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"Vergossen, Mutter! Kindesblut"

Das Motiv des Kindsmords in Gotthold Friedrich Stäudlins "Seltha" und Friedrich Schillers "Die Kindsmörderin"

Title: "Vergossen, Mutter! Kindesblut"

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dipl.-Bibl. Regina Männle (Author)

German Studies - Modern German Literature
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"Kindermord! traum ich oder wach ich? - ist sie möglich, die That [...]? Verhüll’ dein Antliz Jahrhundert! beug dich nieder Europa! von deinen Richterstühlen erschallet die Antwort - Zu tausenden werden meine Kinder von der Hand der Gebährenden erschlagen."

Die Worte, die dieser Einleitung voranstehen, sind zwar voller Pathos und erscheinen höchst hyperbolisch, doch sie spiegeln durchaus die Realität des 18. Jahrhunderts wider: Zu dieser Zeit sah sich insbesondere Deutschland mit einer derart hohen Anzahl an Kindsmordfällen konfrontiert, dass sich daraus Auswirkungen auf Justiz, Medizin, Pädagogik und sogar die Literatur ergaben.
Besonders zwei Aspekte waren es, die die Öffentlichkeit in diesem Zusammenhang bewegten. So formuliert der Schweizer Pädagoge JOHANN HEINRICH PESTALOZZI in seiner wegweisenden Abhandlung „Ueber Gesezgebung und Kindermord“ (1783), aus der auch das vorangehende Zitat stammt, folgende Frage: „Europa! was bringt deine Gebährerinn zum Mord ihrer Kinder? woher quillt die Verzweiflung im Busen des Mädchens? daß es – o Gott! [...] erwürget des Kind seiner Schmerzen.“ Die Frage nach den Motiven, die Frauen dazu bewegten, ihre Neugeborenen zu töten, bildete einen der beiden Schwerpunkte in der Diskussion um den Kindsmord. Den anderen zentralen Aspekt spricht PESTALOZZI ebenfalls gleich zu Beginn seines Aufsatzes an und verdeutlicht seinen Standpunkt dazu mit klaren Worten: „Stek ein das Schwerdt deiner Henker Europa! es zerfleischet die Mörderinnen umsonst!“ Der Schweizer Sozialreformer zeigt sich als absoluter Gegner des außerordentlich rigorosen damaligen Strafrechts, das vor allem auf Abschreckung setzte, und deshalb für das Delikt des Kindsmords die Todesstrafe vorsah.

Neben juristischen, medizinischen und pädagogischen Schriften entstanden besonders in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auffallend viele literarische Werke, die den Kindsmord thematisieren. Für die vorliegende Arbeit wurden aus dieser Fülle von Veröffentlichungen exemplarisch zwei Gedichte ausgewählt, die durch ihre Entstehungsgeschichte eng miteinander verbunden sind: „Seltha, die Kindermörderin“ (1781) von GOTTHOLD FRIEDRICH STÄUDLIN und „Die Kindsmörderin“ (1782) von FRIEDRICH SCHILLER.

Bevor genauer auf Gestalt und Inhalt dieser beiden Werke eingegangen wird, soll zunächst ein Überblick über deren historischen Kontext, die damaligen sozialen Bedingungen, bestimmte politische und juristische Aspekte bezüglich des Kindsmords gegeben werden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Kindsmord in der Zeit der Aufklärung

3 Stäudlins „Seltha“ und Schillers „Die Kindsmörderin“

3.1 Eine schwäbische Dichterfehde

3.2 Form, Sprechhaltung und Ausgangssituation

3.3 Skrupelloser Verführer und unschuldige Verführte?

3.4 Der Mord und die Mordmotive

3.5 Sprache und Bildlichkeit

4 Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv des Kindsmords in der Literatur des 18. Jahrhunderts anhand eines vergleichenden Analyseschwerpunkts zwischen den Gedichten „Seltha, die Kindermörderin“ von Gotthold Friedrich Stäudlin und „Die Kindsmörderin“ von Friedrich Schiller, um die unterschiedliche literarische Verarbeitung von Tatmotiven, psychologischem Druck und ästhetischer Ausgestaltung herauszuarbeiten.

  • Historischer und rechtlicher Kontext des Kindsmords in der Aufklärung
  • Die literarische Dichterfehde zwischen Stäudlin und Schiller
  • Vergleich der formalen Struktur und der Sprechhaltung der Protagonistinnen
  • Analyse der Tatmotive und des Einflusses antiker Mythen
  • Untersuchung der metaphorischen Sprache und Symbolik

Auszug aus dem Buch

3.3 Skrupelloser Verführer und unschuldige Verführte?

„Sie blühete wie die reinste Roose des Gartens; kaum war ihre Knospe entfaltet, als ein Verderber sie abriß von ihrem Stok [...], zertrat mit seinen Füßen.“ Mit diesen Worten beschreibt PESTALOZZI zum einen die spätere Kindsmörderin und zum anderen die sexuelle Vereinigung und deren Folgen. Ganz deutlich werden hier die Klischees genannt, die auch den Großteil der Sturm-und-Drang-Werke zum Kindsmord prägen. FRENZEL bringt das gesamte Geschehen folgendermaßen auf den Punkt: [Es handelt sich um eine] Verführung, d.h. die durch Versprechungen, Drohungen, Alkoholeinfluß oder Erregung der Sinnlichkeit erzielte Willfährigkeit eines unbescholtenen Mädchens zum Geschlechtsverkehr, [die] meist dann ein Problem [wird], wenn das Liebesverhältnis nicht zu einer dauernden Bindung führt, sondern vom Mann, indem er das Mädchen verläßt, abgebrochen wird.

