Kindheit und Armut in Deutschland. Symptome, Ursachen und Konsequenzen.


Examensarbeit, 2003
112 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Vorbemerkung

2 Einleitung
2. 1 Armut und Reichtum
2. 1. 1 Eindimensionale Armutsdefinitionen
2. 1. 2 Mehrdimensionale Armutsdefinition
2. 1. 3 Fazit
2. 2 Facetten der Armut
2. 2. 1 Betroffene oder gefährdete Bevölkerungsgruppen
2. 2. 1. 1 Geringverdiener und Arbeitslose
2. 2. 1. 2 Kinder und Jugendliche
2. 2. 1. 3 Straßenkinder
2. 2. 1. 4 Ausländer
2. 2. 1. 5 Alleinerziehende
2. 2. 1. 6 Kinderreiche Familien
2. 2. 2 Symptome von Armut
2. 2. 2. 1 Wohnen
2. 2. 2. 2 Gesundheit
2. 2. 2. 3 Ernährung
2. 2. 2. 4 Kleidung und Konsum
2. 2. 2. 5 Psychosoziale Aspekte
2. 2. 2. 6 Kriminalität
2. 2. 3 Fazit

3 Ursachen der Armut
3. 1 Kinderreichtum und Konsum
3. 2 Bildung
3. 3 Straßenkinder
3. 4 Arbeit
3. 5 Alleinerziehung
3. 6 Wohnen
3. 7 System der Hilfe
3. 8 Fazit

4 Konsequenzen von Armutsbetroffenheit oder Armutsgefährdung: Auswirkungen
4. 1 Dauer der Armutsbetroffenheit oder Armutsgefährdung
4. 2 Bildung und Entwicklung
4. 3 Wohnen
4. 4 Gesundheit
4. 4. 1 Zum Gesundheitsbegriff
4. 4. 2 Morbidität
4. 4. 2. 1 Typische Krankheitsbilder
4. 4. 2. 2 Beschädigung des Selbstwertgefühls
4. 4. 2. 3 Gesundheitsrisiko durch Kinderarbeit
4. 4. 2. 4 Kindesmisshandlungen
4. 4. 2. 5 Sozio – emotionale Armutsfolgen
4. 4. 2. 6 Gesundheitsverhalten
4. 4. 2. 7 Ernährungsverhalten
4. 4. 2. 8 Zahnstatus
4. 4. 3 Mortalität
4. 5 Straßenkinder
4. 6 Kriminalität
4. 7 Fazit
4. 8 Exkurs: Infantilisierung der Armut
4. 9 Zwischenergebnis

5 Konsequenzen von Armutsbetroffenheit oder Armutsgefährdung: Reaktion
5. 1 Reaktionen der Armutsbetroffenen und Armutsgefährdeten
5. 1. 1 Das soziale Netzwerk
5. 1. 1. 1 Familiale Ressourcen
5. 1. 1. 2 Individuelle Ressourcen
5. 1. 1. 3 Gleichaltrigengruppe
5. 1. 2 Bewältigungsstrategien
5. 1. 3 Zusammenfassung
5. 2 Staatliche Reaktionen
5. 2. 1 Sozialhilfe als Grundsicherungssystem
5. 2. 2 Kritik am bestehenden Sozialversicherungssystem
5. 2. 3 Reformperspektiven
5. 3 Fazit

6 Konsequenzen von Armutsbetroffenheit oder Armutsgefährdung: Prävention
6. 1 Ökonomische Aspekte der Armutsprävention
6. 1. 1 Arbeitsmarkt
6. 1. 2 Ungleichbehandlung von Frauen
6. 1. 3 Kinderbetreuung
6. 1. 4 Abschaffung der Prämierung von Kinderlosigkeit
6. 1. 5 Einkommens- und Budgetberatung
6. 2 Sozio – emotionale Aspekte der Armutsprävention
6. 3 Armutsprävention durch Bildung
6. 4 Armutsprävention durch Wohnen
6. 5 Armutsprävention und Gesundheit
6. 6 Struktur der Hilfsangebote
6. 7 Fazit

7 Zusammenfassung und Ausblick
7. 1 Zusammenfassung
7. 2 Ergebnisse für eine Tätigkeit als Lehrer

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang: Abkürzungsverzeichnis

1 Vorbemerkung

Bis zu der in den 70er Jahren aufkommenden Massenarbeitslosigkeit in Westdeutschland war das Problem der Armut[1] kein Thema in der Bundesrepublik Deutschland. Dies lag daran, dass durch das Wirtschaftswunder der 50er Jahre die Nachkriegsarmut relativ schnell überwunden werden konnte.[2] Armut wurde „als nachrangige Restgröße betrachtet und verschwand aus der wissenschaftlichen und politischen Diskussion.“[3] Besonders seit den 80er Jahren hat sich dies jedoch erheblich verändert, Armut ist zu einem wichtigen sozialen Problem geworden.[4]

Heute, im beginnenden 21. Jahrhundert wird in Deutschland trotz eines hohen Wohlstandsniveaus die Zahl derer immer größer, die von Armut und prekärem Wohlstand betroffen sind.[5] Dabei ist unter prekärem Wohlstand eine lediglich heikle Ressourcenausstattung zu verstehen, so dass jederzeit die Gefahr besteht, in Armut abzurutschen.

Besonders die Kinderarmut – darüber ist sich die Armutsforschung weitgehend einig[6] – ist in den vergangenen dreißig Jahren deutlich angewachsen und stagniert auf hohem Niveau.[7]

Unter Kinderarmut ist im Verlauf der Arbeit allgemein die Betroffenheit von Kindern und Jugendlichen von Armut zu verstehen, und nicht, dass es einen gesellschaftlichen Mangel an Kindern gibt.

Armut bedeutet nicht nur materielle Armut, sondern auch eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten zu sozio – kultureller und –emotionaler Teilhabe. Eine genaue Begriffsdefinition erfolgt bei der Vorstellung der Armutskonzepte im ersten Teil der Arbeit.

Der besonders hohen Betroffenheit der Kinder und Jugendlichen von Armut gilt mein Interesse in dieser Arbeit. Denn Armut bedeutet eine Einschränkung der Erfahrungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten betroffener Kinder, insbesondere dann, wenn belastende Faktoren kumulieren.[8]

Da direkte Kinderarmut –Kinder sind die unmittelbaren `Träger´ einer Sozialhilfeursache– relativ selten ist, sondern die Ursache für Kinderarmut meist durch die Eltern gesetzt wird,[9] reicht es hier nicht aus, die Aufmerksamkeit weg von den Eltern lediglich auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu richten.

Ein möglichst umfassender Überblick würde auch durch die Festlegung auf eine bestimmte Altersgruppe, ein bestimmtes Geschlecht, die Trennung in Ost und West oder in bestimmte Nationalitäten eingegrenzt. Dementsprechend unterbleiben solche Festlegungen bis auf Ausnahmen, die von besonderer Bedeutung sind.

Da es wegen der unterschiedlichen Bemessungskonzepte von Armut eindeutige Zahlen über dieses Phänomen nicht gibt, werde ich auch auf die Nennung solcher Statistiken weitgehend verzichten. Durch bloße Zahlen lässt sich Armut bzw. Kinderarmut ohnehin nicht treffend beschreiben.

Diese Arbeit soll einen Gesamtüberblick über die Ursachen und Konsequenzen eines Phänomens geben, welches gravierende Auswirkungen auf Kinder und damit auf die Zukunft hat. Einen solchen Gesamtüberblick gibt es kaum.[10]

Es soll aber auch gezeigt werden, welche Handlungsmöglichkeiten es bereits gibt, diesen Ursachen und Auswirkungen durch reaktive und präventive Maßnahmen entgegen zu treten.

In der nun folgenden Arbeit befasse ich mich zunächst in einem ersten Überblick mit den Symptomen von Armut, das heißt, in welchen Formen Armut bei betroffenen oder gefährdeten Bevölkerungsgruppen in Erscheinung tritt.

Danach erfolgt eine Analyse der Ursachen für Armut.

