Energiewende zwischen Politik und Sachverstand

Notwendigkeit eines Gremiums mit exzellentem Sachverstand


Studienarbeit, 2012
58 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Zusammenfassung/Abstract

1. Allgemeines zur politischen Entscheidungsfindung
1.1 Die Entscheidung als Prozess-Stufe einer menschlichen Gruppierung
1.2 Die Fachkompetenz als reale Entscheidungsbasis
1.3 Bürgerbeteiligung?

2. Nutzung der Wissenschaft für die Politik?
2.1 Das Waldsterben
2.2. Das Welt-Klima und das Kohlendioxid
2.3 Die Geldwirtschaft als noch unaufgeklärtes Wissenschaftsgebiet

3. Begrenzt verfügbare Rohstoffe und der mögliche „Ersatz“ von Energie-Trägern
3.1 Geschichtliches Wissen und Erzeugen von Energie .
3.2 Die verschiedenen Energieträger einst und jetzt
3.3 Der Umbruch: weg von Atomkraft und fossilen Brennstoffen

4. Die Energiewende und die Ambivalenz von Fakten

5. Die Energiewende: überregionale, nationale Gesichtspunkte für den Ingenieur

6. Was ist der wahre politische Wille und von wem wird er beachtet?

7. Entwicklung der Vollversorgung mit nichtfossilen Energieträgern
7.1 Start und Ziel eines beispielhaften neuen Marktes (Windenergie)
7.2 Das Daten-Basis-Material, (Windenergie)
7.2.1 Die (vorliegenden) Angaben/Daten als Basis von Vergleichen
7.2.2 Die Windenergie
7.2.2.1 Die Windenergie-Anlagen als Teil der Volkswirtschaft
7.2.2.2 Die Hersteller von WEA als Teil des Maschinenbaues
7.2.2.3 Die Liefer-Leistungen der WEA
7.3 Die Netzanbindung
7.4 Das Problem zukünftig höchster Versorgungssicherheit

8. Schlußfolgerungen
8.1 Die Repräsentativität der Menschen in einem Staat
8.2 Sachkompetenz, Grundlage oder Beiwerk in der Politik?

0. Zusammenfassung/Abstract.

Die Bundesregierung hat ihre energiepolitischen Ziele einschneidend geändert und damit die in 100 Jahren gewachsene nationale Industrie der Stromerzeugungs- und –verteilung beendet, dabei als Ziel verkündet, in wenigen Jahrzehnten die Energieerzeugung fast völlig auf sogenannte „erneuerbare Energien“ abzustützen, obwohl in anderen Staaten noch in beträchtlichem Maße fossile Energien und Kernkraft genutzt werden. Dadurch entsteht ein hierzulande erheblicher Zeitdruck auf den Umbau der inländischen Struktur und die Entwicklung und Ausreifung technologischer Komponenten. Zugleich wird politisch verkündet, dieser Umbau solle den Vorbild-Charakter weltweit ausstrahlen.

Weit wirkende Entscheidungen bedürfen einer sorgfältigen sachbezogenen Abwägung aller relevanten Fragen- und Risiken-Komplexe, aber dieser Fakt scheint hier nicht zu bestehen, vielmehr zeugen Äußerungen, Stellungnahmen und Gutachten sowie Aktivitäten der verschiedensten Gremien von einem Stadium der Suche nach der richtigen Vorgehensweise.

Es ist sicher ein gewaltiger Unterschied, ob man sich bei Zeitdruck in gleichem Maße einen ständig weiter schwelenden Erkenntnisprozess leisten kann; ob hier nicht eine forcierte Planung mit Aufbröselung der notwendigen Arbeiten bis zum Erreichen des Gesamt-Zieles dringend vonnöten ist, in der übersichtlich die jeweiligen Zeitpunkte und Risiken erfaßt sind wie in einem Verfahren der Netzplantechnik.

Es gibt Beispiele in der Forschungspolitik der Bundesregierung, wo infolge der Propagierung von großen Fernzielen ein gewaltiger Sog auf das Erlangen von Fördermitteln ausgeübt wird. Hier soll nun eine technologische Spitzenleistung erbracht werden bei gleichzeitiger Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes, z.B. aus Kraftwerken. Das erfordert enorme Koordinierungen und Durchsetzungs-Kompetenzen. Hinzu treten noch die Probleme der Bereitstellung von erheblichen Geld- und Finanzmitteln für die Realisierung ohne Klarheit der Haftung für eine fehlerhafte Strategie und von Mis-Management. Es ist erstaunlich, wie wenig exzellente Sachkenner mit ihren Mahnungen und Warnungen Gehör finden, die Vision des ausgezeichneten „Neuen“ scheint zu faszinieren. Nicht minder verwunderlich ist, dass das Gemenge von Kleinerzeugern in regionalen Allokationen, Windparks usw.- heute noch mit Grundlasterzeugern – den mindest gleichwertigen Rang an Versorgungssicherheit erreichen soll, ohne dass man die Problematik der automatischen Prozess-Rechner-Einsätze nur annähernd untersucht hat. Die Bündelung von wechselnden Strom-Kleinmengen unterscheidet sich wesentlich von der bisher ausgereiften Stromerzeuger-Technik.

Man spricht von der politischen Setzung von Meilensteinen auf dem Weg zur Vollendung der Energiewende, aber diese sind gestreut über die verschiedenen Erzeugerarten, Energiespeicher u.a., dabei sind auch noch Aufgaben der Harmonisierung, Normung mit anderen Staaten (in Europa) zu lösen. Es wäre fatal, wenn der herausragende Sachverstand unter den Ingenieuren und Planern bereit steht, aber keine Einsatzmöglichkeit sieht, wenn er resigniert, weil überhastetes Vorpreschen meist auch mit Mängeln und Ausfällen zu tun hat. Immerhin, einige Institutionen genießen jetzt den Vorzug, besonders gefragt zu werden, ihre Wegweisungen öffentlich plazieren zu können, ohne übergeordnete Weisungs-Instanzen zu sein oder Abstimmungen mit anderen Ingenieur-Institutionen abzuwarten. Dabei ist das Gebot der Stunde: alle relevanten Kräfte zu vereinen und den Sachverstand walten zu lassen.

