Akzeptanz und Adaption medizinisch-technischer Assistenzsysteme in häuslicher Umgebung

„Welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung werden in unterschiedlichen Technikgenerationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen?“


Forschungsarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theoretischer Hintergrund

III. Methode

IV. Ergebnisse

V. Diskussion

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Rückgang der Geburtenrate in der Bundesrepublik Deutschland und der technische Fortschritt, auch im Bereich der medizinischen Versorgung erzeugen zusammen einen demographischen Wandel. Die gute gesundheitliche Versorgung ermöglicht einer Vielzahl von Menschen ein langes Leben zu führen. Doch aufgrund der geringen Anzahl von Geburten in Deutschland gerät erstens der Generationenvertrag in Gefahr, was bedeutet, dass es zu wenige Menschen gibt, die die finanzielle Absicherung der alten Menschen in der Gesellschaft gewährleisten. Und zweitens gibt es nicht genügend Menschen in der Altenpflege, die einer immer pflegebedürftiger werdenden Bevölkerung ihre Betreuung zusichern können. Aus diesem Grund ist eine Weiterentwicklung der technischen Unterstützung für diese Menschen nötig. Die eHealth Group des Human Technology Center der RWTH Aachen beschäftigt sich daher mit der Entwicklung von technischen Geräten, die älteren und hilfebedürftigen Menschen den Alltag erleichtern. Im Rahmen dieses Forschungsfeldes haben sich die Teilnehmer des Seminars „Empirisch-experimentelle Forschungsmethodik in der Kommunikationswissenschaft“ mit der Adaption und Akzeptanz dieser Assistenzsysteme beschäftigt. Ziel des Seminars ist es, einen Einblick in die praktische Anwendung der Methoden zu erhalten und gleichzeitig die Haltung der Bevölkerung in Deutschland zu Assistenzsystemen zu untersuchen.

II. Theoretischer Hintergrund

Die Forschung und Entwicklung dieser Assistenzsysteme in Deutschland wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Diese Tatsache macht deutlich, welchen Stellenwert „Ambient Assisted Living“(AAL), also die Unterstützung und Verbesserung der Lebensqualität der Menschen in ihrer häuslichen Umgebung einmal einnehmen soll und kann[1]. Diese Technologie soll es ermöglichen, bessere Kommunikation mit Ärzten und Pflegern führen zu können und soll selbst die Intelligenz besitzen, auf den Gesundheitszustand des Menschen in seinem Wohnraum zu reagieren[2]. Das Vorhaben einer solchen Forschung, die mit staatlicher Unterstützung betrieben ist, muss so zielgerichtet erfolgen, dass keine finanziellen Mittel und keine Zeit dabei verloren gehen. Außerdem darf kein Zweifel darüber bestehen, ob es ein potenzielles Bedürfnis nach solchen Assistenten in der häuslichen Umgebung gibt. Daher setzen sich die Teilnehmer des Seminars mit der Akzeptanz für die Adaption von medizinisch-technischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung auseinander. Dabei stellen sich die Fragen nach Kosten und Bedingungen unter denen der Einsatz von Assistenzsystemen im Alltag möglich ist. Bei der Auseinandersetzung mit der Frage nach der Akzeptanz wird schnell deutlich, dass die Gründe, die für eine Akzeptanz sorgen nicht für die gesamte Bevölkerung gleich sind. Sie ermöglicht die Vermutung, dass die Akzeptanz durch Alter, Beruf oder technisches Interesse beeinflusst wird. Das hat unter anderen auch zur Frage geführt, „Welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung werden in unterschiedlichen Technikgenerationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen?“.

Diese Fragestellung erlaubt die Generierung der folgenden Thesen, die anhand der Ergebnisse dieser Forschung zu überprüfen sind:

Für junge Menschen wird der Datenschutz eine größere Rolle für die Akzeptanz spielen, als für ältere Menschen.

Älteren Menschen wird, aufgrund der schwindenden Mobilität, ein guter Service sehr wichtig sein.

Bei den jungen Menschen wird die Unterhaltungsfunktion der Assistenzsysteme eine große Rolle spielen.

Weil ältere Menschen häufig mehr Kontakt mit Ärzten haben, wird die erleichterte Kommunikation die Akzeptanz dieser Menschen erhöhen.