Schließlich befasse ich mich mit den unterschiedlichen Konsequenzen von Armut. Hierbei gibt es drei Schwerpunkte: erst einmal gehe ich auf die Konsequenzen von Armut im Sinne ihrer Auswirkungen ein, wobei die gesundheitlichen Auswirkungen für mich von besonderem Interesse sind. Denn ein umfassender Einblick über die Armutsauswirkungen ist in der Literatur selten[11].

In dem darauf folgenden Schwerpunkt geht es um die Konsequenzen, die in Bezug auf bestehende Armutslagen gezogen werden. Dabei sind staatliche Reaktionen auf Armutserscheinungen genau so von Interesse wie die der betroffenen Menschen selbst. Besonders interessant sind hierbei Bewältigungsstrategien von Menschen, mit denen sie auf die Auswirkungen von Armut reagieren.

Der letzte Schwerpunkt behandelt die möglichen Konsequenzen von vorhersehbaren Armutsgefährdungen. Anders gesagt, welche Möglichkeiten der Prävention es gibt, um das Risiko zu minimieren, in Unterversorgungslagen abzurutschen.

Dann werde ich im Rahmen einer Zusammenfassung die gewonnenen Ergebnisse der Arbeit noch einmal darlegen und abschließend aufzeigen, welche Bedeutung diese Ergebnisse für Lehrer und ihr Handeln haben können.

2 Einleitung:

In diesem ersten Schritt geht es darum, sich der Armut begrifflich zu nähern. Man kommt nicht umhin, dann auch den Begriff `Reichtum´ zu definieren. In einem zweiten Schritt werden die unterschiedlichen Messkonzepte von Armut vorgestellt, um einen genauen (kindgerechten) Armutsbegriff zu entwickeln. Daraufhin werden Bevölkerungsgruppen vorgestellt, die von Armut betroffen oder gefährdet sind. Danach werden unterschiedliche Armutssymptome und ihr Auftauchen in den verschiedenen Lebenslagen dargestellt.

2. 1 Armut und Reichtum

In einer ersten Annäherung soll versucht werden, den Armuts- und Reichtumsbegriff möglichst neutral zu definieren.[12]

Zunächst kann man festhalten, dass „Armut ein gesellschaftlich zugewiesener Ort [ist], der innerhalb je einer Gesellschaft relativ bestimmt wird.[13] “ Anders gesagt: wer in unserer Wohlstandsgesellschaft als arm eingestuft wird, wird in einem anderen gesellschaftlichen Kontext aufgrund seiner persönlichen materiellen wie immateriellen Ressourcen nicht zwingend ebenfalls als arm eingestuft.

Neben der Relativität von Armut wird hier eine zweite Besonderheit deutlich, die sich als Teil einer Armutsdefinition eignet. Innerhalb einer Gesellschaft lassen sich Personen als arm bezeichnen, deren Ressourcen nicht zur Bedürfnisbefriedigung ausreichen.[14] Dabei ist die Feststellung wichtig, dass die Einschätzung der Wichtigkeit der einzelnen Bedürfnisse zwischen verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich ist.

Wenn, wie gerade beschrieben, eine unzulängliche Bedürfnisbefriedigung Indiz für Armut ist, lässt sich ein weiterer Aspekt von Armut definieren: Armut ist für die Betroffenen in jedem Fall eine Form des

Ausgegrenztseins –wovon auch immer. Sie bedeutet Isolation in einem Umfeld, von dem die Betroffenen zugleich –zumindest in unseren hochentwickelten Gesellschaften– ein Teil sind.[15] Denn aufgrund mangelnder Ressourcen sind sie zumindest von der Befriedigung jener Bedürfnisse ausgegrenzt, für die zu wenig Ressourcen zur Befriedigung zu Verfügung stehen.

Dieser letzte Satz macht eins deutlich: wenn unterschiedliche Ressourcen unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen, dann kann man also nicht pauschal von der Armut reden, sonder nur von Armut in verschiedenen Bereichen, von sogenannten Armuts lagen.

Diese Vielschichtigkeit von Armut stellt einen weiteren Aspekt dar, der Armut definiert[16].

Seit ca. 20 Jahren hat die Zahl derer drastisch zugenommen, die ohne staatliche Hilfe ihr Leben nicht mehr fristen können. In den letzten 40 Jahren hat es dagegen in Westdeutschland gleichzeitig eine enorme Wohlstandsentwicklung gegeben.[17]

Nach einer ersten Definition des Armutsbegriffs soll nun also das Gegenteil, der Begriff „Reichtum“ definiert werden. Denn eine Arbeit, die sich mit dem Phänomen der Armut befasst, erfordert dann auch eine kurze begrifflich Erklärung, was unter Reichtum verstanden wird, um die Begriffe Armut und Reichtum voneinander abzugrenzen.

Zunächst muss man eines grundsätzlich feststellen: so viele Untersuchungen es auch über die verschiedenen Armutslagen gibt, so wenige existieren auf der anderen Seite über den Reichtum. Dies wird schon dadurch deutlich, dass bisher noch kein übergeordneter, eigenständiger Reichtumsbegriff entwickelt wurde.[18] Daher soll nun eine kurze begriffliche Klärung erfolgen. Wenn man sich an den für die Armutsdefinition entwickelten Aspekten orientiert, dann kann man Reichtum beschreiben als das hinlängliche

Vorhandensein aller zur Bedürfnisbefriedigung erforderlichen Ressourcen.[19] Daraus resultiert, wie bei der obigen Einführung des Begriffs der Armutslagen, dass es auch bezüglich des Reichtums verschieden monetäre und nicht – monetäre Reichtumsaspekte geben muss.

Reichtum spiegelt sich außerdem meist, wenn auch nicht zwingend, an der besonderen Position wieder, die eine Person in der Gesellschaft kennzeichnet,[20] während von Armut Betroffene häufig gesellschaftlich stigmatisiert werden.[21]

Dies führt zu der Annahme, dass Faktoren wie Prestige, Macht und Einflussfaktoren bei reichen Menschen erheblich häufiger anzutreffen sind als (wenn überhaupt) bei Armen.[22]

Sicher ist jedoch, dass der Reichtum in Deutschland sehr unregelmäßig verteilt ist.[23]

In dem nun folgenden zweiten Schritt werden die unterschiedlichen Messkonzepte für Armut vorgestellt, um dann an entsprechender Stelle einen möglichst genauen (und kindgerechten) Armutsbegriff zu entwickeln.

Das Problem aller Messkonzepte besteht darin, den Armutsbegriff zu operationalisieren. Darüber, was Armut ist und wie man sie erkennt, gibt es keine einheitliche und von allen geteilte Definition,[24] was ein weiteres Mal die oben genannte Vielschichtigkeit des Armutsbegriffs demonstriert. Aufgrund der Verschiedenartigkeit der Messverfahren kann auch keine eindeutige Zahl genannt werden, die die Anzahl von Kindern und ihrer Familien in Armut benennt.[25] Dennoch soll eine durch das Statische Bundesamt veröffentlichte Zahl an entsprechender Stelle das Ausmaß der Kinderarmut verdeutlichen, selbst wenn diese Zahl nur als eindeutig für ein bestimmtes Messverfahren gelten kann.

Grundsätzlich unterscheiden sich Armutsdefinitionen aber grundsätzlich darin, ob sie sich nur auf eine Dimension des Anteils an Gütern und Möglichkeiten (meist monetäre Ressourcen), die eine Gesellschaft ihren Mitgliedern bietet, konzentrieren, oder mehrere Dimensionen einbeziehen. Zunächst aber zur eindimensionalen Armutsdefinition.

2. 1. 1. Eindimensionale Armutsdefinitionen

Zur Identifikation von Armut werden in der Regel Konzepte verwandt, die drei verschiedene Armutsvarianten berücksichtigen, nämlich absolute, relative und subjektiv empfundene Armut. Für alle drei gilt, dass sie sich auf Armutsabgrenzungen über Ressourcen konzentrieren. Das bedeutet, dass das Haushaltsnettoeinkommen die entscheidende Größe ist, weshalb man von einer weitgehend monetären Armutsbetrachtung sprechen kann.

Bei dem Ansatz der Relativen (Einkommens-) Armut werden Menschen als arm eingestuft, wenn ein auf sie entfallendes Einkommen eine festgelegte Grenze unterschreitet, welche bei weniger als 50% des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens liegt.[26] Bei einem Einkommen von weniger als 60% des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens spricht man von einem Armutsrisiko oder von prekärem Wohlstand.[27]

Die 200% Grenze zählt als Reichtumsgrenze.[28] Das bedeutet, dass bei dieser Definition als reich eingestuft wird, wer 200% des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens zu Verfügung hat.