1. Allgemeines zur politischen Entscheidungsfindung.

1.1 Die Entscheidung als Prozess-Stufe einer menschlichen Gruppierung

Die Geschichte der Willensbildung in menschlichen Gemeinschaften weist vielfältige Erscheinungsformen und institutionelle Ordnungen auf[1], was faktisch ein Spiegelbild der Menschen und ihres Entwicklungsstandes abgibt. Trotz der spärlichen Überlieferungen nimmt man an, dass Aristoteles (388-322 v.Zr.) Schöpfer des Wertungs-Begriffes „gute gemeinnützige Ordnung“ gewesen sei, in der ethische Gesichtspunkte eine Rolle spielen sollen. In neuerer Zeit gehört bei der Bildung von Gemeinschaften eine Ordnung der menschlichen Handlungen dazu, z.B. eine Wirtschaftsordnung für die Erzeugung von Gütern und zugehörigen Dienstleistungen, worunter die verschiedensten Systeme wie Markt- und Planwirtschaft und auch Mischsysteme davon verstanden werden. Stets tritt dabei eine Konfrontation nationaler, staatlicher Zielsetzung einer schnellen und effizienten Verwirklichung gegenüber den Einzelinteressen von Elementen des Privatsektors auf, denn eine reine Marktstrategie bewirkt nur, dass die Unternehmensgewinne wachsen, der Entwicklung einer gesunden Volkswirtschaft dient sie nicht.[2] Bei Entwicklungs-Projekten muss daher z.B. ein Planning Board „unterstützend“ mitwirken.

Jeder menschlichen aktiven Handlung geht im Regelfall unserer vernunftbegründeten Kultur eine Klärung des anstehenden Sachverhaltes und eine Entscheidung für ein bestimmtes Verhalten dazu voraus, d.h. den Fall fachlich zu beurteilen, was allerdings nicht immer sachgemäß bzw. objektiv zu erfolgen scheint, denn jeder Mensch ist zugleich ein Organ der Gefühle und ein Objekt sonstiger Einflüsse. Bei der Bildung einer menschlichen Gruppe entsteht so eine heterogene „Gesellschaft“, die im Laufe unserer geschichtlichen Entwicklung in ein Staats-Gebilde integriert wurde, das durch Rahmenbedingungen fixiert wird und ist. Dabei können politische Parteien Bindungs-Charakter zwischen den Menschen, der Gesellschaft und der Ordnungsmacht, dem Staat annehmen, die vom Prinzip her zumeist interessensbedingt programmiert sind. Eine sogenannte „demokratische“Koordination von Ansichten ist so nicht mehr frei von Hemmnissen und sachwidrigen Einflüssen[3], auch wenn das manchmal nicht unmittelbar sichtbar ist. Deshalb wird heute noch bei einigen politisch motivierten, z.B. militärischen Vorhaben, der Produktion von Rüstungsgütern und notwendigen und wichtigen nationalen Aufgabenstellungen eher die schnelle direkte als eine im Prozess von Abstimmungen erzielte Methode angewendet, wobei man einfach unterstellt, so würde ein „sachrichtiges“ Ergebnis garantiert.

Als Politiker werden solche Personen bezeichnet, die ein politisches Amt oder ein Mandat (auf Zeit) innehaben und in einer Parteiendemokratie auch Mitglied einer Partei und damit Interessens-Vertreter sind.[4] Dadurch, dass sie Politik „machen“, d.h. auf die Steuerung von Staat und Gesellschaft als Ganzes Einfluss nehmen, sollte man annehmen, dass diese Tätigkeit nicht nur spezifischen Sachverstand erfordere, sondern sich auch solcher in der Wirklichkeit von Abgeordneten-Tätigkeiten wiederfinden lässt. Das scheint im deutschen Bundestag weder gemessen zu sein noch ist darüber etwas veröffentlicht. Lediglich aus der Berufsangabe lässt sich auf ein gewisses Fachwissen zurückschießen[5]: 114 Beamte, davon 38 Lehrer zuzüglich 38 Angestellte aus Bildung, Lehre, Forschung. Weiterhin aus Handel, Gewerbe, Industrie (inkl. Verbände) 54, selbständige Tätigkeit (inkl. Verbände) aus Handwerk, Handel, Gewerbe, Industrie 31 und aus technischen und naturwissenschaftlichen Berufen 4, weiterhin unter freien Berufen mit rechts-, wirtschafts- und steuerberatendem Hintergrund 100. Eine weitergehende Aufschlüsselung auf die Fachausschüsse war nicht möglich. Eine Repräsentativität aus dem Volk scheint in diesem Punkt nicht vorhanden zu sein und es wird verständlich, wenn man sich auf andere Weise Kenntnis über die jeweiligen Sachverhalte zu verschaffen sucht, aber selbst das ist womöglich parteilich motiviert. Ein Wechsel von der Wirtschaft – vielleicht sogar aus leitenden Funktionen? - in die Politik ist ohnehin selten.[6] Es scheint sogar: dass in unserem System an die Spitze eines Ministeriums solche kommen, die sich durch Loyalität zur Partei auszeichnen.[7] So ist der Umweltminister von 2009 bis 2012 ein Jurist[8], der vorher von 2005 bis 2009 1. parlamentarischer Geschäftsführer war, von 2012 an ein Jurist, der von 1990-1994 in der Europäischen Kommission arbeitete, ab 2009 1. parlamentarischer GF der CDU/CSU-Bundestags-Fraktion. Der Bundesfinanzminister ist ein Jurist, arbeitete beim LG Offenburg, ehe er 1984 in die Bundesregierung ging. Es liegt auf der Hand, dass diese sich der Fachreferenten im Hause wie auch der fremder Fachleute bedienen, deren Unabhängigkeit jedoch nicht gesichert ist, denn sonst gäbe es nicht zahlreiche wissenschaftlicher Kritiker an den Entscheidungen des Ministeriums. Allerdings offenbart sich hier immer wieder die Kunstfertigkeit, öffentlich zu Sachthemen Stellung zu beziehen, woraus der Zuschauer im Fernsehen oder der Leser in den Medien aber keine absolute Transparenz und konkretes Wissen ableiten kann. Deutlich wird eine solche Kluft z.B. wenn der Bundesumweltminister erklärt, die Energiewende sei nicht das Ergebnis einer langen Planung[9], also eine politische ad-hoc-Entscheidung .

Zuweilen dienen einige (von Politikern berufene) Sachverständigenräte (mehr) einer Legitimitätsbeschaffung für eine Entscheidung, die den Widerstand dagegen in der eigenen Partei brechen oder dem „Volk“ eine politische Entscheidung „besser erklären“ soll, wozu die spezielle Gruppen-Ansicht „wissenschaftlich“ Verbrämung wird.[10] So wird unsere deutsche Politik nicht selten von Interessen der Partei-Programmatiker bestimmt, d.h. durch Einflussnahme [11] registrierter Parteien[12]. Das führt manchmal zu der Frage der Bürger eines Staates , ob man „gute“ Politik daran erkennen kann, ob dessen Management danach zu beurteilen ist, ob etwas bei einer bestimmten Politik für ihn selbst[13] dabei herauskommt, also für einen des von dessen Entscheidungen Betroffenen. Tatsächlich übt da das Gefühl Einfluss aus, induziert z.B. von einem durch Medien erzeugten und verstärkten Eindruck oder durch einen Blick in das eigene Portemenaie. So können entsprechende Nachrichten über den „Klima-Wandel“ und das Ende von förderbarem Erdöl[14] die menschliche Unsicherheit fördern, emotionsgeladene Ängste erwecken und somit den Blick auf die Sachverhalte trüben, besonders wenn steigende Preise und Wetterkatastrophen den Eindruck zu bestätigen scheinen. Wer sagt da dem Bürger die ungeschminkte „Wahrheit“? [15]

