Förderung der Wirtschaft und Manufakturen in Preußen

Friedrich II. - Ein Topmanager des 18. Jahrhunderts?


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Volkswirtschaft Preußens
2.1 Aufbau und Struktur
2.2 Die Wirtschaftsphilosophie Friedrich II
2.3 Der „preußische Merkantilismus“

3. Finanzwirtschaft und Wirtschaftsförderung
3.1 Das Manufakturwesen Preußens
3.2 Zeitgenössische Betrachtungen durch das Ausland

4. Ergebnisse und Fazit der Untersuchung

5. Literaturverzeichnis

1 . Einleitung

Preußens Aufstieg, von einer bescheidenen Mittelmacht zu einer europäischen Großmacht, war maßgeblich von der raschen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und durch die politischen Maßnahmen seiner Monarchen, speziell durch die Friedrichs II. beeinflusst. Die wirtschaftliche Gesamtkonzeption und Überzeugung Friedrichs II. war geprägt durch die calvinistische Lebensführung der Hohenzollern.

Das Rüstzeug das er u.a. durch seinen Vater Friedrich-Wilhelm I., dem „Soldatenkönig“, zum Teil unter Zwang während seiner Festungshaft in Küstrin erhielt, und sich später in seiner Zeit auf Schloß Rheinsberg aneignete und auch in seinem wirtschaftlichen Streben anwenden sollte, basierte auf einem Credo von Sparsamkeit, Fleiß und Disziplin. Um seine machtpolitisch-dynastischen Ziele zu erreichen musste Friedrich II. in erster Linie die grundlegenden sozialökonomischen Strukturen Preußens akzeptieren, die ihm u.a. die Geographie seines Landes vorgab.

Natürlich setzte Friedrich II., wie zu dieser Zeit fast alle Monarchen anderer Staaten auch, auf eine, der Theorie nach, reine Form des Merkantilismus. Diese war „[..] in [ihrem] Kern nichts anderes als eine Kunstlehre für eine optimale Gestaltung der Staatswirtschaft“[1]. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob Friedrich II. dies qualitativ besser, moderner und vielleicht erfolgreicher umsetzte als seine europäischen Nachbarn oder ob seine Maßnahmen und Regeln nur den begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen und der Ausrüstung seiner Armee geschuldet waren?

Ebenso wie die wirtschaftspolitischen und geographischen Vorbedingungen Preußens, spielt das Selbstverständnis Friedrichs II. eine tragende Rolle in der geschichtswissenschaftlichen Beurteilung der preußischen Wirtschaftsförderung und -entwicklung zwischen 1740 und 1786. Die zahlreichen Schriften Friedrichs II., die offiziellen Dokumente und die Gesetze Preußens ergeben einen umfangreichen Maßnahmenkatalog, die der ‚erste Diener des Staates‘, wie sich Friedrich II. in seinem politischen Testament von 1752 selbst bezeichnete, umzusetzen suchte.

Trotz der zahlreichen Überlieferungen ist, nach wirtschaftswissenschaftlichen Maßstäben, über das Wirtschaftskonzept des Königs nur wenig bekannt. Dies bezeichnet ein Dilemma der Geschichtswissenschaft, welche nur durch Interpretationen eine mögliche Konzeption zu rekonstruieren versucht.

Diese Ausarbeitung wird einleitend die Wirtschaftsstruktur Preußens unter Friedrich II. darstellen und der Frage nach einem speziellen, einem preußischen Merkantilismus nachgehen, welcher vielleicht nur durch die Prägung, bzw. durch die Handlungs- und Regierungsweise Friedrichs II. funktionieren konnte.

War Friedrich II. vielleicht schon eine Art ‚Topmanager‘ seiner Zeit, der durch Weitsicht und Analysefähigkeit überzeugen konnte oder war er vielleicht mehr eine Art ‚Insolvenzverwalter Preußens‘ der die bereits vorgegebenen Strukturen seiner Vorgänger nur verwaltete und die wichtigen und zeitgemäßen Reformen verpasste? Interessant sind in diesem Zusammenhang die möglichen Diskrepanzen zwischen Theorie und Wirklichkeit.