Einen anderen Ansatz kann man als politisch definierte (Einkommens-) Armut bezeichnen. Diesem Ansatz entsprechend kann man alle Menschen als arm klassifizieren, die einen Anspruch auf Sozialhilfe gemäß Bundessozialhilfegesetz besitzen.[29] Allerdings ist die Bezeichnung der politisch definierten Armutsgrenze heikel, da noch keine Bundesregierung die Sozialhilfeschwelle als Armutsgrenze offiziell anerkannt hat.

Bei dieser Definition besteht der Vorteil, dass ein hoher Konsens über die Art der Armutsmessung erreicht sowie bekämpfte Armut dokumentiert wird. Der Nachteil besteht vor allem darin, dass in verdeckter Armut lebende Anspruchsberechtigte nicht erfasst werden.

Von verdeckter Armut spricht man bei Personen, die trotz eines bestehenden Rechtsanspruches auf Hilfsleistungen diesen nicht geltend machen.[30]

Würde man die Sozialhilfe als Armutsgrenze anerkennen, würde sich im Hinblick auf Kinderarmut folgendes Bild ergeben: nach dem vom Statistischen Bundesamt 1999 herausgegebenen Papier „Kinder in der Sozialhilfestatistik“ waren am Ende des Jahres 1997 37,2% der Sozialhilfebezieher Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, davon

- 222.000 Kleinkinder unter 3 Jahren
- 259.000 Kleinkinder im Kindergartenalter von 3 bis 6 Jahren
- 248.000 schulpflichtige Kinder bis 11 Jahren
- 210.000 schulpflichtige Kinder zwischen 12 und 14 Jahren
- 138.000 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren.

In diesem Fall dient das Anführen von Zahlen dazu, dem Eindruck entgegenzutreten, hierzulande gäbe es keine Kinderarmut. Denn nur, weil in unserer Gesellschaft Armut in Zahlen, Prozentsätzen und Quoten dargestellt wird, nicht in Bildern aus den Hungersgebieten der Welt, wie wir sie täglich in den Massenmedien zu sehen bekommen, bedeutet dies nicht, dass es Armut in Deutschland nicht gibt.

Der letzte eindimensionale Bemessungsansatz, auf den hier kurz eingegangen wird, ist der der Subjektiven (Einkommens-) Armut. Die entscheidende Größe ist wieder das Nettoeinkommen

eines bestimmten Haushaltstyps. Die Armutsgrenze wird jedoch ermittelt, indem nach dem erforderlichen Mindesteinkommen für einen solchen Haushaltstyp in der Bevölkerung gefragt wird. Dabei werden die individuellen Bewertungen der Betroffenen mitberücksichtigt. Der ermittelte Wert wird dann zum tatsächlichen Einkommen in Beziehung gesetzt.[31]

In dieser Armutsdefinition wird die Grenze zur Armut also nicht durch `Experten´ ermittelt, sondern durch die Einschätzung der Bevölkerung. Als arm gilt, wer unter diesem ermittelten Schwellenwert lebt.

Bei diesem Konzept besteht der Nachteil, dass sich die Befragten über die Notwendigkeit der gewünschten Güter einerseits oder die Kosten für gewünschte Güter andererseits mitunter täuschen. Außerdem ließe sich ein solcher Ansatz allenfalls regional aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse und unterschiedlicher Kosten für bestimmte Güter durchsetzen.

Bei allen drei Ansätzen ist der monetäre und eindimensionale Charakter deutlich geworden, den das Ressourcenkonzept beinhaltet.

Aber neben dem relativen Armutsbegriff, von dem heute allgemein die Forschung ausgeht, existiert außerdem der Begriff der `Absoluten Armut´. Darunter ist ein Leben am Rand des Existenzminimums zu verstehen. Das physische Fortbestehen der betroffenen Personen ist gefährdet. Ein längeres Verbleiben in diesem Zustand kann zum Tod führen.[32]

Da ein solches menschenunwürdiges Dasein in einer hochentwickelten Industriegesellschaft wie der der Bundesrepublik offiziell nicht mehr vorkommt, ist eine solche Armutsdefinition zur Beschreibung und Einschätzung von Kinderarmut obsolet.

Armut bildet ein vielschichtiges und mehrdimensionales Problemfeld. Daher muss nun untersucht werden, ob nicht mehrdimensionale Armutskonzepte zur Messung und Beschreibung von Armut den eindimensionalen Konzepten vorzuziehen sind, weil sie mehr als nur eine Dimension von Armut einbeziehen und daher möglicherweise eher geeignet sind, (Kinder-) Armut zu beschreiben. Darum soll nun das Lebenslagenkonzept stellvertretend für andere mehrdimensionale Armutskonzepte[33] vorgestellt werden.

2. 1. 2 Mehrdimensionale Armutsdefinition

Basis der mehrdimensionalen Armutskonzepte ist die Untersuchung der Lebenslage von Personen. Als Schöpfer des Begriffs der „Lebenslage“ gelten Otto Neurath (1931) und

Gerhard Weisser (1956)[34]. Weisser definierte die „Lebenslage eines Menschen“ als einen Spielraum, der einem Menschen zur Befriedigung jener Bedürfnisse zur Verfügung steht, die den Sinn seines Lebens bestimmen.[35] Diese etwas schwammige Definition wurde in der Folge unterschiedlich konkretisiert, weshalb es ein einheitliches Verständnis bisher nicht gibt.

Die nachfolgende Beschreibung des Lebenslagenkonzeptes ist also nicht als einvernehmliche Definition zu verstehen, sie folgt jedoch der in der Forschung am häufigsten verwendeten Definition.

Grundlegend für das Verständnis des Konzeptes ist, dass sich Lebenslagen von Individuen oder Haushalten bzw. Gruppen aus einer Vielzahl von Merkmalen ergeben, die aus ihrer Lebenssituation resultieren.[36] Zu diesen Merkmalen gehören Dimensionen wie Einkommen und Vermögen, Bildung, Beruf/ Arbeit, Wohnen, Gesundheit, soziale Einbindung sowie das subjektive Wohlbefinden. Gegenstand der Untersuchung ist dann die konkrete Versorgungslage von Personen oder Haushalten bezüglich dieses Merkmals.[37] Anhand der Versorgungslage zeigt sich dann, ob eine noch „annehmbare Lebensweise“[38] möglich, nicht möglich oder nur noch eingeschränkt möglich ist, ob also eine Unterversorgungslage in einer der Dimensionen vorliegt.

Liegt eine Unterversorgungslage in mehreren Dimensionen vor, spricht man von kumulativer Armut[39].

Nun werden einige ausgewählte Dimensionen des Konzeptes kurz im

einzelnen vorgestellt. Dabei werden die Dimensionen des Lebenslagenkonzept um die „Kindersicht“ erweitert. Genauer werde ich auf die Dimensionen einer Lebenslage im Abschnitt `Ursachen von Armut´ in dieser Arbeit eingehen.

Die erste zentrale Dimension ist Arbeit beziehungsweise Arbeitslosigkeit. Zum Bereich Arbeit gehört nicht nur die lohnabhängige Erwerbsarbeit, sondern auch nichtentlohnte Arbeit wie Hausarbeit oder Erziehungsarbeit.

Arbeit dient auch der Herstellung sozialer Kontakte. Tritt Arbeitslosigkeit ein, kann dies vielfältige Auswirkungen haben, wie später gezeigt werden wird. Wichtig bei dieser

Dimension ist im Falle der Betroffenheit, wie lange eine Person von Arbeitslosigkeit betroffen ist.[40]

Bei diesem Punkt entfällt eine Konzeptualisierung für Kinder und Jugendliche.