1.2 Die Fachkompetenz als reale Entscheidungsbasis.

Sachverständige wirken an der Sachverhaltsermittlung mit, indem sie auf Grund ihres besonderen Fachwissens Schlüsse auf das Vorliegen oder Nichtvorliegens von Umständen ziehen, die ihrerseits der Behörde eine Schlussfolgerung auf die entscheidungsrelevanten Tatsachen ermöglichen oder erleichtern.[16] Was heißt das bei einem Politiker, wenn gefordert wird: Mehr Sachverstand und ein solides Monitoring sind erforderlich, wenn das Mammutprojekt Energiewende gelingen soll.[17] Darf man den nackten Sachverhalt für eigene Zwecke missbrauchen? Die Geschichte lehrt: Viele Fehler der Vergangenheit sind darauf zurückzuführen, dass Politiker laienhaft gehandelt haben[18] , d.h. ohne Fachkompetenz.

Sollte der Politiker nicht ein Mindestmaß an Objektivität und Sachwissen haben, um nicht nur seine (laienhafte) Meinung kundzutun, sondern eine fundierte Beurteilung eines Sachverhaltes zu vollziehen, die auch nötig ist, wenn ihm ein fremder Sachverhalt vorgetragen wird? Angesichts der steigenden Informationsflut sind Abgeordnete des Bundestages auf wissenschaftlichen Sachverstand angewiesen, der ihnen auf Basis verlässlicher Informationen eine effiziente Mandatsausübung und Gesetzgebungstätigkeit ermöglicht. Den Mitgliedern des DBT stehen durch ihre persönlichen Mitarbeiter und Fraktionsreferenten, die häufig ebenfalls über einen universitären Abschluss verfügen, weiterer wissenschaftlicher Sachverstand zur Verfügung. Auch die Ressorts der Bundesregierung, öffentliche Institutionen, Stiftungen, Verbände etc. stellen bei Bedarf und Zuständigkeit Informationen für den DBT zur Verfügung.[19] Ob und wie der Politiker davon Gebrauch macht, ist unklar, da Recherchen Zeit kosten.

Wichtige Entscheidungen der Bundesregierung über die Lenkung von Geldflüssen/ Fördermitteln und die funktionelle Verteilung von Macht fallen dem Bürger insofern auf, wenn er das Warum nicht versteht. Wenn Politikberatung ein Teil des politischen Spiels wird, dann sind Wissenschaftlichkeit und Unabhängigkeit verloren[20] , dann ist sie nur eines der Feigenblätter um den Sieg im Kampf um die Parteimacht. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu: Politik ist die Summe der Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu kommen und sich an der Macht zu halten und um von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen.[21] So muss man manchmal an dem Willen der Politiker, sich allein zum Wohle des Volkes einzusetzen zweifeln. Werden nun wenigstens in zugehörigen institutionellen Verfahren die Konflikte und Probleme sachrichtig gelöst? Was ist, wenn nicht einmal ein Konsens mit den Beteiligten bzw. Betroffenen erreicht oder sogar abgelehnt wird. Es sollte doch wohl immer eine vertret- bzw. rechtfertigbare gesamtgesellschaftlich verbindliche Entscheidung angestrebt werden[22].

Damit gewinnt der Sachverstand eine große und bedeutende Dimension und man muss sich da kritisch fragen, welche rationale „Vernunft“ ist da gefragt und durch welche Kriterien wird eine solche erkennbar? Ist allein die Bestellung von Sachverständigen oder von Gutachten schon ein Beweis dafür? Die Anforderungen und Erwartungen an die Politik im 21. Jahrhundert setzen ein hohes Maß an Kenntnissen in allen Erscheinungsformen modernen Lebens voraus. Kenntnisse sind im Sinne eines auf Vorsorge und Sicherheit gerichteten staatlichen Gemeinwesens von elementarer Bedeutung.[23]

Die Forschungsergebnisse „richtig“ zu deuten und die Fremdeinflüsse[24] in Gutachten zu erkennen und auszumerzen, ist jedoch abhängig vom (einzelnen) Sachverstand und der inneren Abwehr-Einstellung gegenüber solchen nicht dem Leitziel zum Wohle des Volkes ausgerichteter Sachverhalts-Darstellungen, der Verfälschung objektiver Erkenntnisse.

Erfahrungsgemäß ist die Qualitäts- und Objektivitätsbewertung eines Gutachters schwierig, angefangen beim Kriterium des Begriffs der Unabhängigkeit von fachfremden Einflüssen. In der Praxis ist da eine Begriffs-Dehnbarkeit festzustellen[25], weil der Fachgutachter fast unvermeidlich in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Auftraggeber gerät, denn die Erarbeitung eines Gutachtens verursacht oft nicht unbeträchtliche Kosten, so dass eine Aussage, die Mitarbeit im IPCC sei in der Regel ehrenamtlich, nahezu keiner der Autoren im Bericht werde für seine Arbeit bezahlt, wenig glaubwürdig ist. Die Erfahrungen mit solchen Vorhaben widersprechen eindeutig dieser Ansicht, wobei keineswegs der Maßstab derjenige ist, dass Kostenübernahmen immer unmittelbar zugeordnet werden können.[26] Letztlich kann auch ein wissenschaftlicher Forscher nicht ohne Einkommen leben

Aber es gibt auch einschränkende Sach-Grenzen des Wissens und der Erfahrung, z.B. wenn der Gutachter nur eine enge Spezial-Sicht auf das Arbeitsgebiet hat oder nicht umfassend und zugleich in Nachbargebieten erkenntniserprobt ist. Das aber ist gerade in manchen politischen Entscheidungen wie z.B. über das sich entwickelnde globale „Klima“ unabdingbar. Früher war es üblich, dass relevante Kommentare z.B. in den Verfahrenstechnischen Berichten der IG-Farbenindustrie[27] durch Praxis-Kenntnisse exzellent fundiert sein mussten; um als Rezensent besonders wertvoll angesehen zu werden unter der Nebenbedingung, dass gegenteilige oder abweichende Auffassungen beachtet oder Argumentations-Schwachstellen angesprochen wurden. Heute sollte das auch möglich sein, zumal mancher Leser „lernen“ und nachvollziehen will.[28]

Die Komplexität moderner Gesellschaften und der Erfüllung relevanter Erforderlichkeiten für die Gesellschaft erhöhen die Notwendigkeit überragender und objektiver Fachkompetenz.