Eine wesentliche Rolle in den Überlegungen des Monarchen spielte die Förderung des Manufakturwesens in Preußen. Dieser Aspekt des wirtschaftlichen Wirkens hat in der Beurteilung durch die Geschichtsforschung einen starken Wandel durchlaufen und wird in dieser Ausarbeitung den Schwerpunkt bilden. Während ältere Publikationen die Manufakturförderung durchweg sehr positiv beurteilt haben, so findet man heute in der neueren Literatur eine kritischere, vor allem eine an der Ökonomie ausgerichtete und ergebnisorientiertere Haltung zur Manufakturförderung.

Zusammenfassend sollen auf den folgenden Seiten die Wirtschaftsphilosophie Friederichs, die strategische Durchsetzung, die Auswirkungen und die Ergebnisse der wirtschaftlichen Maßnahmen durch Friedrich II. deutlich werden. Durch exemplarische Vergleiche, auch nach heute bekannten ökonomischen und volkswirtschaftlichen Maßstäben, wird eine Bewertung des fredericianischen Wirtschaftssystems möglich sein, die die speziellen „Manager“-Fähigkeiten Friedrichs II. belegen oder auch widerlegen werden.

2 . Die Volkswirtschaft Preußens

Eine besondere Schwierigkeit der Darstellung der Preußischen Wirtschaft liegt in der Geographie des Landes. Wenn wirtschaftliche Strukturen beschrieben werden, so gelten sie nur selten für das gesamte Staatsgebiet Preußens, das territorial zerrissen und in seiner wirtschaftlichen Struktur sehr unterschiedlich war. Diesem Umstand musste der König Rechnung tragen.

Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten, „die durch ein entfaltetes Gewerbe und ausgedehnte Handels- und Verkehrsbeziehungen charakterisiert waren“,[2] war Preußen zu Beginn der Regierungszeit Friedrichs II. arm und wirtschaftlich rückständig. Größere Landstriche waren nicht wirtschaftlich erschlossen und durch die Folgen des 30-jährigen Krieges immer noch entvölkert und durch den 7-jährigen Krieg neuerlich verwüstet worden. Die alles dominierende Agrarwirtschaft sicherte zwar die Eigenversorgung Preußens, doch wichtige und teure Güter, z.B. Luxusgüter wie Seide und Wein oder Massengüter für die Bevölkerung und die Armee Preußens, mussten importiert werden.

Ein wirtschaftlich tätiges Bürgertum, wie in England oder in den Niederlanden existierte im eigentlichen Sinne noch gar nicht, höchstens nur in einem von Auflagen und Zwängen beherrschtem Schattendasein. Eine städtische Selbstverwaltung gab es in Preußen nicht mehr, sie waren Teil der Provinzverwaltung. Nur die Hauptstadt Berlin hatte zu Zeiten Friedrich II., sowohl wirtschaftlich als auch sozialökonomisch eine Sonderstellung.

Trotzdem nahmen die Städte eine wichtige Rolle in der Steuer- und Verwaltungspolitik des Landes ein, da zwischen den einzelnen Landesteilen kein einheitliches Zollrecht bestand und die Akzise, eine allgemeingültige Verbrauchs- und Verkehrssteuer, an den Toren der Städte erhoben wurde.[3] Zudem war, um die Einnahmen aus der Akzise nicht zu gefährden, der gesamte Gewerbe- und Handelsbetrieb auf die Städte beschränkt worden.[4] Außerhalb der Städte fand im Prinzip kein Handelswesen statt.

2.1 Aufbau und Struktur

Wirtschaft in Preußen funktionierte nur durch eine streng nach oben orientierte Hierarchie, an ihrer Spitze der Adel. Die Gutsherrschaft unterlag einem Wandel hin zu einem marktproduzierenden Unternehmen, denn die Rittergutsbesitzer benutzten ihre außerökonomische feudale Gewalt nicht mehr nur zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse sondern zunehmend zu kommerziellen Zwecken.

