechter. Entwicklungshilfe hat dazu beigetragen, dass die Armen noch armer werden und dass sich das Wachstum verlangsamt. [...] Die Vorstellung, Entwick­lungshilfe konne systematische Armut mindern und habe dies bereits getan, ist ein Mythos. “1

Mit diesen und ahnlichen Aussagen - vor allem in ihrem Werk „Dead Aid" heizte Dambisa Moyo unlangst die Diskussion an, ob Entwicklungshilfe Afrika wirklich hilft, oder ob es doch mehr anzustreben ware, Afrika Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Moyos Werk lasst sicherlich aufhorchen, ist aber nicht unumstritten.

Es ist klar, dass die Thematik, die hinter dieser Diskussion steckt, ausserst komplex - und vor allem multifaktoriell beeinflusst - ist. Der Anspruch dieser Arbeit ist dem- entsprechend weniger das Losen dieser Grundfrage, sondern das Analysieren und Abwagen verschiedenerAnsichten und Diskussionsinhalte.

Um in die Thematik einzusteigen, gibt die Arbeit in einem ersten Teil einen kurzen geschichtlichen Uberblick uber die Entwicklungshilfe (in Afrika). Anschliessend wer­den die Fragen diskutiert, inwiefern Entwicklungshilfe in Afrika bisher (technische, ) Fortschritte verzeichnen konnte, ob sie tatsachlich Armut reduziert, also allgemein als ,,erfolgreich" eingestuft werden kann und welche anderen Moglichkeiten zur Hilfe es konkret gabe/geben konnte; als vertieftes Beispiel wird dabei die Demokratische Re- publik Kongo aufgegriffen, mit der sich auch Dambiso Moyo in ihrem Werk eingehen- der beschaftigt.

In einem abschliessenden Teil wird ein Fazit gezogen und ein moglicher Ausblick auf die weitere Entwicklungszusammenarbeit mit afrikanischen Landern gegeben. Wich- tig dabei ist zu wissen, dass die Stimmen, die in diesem Text zu Wort kommen, nur eine Auswahl ist, also niemals die Meinung aller vertreten kann.

2. Begriffsklarung und kurzer geschichtlicher Ruckblick uber die Entwick- lungshilfe

Die Begriffe „Entwicklungspolitik - Entwicklungshilfe - Entwicklungszusammenarbeit" sind vielverwendet; will man in der Geschichte der humanitaren Hilfe zuruckblicken, kommt man automatisch auch auf den Begriff der ,,Entwicklungspolitik". Klaus Bode- mer versteht unter dem Begriff der Entwicklungspolitik das wirtschaftliche, soziale, politische und auch kulturelle Engagement von Staaten und ihren Institutionen (inter­national oder nichtstaatliche Organisationen) in Regionen, die als „unterentwickelt” und damit als hilfsbedurftig eingeschatzt werden. 2 Ziel ist der „wirtschaftliche Fort- schritt und die Verbesserung der Lebensbedingungen in Entwicklungslandern" .3 Da­bei gibt es eine Zweiteilung: Seit dem Jahr 1971 (nach einer Vollversammlung der Vereinten Nationen) werden die Empfangerlander der Entwicklungspolitik in soge- nannte ,,Least Developed Countries" (LLDC) und in ,,Less Developed Countries" (LDC) eingeteilt/unterschieden. 4

Doch gehen wir zuerst einmal zuruck zu den Anfangen: Der Beginn der Entwick­lungshilfe ist vor ungefahr 60 Jahren anzusiedeln. Als ,,Grunder" des Entwicklungshil- fe-Gedankens wird oft Harry S. Truman - in Zusammenhang mit seinem ,,Point-Four- Program" - genannt. Interessantes Detail seiner Rede ist dabei, dass er bereits 1949 erwahnte, man musse „unterentwickelten Landern helfen, sich selbst zu helfen.“5 Etwas anders sieht es aber beispielsweise Philipp Lepenies von der Frankfurter Rundschau:

„Vor 60 Jahren begrundete Harry S. Truman in seiner Antrittsrede die Entwick­lungshilfe. Der US-Prasident wollte die Ausbreitung des Kommunismus verhin- dern. [...JTruman sprach von der Armut und dem Elend, in dem uber die Halite der Menschen auf der Welt lebte. Gleichzeitig betonte er, dass die Menschheit zum ersten Mal in ihrer Geschichte das notwendige Wissen besaR, um dieses Elend zu bekampfen. Er forderte die entwickelten Staaten und die Vereinten Na- tionen auf, diese Kenntnisse einzusetzen, um die Situation in den unterentwi- ckelten Landern zu verbessern. "Unterentwickelt" war dabei das entscheidende Stichwort.“ 6