Der mangelnde Kompetenzzuschnitt bzw. die Zuständigkeitszersplitterung schränken den Handlungsspielraum z.B. des BMU ein und sind einer erfolgreicheren Umweltpolitik (Energiepolitik) hinderlich. Da im Bereich der Umweltpolitik zahlreiche Zielkonflikte zu anderen Politikfeldern bestehen, gehören die Koordinierung der verschiedenen Aktivitäten und die Regelung von Konflikten zu den vordringlichen Aufgaben der Regierungsarbeit.[29]

Mancher mag der Auffassung sein, dass es gar nicht so wichtig ist, ob die Politiker selbst fachkompetent sind, da es ja zahlreiche Experten gibt, die für eine Politikberatung in Anspruch genommen werden können. Allerdings sehen einige Berater verzerrte Anreize, wenn die Politiker a priori bestimmte Ergebnisse wünschen.[30] Andere wiederum fühlen sich als eine Art „Hof“-Berater (früherer Zeiten); sie glauben, dass sie auf Grund ihrer jeweils zur politischen Meinung „passenden“ Stellungnahmen immer wieder herangezogen werden müssten. Manche Berichte werden in der Absicht, die funktionellen Staats-Organe „richtig“ zu unterrichten, abgefasst, manchmal gerade so, dass eine Diskussion der nicht gesicherten Daten notwendig ist, aber unterbleibt[31] oder in den Medien unrichtig wiedergegeben wird. Das erscheint ein unheilvolles Geschwür in unserer gegenwärtigen Gesellschaft zu sein, weshalb hier einige Ereignisse im Zusammenhang des Menschen mit der Nutzung von irdischer Energie nach folgend beleuchtet werden sollen, insbesondere zur Windenergie.

1.3 Die Bürgerbeteiligung.

Obwohl die Parteien nach dem Grundgesetz bei der Willensbildung des Volkes[32] lediglich mitwirken[33], stellen sie über die Wahlen zum Parlament die faktisch handelnden Kräfte dar.

In bestimmten Entscheidungsfällen fühlen sich manche Bürger übergangen, wenn sie lediglich durch Einwendungen in Genehmigungsverfahren, bei Planungen oder durch außerparlamentarische Kundgebungen Einfluss nehmen können. Allerdings hat der Wille des Volkes, der weder eine feste Größe noch unmittelbar erkennbar ist, keine instutionelle Funktion, er kann aber gelegentlich in Initiativen, Begehren und in einem Volksentscheid sichtbar werden.[34] Meist sind dem „Volk“ auch nicht alle Vorhaben des Staates bekannt oder so hinreichend bekannt, dass eine sachbezogene Überlegung einsetzen kann. Für seine Vorhaben braucht der Staat in jedem Fall eine konzeptionell-instrumentelle Planung und hat dafür einen hoheitlichen Rechtsrahmen geschaffen, in dem ein Abwägungsgebot verankert ist. Im Planungsprozess soll dabei zwischen den verschiedenen Interessen vermittelt werden, die dem Grunde nach argumentativ in Diskursen vertreten werden sollen.[35]

Im Volk gibt es für die verschiedensten Gebiete kompetente Kenner der in Frage stehenden Probleme, deren sich der Staat bedienen könnte, aber er trifft hier eine Auswahl, wodurch gewöhnlich diese Potenz oder Kreativität nicht eingebunden wird, die sich dann teilweise in Leserbriefen, in Foren im Internet usw. in Erscheinung tritt oder in Protesten – hier jedoch teilweise organisiert – auf die Straße geht. Die Motive dafür sind individuell oder koordiniert geprägt und zeigen das heutige Bild aufgeklärter Bürger – gelegentlich sogar mit vertieftem Spezialwissen. Über ein breiteres und sachübergreifendes Wissen verfügen nur wenige, ein Dilemma, was in vielen heutigen Problemen zutage tritt; der Versuch, durch mehr Beteiligte alle erforderlichen geeigneten Denker hier positiv einzubringen ist erfahrungsgemäß untauglich, weil ihr Engagement unsicher ist.

Das Projekt der Modernisierung des Bahnhofes in Stuttgart ist ein Lehrstück darüber, wie alle irgendwie sich beeinträchtigt sehende Bürger zu einer Protestbewegung eines Bahnprojektes zusammengefasst werden, wobei auch Sachthemen wie die Leistungsfähigkeit des Bahnknotens zum Vergleich dienen sollen, wobei von der Bahn die ersten Konzeptstudien für einen Durchgangsbahnhof S 21 in die Zeit vor 1988 zurückreichen und die Planfeststellung über die Zeit von 1996 bis 2010 ging, in der 2006 vom Verwaltungsgerichtshof das Alternativkonzept Kopfbahnhof-Beibehaltung K 21 verworfen wurde. Es ist verständlich, dass die voraussichtlichen Kosten bei einem Konzept vage sind und dass in einem Kopfbahnhof die Gleisverflechtungen im Vorfeld Beschleunigungs-Hindernisse darstellen, die aus der Historie des Anfangs des Eisenbahnbaues herrühren. Der führende Verfechter des Alternativkonzepts opponierte vehement, seit seiner Lehramts-Studienzeit Mitglied in der Partei der Grünen.[36] Aus den zahlreichen Gesprächen und Dokumenten ist schwer herauszufinden, auf welcher Seite die kompetenteren Fachleute vertreten waren, aber die Verunglimpfungen des Schweizer Gutachterbüros SMA als Gefälligkeitsgehilfen gehören wahrlich nicht zu einer Sach-Auseinandersetzung[37]. Deutlich hob sich das Gutachten vom renommierten neutralen Schweizer Fach-Büro SMA ab, es sollte in Computer-Simulationen – selbstverständlich unter Annahmen und nach einem eigens geschaffenen Prüfverfahrens (Audit[38] ) – herausarbeiten, welche Leistung das Bahnprojekt habe. Als Ergebnis wurde das laufende Bahnprojekt akzeptiert. Durch die Protest-Unterbrechung mit einem Schlichtungsprozess um ein Jahr entstanden Mehrkosten von etwa 50 Mill. €.[39]

Für ein sachkonzentrierte Mitwirken von Bürgern bei Großprojekten können und dürfen nicht Emotionen der Auslöser sein, sondern das Bemühen um das Herausfinden der besten Lösung. Das aber setzt erhebliche Fachkompetenz voraus und laufendes Beobachten des Standes der Technik, also um Mitschreiten der technisch-ökonomischen Entwicklung. Langfristige Projekte erleiden dabei das Schicksal, dass die anfänglichen Annahme-Variablen sich im Laufe der Zeit ändern, z.B. der Nutzen-Kosten-Koeffizient. Vergleiche mit ungleichen Basen und nicht angepassten Wirtschaftsprognosen werden verzerrt[40], sodass auch die Prioritäten innerhalb von Projekten eines Bahnnetzes verschoben werden müssten. Aber das verstößt gänzlich gegen die Regeln einer zügigen Projekt-Realisierung. Das können die Bürger nicht überschauen und ihr Eingreifen ist damit beschränkt auf dasjenige, was ihn unmittelbar tangiert, z.B. der Blick ins Portemonnaie.