Älteren Menschen werden hohe Kosten als weniger relevant erscheinen, da sie evtl. mehr Geld zur Verfügung haben und bereits stärker von Krankheiten betroffen sind

Um sich der Aufklärung dieser Fragestellung anzunähern und die Hypothesen zu überprüfen, werden unterschiedliche empirische Methoden verwendet die systematisch eingesetzt werden.

Die Beschreibung dieser Methoden und der Zeitpunkt des Einsatzes werden im nächsten Kapitel dargestellt. Danach folgt die Darstellung der Ergebnisse aus der Auswertung der zuvor erstellten Fragebögen, die sich auf die für die konkrete Fragestellung relevanten Werte beschränkt. Im letzten Kapitel des Forschungsberichtes wird eine Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Fragestellung vorgenommen. An dieser Stelle werden die Hypothesen verifiziert oder falsifiziert. Damit kann geklärt werden ob die Fragestellung durch die eingesetzten Methoden eine Antwort findet und wie diese im Gesamtkontext der Auseinandersetzung mit der Problematik zu bewerten ist.

III. Methode

Fokusgruppen

Zur Beantwortung der Fragestellung des Seminars, „Welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung werden in unterschiedlichen Technikgenerationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen?“, werden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden der Kommunikationswissenschaft herangezogen.

Als qualitative Methode wurden im Falle des Seminars, Fokusgruppen eingesetzt. Eine Fokusgruppe ist eine Diskussionsgruppe von 5-10 Personen, die in der authentischen Praxis mit Teilnehmern aus verschiedenen Gruppen der Bevölkerung besetzt werden. Diese Diskussionsrunde wird durch einen Moderator geleitet, der neben der Einleitung in das Thema noch die Aufgabe hat, in den Gesprächsverlauf unter Berücksichtigung des Themas einzugreifen. Bevor sich die Fokusgruppe zur Diskussion versammelt, wird die Thematik, die damit verbundene Problemstellung und Zielsetzung festgelegt, wonach die Teilnehmer der Gruppen eingeladen werden. In der Durchführung der Diskussion der Fokusgruppe ist darauf zu achten, dass der Ort des Gesprächs neutral wahrgenommen wird. Die Beiträge und Ergebnisse der Auseinandersetzung werden protokolliert oder auf Video bzw. Tonband aufgezeichnet. Im Anschluss an die Diskussion werden die dokumentierten Daten ausgewertet und anhand der Fragestellung strukturiert. Aus diesen geordneten Daten, kann dann der Nutzen für den Forschungsgegenstand gezogen werden. Im Falle des Seminars stellen aus pragmatischen Gründen, die Studenten des Seminars die Teilnehmer dar. Die Fokusgruppen bestehen aus 5 Personen, sowie einem/r Moderator/in und einem/r Protokollant/in. Diese dienen dem Seminar als exploratives Werkzeug mit dessen Hilfe der Fragebogen konstruiert werden soll.

Die Teilnehmer der Fokusgruppe haben bei der Auseinandersetzung mit medizinischen Assistenzsystemen „Gewährleitung ärztlicher Versorgung“, „Erleichterte Kommunikation“, „Sicherheit“, „Hilfestellung durch Datensammlung“ und „Unterhaltungsfunktion“ als Vorteile ausgemacht. Bei der systematischen Ordnung der Aspekte der Diskussion, wurde im Bereich der Nachteile eine Differenzierung zwischen „persönlichen“ und „technischen“ Nachteilen unterschieden. Im „persönlichen“ Bereich nannte die Gruppe „Bevormundung“, „Soziale Isolation“ und „Stigmatisierung durch das Gerät“. Technische Nachteile sieht die Gruppe in den „Datenrechtlichen Folgen“ und den „Hohen Kosten“. Zu diesen Vor- und Nachteilen sind für die Fokusgruppe Voraussetzungen zu erfüllen, die für eine Akzeptanz sorgen. An dieser Stelle werden Punkte wie „Wahrung der Privatsphäre“, „Transparenz der Datennutzung“ oder „Zuverlässigkeit“ aufgeführt. Diese Überlegungen stellen die Grundlage für den nächsten Schritt der Untersuchung dar, der darin besteht einen Fragebogen zu konstruieren, mit dessen Ergebnissen die Klärung der Fragestellung vorgenommen werden kann.

