Die asiatischen Tiger und die Asienkrise

Zwei Seiten der Globalisierung


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zwei Seiten der Globalisierung

2. „(East) Asian Miracle“
2.1 Interne Einflussfaktoren
2.2 Externe Einflussfaktoren

3. Die Asienkrise
3.1 Ursachen
3.1.1 Mangelnde Funktionalität des Finanzsektors
3.1.2 Externe Einflussfaktoren
3.1.3 Von der Zahlungsbilanz
3.1.4 Schwächen im Unternehmenssektor
3.1.5 Boom im Bausektor und Bubble Economy
3.2 Verlauf der Krise

4. Die Rolle des IWF
4.1 Kritik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Bibliographie

Warum sollte dieser Apfel stets senkrecht

zu Boden fallen, dachte [Sir Isaac Newton] sich.

Warum sollte er sich nicht seitlich oder nach oben bewegen,

sondern fortwährend nur auf das Zentrum der Erde zu?

William Stukely, Memoirs of Sir Isaac Newtons Life, 1752

Zitiert nach: Patten 1998:139

1. Zwei Seiten der Globalisierung

(Süd-) Ostasien stand seit den 1980ern für eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung und war anderen Schwellenländern ein Musterbeispiel. Schätzungen der Weltbank von 1996 gingen sogar soweit, dass bis 2020 sieben der zehn führenden Industrienationen in Asien liegen werden. Völlig unerwartet wurde mit der Asienkrise im Juli 1997 diese Entwicklung gebremst und die betroffenen Länder mussten erfahren, dass die Globalisierung nicht nur Positives mit sich bringt. Sie breitete sich von Thailand aus über mehrere Länder der Region und noch darüber hinaus aus. Ende des Jahres erreichte sie die Schwellenländer Lateinamerikas, insbesondere Brasilien, aber auch Transformationsländer wie Russland und der Ukraine. Die Krise war hier in Form von Zinserhöhungen und heimischer Währungsabwertungen spürbar (vgl. Gans, Friedewald, Schiller: 5).

Das wirft die Frage auf:

Warum kommt es gerade in den aufstrebenden asiatischen Ländern zu einer derartigen Krise?

In meiner Hausarbeit setze ich dabei Thailand in den Mittelpunkt der Betrachtung, da hier die Krise ihren Ursprung fand und außerdem, zusammen mit Indonesien, am stärksten betroffen war.

2. „(East) Asian Miracle “

Anfang der 1980er machten sich in Ländern Südost- und Ostasiens größtes Wirtschaftswachstum bemerkbar. In den sogenannten Tigerstaaten, welche auch unter den Begriff Newly Industrialized Countries (NIC) fallen, wurde sowohl die 5%-Marke der Weltbank als Mindestwachstumsrate für Schwellenländer als auch die Einkommensgrenze von 1000 US-$ überschritten. Zu diesen Ländern gehören Taiwan, Südkorea und die Stadtstaaten Singapur und Hongkong (vgl. Wessel 1998:156).

Im Sinne der Modernisierungstheorie wurde versucht, eine stabile Wirtschaft aufzubauen und diese dann in den Weltmarkt einzubinden, um sich so vom Status eines EL zu lösen (vgl. Kraas 1998:142/143). Neben dem hohen Wirtschaftswachstum, sind ihnen eine überproportionale Exportexpansion (vgl. Abb. 1) sowie die Verbesserung des Lebensstandards gemein. Dazu gehören zum Beispiel eine höhere Lebenserwartung, deutlich weniger Armut, geringe Einkommensdisparität. Auch das Bildungsniveau steigt, dadurch auch die Zahl der Universitäten, an denen hochqualifizierte Arbeitskräfte ausgebildet werden.

Weitere asiatische Länder, die ein relativ hohes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen haben, fallen unter die Kategorie der Newly Industrializ ing Countries (NIE). Andere Begriffe sind Pantherstaaten oder auch Tiger der 2. Generation. Dazu werden Thailand, Malaysia, Indonesien und die Philippinen gezählt.

Die Faktoren, die zu dem Wirtschaftswachstum dieser neuen Industrieländer führten, lassen sich in intern und extern gliedern.