Lehren aus dem Projekt Stuttgart-Bahnhof[41]:

- Die Geldfrage ist bei der Bankenrettung sehr abstrakt und nicht mit starken Bildern belegt, Baumfällungen, Bagger und Bahnhofsgebäude bieten eine konkrete Projektionsfläche, doch wer hat schon ein konkretes Bild des Rettungsschirms im Kopf?
- Beim Projekt Stuttgart 21 bestand seit den Planfeststellungsverfahren im Jahr 2001 keine Kommunikation mit den Bürgern. Erst durch das Schlichtungsverfahren stieg der Informationsstand.
- Projekte wie Stuttgart 21 haben eine Dimension von Komplexität erreicht, dass einzelne nicht mehr alle Argumente überblicken und im Vergleich beurteilen können. Man muss hier frühzeitig Akzeptanzforschung betreiben, Bürger von Anfang an in die Überlegungen einbeziehen. Man muss Verfahren finden, bei dem Alternativen diskutiert werden, bevor das Planfeststellungsverfahren losgeht. Man muss sich jedoch klar sein: Selbst bei optimaler Kommunikation wird immer eine Gruppe übrig bleiben, die dagegen ist.[42]
- Die Konkretisierung der Vorstellungen muss argumentativ (exzellent) sachgerecht – wenn möglich kritikfest - formuliert sein, es kommt darauf an, die Kommunikation (Gespräch mit den Bürgern) auf den Erfolg auszurichten und die Kernpunkte (allgemein)verständlich und klar herauszuarbeiten.

2. Nutzung der Wissenschaft für die Politik?

Diese Frage wirft sofort weitere geschichtliche Fragen auf: ab wann gibt es verwertbare „wissenschaftliche“ Ergebnisse und ab wann kümmert sich die Politik um Wissenschaft im Interesse der von ihnen abhängigen Menschen? Dabei muss man gleichzeitig bedenken, dass die jeweils maßgebenden (regionalen) Regierungen (von Staaten) nicht frei von eigenen (persönlich geprägten) Interessen waren und sind, sie sogar die religiösen Vorstellungen bei den Menschen zu ihrem Vorteil zu beeinflussen suchten. Eine der wichtigsten Altertumswissenschaften war wohl die Astronomie, denn sie führte auf Zusammenhänge mit dem Ertrag aus der Landwirtschaft – und sie ließ erahnen, wo die Grenzen der Machbarkeit durch Menschen und der Herrscher liegen könnten. So entspringt die Mythologie mit Göttern dem Wunsch, sich das Geschehen in der Natur nicht nur verständlich zu machen, sondern womöglich sie zu ihren Gunsten zu stimmen. Der Untergang der Götterwelt dauerte daher lange und wahrscheinlich hat die Wissenschaft hierbei wenig aufklärend gewirkt. Ein langdauerhaftes Beispiel für einen Mythos ist die Sintflut [43], die religiös mit menschlichen Verfehlungen in Verbindung gebracht wird und heute durch einen ungeheuren Wassereinbruch in einen See gedeutet wird, aber als Relikt dennoch in der Meinung von heutigen Menschen weiter herumgeistert.

Durch die ganze Menschheitsgeschichte ziehen sich fast unablässig Weltuntergangs-Mythen, sie auszurotten scheint schwierig. da in diesem instinktbedingten Angstkomplex [44] Vernunftgründe beiseite gelassen werden, weshalb sich Thesen mit Katastrophen-Charakter der uns Menschen umgebenden Umwelt hier einordnen lassen. Ob damit dann unmittelbar Politik „gemacht“ wird, sei dahin gestellt, aber bis in das 18. Jahrhundert hinein wurden schwere Naturkatastrophen als gottgewollte Schicksalsschläge hingenommen[45] Erst als sich im Zuge der Aufklärung die Vorstellung durchsetzte, die Natur sei kausalgesetzlich erklärbar und technisch beherrschbar, konnten weitreichende Schutzmaßnahmen getroffen werden. Dies führte jedoch auch zu einer Illusion von Sicherheit, die jedoch von Sachkundigen – insbesondere Ingenieuren - nicht geteilt wurde.

Es folgen einige Beispiele von Dramatisierungen bzw. Verschärfungen von manchen bedrohlich erscheinenden Situationen, die aus der Perspektive der Politik geeignet schienen, den Willen der Volksangehörigen bzw. von Steuerzahlern zu lenken. Es ist fast nicht voraussehbar, wie diese Aktionen enden, es ist möglich, dass der Aufwand für diese Aktion niemals offengelegt wird. Eine historische Aufarbeitung von begangenen Sackgassen z.B. in den geförderten technologischen Disziplinen fehlt bislang. So wäre wünschenswert, wenn man erfahren würde, welche von dem Staat geförderten „Forschungsarbeiten“ in welcher Weise gewirkt haben und genutzt wurden.

2.1 Das Waldsterben.

Die frühen Menschen hatten ein lebensnahes und gefühlsmäßiges Verhältnis zu Bäumen und dem Wald, was sich in Mythen und religiösen Vorstellungen gerade bei den Germanen in ihrem dichten Waldbestand wiederfinden lässt. Durch die Christianisierung[46] und Okkupation durch die Franken wird der Wald dann jedoch unter königliches Regal und adliges Herrschaftssystem gestellt; der Bauer darf nur in sehr beschränktem Maße jagen und Bäume fällen, er muss sich im Mittelalter zum Holz- und Laubsammeln eine Genehmigung der zuständigen Stelle einholen. Erst im Zuge der Aufklärung erwacht dann verstärkt eine Art Wald-Romantik und die Volksseele wird lebendig, weshalb ein Waldsterben auch heute noch elementar den Nerv der Menschen trifft, obwohl die Mehrheit des heutigen Waldes keine Ähnlichkeit mit dem einstigen Wald hat – und trotzdem: das darf einfach nicht sein!

Ein Beispiel für eine Dramatisierung des Begriffes Waldsterben ist Anfang der 80iger Jahre des 20. Jahrhunderts das Verhalten der Presse- und Fernseh-Medien, die dieses Thema zur Öffentlichkeits-Diskussion Nr. 1 hochstilisieren. Rückblickend ist das Waldsterben heute weniger als Sachdebatte zu begreifen, sondern als Speerspitze eines themenübergreifenden Diskurses zur Implementierung von Umweltschutzmaßnahmen[47] oder zur Mobilisierung von Massen. In der Industrialisierungsphase Deutschlands standen sich die Problematiken der Schaffung von Arbeitsplätzen und die der Folgen der Rauchgase aus der Verbrennung von Kohle gegenüber, man nahm die Verschwefelung noch hin. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts begann dann eine Debatte über den sauren Regen, als Schädiger der Bäume gerieten ins Visier die großen Kohlekraftwerke mit ihren schwefelhaltigen Abgasen, die als Säure auf Gebäude und eben den Wald herunterregneten. Im 1. Umweltprogramm der Bundesregierung von 1971 wurde diese Situation umzingelt, die Stockholmer UN-Umweltkonferenz von 1972 und das Genfer Übereinkommen von 1979 führten dann zu relevanten internationalen Maßnahmen. Die Ingenieure sind an diesem Kampf beteiligt, eine Kommission zur Reinhaltung der Luft[48] wurde gegründet und Richtlinien zur Umsetzung (Technische Anleitung Luft) herausgegeben.