Fragebogenkonstruktion

Zur Erhebung der Meinungen und Vorstellungen zu dem in den Fokusgruppen diskutiertem Thema, „Vor- und Nachteile von technischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung in Bezug auf die Relevanz der Geräte“, wurden in nächsten Schritt Fragebögen konstruiert, um eine Auswahl-Stichprobe vorzunehmen. Bei der Herstellung dieser quantitativen, standardisierten, schriftlichen Befragung, gilt es, sich an Konstruktionskriterien zu halten. Diese werden am Beispiel des von den Teilnehmern des Seminars erstellten Fragebogens dargestellt. Generell gilt, die Items im Vorfeld zu bilden und festzulegen, die Reihenfolge der Fragen logisch anzuordnen und die Antwortmöglichkeiten präzise zu formulieren.

Zu Beginn des Fragebogens erhalten die Befragten eine Erklärung, die sie in das Thema der Befragung einführen soll und Informationen über den Rahmen der Untersuchung sowie die Institution, die die Erhebung durchführt geben soll. Damit werden eventuell auftretenden Unklarheiten im Verlauf des Fragebogens reduziert und eine Bindung zur fragenden Organisation hergestellt. Inhaltlich werden die „Fragen, die denselben Aspekt des Themas behandeln(Fragenkomplexe) nacheinander abgefragt“[3]. Im Rahmen des Seminars wurden fünf Fragenkomplexe von einander getrennt. Diese wurden mit I. Angaben zur Person, II. Angaben zur Nutzung von (Medizin-) Technik, III. Voraussetzung der Nutzung von medizinisch-technischen Geräten und Systemen, IV. Datenschutz und Privatsphäre und V. Vor- und Nachteile der Nutzung von medizinisch-technischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung bezeichnet. Im ersten Fragenkomplex werden zunächst allgemeine Angaben zur Person gemacht, wie Alter, Schulabschluss und Beruf, wobei der relevanteste Aspekt bei der Unterscheidung der Technikgenerationen die Angabe des Alters darstellt, mit der die Gruppen des Probanten bestimmt wird. Der zweite Teil der Abfrage zielt auf die Erfahrungen mit (Chronischen-) Krankheiten. Damit soll ermittelt werden, in wieweit Menschen die bereits regelmäßig medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen, eine höher Akzeptanz für Assistenzsysteme besitzen. In diesem Komplex sind sowohl geschlossene als auch halb offene Fragen zum Einsatz gekommen. Im zweiten Fragenkomplex geht es um den Umgang der Befragten mit Technik. Der erste Schwerpunkt fragt die Erfahrung und Nutzung von technischen Geräten allgemein ab, womit überprüft werden soll, ob und wie das Verhältnis der Personen zu Technik deren Akzeptanz beeinflusst. Dazu wurden die Befragten mit Statements konfrontiert, die sie mit einer verbal verankerten Ratingskala bewerten sollten (stimmt absolut – stimmt gar nicht). Der zweite Block dieses Fragenkomplexes befasst sich mit der Kommunikationstechnik, die ein großer Bestandteil von medizinisch-technischen Assistenzsystemen ist. Die Teilnehmer der Befragung sollten den von ihnen wahrgenommenen Schwierigkeitsgrad von Geräten wie Handy oder Laptop darstellen und die Häufigkeit ihrer Benutzung darstellen. Im letzten Teil des Fragenkomplexes, wurde versucht zu ermitteln, welche Erfahrungen die Befragten mit bestimmten medizinischen Geräten wie z.B. einem Blutdruckmessgerät besitzen. Außerdem wurde danach gefragt, ob die Erfahrungen eigene sind oder über andere Personen transportiert wurden. Der dritte Fragenkomplex beginnt mit der Frage nach Eigenschaften, die medizinisch-technische Geräte aufweisen müssen, damit sie akzeptiert werden. Dazu wurden elf Eigenschaften aufgeführt, die der Befragte auf einer 6-stufigen Skala bewerten konnte[4]. In der nächsten Frage wurden die Teilnehmer gebeten die drei, für sie wichtigsten Eigenschaften zu ordnen. Bei der dritten Frage dieses Komplexes geht es um die Voraussetzungen die gegeben sein müssen, damit die Assistenzsysteme akzeptiert werden. Hier wurde der Kandidat wieder gebeten, Statements mit einer 6-stufigen Skala zu bewerten. Hinter dieser Frage steht die Hoffnung, einen Unterschied zwischen jungen und älteren Menschen festzustellen, der besonders die Bedienung der Geräte und den Datenschutz betrifft. Die letzte Frage des Fragenkomplexes gibt dem Befragten das Gefühl, dass er bei der Gestaltung der Systeme mitwirken kann. Hier soll er oder sie die Möglichkeit von anderen Funktionen, wie Unterhaltung oder Training der Motorik auf einer 6-stufigen Skala bewerten. Zu Beginn des vierten Fragenkomplexes zum Thema Datenschutz wird der Teilnehmer zunächst gebeten, per Bewertung über eine 6-stufige Skala, für sich den Datenschutz zu definieren. Danach sollen die Bereiche in denen der Datenschutz eine Rolle spielt (Arbeitsplatz, Internet, etc.) in eine Reihenfolge gebracht werden, nach der die Wichtigkeit geordnet wird. Die nächste Frage ermittelt die für die Probanten schützenswerten Daten, und welche Daten welcher Person im Gesundheitswesen bekannt sein dürfen. Die letzte Frage in diesem Stil im vierten Fragenkomplex fragt nach den Gefahren, die die Befragten im Bereich des Datenschutzes sehen. Dazu wird wieder um die Bewertung via 6-stufiger Skala gebeten, in Bezug auf hypothetische Statements. Bei der letzten Frage in diesem Block wird eine andere Methode verwendet. Hier bekommt der Befragte ein Fallbeispiel, das die theoretischen Fragen anschaulicher machen soll und damit Bezug zur Praxis herstellen soll. Unter Beachtung des Beispiels sollen die Teilnehmer ihre zuvor geschilderte Position hinterfragen und sie beibehalten oder revidieren. Abschließend wird um die Beurteilung gebeten, ob Datenschutz eine besondere Stellung bei der Akzeptanz von medizinisch-technischen Geräten besitzt. Der abschließende Teil des Fragebogens beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen der Assistenzsysteme unter Anwendung der 6-stufigen Skalen. Dazu werden drei Fragen gestellt, die Statements zur Nutzung solcher Systeme beinhalten, denen 6 mögliche Zustimmungsgrade hinzugefügt werden. Am Ende jedes Fragebogens sollte darauf geachtet werden, dass, wie hier auch geschehen, dem Teilnehmer noch einmal explizit gedankt wird. Außerdem sollte die letzte Seite eines Fragebogens dem Befragten ausreichend Platz bieten um seine Anmerkungen und Kritik zu äußern, wozu dieser auch aufgefordert werden darf. Für das Ausfüllen der Fragebögen, wurden ca. 15-18 Minuten eingeplant.