Bildung ist eine weitere Dimension der Lebenslage. Hier ist die Feststellung besonders wichtig, dass eine gute (Aus-) Bildung die erstgenannte Dimension Arbeit stark beeinflusst. Denn die Zugehörigkeit zu bestimmten Einkommensgruppen ist stark abhängig vom Bildungsstand. Auf der anderen Seite ist jedoch der Zugang zu entsprechenden Bildungseinrichtungen abhängig von finanziellen Hintergründen.[41]

Gerade für Kinder und Jugendliche stellt diese Dimension eine wichtige Dimension ihrer Lebenslage dar[42]. Die Konzeptualisierung für Kinder und Jugendliche besteht darin, die Versorgungslage bezüglich ihrer Bildungschancen[43] einzubeziehen.

Der Aspekt des Wohnens stellt eine Dimension der Lebenslage dar, die ebenfalls im Falle einer Unterversorgung „schlichtweg [eine] gesundheitsschädigend[e]“[44] Wirkung haben kann. Eine Deprivation, also eine Unterversorgung mit Wohnfläche beginnt bei weniger als 20 qm bewohnbarer Fläche pro Haushaltsmitglied.[45]

Auch hier ist die Dauer der Deprivation erheblich für die Auswirkungen auf die Betroffenen. Der Lebenslagenansatz ließe sich, um der Kinderarmut konzeptionell gerecht zu werden, so erweitern, dass man die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen bezüglich ihrer Wohnsituation und ihrer Spiel- und Freizeitmöglichkeiten einbezieht.

Die Dimension der sozialen Beziehungen beinhaltet die sozialen Ressourcen, die einem Menschen zu Verfügung stehen. Das soziale Netzwerk stellt den Kreis an Menschen dar, mit denen eine Person Kontakte oder soziale Unterstützung austauscht.[46] Einen Zustand der Unterversorgung in dieser Dimension stellt zum Beispiel die Isolation dar. Sind soziale Netze dagegen vorhanden und intakt, so können Auswirkungen von Armut durch sie abgemildert werden.[47]

Bei Kindern und Jugendlichen sollte der Kontakt zu Gleichaltrigen sowie der familiale Zusammenhang bei einer Untersuchung hinsichtlich der Versorgungslage dieser Dimension einbezogen werden.

Die letzte an dieser Stelle zu nennende Dimension einer Lebenslage ist die Gesundheit. Sie ist deshalb so wichtig, weil „Armut häufig mit Gefährdungen oder Beschädigungen der Gesundheit verbunden ist.“[48]

In diesem Zusammenhang ist die Feststellung wichtig, dass „bei Personen mit gesundheitlichen Problemen [...] ein sozialer Abstieg wahrscheinlicher [ist].“[49] Doch dazu an entsprechender Stelle mehr.

2. 1. 3 Fazit

Die Vorstellung beider (Grund-) Ausrichtungen von Armutsdefinitionen hat verdeutlicht, dass das Schlüsselmerkmal von Armut das Unterschreiten einer Einkommensgrenze ist. Während dies bei den eindimensionalen

Ansätzen der Indikator für Armut ist, stellt das Einkommen bei den mehrdimensionalen Ansätzen nur eine Dimension ihrer Lebenslage dar. Insofern können eindimensionale Forschungsansätze höchstens Einkommensarmut und Unterversorgungen hinsichtlich anderer finanzieller Ressourcen verlässlich abbilden.

Geht es dagegen konkret um die Beschreibung von Kinderarmut, so können die eindimensionalen Ansätze die betroffenen Kinder höchstens als anspruchsberechtigte Gruppe definieren.

Eine kindgerechte Armutsdefinition kann nur auf einer mehrdimensionalen Armutsdefinition wie dem Lebenslagenkonzept erfolgen. So kann dieses Phänomen differenziert, nämlich bezogen auf Unterversorgungen in ein oder mehreren Dimensionen einer Lebenslage, beschrieben werden. Die jeweils erfolgten konzeptionellen Ergänzungen zeigen darüber hinaus, dass nicht nur Kinderarmut besser definiert werden kann, sondern dass auch eine kindzentrierte Sichtweise in der Armutsforschung möglich ist. Dies ermöglicht ebenfalls eine bessere Reaktion auf Armutslagen bzw. eine bessere Prävention im Falle eines bestehenden Verarmungsrisikos. Denn man kann so in den unterschiedlichen von Armut betroffenen oder gefährdeten Dimensionen einer Lebenslage konkret durch Hilfsmaßnahmen reagieren.

Problematisch bei den mehrdimensionalen Konzeptionen scheint mir allerdings die Operationalisierung kindgerechter Lebensstandards zu sein.

Außerdem ist den eindimensionalen Forschungsansätzen zu Gute zu halten, dass hier ein einfaches und transparentes Kriterium –nämlich Einkommen– einem schwer

durchschaubaren, mehrdimensionalen Konzept gegenübersteht.

Im weiteren Verlauf wird jedoch auf die einzelnen Dimensionen der Lebenslage von Kindern zurückgegriffen, um eine möglichst realitätsnahe Beschreibung der Kinderarmut bezüglich ihren Ursachen und Konsequenzen zu erreichen. Zunächst erfolgt jedoch ein Überblick über von Armut betroffene oder gefährdete Bevölkerungsgruppen sowie eine Beschreibung der Symptome, also der Erscheinungsformen von Armut.

2. 2 Facetten der Armut

Armut, das hat die Vorstellung der unterschiedlichen Messkonzepte gezeigt, ist ein vielschichtiges Phänomen. Aber wer ist von ihr betroffen oder gefährdet? Und wie zeigt sich Armut in unserer Umwelt?

Nun soll daher die „Gruppe“ derer kurz beschrieben werden, die von Armut betroffen oder gefährdet sind. Dabei werden jeweils einige Zusammenhänge zur Kinderarmut aufgezeigt. Außerdem werden Symptome der Armut beschrieben, die in den unterschiedlichen Dimensionen der Lebenslage von Menschen auftreten können. Dadurch lassen sich im Verlauf der Arbeit nicht nur die Ursachen von Armut differenziert herausarbeiten, sondern vor allem können so die Hilfsmaßnahmen der Reaktion und Prävention dem tatsächlichen Bedarf entsprechend ermittelt werden.

2. 2. 1 Betroffene oder gefährdete Bevölkerungsgruppen

Menschen sind nicht per se arm. Allerdings gibt es Umstände, die Menschen einem gewissen Armutsrisiko aussetzen. So unterschiedlich diese Risiken sind, so heterogen ist auch die Gruppe der von Armut betroffenen oder gefährdeten Personen.[50][51]

Verarmungsrisiken sind allerdings nie auf bestimmte Bevölkerungsgruppen begrenzt.

Auch gibt es keinen monokausalen Zusammenhang zwischen Armutsrisiko und einer tatsächlichen Risikoverwirklichung (Verarmung).

Eine Risikoverwirklichung hat lediglich Möglichkeitscharakter. Also bedeutet die Zugehörigkeit zu einer der folgenden Gruppen nicht, dass tatsächlich Armutsgefahr oder –betroffenheit gegeben ist.

2. 2. 1. 1 Geringverdiener und Arbeitslose

Eine immer wichtiger werdende Ursache für Armut besteht darin, dass Eltern arbeitslos werden oder in Einkommensarmut leben, also zu gering verdienen, um sich und ihre Familien vor Verarmung zu schützen. Dies kann Unterversorgungslagen von Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Dimensionen der Lebenslage zur Folge haben, da sie vom Einkommen ihrer Eltern weitgehend abhängig sind.

Diese aktuell prekäre Situation einer besonders hohen Arbeitslosigkeit wird in Zukunft noch verschärft. Denn neben anderen Gründen verschwindet darüber hinaus „gleichzeitig [...] das Vollerwerbsmodell. Die Formen sozialer Sicherung durch Arbeit, auf die sich die Struktur und Grunderhaltung des Sozialversicherungssystems gründen, werden zusehends zu Auslaufmodellen massenhafter Erwerbsbiographien.“[52]

Neben Geringverdienern und Arbeitslosen stellen Kinder und Jugendliche eine eigene Gruppe von Personen dar, die besonders von Armut betroffen oder gefährdet sind.