1979 meinte der Forstwissenschaftler der Universität Göttingen Bernhard Ulrich, dass nach seinen Beobachtungen die Luftverschmutzungen wahrscheinlich die Ursache von Waldschäden.[49] seien. 1981 prognostizierte er dann den Beginn des Waldsterbens innerhalb der nächsten 5 Jahre. Trotz der möglichen Ursachen-Alternative Pilzerkrankungen u.a. schlug sich der Münchner Forstbotaniker Schütt auf die Seite von Ulrich. Jetzt stellt sich die Presse hinter diese Alarm-Nachricht und titelt: Über allen Wipfeln ist Gift, Saurer Regen über Deutschland, der Wald stirbt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium startet ein Sofortprogramm Rettet den Wald und das Bundesforschungsministerium ein Programm Waldschadensforschung. Wie steht es denn um die Deutschen Wälder wirklich? Eine Generaldiagnose evtl. mit Schadstufen-Bilanzierung muss her, Geldmittel werden für die Forschung bereitgestellt. Die erste Schadenserhebung löst dann 1984 in der Öffentlichkeit die zu erwartende emotionale Katastrophe aus. Dabei war diese Registrierung nur eine provisorische (fragwürdige) nach der Blatt-Nadel-Verlust-Methode.

Ein ungeheures Medienecho ruft1984 die These einer Verbindung von Waldsterben und Atomkraftwerken hervor, der Forschungsbeirat des BMFT weist jedoch Fehler zuhauf nach, aber die Presse negiert das. 1990 lanciert die Partei der Grünen im Bundestag die kleine Anfrage: Zu den Problemen von Waldsterben durch Einwirken von Richtfunk- und Radarwellen. Von den Waldschäden infolge von Witterungsstress durch Trockenheit oder Frost ist in der Tagespresse keine Rede. Kritische Wissenschaftler mit ihren Äußerungen finden kein Gehör.[50] 1988 erscheint dann in der (wissenschaftlichen) Zeitschrift „Nature“ ein Artikel, der mit der Vorstellung vom Waldsterben aufräumt. Weitere vernichtende Wissenschaftsberichte erscheinen nun. 1992 veröffentlicht die“ Zeit“ einen kritischen Text über die fragwürdige Baumkronenbegutachtung als Maß der Gesundheit. Der Spiegel hält dagegen: Der Wald stirbt weiter. 1993 kommt ein Forschungsbericht zu einem vernichtenden Urteil: das Absterben ganzer Wälder sei nicht zu befürchten. 1996 fasst man das Ergebnis zusammen: Abschaffen des Verfahrens der Waldzustandserfassung wegen Unbrauchbarkeit. Jetzt tauchen weitere Stimmen in der Presse auf, die sich vom allgemeinen Getöse distanzieren. Die politischen Parteien wie CDU/CSU und SPD verkünden lauthals dennoch im Mai 2000: es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Jedoch beendet im Sommer 1995 die grüne Bundesministerin Renate Knast das Gerede vom Waldsterben. Für die relevante Forschung waren von 1982-1998 schon > ½ Mrd. DM ausgegeben, wofür? Der Maßstab eines „gesunden Waldes“ selbst war doch falsch; diese Vorstellung war eine idealistische.

Es ist natürlich, dass man im Zuge eines Blickes in die Zukunft zunächst historisch rückwärts gerichtet Ursachen für Klima-Veränderungen sucht, weil das Klima faktisch den durchschnittlichen Zustand der Erdatmosphäre an einer Stelle der Erdoberfläche in Bezug auf Auswirkungen auf biologisches Leben, besonders des Menschen beschreibt und zwar über die Wetterkenngrößen Temperatur, Luftfeuchtigkeit usw. Aber es bleiben Ungewissheiten über die Tatsächlichkeit, die Zeiten und das Ausmaß, sodass es weiterer Untersuchungen darüber bedarf, in welchem Maße Menschen, insbesondere durch Abrodung großer und dichter Waldbestände in früheren Epochen zur Veränderung lokaler Klimate beigetragen und dadurch Folgefolgen beeinflusst haben.[51] Aber an eine wissenschaftliche Analyse werden heute im Gegensatz zu früheren Zeiten erhebliche Anforderungen gestellt, denn im Prozess sind die unterschiedlichsten Elemente und Aktionen wirksam und man muss sogar mit Rückkopplungen rechnen.

Der Waldbesitz soll gleichzeitig den Nutzer dazu verpflichten, mehr als nur den Wald als Rohstoff-Wirtschaftsgut zu sehen oder das Abschießen des darin befindlichen Wildes durch Jäger zu erlauben, sondern als unentbehrliches Gemütsfeld des Naturschutzes usw., aber Appelle in den Medien führen derzeit eher nur zu einer gruppenbezogenen Gemütswallung als zur realen Umstellung jetziger Nutzungsmethoden, zumal eine Optimierung der sich widerstreitender menschlicher Zielsetzungen kaum in Sicht ist. So ist es in der Geschichtszeit oft mit Kompromissen, jeder sucht sein Optimum und nicht das des Ganzen.

2.2. Das Welt-Klima und das Kohlendioxid.

In der Zeit der Wanderung der Menschen in Richtung auf Europa konnte man immer weniger der dort herrschenden kalten Jahreszeit entfliehen; die Beobachtung des Wetters wurde überlebensnotwendig. Die Philosophen des antiken Griechenlandes bemühten sich, sich die Naturphänomene zu erklären, z.B. verfasste dazu Aristoteles eine Abhandlung „Meteorologica“. Aber eine wissenschaftliche Deutung oder Wettervoraussage war nicht möglich, denn erst im 16. Jahrhundert wurde das Thermometer, das Barometer und das Hygrometer geschaffen, 1714 stellten Newton und Boyle ein Quecksilberthermometer vor, 1614 das Barometer und 1645 stellte Blaise Pascal fest, dass mit der Höhe vom Erdboden der Luftdruck mit zunehmender Höhe abnimmt. 1784 maß der Meteorologe John Jeffries in einer Ballonfahrt Temperatur, Feuchtigkeit und Luftdruck bis zu einer Höhe von 3 000 m, 1804 Gay-Lussac bis 7000 m und 1866 James Glaisher bis 9000 m Höhe. Aber bis zu einer systematischen, regelmäßigen und flächendeckenden Vermessung der Atmosphäre dauerte es noch lange. Für die entsprechende Entwicklung erwarb sich der Leiter des Fachbereichs am Preußischen Meteorologischen Institut [52] in Berlin Aßmann (1845-1918) besondere Verdienste, der auch die Registrierballontechnik organisierte.[53] Den Herren aus diesem Institut ist es zu verdanken, dass sie sich z.B. skeptisch mit der „Richtigkeit“ der Messungen