Auf den ersten Blick haben, wie MATHIAS RAMECKERS feststellt, tatsächlich die meisten literarischen Kindsmordtexte, so auch die beiden hier näher betrachteten Gedichte, „etwas Schablonenhaftes.“ So wählt STÄUDLIN fast wörtlich PESTALOZZIS Beschreibung des Tugendverlustes („Zertreten ist die Blume nun“, Z.22) und auch Louise wird zunächst als rein und unschuldig dargestellt. Allerdings wird der soziale Stand der Verführten und des Verführers bei beiden Gedichten nicht erwähnt, so dass das üblicherweise zentrale Klischee der ständeübergreifenden sexuellen Ausnutzung hier keine Rolle spielt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Realität des Kindsmords im 18. Jahrhundert ein und begründet die Auswahl der zwei zu untersuchenden Gedichte von Stäudlin und Schiller.

2 Der Kindsmord in der Zeit der Aufklärung: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund sowie die literarische Resonanz des Kindsmordthemas in der Zeit der Aufklärung.

3 Stäudlins „Seltha“ und Schillers „Die Kindsmörderin“: In diesem Hauptteil werden die beiden Werke detailliert hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte, Form, Figurengestaltung, Tatmotive sowie sprachlicher Bildlichkeit kontrastiert.

4 Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Ergebnisse der Gedichtanalyse und stellt fest, dass Schiller Stäudlin durch eine komplexere psychologische und metaphorische Ausgestaltung in seiner literarischen Darstellung übertrifft.

Schlüsselwörter

Kindsmord, Literatur des 18. Jahrhunderts, Sturm und Drang, Gotthold Friedrich Stäudlin, Friedrich Schiller, Seltha, Die Kindsmörderin, Aufklärung, Motivgeschichte, Rache, Metaphorik, Blumenmetaphorik, Medea-Mythos, Hinrichtung, psychologische Motivation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des Kindsmords im 18. Jahrhundert anhand eines direkten Vergleichs zwischen den Gedichten von Gotthold Friedrich Stäudlin und Friedrich Schiller.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentral sind der historische Diskurs zum Kindsmord, die literarische Verarbeitung dieses Themas durch Autoren des Sturm und Drang sowie die formale und inhaltliche Ausgestaltung der Täterinnenfiguren.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Werke herauszuarbeiten und zu analysieren, an welchen Stellen Schiller von Stäudlins Vorlage abweicht oder diese durch eigene ästhetische Mittel verfeinert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um eine komparative Literaturanalyse, die neben den Primärtexten auch historische, rechtliche und psychologische Kontexte sowie fachwissenschaftliche Sekundärliteratur einbezieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Werke in Bezug auf ihre Form, die Charakterisierung von Verführer und Verführter, die Tatmotive sowie die sprachliche und mythologische Bildlichkeit miteinander verglichen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem zentralen Begriff „Kindsmord“ stehen Begriffe wie „Rache“, „psychologische Not“, „Blumenmetaphorik“ und die „Sturm-und-Drang-Periode“ im Mittelpunkt der Untersuchung.

Warum wird im Kontext des Kindsmords oft der Medea-Mythos genannt?

Der Medea-Mythos dient als klassisches literarisches Referenzmodell für Rachegefühle und Kindstötung, auf das sowohl Stäudlin als auch Schiller in ihren Darstellungen des inneren Zustands der Täterinnen Bezug nehmen.

Welche Rolle spielt die Blumenmetaphorik bei Schiller?

Schiller nutzt eine ausgefeilte Symbolik (z.B. Rose, Lilie), um die Unschuld und den Verlust derselben bei der Protagonistin Louise darzustellen und die Thematik der Tat künstlerisch zu verdichten.

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Details

Title
"Vergossen, Mutter! Kindesblut"
Subtitle
Das Motiv des Kindsmords in Gotthold Friedrich Stäudlins "Seltha" und Friedrich Schillers "Die Kindsmörderin"
College
University of Freiburg
Grade
1,0
Author
Dipl.-Bibl. Regina Männle (Author)
Publication Year
2008
Pages
32
Catalog Number
V200299
ISBN (eBook)
9783656264569
ISBN (Book)
9783656265641
Language
German
Tags
Schiller Stäudlin Sturm und Drang Lyrik Kindsmord
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Bibl. Regina Männle (Author), 2008, "Vergossen, Mutter! Kindesblut", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200299
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