2.1 Interne Einflussfaktoren

Der Staat hat großen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen, es herrscht eine enge Kooperation zwischen Politik und Wirtschaft. Exportförderungsmaßnahmen, Importrestriktionen und Investitionsanreize sind die bedeutendsten staatlichen Maßnahmen (Wessel 66).

Es kommt zu einem Strukturwandel des Industriesektors: Produktdiversifizierung und qualitative Aufwertung der Produkte führen mit steigendem Volkseinkommen zu einer Tertiärisierung; vor allem in den 1990ern kommt es zur Intensivierung von FuE. Das macht sich an dem Rückgang des Industriebeschäftigtenanteils und dem Rückgang der Industrie am BIP bemerkbar. In Hongkong geschah die Auslagerung von Industrieproduktionen bereits in den 1980ern. Die Stadtstaaten Hongkong und Singapur nehmen die Funktion von Handels- und Dienstleistungszentren ein (vgl. Wessel 1998:158/159).

Weitere Faktoren, die sich günstig auf die Entwicklung auswirkten, können unter dem vielzitierten Begriff der „Asian values“ zusammengefasst werden: Ressourcenausstattung, relative innenpolitische Stabilität mit strengen hierarchischen Strukturen, geringer Staatsverbrauch mit hoher Sparquote und kaum Schwarzmarktaktivitäten, große Bedeutung familiärer Bindungen, Ausbau der Infrastruktur. Die hohe Verstädterungsrate führt zu einer steigenden Nachfrage im Dienstleistungsbereich. Auch die Tourismusbranche expandiert, dies bringt hohe Devisengewinne ein und führt zu einer allgemeinen Imageförderung (vgl. Husa, Wohlschläger 1999:210).

2.2 Externe Einflussfaktoren

Der Wirtschaftsboom wurde ausgelöst durch Umstrukturierung der internationalen Arbeitsteilung in der Zeit der Fordismuskrise. In den 1970ern verlagerten sich im Rahmen der Regulationstheorie arbeitsintensive Fertigungsschritte mit niedrigem Know-how in Entwicklungsländer aufgrund des niedrigen Lohnniveaus. Das Management und die Fertigung technologisch hochwertiger Produkte wurden in die Zentren der Industrieländer verlagert. Exportorientierung und liberale wirtschaftliche Rahmenbedingungen, wie der Abbau von Zöllen und anderen Handelsschranken, begünstigen ausländische Direktinvestitionen. Investoren können so unmittelbar Einfluss auf die ökonomischen Tätigkeiten im Zielland nehmen (vgl. Kulke: 211).

Auch die Räumliche Nähe zu Japan stellte sich als positiver Faktor heraus, vor allem hinsichtlich der enormen Ausweitung des intraregionalen Handels. Man unterscheidet hierbei zwischen Kapital- Güter und Importverflechtungen. Dabei muss auf die wichtige Rolle Japans als Hauptkapitalgeber und auch als Exporteur/ Importeur verwiesen werden (vgl. Tab Waldenberg).

In diesem Zusammenhang ist das Flying-Geese-Modell einzubringen, man spricht auf von einem „Aufholenden Produktzyklus“ (vgl. Wessel 1998:68/69).

Führende Industrienationen bringen durch technologische Innovationen neue Zyklen hervor und geben bestimmte Produktionsschritte an weniger entwickelte Länder ab, um selbst kapitalintensiver produzieren zu können. Dies bildete die Voraussetzung für EL, um die eigene Industrialisierung voranzutreiben. Über die Hälfte der Industrieproduktion ist auf den intraregionalen Handel gerichtet. In dem vorliegenden Beispiel fungiert Japan als Leitgans, die Tigerstaaten folgen. Ihnen ziehen wiederum weniger entwickelte Länder (hier: Malaysia, Thailand) nach (vgl. Kulke :206 und Kraas 1998:141).

