Lernbereichsübergreifender Deutschunterricht in der Grundschule

Freies Schreiben zu einem Kinderbuch


Hausarbeit, 2008

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Integrativer Deutschunterricht
2.1 Integration der Lernbereiche
2.2 Lernbereiche des Faches Deutsch
2.2.1 Mündliches Sprachhandeln
2.2.2 Schriftliches Sprachhandeln
2.2.3 Umgang mit Texten und Medien
2.2.4 Sprache reflektieren

3. Beispiel für Lernbereichsübergreifenden Unterricht: Das Bilderbuch
3.2 Mündliches Sprachhandeln
3.3 Schriftliches Sprachhandeln
3.3.1 Das Konzept des Freien Schreibens
3.3.2 Das Bilderbuch als Schreibanlass
3.4 Umgang mit Texten und Medien
3.5 Sprache reflektieren

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem lernbereichsintegrierenden Unterricht im Fach Deutsch. Dazu möchte ich zuerst klären, was man unter dem Begriff Integration oder integrativer Unterricht versteht. Diese Ansätze werden oft in Verbindung gebracht mit ei­ner sozialen Integration von Minderheiten oder benachtei­ligten Gruppen. Um diese Form der Integration geht es hier aber nicht, sondern um die Integration von Inhalten, speziell von Inhalten innerhalb der Binnengrenzen des Faches Deutsch.

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich also mit den Fragen: Was ist Integration und welche Ansätze gibt es? Da es insbesondere um die Integration von Lernbereichen des Faches Deutsch geht, werde ich diese kurz beschreiben und stütze mich dabei auf die Richtlinien und den Lehrplan Deutsch für das Land Nordrhein-Westfalen.

Im zweiten Teil der Arbeit möchte ich ein Beispiel für eine lernbereichsintegrierende Unterrichtseinheit darstellen, die als Thema ein Kinderbuch behandelt. Ich möchte herausarbeiten, wie sich Kinderliteratur im Unterricht einsetzen lässt und ob es sich für den integrativen Ansatz eignet. Ich werde dazu auf die einzelnen Lernbereiche eingehen und zeigen wie diese in der dargestellten Unterrichtseinheit behandelt werden können.

2. Integrativer Deutschunterricht

Der Begriff Integration ist „in der derzeitigen pädagogischen Diskussion in aller Munde“[1]. Bei seiner Verwendung ist allerdings nicht immer dasselbe gemeint, da der Begriff unterschiedliche Anwendungen findet. Das Wort an sich kommt aus dem Lateinischen (integrare) und beschreibt wörtlich übersetzt die (Wieder-) Herstellung eines Ganzen oder die Eingliederung eines Teils in ein größeres Gan­zes. Integrativer Unterricht soll ganzheitlich und offen sein, den ganzen Menschen ansprechen.[2]

Der integrative Unterricht steht im Gegensatz zu einem systematischen und rein fachlich orientierten Unterricht, wie er lange Zeit im Deutschunterricht der Grund­schule vorherrschte. Die Unterrichtsplanung orientierte sich „ausschließlich an den Inhalten, Strukturen und Arbeitsweisen der jeweiligen Bezugswissenschaft“[3]. An dieser Form des Unterrichts wurde bemängelt, dass er keinen Bezug zum Leben der Schüler habe und nur abstraktes Wissen vermittele. Diesem einseitigen Unter­richt soll der integrative Ansatz entgegenwirken.

Im Lehrplan Deutsch wird der integrative Ansatz explizit genannt und gefordert:

„Wichtige Inhaltsfelder des integrativen Deutschunterrichts sind die Alltags­erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, bisherige und neue Sacherfahrun­gen [und] ein fantasievoller Umgang mit Sprache“[4].

Sprachliches Handeln soll in herausfordernden Situationen stattfinden, die für die Schüler wirkliche Anlässe zum Handeln sind.

Im Deutschunterricht gibt es verschiedene Formen der Integration. Zum Einen kann es bedeuten, dass Schulisches und Außerschulisches verknüpft werden. „Im Unterricht [wird] an Problemstellungen aus der Lebenswelt des Kindes angeknüpft“[5]. Eine weitere Form der Integration ist, dass Inhalte innerhalb des Faches integriert werden. Die einzelnen Lernbereiche werden zu einer Einheit verknüpft. Diese Form der Integration wird später noch vertieft behandelt. Integra­tion im Deutschunterricht kann aber auch bedeuten, dass über die Fachgrenze hinaus integriert wird. Die Begriffe fächerübergreifender Unterricht oder Projekt­unterricht werden hierfür oft verwendet. Es steht dabei meist ein Themengebiet im Vordergrund, das dann fächerübergreifend behandelt wird.

