Was macht Brecht zu Brecht? - Ein kurzer Erklärungsversuch


Essay, 2011

4 Seiten


Leseprobe

Essay: Was macht Brecht zu Brecht? - Ein kurzer Erklarungsversuch

Bertolt Brecht ist ohne Frage einer der groGten deutschen Literaten, nicht nur des 20. Jahrhunderts. Muss man heute, um bekannter zu werden moglichst auffallen, war das zu Brechts Zeit noch nicht anders. Doch, womit fiel Brecht eigentlich auf? Was war neu an seinen Werken? Und was macht Brecht uberhaupt zu Brecht? Der Text bietet einen kurzen Erklarungsversuch.

1. Brecht provoziert: Provokation ist immer etwas, mit dem man von sich reden machen kann. In dem Stuck “Trommeln in der Nacht” fur das Brecht 1922 den Kleist-Preis erhielt und sich dadurch endgultig einen Namen in der Literaturszene machte, erzahlt er eine Geschichte vor dem Hintergrund des Spartakusaufstandes 1919. Doch: Die Revolution wird nicht auf die Buhne gebracht. Sie tritt lediglich durch die AuGengerausche auf. Mit dieser Art der Darstellung in diesem funfaktigem Stuck wollte Brecht zeigen, dass die Form des klassischen Theaters sich nicht fur die Darstellung von Politik eignet. Seiner Ansicht nach, konnte man Politik nur in anderen Formen darstellbar machen, nicht aber in der Form des Funfakters.

Auch in dem Stuck “Mann ist Mann” (1926), indem es um Identitatsverlust geht, provoziert Brecht. Das gelingt ihm unter anderem durch die Behauptung, dass das Individuum nichts wert sei. Ebenso provokant gestaltet sich der Name seiner vielleicht beruhmtesten Gedichtsammlung: “Bertolt Brechts Hauspostille” aus dem Jahre 1926. Ein Hauspostille ist namlich eigentlich eine Predigtsammlung fur den hauslichen Gebrauch. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass Brecht nicht viel von der Kirche hielt. Der Titel ist also als Ironie und Provokation zu werten. Auch Brechts Auffassung vom

Menschen selbst, lasst sich in die Kategorie “provozieren” einordnen, denn Brecht hatte eine anti-humane Auffassung vom Menschen. Fur ihn stellte der Mensch nicht das hochste aller Geschopfe dar. Vielmehr war er der Ansicht, dass alle Kreaturen dazu in der Lage seien Mitgefuhl zu empfinden.

2. Brecht kritisiert: Auch als Kritiker machte Bertolt Brecht auf sich aufmerksam. So zum Beispiel in seinem Gedicht “Gegen Verfuhrung”, dass das Schlusselgedicht der schon erwahnten Hauspostille ist und am Ende jedes anderen Gedichts gelesen werden soll. Dort ubt Brecht Kritik an der Kirche. Er sagt beispielsweise, dass man sich nicht zur Religion verfuhren lassen solle oder gar zu der Auffassung es gebe ein Leben nach dem Tod. AuGerdem solle man nicht denken, dass das irdische Dasein wenig wert ist. Auch in “Leben des Gallilei” (1948) lasst sich Kirchenkritikfinden.

Als Marxist war Brecht auch ein grower Kritiker des Kapitalismus. So legt er in seinem Text “Der Dreigroschenprozess” (1931) dar, wie die Themen Film und Urheberrecht in Zeiten des Kapitalismus zueinander stehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kritisierte Brecht, dass sich Westdeutschland einer Fremdherrschaft ausgesetzt hat. Und er halt auch nicht mit seiner Kritik gegen Kurt Schumacher und Konrad Adenauer hinter dem Berg. Schumacher sprach sich offentlich gegen die kommunistische Partei der DDR aus. Er war wie kein Anderer gegen die Zusammenfuhrung der SPD und der KPD zur SED in der DDR. In dem Gedicht “Spottlied” (1951, erschienen in den “Buckower Elegien”) bekommen beide Politiker ihr Fett weg. Adenauer zum Beispiel, wirft Brecht vor, dass er Deutschland verraten und an die USA verkauft habe. AuGerdem sagt er, dass das Handeln von Schumacher und Adenauer zu einem dritten Weltkrieg fuhren konnte.

Doch trat Brecht ausschlieGlich als Kritiker auf? Nein! Der geburtige Augsburger wollte sein Publikum mit seinen Inszenierungen stets dazu anregen selbst zu denken und nicht nur mitzufuhlen, wie das im antiken dramatischen Theater der Fall war. Um dieses Mitfuhlen zu erreichen, setzte Brecht die Methode der Verfremdung ein. Das bedeutete, dass zum Beispiel in “Mann ist Mann” der Zuschauer direkt angeredet wird. Manchmal schlupfen die Zuschauer in Brecht-Inszenierungen auch in die Rolle des Chores. Die Schauspieler sollten die Figuren nicht spielen, sondern sie lediglich zeigen.

[...]

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Details

Titel
Was macht Brecht zu Brecht? - Ein kurzer Erklärungsversuch
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Brecht (Hauptseminar)
Autor
Jahr
2011
Seiten
4
Katalognummer
V198403
ISBN (eBook)
9783656259725
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht, Dreigroschenoper, Trommeln in der Nacht, Mann ist Mann, Provokation, Spartakusaufstand, Kleist-Preis, klassisches Theater, Hauspostille, Kritiker, Das Leben des Gallilei, Dreigroschenprozess, DDR, Verfremdungseffekt, Chor, Die Maßnahme, Lyrik, Exil, Dramatiker, Drama, Bertolt Brecht
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Christine Konkel (Autor), 2011, Was macht Brecht zu Brecht? - Ein kurzer Erklärungsversuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198403

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