2. 2. 1. 2 Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche stellen eine eigene Gefährdungs- oder Betroffenengruppe bezüglich der Armut dar. Denn die Arbeitslosigkeit der Eltern, die für ihre Kinder verantwortlich sind, kann sich zur familiären Armutsursache erweitern[53] und so Kinderarmut auslösen. Dazu kommt, dass von Einkommensarmut gefährdete Kinder schlechtere Bildungschancen haben.[54] Das beruht unter anderem darauf, dass viele Eltern ihre Kinder angesichts verknappter finanzieller Ressourcen zu einem möglichst baldigen Erwerbseintritt drängen,[55] sie also den Verzicht auf weitere Bildung wünschen. Dadurch kann ein Schulabschluss die Folge sein, der dazu führt, dass die Kinder und Jugendlichen in der Zukunft meist nur prestigearme und schlecht bezahlte Berufe besetzen können. Sie sind dadurch einem besonderen Risiko ausgesetzt, zukünftig von Verarmung betroffen zu werden.[56]

Von diesem Risiko sind deutsche wie ausländische Kinder und Jugendliche

gleichermaßen betroffen. Allerdings muss man hinzufügen, dass ausländische Kinder und Jugendliche pauschal im Bildungserwerb benachteiligt sind.[57] Sie stellen daher einen besonders hohen Anteil von armen oder armutsgefährdeten Kindern und Jugendlichen dar. Was die Eltern ausländischer Kinder betrifft, so werde ich auf sie gleich noch kurz eingehen.

Die dargestellte Entwicklung kann dazu führen, dass Armut, bedingt durch den frühen Erwerbseintritt und den damit verbundenen Bildungsverzicht, vererbt wird. Der Aspekt der (mangelnden) Bildung kann somit erneut zu (Kinder-) Armut führen.

2. 2. 1. 3 Straßenkinder

Straßenkinder stellen einen besondere Teil der Gruppe „Kinder und Jugendliche“ dar. Mit dem Begriff „Straßenkinder“ werden junge Menschen bis 18 Jahren bezeichnet, für die das Straßenmilieu für kürzere oder längere Zeit zum zentralen, aber überwiegend schutzlosen, sozialisierenden Lebensraum geworden ist.[58] Zum Teil liegt das daran, dass sie im familiären Bereich in irgend einer Weise überfordert werden und nicht mehr mit der gegebenen Situation zurecht kommen, aus der sie dann fliehen.[59] Sie haben geringen oder keinen Kontakt zu Personen, die ihnen gegenüber in Verantwortung stehen. Die meisten Straßenkinder dürften schon nicht mehr nur als armutsgefährdet, sondern als arm zu bezeichnen sein. Das liegt daran, dass sie zur Bewältigung von Krisensituationen durch staatliche Hilfeangebote oder Hilfe von Personen, die ihnen gegenüber in Verantwortung stehen, nicht mehr erreicht werden.[60] Dies resultiert teilweise aus einem Mangel an Lebensperspektive.[61]

2. 2. 1. 4 Ausländer

Hier werden alle erwachsenen ausländischen Mitbürger als Ausländer zusammengefasst, obgleich von einer homogenen Gruppe nicht die Rede sein kann.

Insgesamt hat es bisher keine Anzeichen für eine Aufwärtsmobilität von Ausländern auf dem Arbeitsmarkt gegeben. Durch die Stellung auf dem Arbeitsmarkt und dem damit verbundenen Einkommensniveau ist bei Ausländern das Risiko von Erwerbsarmut oder Arbeitslosigkeit hoch. Insgesamt liegt das Verarmungsrisiko höher als bei Deutschen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Kinderzahl in ausländischen Familien durchschnittlich höher ist. Wie Kinderzahl und Verarmungsrisiko zusammenhängen, wird an entsprechender Stelle beschrieben.[62]

2. 2. 1. 5 Alleinerziehende

Alleinerziehende sind ebenfalls keine homogene Gruppe, sie gehören unterschiedlichen Gruppen beiderlei Geschlechts an, von finanzschwach bis begütert.[63]

Verursacht wird diese Familienform durch Scheidung, Trennung oder durch den Tod des Partners.[64] Auch die Lebenslage „Alleinerziehend“ kann den Abstieg in tieferliegende Einkommensgruppen[65] oder Armut bedeuten. Denn die häufig unzureichenden Betreuungsangebote führen dazu, dass die (in den meisten Fällen) betroffenen Frauen nur unter Schwierigkeiten und oft mit qualitativen und quantitativen Abstrichen weiter ein Erwerbsleben realisieren können.[66]

Die Veränderungen der traditionellen Familienform hat das Armutsproblem insgesamt verstärkt,[67] wobei die Familienform „Alleinerziehend“ dabei finanziell als insgesamt schwächer gegenüber anderen Familienformen eingestuft werden muss.[68] Das liegt beispielsweise daran, dass hier ein Erwerbseinkommen zur Bedarfsdeckung genügen muss, obwohl gleichzeitig erheblich höhere finanzielle Belastungen –zum Beispiel durch den Betreuungsbedarf– bestehen.

Dadurch, dass hauptsächlich Frauen alleinerziehend sind,[69] werden verstärkt Kinder von Armut betroffen. Denn Frauen werden bei den Lohnhöhen diskriminiert, sind am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert und stehen außerdem vor höheren Eintrittsbarrieren in den Arbeitsmarkt.[70]

2. 2. 1. 6 Kinderreiche Familien

Eine weitere Bevölkerungsgruppe von durch Armut betroffenen oder gefährdeten Menschen stellen kinderreiche Familien dar. Als Faustregel kann man festhalten: Kinderreichtum kann

arm machen.[71]

Die Phase der Familiengründung kann symptomatisch für den Eintritt in eine von Armut gefährdete oder in Armut lebende Bevölkerungsgruppe stehen. Dies lässt sich dadurch begründen, dass mit der Geburt eines (weiteren) Kindes ein erheblicher Mehrbedarf an finanziellen Ressourcen unter anderem für den täglichen Bedarf und für (langlebige) Konsumgüter besteht. Denn Kinder sind auf ihre Eltern angewiesen, ihr Lebensniveau hängt vom Einkommen der Eltern ab. Und dieses Einkommen geht, wie bereits angeführt, trotz des Mehrbedarfs in der Regel zum Beispiel wegen des Betreuungsbedarfs zurück.

Mit der Zahl der Kinder wächst das Risiko, sich selbst finanziell nicht mehr absichern zu können.[72] In einer solchen Situation besteht die Gefahr, den Mehrbedarf durch eine Kreditaufnahme zu decken. Dadurch kann es zu erheblichen innerfamilialen Belastungsmomenten kommen, die ebenfalls (Kinder-) Armut verursachen können. Denn eine Kreditaufnahme, also eine Verschuldung, kann leicht in eine Überschuldung umschlagen. So wird geschätzt, dass im Jahre 1999 rund 2, 77 Millionen Haushalte überschuldet waren, die Hälfte davon sollen Haushalte mit Kindern und Jugendlichen sein.[73]

Als Fazit kann festgehalten werden, dass Kinder (-reichtum) ein Privileg der vermögenden Teile der Bevölkerung zu sein scheint. Kinder muss man sich leisten können.

2. 2. 2 Symptome von Armut.

Armut betrifft also eine ausgesprochen heterogene Gruppe der Bevölkerung, die sich nach den oben angeführten Merkmalen aber grob (zum Teil mit Überschneidungen) unterscheiden lässt. Bei welcher Gruppe Armut gehäuft auftritt oder dies zumindest zu befürchten ist, wäre somit geklärt. Nicht jedoch, wie Armut auftreten kann. Das heißt, welche Symptome lassen sich in bestimmten Dimensionen einer Lebenslage ausmachen, die auf eine Armutsbetroffenheit oder –gefährdung hindeuten.

Der Begriff „Symptom“ hat semantisch gegenüber anderen Begriffen Vorteile: er impliziert die Warnung vor einem Anzeichen, dass auf Armut hindeutet. Damit wird nur gesagt, dass die Möglichkeit von Armut besteht. Eine Kausalität zwischen Symptom und (Armuts-) Folge besteht nicht. Genau wie bei einer Krankheit deutet ein Symptom nur auf die Möglichkeit einer Krankheitsbetroffenheit hin, es wird jedoch keine Krankheit ohne weitere Untersuchungen unterstellt.

Die Kumulation unterschiedlicher Symptome lässt allerdings die Wahrscheinlichkeit einer (Armuts-) Betroffenheit ansteigen.