Der Historiker Johannes Kunisch folgerte, dass „das [..] ohne Zweifel einer der gravierenden Nachteile eines Herrschaftssystems [war], das sich nach dem Vorbild des ludovizianischen Frankreich überall auf dem Kontinent durchgesetzt hatte und in der historischen Forschung ungeachtet kritischer Einsprüche mit Recht als »Absolutismus« bezeichnet worden ist“.[5]

Hauptbestandteil und Lebensader der Gutsherrschaft war die „Erbuntertänigkeit“ und die „Schollenpflicht“ der Bauern.[6] Auch als Friedrich II. die festen Ständestrukturen aufbrach und z.B. das ‚Bauernlegen‘ verbot, blieben dennoch die wirtschaftlichen Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen Bauern und Adel grundlegend erhalten. Das Besitzrecht für Bauern war weiterhin mangelhaft. So blieb es auch unter Friedrich II. üblich, dass Bauern nicht nur für das Land sondern auch bei den Betriebsmitteln nur Nutzungsrechte und nicht Eigentumsrechte besaßen. Die Machtstellung des Adels wurde eher noch gestärkt. So bestanden im Getreidehandel und im Brauereiwesen innerhalb des preußischen Staatsgebietes vereinzelte monopolartige Verhältnisse, die sich fast gänzlich in der Hand des Adels befanden.

Die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Adel und Bauern hatte für Preußen wirtschaftlich und rechtlich positive Auswirkungen, z.B. organisatorische Planungssicherheit und rechtliche Sicherheiten, als auch negative, wie die Stagnation der Bevölkerungszahl oder die wirtschaftliche und rechtliche Unfreiheit der Bauern. Eine eindeutige Bewertung dieses Systems lässt sich an dieser Stelle allerdings nicht durchführen, da hier ökonomische und moralisch-ethische Standpunkte miteinander kollidieren, welche aus heutiger Sicht bedenklich erscheinen mögen, aber aus zeitgenössischer Sicht die Normalität der Verhältnisse zwischen den Ständen wiederspiegelte.

[...]


[1] aus Kaufhold, Karl Heinrich: Leistungen und Grenzen der Staatswirtschaft, in: Schlenke, Manfred (Hrsg.), Preußen. Beiträge zu einer politischen Kultur, Reinbek 1981 (Preußen. Versuch einer Bilanz, Band 2), S. 106.

[2] Aus Kaufhold: Leistungen und Grenzen der Staatswirtschaft, S. 108.

[3] vgl. hierzu Schieder, Theodor: Friedrich der Grosse. Ein Königtum der Widersprüche, Berlin 1998. S. 307.

Die Zollpolitik war eine Ausnahme der politischen Homogenität, die Friedrich-Wilhelm I. in der „Principia regulativa“ anstrebte und auch unter Friedrich II. nicht beseitigt wurde.

[4] vgl. Hintze, Otto: Regierung und Verwaltung. Gesammelte Abhandlungen zur Staats-, Rechts- und Sozialgeschichte Preussens, 2. Auflage, Göttingen 1967. S. 19 f.

[5] aus Kunisch, Johannes: Friedrich der Grosse. Der König und seine Zeit,. 5. Auflage. München 2004. S. 472.

[6] vgl. Brandt, Peter u.a.: Preußen. Zur Sozialgeschichte eines Staates-Eine Darstellung in Quellen, Reinbek 1981 (Preußen. Versuch einer Bilanz, Band 3), S. 23 f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Förderung der Wirtschaft und Manufakturen in Preußen
Untertitel
Friedrich II. - Ein Topmanager des 18. Jahrhunderts?
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Friedrich der Große
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V199246
ISBN (eBook)
9783656257417
ISBN (Buch)
9783656257783
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich der Große, Friedrich II., Preußen, Manufakturen
Arbeit zitieren
Frank Hainke (Autor), 2009, Förderung der Wirtschaft und Manufakturen in Preußen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199246

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