[...]


[1] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Innovationen für ein selbstbestimmtes Leben, online im Internet <www.aal-deutschland.de>, [zugegriffen am 14.2.2012].

[2] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung: AAL in Deutschland. Selbstbestimmtes Leben durch innovative Technik, online im Internet <www.aal-deutschland.de/deutschland>, [zugegriffen am 14.22012].

[3] Vgl. Schnell, Rainer/ Hill, Paul B,/ Esser, Elke: Methoden der empirischen Sozialforschung, München/ Wien 2008, S.343.

[4] Es kommt ausschließlich zum Einsatz von 6-stufigen Skalen, damit die mittlere Antwort, die bei Desinteresse oder Unsicherheit gewählt wird nicht vorhanden ist.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Akzeptanz und Adaption medizinisch-technischer Assistenzsysteme in häuslicher Umgebung
Untertitel
„Welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung werden in unterschiedlichen Technikgenerationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen?“
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V198746
ISBN (eBook)
9783656253471
ISBN (Buch)
9783656253822
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
akzeptanz, adaption, assistenzsysteme, umgebung, welche, vor-, nachteile, assistenzsystemen, technikgenerationen
Arbeit zitieren
Thorsten Vierbuchen (Autor), 2011, Akzeptanz und Adaption medizinisch-technischer Assistenzsysteme in häuslicher Umgebung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198746

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