Probleme des integrativen Unterrichts werden oft darin gesehen, dass es zu ei­nem Mangel an Systematik kommen kann oder dass sie zu hohe Anforderungen an die Lehrer stellt. Oft scheitert es an organisatorischen Problemen, weil man sich zum Beispiel mit Kollegen absprechen muss oder kein geeignetes Material zur Verfügung hat. Doch diese Gefahr ist laut Dieter „nur dann gegeben, wenn man das integrative Vorgehen nur halbherzig oder ohne ausreichendes Wissen darüber, wozu es letztendlich dienen soll betreibt“[6].

Baurmann und Menzel sehen eine Hürde für den integrativen Unterricht in der Ausbildung der Lehrer, die die schwierige Umsetzung des integrativen Ansatzes kaum leisten können, da sie nur für einzelne Fächer ausgebildet werden und nicht für fächerübergreifende Zusammenhänge.

„In der Praxis gibt es (...) erhebliche Unsicherheiten, was in welcher Weise integriert und gewichtet, ob überhaupt und gegebenenfalls wie integriert gear­beitet werden kann.“[7]

2.1 Integration der Lernbereiche

Für den Umgang mit den Binnengrenzen des Faches Deutsch, also mit den Grenzen zwischen den einzelnen Lernbereichen, unterscheiden Kunze und Krejci drei verschiedene Ansätze. Sie nennen zum einen den Lernbereichsseparieren­den Ansatz und zum anderen den Integrativen Ansatz. Außerdem sprechen sie noch von einem Mischmodell.

Beim Lernbereichsseparierenden Ansatz stehen alle Bereiche nebeneinander und werden kaum miteinander verknüpft. Dafür spricht, dass es „bei dieser Form der Unterrichtsorganisation einfacher ist, systematisch vorzugehen“[8].

Beim Integrativen Ansatz werden „sprachliches und literarisches Lernen (...) eng miteinander verbunden, was systematische bzw. separierende Momente nicht ausschließt“[9]. Zwischen diesen beiden Ansätzen steht das Mischmodell, bei dem Integration und Separation kombiniert werden.

Für den Integrativen Ansatz spricht, dass „diese Form der Unterrichtsorganisa­tion eher dem ganzheitlichen Denken von Grundschülern, deren Lernbedürfnissen und Lernmöglichkeiten entspricht“[10]. Die Kinder erfahren so außerdem, dass die Bereiche des Deutschunterrichts keine isolierten Teilaspekte der Sprache sind, sondern erst zusammenwirkend an Bedeutung gewinnen. Ihnen wird also „das Verknüpfen einzelner Wissensbestände erleichtert, dem typischen ‚Schubladen­wissen‘ kann entgegengewirkt werden“[11].

Für eine sinnvolle Integration der Lernbereiche im Deutschunterricht müssen aber auch einige Voraussetzungen erfüllt werden. Die integrierten Themen müs­sen zusammenpassen. Eine Integration darf nicht erzwungen werden, denn nicht alle Aspekte lassen sich sinnvoll miteinander verknüpfen. Die Lernprozesse in den einzelnen Lernbereichen müssen sich außerdem gegenseitig unterstützen und das übergeordnete Ziel darf nicht aus den Augen verloren werden.

Bei der Integration der Binnengrenzen des Faches Deutsch gibt es auch ver­schiedene Möglichkeiten der Organisation. Umfang und Grad der Integration kön­nen unterschiedlich ausgeprägt sein. Eine Integration kann ständig und in allen Lernbereichen stattfinden, oder nur gelegentlich und in ausgewählten Bereichen. Außerdem kommt die Frage auf, ob man wirklich nur innerhalb der Binnengrenzen des Faches integriert, oder ob sich auch ein, zumindest teilweiser, fächerüber­greifender Unterricht anbietet.