3. Die Asienkrise

3.1 Ursachen

3.1.1 Mangelnde Funktionalität des Finanzsektors

Ein gut funktionierender Finanzsektor ist die Voraussetzung für die wirtschaftliche Stabilität eines Landes. Dies war bei den asiatischen Staaten eher weniger der Fall. Es waren viele informelle Finanzierungswerke vorhanden, notleidende Kredite mit kurzer Laufzeit wurden im Überfluss gewährt (vgl. Kraas 1998:146).

Es herrschte kaum Bankenaufsicht, einheitliche Vorschriften fehlten gänzlich. Auch an Transparenz mangelte es. In diesem Zusammenhang taucht oft der Begriff „crony economy“ oder gar „crony capitalism“ auf. Darunter versteht man Korruption und Günstlings-/ Vetternwirtschaft, die eben durch die geringe Transparenz im Finanzsektor ermöglicht wurden (vgl. Weder 1999:111-114).

Vielfach kommt es zu dem sogenannten „moral-hazard“ – Verhalten, bei dem das Ergebnis einer Aktion nicht für alle Beteiligten gleichermaßen offensichtlich ist. Hierbei trägt das Risiko des Kapitalverlusts der Kreditgeber, welcher, hätte er von dem Risiko gewusst, vielleicht anders gehandelt hätte (vgl. Berensmann 22/23).

Es wird vermutet, dass gerade korrupte Systeme entscheidende Informationen vor Investoren lange Zeit versteckt hielten, und als eben diese bekannt wurden ein großer Vertrauensverlust entstand.

Aus diesem Hintergrund heraus kann die Krise somit als größtenteils selbstverschuldet („mainly homegrown“) betrachtet werden (vgl. Husa 1999:221).

Vgl. Berensmann 6-9 und Rieger 25

3.1.2 Externe Einflussfaktoren

In den 1990ern führten steigende Löhne in den NIC Südostasiens vermehrt zu der Verlagerung von arbeitsintensiver Produktion in andere Entwicklungsländer. Dadurch kam der „Mechanismus der Niedriglohn-Konkurrenz hier zum Stillstand und die Länder gerieten unter einen enormen Anpassungsdruck“ (vgl. Schamp). Die sich anfangs positiv ausgewirkte Finanzliberalisierung gereichte nun aufgrund der steigenden Löhne zum Nachteil: Exporte gehen zurück. Im Gegensatz zu dem weiter vorne genannten „Aufholenden Produktzyklus“ steht die (räumliche Variante der) Produktzyklustheorie von R. Vernon (1966). Sie versucht internationale Standortverlagerungen in Bezug auf den technischen Fortschritt eines Produkts zu erklären. Grundannahme hierbei ist der Alterungsprozess eines Produkts. Produkte können ständig durch neuere, verbesserte verdrängt werden, wodurch sich Produktgestaltung sowie Produktions- und Absatzbedingungen verändern (vgl. Wessel 1998:68).

Nach Aufgabe des Systems fester Wechselkurse Mitte der 1970er und der Verlagerung der Finanzströme breitete sich das private Bankengeschäft stark aus, es entstehen sogenannte off-shore-Zentren sowie Steueroasen. Dies wurde bei den südostasiatischen Staaten durch die lockere Kreditvergabe ohne ausreichende Risikoprüfung und die inaktive Bankenaufsicht begünstigt und trug gerade durch eine weitere Liberalisierung des Finanzsystems Anfang der 1990er zur Entstehung Asienkrise bei. Der Anteil an ADI und somit auch der Devisenhandel sowie spekulative Finanztransaktionen stiegen - die asiatischen Länder wurden zunehmend abhängig vom Ausland.

Man kann die Asienkrise aus diesem Blickwinkel heraus auch als Folge der strukturellen Schwächen im globalen Finanz- und Währungssystem sehen (vgl. Nuhn) (vgl Bünte 2001:138-140).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die asiatischen Tiger und die Asienkrise
Untertitel
Zwei Seiten der Globalisierung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Wirtschaftsgeographie
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V198658
ISBN (eBook)
9783656250937
ISBN (Buch)
9783656252573
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsgeographie, Asien, Globalisierung, Wirtschaftskrise, Boom
Arbeit zitieren
Linda Schaumburg (Autor), 2007, Die asiatischen Tiger und die Asienkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198658

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