Die Vielzahl unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, die von Armut betroffen oder gefährdet sind, lässt vermuten, dass die Bandbreite von Armutssymptomen ebenso umfassend ist. Dass dies zutrifft, bestätigt der nachfolgende Überblick über die unterschiedlichen Symptome in verschiedenen Lebensbereichen. Sie sollen hier jedoch nur kurz angesprochen werden. An entsprechender Stelle werden sie im Verlauf der Arbeit, wie auch die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, wieder angeführt und vertieft. Hier soll lediglich ein erster Überblick darüber erfolgen, wie sich Armut in der Umwelt manifestieren kann.

2. 2. 2. 1 Wohnen

Eine Dimension der Lebenslage, in der Armutssymptome auf Armut hinweisen, ist die des Wohnens. Da die Wohnung und das Umfeld für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Rolle spielt,[74] werden Eltern bemüht sein, in diesem Bereich gute Voraussetzungen für ihre Kinder zu schaffen.

Allerdings bedeuten hohe Mietbelastungen oft die Segregation Betroffener in schlechtere Wohnverhältnisse. Preisgünstige Wohnungen in einer unattraktiven und umweltbelasteten Lage sowie eine unzureichende Infrastruktur können daher symptomatisch für Armutsgefährdungen und Armutsbetroffenheit sein.[75] Auf der Suche nach Entwicklungsspielräumen können Kinder und Jugendliche in einem solchen Umfeld auf immer stärkere destruktive Effekte treffen,[76] die ebenfalls auf die Armutsbetroffenheit dieser Gegenden schließen lassen.

2. 2. 2. 2 Gesundheit

Auch in der Dimension der Gesundheit gibt es Anhaltspunkte (Symptome), die auf Armutsgefährdungen oder –betroffenheit hinweisen können. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn Minderjährige einer Arbeit nachgehen. Zwar dient den meisten Kindern und Jugendlichen die Arbeit der Bedürfnisbefriedigung nach Konsumgütern, aber von den etwa 700.000 (2001) minderjährigen Arbeitnehmern gehen viele arbeiten, um sich oder ihren Familien etwas dazu zu verdienen. Und die teilweise menschenverachtende (Kinder-) Arbeit zieht ein besonderes Gesundheitsrisiko nach sich. Etwa ein Drittel der Kinder klagen über Rückenschmerzen, 40% leiden unter psychischen und physischen Belastungen, 10% haben sich im letzten Arbeitsjahr verletzt.

50% der untersuchten Arbeitsverhältnisse verstoßen gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz.[77]

Auch andere medizinische Befunde können auf Armut unter Kindern hindeuten: so sind beispielsweise erhöhte Zahnkariesbefunde bei Kindern in unteren Sozialschichten symptomatisch.[78]

2. 2. 2. 3 Ernährung

Bei der Ernährung wird häufig im Falle von Armut oder Armutsgefahr die Möglichkeit zu Einsparungen erwogen und realisiert.[79] Die Hinwendung zu minderwertigen Lebensmitteln und der Verzicht auf ausgewogene Nahrung kann aber schwerwiegende Folgen haben, die ebenfalls symptomatisch für Armut (–sgefahr) sind: Betroffene und Gefährdete sind im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung häufiger ungesund ernährt, übergewichtig und körperlich weniger aktiv,[80] die Erkrankungshäufigkeit (Morbidität)[81] und sogar die Sterblichkeit (Mortalität) sind in den unteren Schichten im Vergleich höher.[82]

Bei Kindern in Armut trägt die vorwiegend kalorien- und fettreiche Nahrung ebenfalls zur Verschlechterung der Gesundheit bei.[83]

Allerdings muss man an dieser Stelle hinzufügen, dass Ernährungswissenschaftler eine ausgewogene und ausreichende Ernährung bei knappen finanziellen Umständen als fast unmöglich einschätzen.[84]

2. 2. 2. 4 Kleidung und Konsum

Auch bei der Kleiderausstattung lassen sich Symptome von Armut erkennen,

beispielsweise wenn die Kleidung deutliche Mängel in Art und Umfang

zeigt.[85]

Viele Eltern nutzen aber auch für sich und ihre Kinder die Angebote von Second-Hand Kleidung und Kleiderkammern.

Je nach Alter werden die Kinder wegen dieser Kleidung ausgegrenzt, was oft Probleme für das Selbstbewusstsein bedeutet.[86] Denn ein weiteres Symptom für Armutsbetroffenheit oder Armutsgefährdung mit der Folge der sozialen Exklusion kann nämlich darin bestehen kann, dass die Mittel dazu fehlen, exklusive Kleidung zu kaufen oder zumindest zu simulieren.[87]

Kleidung oder allgemein bestimmte Konsumgüter sind allerdings aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen erforderlich, um in einer Gleichaltrigengruppe zu bestehen.[88]

Beim Freizeitverhalten kann Immobilität von armen Menschen ein Symptom von Armut oder Armutsgefährdung sein. Da dies jedoch für andere gut sichtbar ist, wird hier vermutlich von Betroffenen oder Gefährdeten ein besonderer Aufwand betrieben, eine in ihren Augen peinliche Lage zu verbergen.

Deshalb finden normale Freizeitaktivitäten Betroffener oder Gefährdeter häufig aus Scham nicht statt, um die familiäre Situation nicht preiszugeben.[89]

Zusammenfassend kann man hier sagen, dass deshalb intern ablaufende Bedarfsdeckungsprozesse zunächst eingeschränkt (vgl. Ernährung), nach außen sichtbare Konsummuster aber möglichst spät aufgegeben werden.[90]

2. 2. 2. 5 Psychosoziale Aspekte

Symptomatisch für Armutsbetroffenheit und Armutsgefährdung kann auch die Einschränkung sozialer Kontakte durch die finanzielle Situation und die Wohnsituation sein.[91] Viele der betroffenen Menschen ziehen sich zurück, weil sie fürchten, von ihren Mitmenschen herabgesetzt zu werden.[92]

Dieser Rückzug kann in Isolation enden.[93]

Allerdings darf auch hier kein monokausaler Zusammenhang zwischen Art und Umfang sozialer Kontakte und Armutsgefährdung oder –betroffenheit unterstellt werden.

Bei Kindern und Jugendlichen kann eine Einschränkung ihrer sozialen Kontakte psychische

und psychosomatische Auffälligkeiten bedeuteten. Dazu gehören Schlafstörungen,

Lernprobleme, Unruhe und Konzentrationsstörungen, die mit Rückzugstendenzen aus sozialen Kontakten einhergehen.[94] Eine solche soziale Exklusion aufgrund fehlender finanzieller Mittel betrifft bei Kindern und Jugendlichen zumeist Angebote der Bildung, der Freizeit und des Konsums.[95] Im Zusammenhang mit dem Aspekt der Bildung kann für ein Leben in Armut (-sgefahr) symptomatisch sein, dass sie häufig die Sprach-[96] und Intelligenzentwicklung beeinträchtigt und sich auf die schulische Leistungsfähigkeit auswirkt[97]. Was die sprachliche Dimension betrifft, so zeigen sich Armutsauswirkungen ebenfalls symptomatisch in der (familialen) Interaktion.[98]

Weitere Symptome eines Lebens in Armut können sich in Ängstlichkeit, Hilflosigkeit und einem geringen Maß an Selbstvertrauen äußern, weil Kinder und Jugendliche die Ohnmacht ihrer Eltern gegenüber Problemen sehen und dadurch entmutigt werden können.[99] Solche Reaktionen können allerdings, wenn kompensatorische Möglichkeiten zur Stressbewältigung (z.B. Sport) ausbleiben,[100] auch in andere Armutssymptome, zum Beispiel in normabweichendes Verhalten, umschlagen.

Dies gilt selbstverständlich nicht nur für Kinder und Jugendliche.

Ein Zusammenhang zwischen Gewaltanwendung und Armutssituation lässt sich auch im familialen Bereich vermuten. Psychische Belastungen durch Armut können dann in Kindesablehnung oder –vernachlässigung münden, in letzter Instanz sogar mitunter in Kindesmisshandlungen.[101]

Hier können Cliquen und Straßenbanden einen Familienersatz darstellen, der einer physischen und emotionalen Zufluchtsstätte gleichkommt.[102]

2. 2. 2. 6 Kriminalität

Auch normabweichendes Verhalten stellt ein Symptom dar, dass auf das Vorliegen einer Armutsgefährdung oder Armutsbetroffenheit hinweisen kann.