auf dem Observation Hohenpeißenberg, die am 1.1.1781 begannen, beschäftigten und die Errichtung von 39 Messstationen über der Erde verteilt begrüßten. Der Mannheimer Physiker Jakob Hemmer sorgte für dieses Meßnetz „Societas Meteorologica Palatina“ 1781-1795 die Standardisierung der Messinstrumente und die von einheitlichen Beobachtungsterminen 7, 14 und 21 Uhr durch.[54] Albin Schwaiger meinte bereits damals, dass ein zehnjähriger Beobachtungszeitraum lange nicht hinreichend sei, das Klima eines Ortes richtig zu beschreiben.

Wetterereignisse des Mittelalters werden verschiedentlich schriftlich besonders dann festgehalten, wenn sie ungewöhnlich sind wie Hochwasser, Kälteeinbrüche, Niederschlagen des Getreides usw., sie bieten so Anlass, den Eindruck auf die damaligen Menschen aus den Archivalien zu rekonstruieren und sie zu ordnen.[55] Von einer wissenschaftlichen Interpretation oder gar eines Begriffes Klima im Sinne statistisch durch Mittelwerte bestimmter meteorologischer Größen[56] ist man weit entfernt, vielmehr bringt man z.B. Hexen als Unheil-Verursacher vor Gericht. Ein beliebtes Beispiel für Diskussionen von Frühneuzeit-Historikern ist die Krise des 17. Jahrhunderts, die als kältestes Jahrhundert des vergangenen Jahrtausends bezeichnet wird[57] und von daher zu Überlegungen über eine objektive Klimageschichte herausfordert.

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Staat_und_Gesellschaft.

[2] Thiel, Reinold E. Gelenkte Privatwirtschaft. www3.giz.de/E+Z/content/archiv-ger/05-2005/schwer_art1.html

[3] stefan-schleicher.wifo.ac.at/down/mi1/ScrMi1_6.pdf ebookbrowes.com Märkte und Entscheidungen. www.studentshelp.de/p/referate/02/5145.htm. Oberwinkler, Petra. Wirtschaftssysteme. 1999

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Politiker.

[5] www.bundestqag.de/bundestag/abgeordnete17/mdb_zahlen/Berufe Juni 2011 620 Abgeordnete

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Wechsel_zwischen_Politik_und_Wirtschaft in Deutschland

[7] Miegel, Meinhard.. Interview Johannes Christ. 16.11.2005. www.n-tv.de/politik/dossier/Der Politik-fehlt-Sachverstand- article163870.html Viele Fehler der Vergangenheit sind darauf zurückzuführen, dass Politiker laienhaft gehandelt haben. Viele Abgeordnete fühlen sich eher ihrer Politik statt ihrem Gewissen verpflichtet.

[8] Dr. jur, 2001

[9] www.bmu.de/presse/reden/peter-altmaier/doc/print/48876.php? 05.05.2012 Berlin.

[10] www.cicero.de/blog/stiftung-neue-verantwortung/2012-04-10/von-fug-und-unfug-oeffentlicher-politikberatung

[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Politik mit Bezug auf das Politiklexikon, Schubert-Klein, Bonn: Dietz.2006

[12] www.juraforum.de/lexikon/partei-politische § 2 PartG + Art.21 GG, § 18 BWG

[13] gilt auch für das Beschaffen von Dritt- oder Fördermitteln für eine Forschung.

[14] Zittel, Werner. Peak oil now, Einstieg in den Ausstieg fossiler Energienutzung. ASPO Deutschland, Tagung Basel , 126.10.2010 Ludwig-Bölkow-Systemtechnik, Ottobrunn.. Hier instruktive Abbildungen.

[15] Rabich, Adalbert. Hat der Politiker die Tugend Ehrlichkeit? GRIN-Verlag. 2007 books.google.de

[16] http://de.wikipedia.org/wiki/Sachverständiger Hier Zitat 1 in Definition.

[17] Stratman, Korrespondent, 21.01.2012 www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-bitte-mehr-Sachverstand.

[18] Miegel, Meinhard. 16.11.2005 www.n-tv.de/politik/dossier/Der-Politik_fehlt_Sachverstand-article163876.html

[19] Bomhoff. Aufgaben, Organisation und Ausstattung der Unterabteilungen Wissenschaftliche Dienste DBT. 2006. WD 1-134/06. – Krippendorf, Eckkehart. Die Kultur des Politischen. Kadmos. 2008.

[20] Egle, Christoph. www.cicero.de/blog/stiftung-neue-verantwortung/2012-043-10/vom-fug-und-unfug-oeffentlicher-politikberatung

[21] Machiavelli, um 1515.

[22] Schmid, Josef. www.politikon.org/lehrangebote/politische-syssteme-im-vergleich Es gibt keinen Zwang, geeignete Sachverständige heranzuziehen und deren „Gutachten“ auf Sachrichtigkeit prüfen zu lassen.

[23] www.bmbf.de/en/7416.php Zehn Leitlinien der Bundesregierung für eine moderne Ressortforschung. 26.01.2007

[24] z.B. unaufgeforderte Stellungnahmen, Gutachten etc. Wirkung unklar. siehe Lobbyliste, Juni 2011 mit 2094 registrierten Institutionen. www.bundestag.de/dokumente/lobbylist5e/index.html

[25] Rabich, Adalbert. Der Wirtschaftsprüfer und seine Datenbasis. 2006. München: GRIN-Verlag.

[26] Neu, Urs. Fakt ist: Der IPCC dient zwar der Politik, aber seine Arbeit ist streng wissenschaftlich. www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-der-ipcc-ist-eine-politiische-organisation von den Kritikern des IPCC wird oft suggeriert, es ginge um Dramatisierung von Forschungsergebnissen, es geht darum, explizite Aussagen zum Klimawandel zu dämpfen. - Die tatsächlich zugehörigen Sach-Kritiken werden hier nicht zitiert.

[27] War auch bei den Applied Mechanics Reviews so. Ein Peer Review anderer Art hat auch andere Maßstäbe.

[28] http://de.wikipedia.org/wiki/Peer-Review

[29] Günther, E. (Hrsg.) – M. Krebs. Aufgaben- und Organisationsstruktur der Umweltpolitik in der BRD. Universität Dresden. DI-Arbeit. 2000/2003. S. 42/43 Weitere Vorschläge, s. dort S. 46. www.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/1040/1056110143031-5348.pdf.