„[Es] wird die Auffassung vertreten, daß es für die Ausweitung und Förderung der sprachlichen Handlungsfähigkeit von Grundschülern nützlich ist, alle Lern­bereiche des Sprachunterrichts möglichst weitgehend zu integrieren.“[12]

Vor allem die Bereiche des mündlichen und schriftlichen Sprachhandelns sind eng miteinander verbunden. So ist zum Beispiel beim Schreiben von Texten die Vorbe­reitung in Gesprächen kaum zu umgehen.

Manchmal kann es aber trotzdem notwendig sein, dass man den integrativen Unterricht durch lernbereichsseparierenden ergänzt. Lernvoraussetzungen von Lerngruppen oder Themen, die sich nicht sinnvoll integrieren lassen, können dies erforderlich machen. Gerade die Integration von Rechtschreibung und Grammatik wird manchmal als schwierig empfunden[13]. Solche lernbereichsseparierende Ein­heiten haben sich aber als „Ruhepole zwischen den anspruchsvollen integrativen Unterrichtseinheiten“[14] erwiesen.

Bei der Planung und Organisation von integrativem Sprachunterricht sollte man einige Punkte beachten.[15] Um einen erfolgreichen integrativen Unterricht zu leis­ten müssen die Lerneinheiten überschaubar bleiben, es müssen regelmäßige Wiederholungen stattfinden und die Inhalte sollten immer an konkreten Situationen erfolgen und aus der Erfahrungswelt der Schüler stammen.

2.2 Lernbereiche des Faches Deutsch

Das Fach Deutsch wird in die folgenden Lernbereiche unterteilt: mündliches Sprachhandeln, schriftliches Sprachhandeln, Umgang mit Texten und Medien und Sprache reflektieren. Der Bereich schriftliches Sprachhandeln schließt dabei die Rechtschreibung mit ein, die manchmal auch als eigenständiger Bereich behan­delt wird. Alle Lernbereiche werden im Lehrplan Deutsch, herausgegeben vom Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen, ein­zeln behandelt und ihnen werden Aufgabenschwerpunkte und Unterrichtsge­genstände zugeordnet, die verbindlich sind. Nachfolgend werden kurz die einzel­nen Lernbereiche erläutert, besonders in Bezug auf die 3. Klasse und in Bezug auf die später vorgestellte lernbereichsübergreifende Unterrichtseinheit für diese Jahr­gangsstufe.

[...]


[1] Dieter, Jörg: „Formen der Integration im Deutschunterricht“. http://www.jolifanto.de/integration/integration.htm (30.Dezember 2007). S. 1.

[2] Vgl. ebd.

[3] Baurmann, Jürgen/Menzel, Wolfgang: „Deutschunterricht in der Grundschule.“ In: Wolfgang Einsiedler u.a. (Hg.): Handbuch Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik. Regensburg 2001. S.402-405. hier: S.403.

[4] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Frechen 2003. S. 31.

[5] Dieter 2007 S. 3.

[6] Dieter 2007 S. 3.

[7] Baurmann/Menzel. 2001. S.404.

[8] Schoenke, Eva: „Integration der verschiedenen Lernbereiche im Sprachunterricht.“ In: Grundschulunterricht 41 (1994) 1. S.2-7. hier: S.2.

[9] Kunze, Ingrid/Krejci, Michael: „Deutschunterricht – integrativ.“ In: Gabriele Czech/Johannes Volmert (Hg.): Schreiben im integrativen Deutschunterricht. Baltmannsweiler 2003. S.17-51. hier: S.22.

[10] Schoenke, Eva. 1994. S.2.

[11] Kunze/Krejci. 2003. S.23.

[12] Schoenke. 1994. S.3.

[13] Vgl. Kunze/Krejci. 2003. S.24.

[14] Ebd. S.20.

[15] Vgl. Schoenke. 1994. S.3.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Lernbereichsübergreifender Deutschunterricht in der Grundschule
Untertitel
Freies Schreiben zu einem Kinderbuch
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V198055
ISBN (eBook)
9783656242109
ISBN (Buch)
9783656244028
Dateigröße
1080 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschunterricht, Grundschule, Bilderbuch, lernbereichsübergreifender Unterricht, integrativer Unterricht, Freies Schreiben, Kinderbuch
Arbeit zitieren
Stefanie Schmitz (Autor), 2008, Lernbereichsübergreifender Deutschunterricht in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198055

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