Der Merkantilismus war ein ökonomische Entwicklung, in dem Kapitalien hauptsächlich in der Zirkulationssphäre eines Staates angesammelt wurden. Die Zielsetzung war für den jeweiligen Herrscher die Schädigung eines konkurrierenden Staates und die Förderung der eigenen 'nationalen' Wirtschaft.
Friedrich II. war geprägt durch die calvinistische Lebensführung der Hohenzollernfamilie. Die dadurch resultierende Überzeugung preußischer Wirtschaftspolitik erfuhr unter Friedrich II. eine neue Entwicklungsstufe, die in der heutigen Forschung nach wie vor sehr umstritten ist.
Die machtpolitisch-dynastischen Ziele Preußens unter Friedrich II. wurden durch die Akzeptanz und Nutzung von grundlegenden sozialökonomischen Strukturen verwirklicht, welche in dieser Arbeit, am Beispiel der Manufakturförderung in Preußen, dargestellt und aus ökonomischen Gesichtspunkten beurteilt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Volkswirtschaft Preußens
2.1 Aufbau und Struktur
2.2 Die Wirtschaftsphilosophie Friedrich II.
2.3 Der „preußische Merkantilismus“
3. Finanzwirtschaft und Wirtschaftsförderung
3.1 Das Manufakturwesen Preußens
3.2 Zeitgenössische Betrachtungen durch das Ausland
4. Ergebnisse und Fazit der Untersuchung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftspolitischen Maßnahmen Friedrichs II. zwischen 1740 und 1786, um zu analysieren, ob sein Handeln als modernes „Topmanagement“ interpretiert werden kann oder ob es sich lediglich um staatlich gelenkte, merkantilistische Eingriffe handelte.
- Wirtschaftsstruktur und Sozialökonomie im Preußen des 18. Jahrhunderts
- Die Wirtschaftsphilosophie und das politische Testament Friedrichs II.
- Der preußische Merkantilismus als Instrument staatlicher Machtpolitik
- Die Förderung des Manufakturwesens und ihre Auswirkungen auf das Handwerk
- Internationale zeitgenössische Wahrnehmung der preußischen Wirtschaftspolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 DAS MANUFAKTURWESEN PREUßENS
Friedrich II. erkannte schon früh, dass die infrastrukturellen Schwächen Preußens, die vor allem durch die mangelhaften und zum Teil gar nicht vorhandenen Handelswege gekennzeichnet waren, behoben werden mussten. Nur so konnte überhaupt eine effiziente Wirtschaftsförderung durchgeführt werden und so war die Verbesserung der Infrastruktur auch die Grundlage für eine Vielzahl von Maßnahmen, die das Ziel des Königs verfolgten, Preußen zu einer bedeutenden Manufaktur- und Handelsmacht in Europa zu verwandeln. Die Geldströme des Außenhandels sollten durch Preußen fließen und Friedrich II. wollte daran partizipieren. In Wirtschaftssektoren in denen dies nicht möglich war fehlte auch die entsprechende Förderung. So wurden fast nur umfassende Kanalausbauten für die Binnenschifffahrt vorgenommen, die Verbesserung des Straßen- und Wegenetzes hingegen wurden vom König vorsätzlich vernachlässigt um nicht indirekt die ausländische Konkurrenz zu unterstützen.
Der Ausbau von Binnenhäfen wie Stettin war allein aus ökonomischer Sicht ein richtiger Schritt. Der Erfolg wurde nur geschmälert durch die selektive Förderung und durch die forcierte Akzisepolitik des Königs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel skizziert den Aufstieg Preußens zur Großmacht und stellt die Forschungsfrage nach der Qualität des „friderizianischen“ Wirtschaftssystems.
2. Die Volkswirtschaft Preußens: Es wird die rückständige Ausgangslage Preußens beschrieben, die durch eine rigide feudale Hierarchie und eine starke Agrarorientierung geprägt war.
2.1 Aufbau und Struktur: Das Kapitel analysiert die starre Ständegesellschaft und die Abhängigkeit zwischen Bauern und Adel, die maßgeblich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmte.