Die Lebensumstände, das Sozialverhalten und die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Einzelnen, Probleme und Konflikte (z.B. des Wohnumfeldes) zu verarbeiten, sind für

abweichendes Verhalten ausschlaggebend.[103] Allerdings stellt delinquentes Verhalten von Kindern und Jugendlichen nur eine von vielen Reaktionsformen dar, andere wurden bereits angeführt.

Die Frage, ob kriminelles Handeln von Kindern und Jugendlichen auch symptomatisch für Kinderarmut sein kann, muss bejaht werden, zumindest wird in der Forschung ein klarer Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Kinderkriminalität gesehen.[104]

2. 2. 3 Fazit

Die Betrachtung der besonders betroffenen und gefährdeten Bevölkerungsgruppen sowie der unterschiedlichen Symptome, die auf Betroffenheit oder Gefährdung von Armut hinweisen, lässt erkennen, wie komplex und vielschichtig das Armutsphänomen ist, vor allem, wenn man den Bereich der Kinderarmut mit einschließt.

Ebenfalls wurde deutlich, dass weder die Zugehörigkeit zu einer der genannten Bevölkerungsgruppen noch das Sichtbarwerden eines Armutssymptoms in der (den) Dimension(en) der Lebenslage eines Menschen die sichere Schlussfolgerung zulässt, ein Mensch sei von Armut gefährdet oder betroffen. Einen Kausalzusammenhang zwischen Bevölkerungsgruppe/ Symptom und Armut kann also niemals unterstellt werden.

Allerdings lässt die Zugehörigkeit zu einer Risikobevölkerungsgruppe in Verbindung mit der Kumulation unterschiedlicher Armutssymptome die Wahrscheinlichkeit der Armutsbetroffenheit ansteigen.

Insgesamt zeigt sich, dass Armut eine Abkoppelung (Exklusion) von gesellschaftlicher, kultureller und auch wirtschaftlicher Teilhabe bedeuten kann, die sich auf eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Bereiche des täglichen Lebens erstreckt.

In dem nun folgenden Abschnitt soll untersucht werden, worin die Ursachen für Armut oder Armutsgefährdung in den unterschiedlichen Dimensionen einer Lebenslage für Menschen liegen können.

3 Ursachen der Armut

In dem nun folgenden Abschnitt geht es darum, typische Ursachen für Verarmungsprozesse herauszuarbeiten. Dabei soll neben der Ermittlung der Armutsursachen in den einzelnen Dimensionen der Lebenslage geklärt werden, ob diese spezifische Armutsursache Kinderarmut nach sich zieht, oder ob diese Armutsursache auf die Eltern beschränkt bleibt.

Wichtig ist bei der Suche nach den Ursachen für Armut, darauf hinzuweisen, dass nie ein Kausalzusammenhang zwischen Ursache und Armutsfolge konstruiert wird. Denn wie an entsprechender Stelle gezeigt wird, existiert eine solche Kausalität nicht. Es besteht zwischen Ursache und Wirkung im Sinne einer Armutsfolge immer nur ein Möglichkeitscharakter. Könnte also als mögliche Armutsursache zum Beispiel ein bestimmter Grad an Bildung festgestellt werden, so folgt nicht automatisch Armutsbetroffenheit oder Armutsgefährdung. Allerdings ist bei einem Zusammenfallen mehrerer Armutsursachen bei einem Menschen das Risiko höher, von Verarmungsprozessen betroffen zu werden. Bei einer ernsthaften Beschäftigung mit dem Armutsphänomen muss das immer wieder bedacht werden.

Nun folgt der Überblick über die Ursachen für Armut im Sinne potentiell armutsauslösender Ereignisse.

3. 1 Kinderreichtum und Konsum

Kinder gelten in unserer Gesellschaft als Hauptursache für Verarmungsprozesse; anders sieht dies beispielsweise in der sogenannten Dritten Welt aus, wo Kinder meist die Existenz von Familien sichern und nicht gefährden.[105]

Doch auch in unserer Gesellschaft wird häufig übersehen, dass Menschen, die sich darauf „einlassen“, Kinder in die Welt zu setzen, damit für den Fortbestand dieser Gesellschaft einen unentbehrlichen Beitrag leisten.

Die gesamte Phase der Familiengründung kann Verarmungsprozesse von Familienhaushalten auslösen oder begünstigen, denn mit jedem Kind (mehr) muss das Familieneinkommen für die Versorgung einer weiteren Person ausreichen, so dass für die anderen Familienmitglieder ein entsprechender Anteil weniger verbleibt. Viele Eltern versuchen, den erhöhten Bedarf an finanziellen Ressourcen durch eine Kreditaufnahme zu kompensieren. Ach dies kann ein Abgleiten in Armut (-snähe) bedeuten, denn eine Verschuldung kann in dieser Situation leicht eine Überschuldung nach sich ziehen.[106]

Elternschaft ist somit immer verbunden mit ökonomischen Nachteilen und häufig einer Verminderung des materiellen Lebensstandards. Steuerfreibeträge und Transferleistungen gleichen die durch Kinder entstehende (finanzielle) Belastung nicht aus.[107]

Eine wichtige Rolle spielt die Kinderanzahl. Je höher die Kinderzahl in einem Haushalt ist, umso größer ist auch die Zahl der Fälle, die wegen unzureichendem Erwerbseinkommen Sozialhilfe trotz fortbestehender Erwerbstätigkeit beziehen.[108]

Kinder bedeuten familiäre Mehrbelastungen und –kosten von mindestens 300 - 350 € monatlich,[109] denn es entstehen unter anderem erhöhte Verbrauchskosten in der Familie und erhöhte Wohnkosten. Dazu kommt ab einem gewissen Alter ein im Gegensatz zu früher erheblich vergrößertes Konsumbedürfnis. Der Markt bezieht Menschen heute als Nachfrager viel früher mithilfe der Medien ein. Kinder und Jugendliche nehmen ähnlich am Konsumalltag teil wie Erwachsene. Zum Armutsrisiko wird eine solche Entwicklung, wenn -bei Kindern und Jugendlichen genau wie bei Erwachsenen- eine hinreichende Selbstkontrolle von Konsumwünschen fehlschlägt.[110]

Mit einem erhöhten Bedarf an finanziellen Ressourcen geht eine erhöhte Zeitaufwendung mit Folgen für Erwerbsprozesse einher: in der Regel fällt ein Vollzeit – Erwerbseinkommen weg.[111] Denn Kinder im Haushalt stellen Restriktionen dar, die die Aufnahme der Erwerbstätigkeit erschweren, zumindest bis die Schulpflicht halbtags Entlastung von Betreuungsaufgaben bringt.[112]

Zusammenfassend kann man sagen: Kinderarmut ist meistens eine Armut durch Kinder. Zum anderen steht die Kinderarmut häufig am Ende einer von den Eltern nicht mehr bewältigten Unterversorgungslage der Familie.[113]

[...]


[1] Zu Formen der Armut im historischen Kontext vgl. Eichler, S. 29ff.

[2] KuA, S. 22.

[3] Tobias/ Boettner, S. 107.

[4] Hübinger mwN, S. 41.

[5] BMFSFJ – Meier, S. 1; Klocke/ Hurrelmann – Hefler/ Rippl/ Boehnke, S. 189.

[6] Beisenherz, S. 36.

[7] DER SPIEGEL Nr. 41, 1997; Beisenherz, S. 35.

[8] AuR, S. 117; Hock/ Holz/ Wüstendörfer, S. 7.

[9] Dietz, S. 146; vgl. Kamensky/ Heusohn/ Klemm, S. 17.

[10] Dietz, S. 8; Mansel – Dangschat, S. 164.

[11] Beisenherz, S. 293.

[12] Zum Problem der neutralen Definition vgl. BMFSFJ – Meier, S. 3.

[13] mwN Hübinger, S. 44.

[14] Andreß, S. 70; Mansel, S. 141.

[15] KuA, S. 103; BMFSFJ – Richter, S. 5.

[16] mwN Hübinger, S. 54, AuR, S. 6.

[17] Mansel/ Neubauer, S. 108.