In seinem Artikel kritisiert Lepenies vor allem die Tatsache, dass Entwicklungshilfe zunachst als aussenpolitisches Instrument und als Instrument der Machtpolitik fun- gierte und „einige wenige Lander“ damals einfach entschieden, „nach welchen Krite- rien ein Land als entwickelt oder als weniger entwickelt zu gelten hat.“ 7 Diese Mei- nung wird auch von Rainer Erkens geteilt, der in seinem Werk „Irrwege und Chancen der Entwicklungspolitik in Afrika. Eine liberale Perspektive“ schreibt:

„Wahrend der Jahre des Kalten Krieges ging es bei der Entwicklungspolitik im- mer auch, wenn nicht sogar hauptsachlich, darum, die Staaten Afrikas von einer zu engen Anlehnung an die Sowjetunion und ihre Verbundeten abzuhalten. Ent­wicklungspolitik war ein Element des Ost-Westkonflikts, Afrika ein Austragungs- ort fur die Rivalitat der Supermachte. “ 8

In der Folge der Entwicklungspolitik anderten sich die Hilfsstrategien dann mehrmals; war es in den 60-er-Jahren vornehmlich die angestrebte ,,Entwicklung nach Wachs- tum“, in den 70ern die ,,Strategie der Grundbedurfnisse“, so anderte sich die Strate- gie (nach dem ,,verlorenen Jahrzehnt“, den 80ern) seit den 90er-Jahren immer mehr in die Richtung der ,,Nachhaltigen Entwicklungsarbeit“. Auf die Strategien hier naher einzugehen, wurde den Rahmen dieser Arbeit allerdings sprengen, weshalb an die- ser Stelle darauf verzichtet wird.9

Schaut man auf die humanitaren Hilfeleistungen der Schweiz, so lasst sich folgendes sagen: Seit den 60er-Jahren wurde systematisch in Entwicklungshilfe-Projekte inves- tiert. Die Schweizer Gelder wurden konstant erhoht. Waren es Anfang I960 noch 15,1 Millionen Schweizer Franken, so wurde es 1990 bereits eine Milliarde. Und die­ser Betrag vergrosserte sich bis 2008 auf uber 2 Milliarden.10 Alleine die DEZA gab 2011 uber 1,5 Mia Schweizer Franken aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: AusgabenderDEZA, 2007-2011

Quelle: www.deza.admin.ch

Weltweit ist der gleiche Trend festzustellen: In den vergangenen funfzig Jahren sind mehr als 2 Billionen Dollar Entwicklungsgelder von den reichen an die armen Lander geflossen. Der Grossteil davon ging nach Afrika. 11 Doch wie gross ist tatsachlich der Nutzen all dieser Gelder, wenn es in Lander fliesst, die beispielsweise durch Kor- ruption gekennzeichnet sind und die Gelder gar nie dort ankommen, wo die eigentli- che Not herrscht? Dieser „Entwicklungshilfe-bringt-doch-nichts-Trend“ hat in den letz- ten Jahren markant zugenommen. So schrieb beispielsweise die NZZ am 28. Febru- ar2011:

„Erneute Grundsatzdebatte -[...] Die Gegner der Aufstockung zogen deren Nut­zen in Zweifel und machten finanzpolitische Bedenken geltend. Die Befurworter argumentierten, es gehe um Menschen, die hungerten und keinen Zugang zu Trinkwasser hatten. Angemessene Entwicklungshilfe sei ein Gebot der Solidari­ty fur ein wohlhabendes Land, aber auch im Eigeninteresse der Schweiz“.12

Auch bei den Lesern der NZZ nimmt die Anzahl der Entwicklungshilfeverfechter im- mer mehr zu. So ist im Leserkommentar von Peter Kuhn am 01.Marz 2011 zu lesen:

„Falsches Gutmenschentum! Jeder, der einigermassen informiert und wach ge- nug ist, weiss, dass diese Entwicklungshilfe hauptsachlich sinnlos hinausgewor- fenes Steuergeld ist. Uber 600 Milliarden USD ($) wurden zum Beispiel von den Geber-Landern alleine fur Afrika ausgegeben oder gespendet. Ohne den ge- ringsten messbaren Erfolg, ein riesiges Fass ohne Boden. Man fordert damit nur die Korruption auf hoher und hochster Ebene. Jene haben sich schamlos berei- chert, das Volk ist arm wie zuvor. Wichtig ist, dass unsere selbstverliebten, reali- tatsfremden Gutmenschen, Heuchler und Uberhumanisten die durchwegs bei der Classe politique angesiedelt sind, wieder beruhigt und gut schlafen konnen[...]13

3. Entwicklungshilfe Oder „Hilfe zur Selbsthilfe“? - mittlerweile eine Grund- satzdebatte

Wie bereits in der Einleitung erwahnt, schart die Diskussion uber die Entwicklungshil- fe/-politik Befurworter der Entwicklungshilfe ebenso um sich, wie klare Verfechter.

In den folgenden drei Abschnitten sollen nun zunachst einige Stimmen in die Diskus­sion aufgenommen werden. Auf der Seite der Befurworter stehen dabei Martin Da- hinden, Sylvia Stutzer, Wolfang Gieler - auf der Seite der Verfechter in erster Linie Dambisa Moyo, aber auch Kurt Gerhard, Volker Seitz oder James Shikwati.

3.1 Voten fur die Entwicklungshilfe in Afrika

In der heutigen Zeit positive Voten zu finden, gestaltet sich ziemlich schwierig. Es scheint, als wolle sich niemand (neben Akteuren (inter-) nationaler Organisationen und NGO’s) mehr so recht die „Finger“ an der Meinung der positiven Wirkung von Entwicklungshilfe ,,verbrennen“. Fur Martin Dahinden, Betriebswirtschaftler und Direk- tor der DEZA, steht dennoch nach wie vor fest:

„Wir leisten Entwicklungshilfe, weil wir zur Solidaritat mit den Armsten der Welt verpflichtet sind. [...] Angesichts der starken Abhangigkeit der Schweiz vom Aus- land treffen sich die Interessen unseres Landes mit den Zielen der Entwick- lungszusammenarbeit. Wenn die Welt gerechter wird, geht es auch der Schweiz besser.“14

Ahnliche Stimmen kommen beispielsweise auch von Sylvia Stutzer (deutsche Polito- login) und von Carl Graf Hohenthal (deutscher Journalist). Sie alle, einschliesslich Martin Dahinden, verweisen aber auch ausdrucklich darauf hin, dass sich die Art und Weise der Hilfe der beschleunigten globalen, politischen, sozialen und kulturellen Prozesse unbedingt anpassen muss.

[...]


1 Moyo, Dambisa, 2011: S. 22

2 vgl. Bodemer, Klaus, 1993: S. 215 - 220

3 Pigni, Sibylla, 2010, S. 26

4 vgl. Nuscheler, Franz, 2004: S. 99 - 103

5 vgl, Truman, Harry, 1949: S. 123

6 Lepenies, Philipp, Frankfurter Rundschau, www.fr-online.de, 20.01.2009

7 Lepenies, Philipp, Frankfurter Rundschau, www.fr-online.de, 20.01.2009

8 Erkens, Rainer, 2006: S. 26

9 Docupedia-Zeitgeschichte, http://docupedia.de, 01.05.2012

10 Die Weltwoche, www.weltwoche.ch, Ausgabe 41 / 2009

11 Die Weltwoche, www.weltwoche.ch, Ausgabe 41/2009

12 NZZ online, www.nzz.ch, 28.02.2011

13 Kuhn, Peter, NZZ online, www.nzz.ch, 01.03.2011

14 Dahinden, Martin, 2011:S. 1- 2

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Hilfe zur Selbsthilfe anstatt Entwicklungshilfe - Eine umsetzbare Strategie für Afrika?
Hochschule
Universität Basel  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Internationale Konflikte und Globalisierung
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V198016
ISBN (eBook)
9783656243205
ISBN (Buch)
9783656244721
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hilfe, selbsthilfe, entwicklungshilfe, eine, strategie, afrika
Arbeit zitieren
Martina Leser (Autor), 2012, Hilfe zur Selbsthilfe anstatt Entwicklungshilfe - Eine umsetzbare Strategie für Afrika?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198016

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