[30] Kruse, Jörn ]Professor für Volkswirtschaftslehre]. Fachkompetenz bei politischen Entscheidungen. www.hsu-hh.de/kruse/index_81h#Qom6ALjS77BYG.html

[31] Rabich, Adalbert. Politik von durch Wissenschaft ermittelten Daten. München: GRIN. 2008 Auch in books.google.de lesbar. Hier demonstriert an dem Problem Historisches Klima. – Weiteres in Kruse, z.B.:

Die Politiker müssen sich wegen ihres Legitimationsmonopols/ auch nicht ernsthaft einer inhaltlichen ‚Diskussion der Ergebnisse stellen. Auch die Ausgangsbasen und die Zeithorizonte können verschieden sein.

[32] hier nicht kapitalmäßige mit Risiko wie z.B. über eine Genossenschaft an einer Windenergieanlage. www.wip.tu-berlin.de/typo3/fileadmin/documents/kim/konferenz_2012/vortraege/kneuper_bürgerbeteiligung-derrechtsrahmen.pdf Auf Folie 16 das Schrankentrias bei kommunaler EE-Erzeugung mit Bürgerbeteiligung,

sie muss lokalen Bedarf decken und den kommunalen Aufgaben dienen., auf Folie 17 Wesentlichkeitskriterium

[33] GG Artikel 21, Absatz 1, Satz 1.

[34] www.b-b-e.de/uploads/media/nt23_eomueller_schily.df Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie.

[35] Knoch, Peter. Vom Leitbild zum Argument. https://eldorado.tu-dortmund.de/handle/2003/2858

[36] www.spingerlink.com/content/g55422752u852341/fulltext.pdf

[37] Rossberg, Ralf Roman. www.vdi-nachrichten.com/artikel/Trotz-Stresstest-per-Computersimulation 29.07.2011 - www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/32159951_kw 45_pa_stuttgart21/index.html

[38] www.kontext/wochenzeitung.de/fileadmin/user-upload/20117/7/sma-audit-Juli2011.pdf

[39] www.vdi-nachrichten.com/artikel/Wutbuerger-unterliegen-bei-Entscheid-um-den-Bau-von-S21

[40] Kopper, Christopher. Lehren aus Stuttgart 21: welche Zukunft hat der Neubau von Schienenstrecken? Wirtschaftsdienst 2011/1 S. 49 – 52.www.wirtschaftsdienst.eu/archiv/jahr/2011/1/2494%3FPHPSESSID=a

[41] www.railway-technology.com/projects/stuttgart21/

[42] www.uni-hohenheim.de/uploads/media/Ausfuerhliche-Zusammenfassung-der-Poduimsdisskussion.pdf

[43] http://de.wikipedia.org/wiki/Sintflut

[44] Angst als evolutionsgeschichtliches Phänomen. http://de.wikipedia.org/wiki/Angst

[45] Jakubowski, Manfred in: Masius, Patrik – Ole Sparenberg – Jana Sprenger (Hg.). Umweltgeschichte und Umweltzukunft, zur gesellschaftlichen Relevanz einer jungen Disziplin. Göttingen: Universitätsverlag. 2009, S.9. Es sei hier auch nicht weiter erörtert, ob man mit religiösen Ritualen dem beizukommen suchte.

[46] Dem germanischen Gott Thor waren Eichen geweiht, so soll Bonifatius 723 im Zuge der Missionierung unter dem Schutz der Franken die Eiche in Geismar als Kultobjekt gefällt haben, sozusagen triumphiert nun der neue Gott, die neue Religion. Siehe auch: Rabich, Adalbert. Das adlige Geschlecht derer v. Herda. GRIN-Verlag. 2006. Kapitel Waldwirtschaft 2006 – Die Regionalgeschichte von Herda, Geschichte vom Dorf und den Menschen. GRIN-Verlag. 2008 – Die Geschichte des Gerstunger Beckens. GRIN-Verlag. 2010. Darin Kap. 8.4.1.4.5 Forst- und Jagdwirtschaft sowie Quellen-Nachweise.

[47] Metzger – Birgit – Roland Schäfer, in: Umweltgeschichte. 2009, S.9.

[48] Vorläufer: Fachgruppe Staubtechnik im Verein Deutscher Ingenieure, 1957 gegründet, später mit DIN.

[49] Ulrich, B. – R. Mayer – P.K. Khanna. Deposition von Luftverunreinigungen und ihre Auswirkungen in Waldökosystemen im Solling. Frankfurt/Main: Sauerländer. 1979. Kapitel 5

[50] www.zeit.de/2004/51/N-Waldsterben Dr.-Ing. Günter Keil, früher BMFT. Auf Seite 3 die Verleumdung von Professor Spiecker, Europäisches Forschungsinstitut, Freiburg, als Kritiker = Auftragsbearbeiter.

Blume, Michael. Was wurde eigentlich aus dem Waldsterben? 05.07.2011 www.scilogs.de/chrono/blog/natur-de-glaubens/netzkulturen/ - Ellenberg, Heinz. Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Stuttgart: Ulmer. 2. Aufl. 1982, 5. 1996. 6. 2010

[51] Mauelshagen, Franz, in: Nachhaltige Geschichte. Festschrift für Christian Pfister, Hrsg. Kirchhofer, A.- C. Pfister. Zürich, Chronos, 2009, S. 169-193. hier S. 187 http://kulturwissenschaften.academia.edu/Papers/1058995/Keine_Geschichte_ohne_Menschen._Die_Erneuerung_der_historischen-Klimawirkungsforschung_aus_der_Klimakatastrophe

[52] Den Preußisch Meteorologischen Dienst gab es seit 1849, er gehörte zum Statistischen Büro.

[53] www.munmente-online.de/11/02/sonderthema/Meteorolotgiesches_Observatorium_Lindenberg_php.

[54] Wege, K. Zur Historie des MO Hohenpeißenberg. www.met.fu-berlin.de/~dmg/promet/25_4/25_4_1.pdf

[55] vgl. hierzu: Glaser, Rüdiger, Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Darmstadt: Primus. 2008. – Rabich, Adalbert in Regionalgeschichten, GRIN-Verlag.

[56] Mauelshagen, 2009, S. 171 Fußnote 6.

[57] Mauelshagen, 2009, S. 173 Fußnote 13. und 14.

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Energiewende zwischen Politik und Sachverstand
Untertitel
Notwendigkeit eines Gremiums mit exzellentem Sachverstand
Autor
Jahr
2012
Seiten
58
Katalognummer
V199106
ISBN (eBook)
9783656256793
ISBN (Buch)
9783656256885
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Literaturangaben vollständig in Fußnoten
Schlagworte
Energiewende, Sachlichkeit Unparteilichkeit
Arbeit zitieren
Dr.-Ing. Adalbert Rabich (Autor), 2012, Energiewende zwischen Politik und Sachverstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199106

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