[18] AuR, S. 10 ff.

[19] An dieser Stelle sollen und können keine Reichtums grenzen genannt werden.

Der Versuch einer Grenzziehung würde, wie auch beim Armutsbegriff, schon ein

bestimmtes Messverfahren voraussetzen; hier geht es jedoch nur um eine allgemeine

Begriffseinführung. Daher muss das Wort `hinlänglich´ ausreichen. Aus diesem Grund

kommt es auch nicht zur Nennung von Zahlen über das Ausmaß von Armut und

Reichtum, da sie je nach Berechnungsgrundlage divergieren.

[20] KuA, S. 69.

[21] www.kinderschutzbund.de/cgi-bin/artikel.pl?id=89.

[22] Da die Datenlage für eine solche Feststellung nicht ausreichend ist, kann es nur bei

einer Annahme bleiben, wenngleich diese als relativ sicher anzusehen ist.

[23] AuR, S 44.

[24] Rauscher – Hauser, S.11.

[25] 10. Kinder und Jugendbericht, S. 90.

[26] Andreß, S.82.

[27] BMFSFJ – Meier, S. 1.

[28] Butterwegge – Becker/ Hauser, S. 27.

[29] Andreß, S. 90.

[30] BMFSFJ – Höft-Dzemski, S. 10.

[31] Andreß, S. 96; Weick, S. 17.

[32] BMFSFJ – Krappmann, S. 9; weitere Maßstäbe der Armut, die im weiteren Sinne dem

der Absoluten Armut entsprechen, vgl. KuA, S. 68 (Human Poverty Index).

[33] Eine tabellarische Auflistung unterschiedlicher Armutskonzepte findet sich bei

Dietz, S. 109.

[34] BMFSFJ – Korczak, S. 5.

[35] mwN Hübinger, S. 63.

[36] Übersicht über die Merkmale bei Hübinger, S. 105.

[37] BMFSFJ – Kettschau, S. 4.

[38] mwN Hradil/ Müller, S. 21.

[39] BMFSFJ – Richter, S. 4.

[40] BMFSFJ – Korczak, S. 15.

[41] mwN Dietz, S. 120.

[42] Beisenherz, S. 312.

[43] BMFSFJ – Richter, S. 9.

[44] Dietz, S. 122.

[45] Hübinger, S. 106.

[46] Hübinger, S. 113.

[47] Specht, S. 7.

[48] Mielck – Gostomzyk, S. 11.

[49] Kistler/ Sing/ Korczak, S. 381.

[50] Alte Menschen stellen auch eine gefährdete Bevölkerungsgruppe dar. Da hier aber

kaum Auswirkungen auf Kinder bestehen, entfällt eine Beschreibung dieser Gruppe.

Zur Altersarmut vgl. Dietz, S. 150ff.

[51] BMFSFJ – Kettschau, S. 17.

[52] Dietz, S. 170.

[53] Mansel/ Neubauer, S. 205; Beisenherz, S. 63.

[54] mwN Mansel/ Neubauer, S. 186.

[55] mwN Mansel, S. 114.

[56] Butterwegge – Mansel, S. 119.

[57] KuA, S. 28.

[58] mwN Specht, S. 37f.; KuA, S. 27.

[59] BMFSFJ – Meier, S. 8.

[60] Specht, S. 94.

[61] KuA, S. 227.

[62] KuA, S. 28.

[63] BMFSFJ – Korczak, S. 20.

[64] AuR, S. 98.

[65] Mansel/ Neubauer, S. 10; BMFSFJ – Enders-Dragässer, S. 10.

[66] BMFSFJ – Enders-Dragässer, S. 10, BMFSFJ – Meier, S. 7.

[67] Beisenherz, S. 65; BMFSFJ – Meier, S. 6.

[68] BMFSFJ - Korczak, S. 20.

[69] Alleinerziehende Männer sind statistisch unbedeutend, vgl. mwN Dietz, S. 148.

[70] Beisenherz, S. 73; vgl. Hanesch – Adamy, S. 265.

[71] Bieligk, S. 45; Zenz – Brinkmann, S. 55; Mansel/ Neubauer, S. 198 schreibt:

„Insbesondere kann die Aussage gemacht werden: `Kinderreichtum macht arm´“. Dies

ist jedoch kritisch zu betrachten, er unterstellt einen Kausalzusammenhang, der so nicht

existiert. Kinderreichtum bedingt allerdings ein Armuts risiko, vgl. Dietz, S. 142.

[72] Mansel/ Neubauer., S. 10.

[73] mwN BMFSFJ – Krappmann, S. 29; mwN AuR, S. 68f.

[74] Specht, S. 13; BMFSFJ – Richter, S. 4.

[75] vgl. Specht, S. 13; vgl. AuR, S. 115.

[76] Specht, S. 41; vgl. Mansel – Dangschat, S. 170.

[77] Specht, S. 24.

[78] BMFSFJ – Richter, S. 11.

[79] Andreß, S. 47.

[80] AuR S. 116; BMFSFJ – Richter, S. 11.

[81] Beisenherz, S. 76.

[82] mwN BMFSFJ – Korczak, S. 19.

[83] Butterwegge – Lange/ Lauterbach/ Becker, S. 159.

[84] vgl. Specht, S. 24. Leider begründet der Autor diese Einschätzung nicht.

Meiner Beobachtung nach ist eine kostengünstige, ausgewogene Ernährung unter

Berücksichtigung von saisonalen Preisunterschieden vor allem bei Obst und Gemüse und

Sonderangeboten möglich. Was fehlt, sind dagegen Kenntnisse, Fertigkeiten und

Möglichkeiten bei der Nahrungszubereitung. Doch dazu an entsprechender Stelle mehr.

[85] vgl. Hock/ Holz/ Wüstendörfer, S. 131.

[86] Beisenherz, S. 76.

[87] Beisenherz, S. 133; BMFSFJ – Krappmann, S. 14.

[88] vgl. Mansel/ Neubauer, S. 146.

[89] vgl. Hock/ Holz/ Wüstendörfer, S. 131.

[90] BMFSFJ – Kettschau, S. 15.

[91] vgl. Hock/ Holz/ Wüstendörfer, S. 132.

[92] BMFSFJ – Richter, S. 1.

[93] Zu den unterschiedlichen Typen von Isolation, vgl. Hübinger, S. 114f.

[94] Specht, S. 15.

[95] AuR S. 115; Hock/ Holz/ Wüstendörfer, S. 131

[96] BMFSFJ – Richter, S. 11f.

[97] Specht, S. 15.

[98] Klocke/ Hurrelmann – Hefler/ Rippl/ Boehnke, S. 203.

[99] AuR S. 115; Mansel/ Neubauer, S. 142; BMFSFJ – Krappmann, S. 33.

[100] Specht, S. 24; Butterwegge – Lange/ Lauterbach/ Becker, S. 159.

[101] BMFSFJ – Krappmann, S. 37.

[102] Specht, S. 38.

[103] Specht, S. 35.

[104] mwN Specht, S. 35; Beisenherz, S. 84.

[105] Dietz, S. 142; vgl. mwN Weick/ Frenzel, S. 54.

[106] vgl. 1. 2. 1. 6 Kinderreiche Familien.

[107] BMFSFJ – Krappmann, S. 27.

[108] Dietz, S. 142; KuA, S. 33; Mansel/ Neubauer, S. 10; vgl. www.haeverlag.de/ archiv/

n0200_4.htm

[109] Specht, S. 4.

[110] AuR, S. 109.

[111] Specht, S. 4.

[112] vgl. Andreß, S. 51.

[113] AuR, S. 113.

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Kindheit und Armut in Deutschland. Symptome, Ursachen und Konsequenzen.
Hochschule
Universität zu Köln  (Erzeihungswissenschaftliche Fakultät; Seminar für Soziologie und ihre Didaktik)
Note
1.0
Autor
Jahr
2003
Seiten
112
Katalognummer
V19867
ISBN (eBook)
9783638239011
ISBN (Buch)
9783640521845
Dateigröße
798 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindheit, Deutschland, Symptome, Ursachen, Konsequenzen, Armut
Arbeit zitieren
Eike Weimann (Autor), 2003, Kindheit und Armut in Deutschland. Symptome, Ursachen und Konsequenzen., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19867

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