2.2 Die Wirtschaftsphilosophie Friedrich II.: Die Untersuchung zeigt, dass Friedrich II. primär pragmatisch und staatszentriert handelte, wobei die Wirtschaft stets der Militärpolitik untergeordnet blieb.
2.3 Der „preußische Merkantilismus“: Das Kapitel ordnet die Wirtschaftspolitik Friedrichs II. als spezifische, absolutistische Sonderform des Merkantilismus ein, die durch staatlichen Dirigismus gekennzeichnet war.
3. Finanzwirtschaft und Wirtschaftsförderung: Hier wird der Fokus auf die finanzielle Stabilität als Voraussetzung für die ambitionierte Außenpolitik Preußens gelegt.
3.1 Das Manufakturwesen Preußens: Die staatlich forcierte Manufakturförderung wird kritisch beleuchtet, insbesondere im Hinblick auf deren Inflexibilität und die Vernachlässigung marktbasierter Innovation.
3.2 Zeitgenössische Betrachtungen durch das Ausland: Dieses Kapitel kontrastiert die englische Anerkennung der Effektivität mit der französischen Kritik an der vermeintlichen Anachronistik des preußischen Systems.
4. Ergebnisse und Fazit der Untersuchung: Die Arbeit resümiert, dass Friedrich II. trotz kurzfristiger Erfolge Preußen in eine wirtschaftliche Sackgasse führte, da er notwendige privatwirtschaftliche Impulse unterdrückte.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Preußen, Merkantilismus, Manufakturwesen, Absolutismus, Staatswirtschaft, Handelsbilanz, Agrarwirtschaft, Militärpolitik, Wirtschaftsgeschichte, Reformabsolutismus, Autarkie, Protektionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wirtschaftspolitik Preußens unter König Friedrich II. und prüft, ob seine Maßnahmen als strategisches Management oder als staatlich gelenkte, einseitige Wirtschaftsförderung zu bewerten sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die preußische Sozialstruktur, die theoretische Einordnung des „preußischen Merkantilismus“ sowie die staatliche Förderung von Manufakturen und deren Abhängigkeit vom Militär.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem modernen Selbstverständnis Friedrichs II. und den tatsächlichen ökonomischen Auswirkungen seiner Politik auf das Land zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung stützt sich auf eine historische Analyse, die Primärquellen (Politisches Testament) und eine umfassende Auswertung der fachspezifischen Sekundärliteratur zur preußischen Wirtschaftsgeschichte kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der sozioökonomischen Struktur, die Analyse der merkantilistischen Wirtschaftspolitik sowie die spezifische Betrachtung des preußischen Manufakturwesens und dessen Außenwahrnehmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Friedrich II., Merkantilismus, Manufakturwesen, Absolutismus, Staatswirtschaft und Handelsbilanz.
Warum stand der preußische Staat unter Friedrich II. oft im Vergleich zu England oder Holland in der Kritik?
Preußen fehlte die für andere Länder typische Kapitalmobilität und das wirtschaftlich tätige Bürgertum, was zu einer starren Staatsabhängigkeit der Manufakturen führte, während England bereits freiere Marktstrukturen entwickelte.
Welche Rolle spielte das Militär für die Wirtschaftspolitik?
Das Militär war der Motor der preußischen Wirtschaft; nahezu alle wirtschaftspolitischen Entscheidungen wurden so getroffen, dass sie entweder das Militärwesen stärkten oder die Staatsfinanzen für künftige Konflikte sicherten.
Was bedeutet „Sackgasse“ in Bezug auf das Fazit der Arbeit?
Obwohl Friedrich II. kurzfristige Erfolge erzielte, verhinderte sein Dirigismus langfristig die Entwicklung echter Innovation und privater Unternehmertumsstrukturen, was die Wirtschaft nach seinem Tod in eine schwierige Lage brachte.
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- Frank Hainke (Author), 2009, Förderung der Wirtschaft und Manufakturen in Preußen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199246