Sind Philosophen die besseren Politiker bzw. Herrscher?


Essay, 2011

3 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Sind Philosophen die besseren Herrscher?

Mit der Frage, ob Philosophen die besseren Herrscher sind, beschäftige ich mich in diesem Essay. Es handelt sich hierbei um eine Frage, die man sich, vielleicht gerade heutzutage und vor allem in letzter Zeit, wieder stellen sollte. In Zeiten von täglich neuen Berichten über namhafte Politiker, die von Sexskandalen, Korruption, Plagiatsaffären und sonstigen handeln, gerät Platons für seine Zeit sehr gewagte These, dass Philosophen die besseren Herrscher sind, zumindest nicht in Vergessenheit. Ich frage mich an dieser Stelle tatsächlich, was einen Herrscher ausmacht beziehungsweise welche Ausbildung er gehabt haben muss, um hinterher fähig zum regieren zu sein. Ist überhaupt die Ausbildung ausschlaggebend? Oder sind es einfach nur bestimmte Charaktereigenschaften, die nützlich zum Herrschen sind? Denn scheinbar kann man auch mit einem Studium der Physik, wie im Falle von Angela Merkel, Bundeskanzlerin sein, obwohl das Eine kaum etwas mit dem Anderen zu tun hat.

Wieso sollte also nicht auch ein Philosoph am Besten zum Herrschen geeignet sein können?

Doch um Sokrates´ These nachvollziehen zu können, möchte ich zunächst klären, wie er einen Philosophen definiert und welche Eigenschaften dieser, seiner Meinung nach, besitzen muss. Vorneweg sei erwähnt, dass diese These immer noch aus dem Entwurf der Polis entstanden ist. Er beginnt also damit, zu erklären, dass ein Liebender immer Etwas, mit allem was dazu gehört, liebt und nie nur einen bestimmten Teil vom Ganzen und einen anderen Teil dafür nicht. So verhalte es sich auch mit den Philosophen und ihrer Liebe zur Weisheit. Der Philosoph strebt nach Wissen, Wahrheit und Erkenntnis. Die Erkenntnis ist die Erkenntnis vom Seienden. Die Wahrheit, also das Urbild, ist das tatsächlich Seiende hinter dem Vielen selbst. Der Philosoph hat ein nahezu unstillbares Verlangen nach Wissen auf allen Wissensgebieten und strebt nach ganzer Wahrheit und Weisheit. Ihre Art die Dinge zu betrachten führt dazu, dass in Hinblick auf die Zeit und das gesamte Sein, wissen, wie unbedeutend das menschliche Leben ist und sich deswegen auch nicht daran klammern.

Einen deutlichen Unterschied macht Sokrates zwischen Philosophen, die auch das Schöne selbst in den Dingen sehen können, und Philodoxen, den Schaulustigen, die zwar eine Meinung haben, jedoch zu keiner Erkenntnis kommen. Die Meinung ist vergänglich, das Wissen wiederum ewig. Es gibt für Sokrates drei „Bereiche“ in diesem Kontext: Den Bereich der Erkenntnis, der Meinung und der der Nichterkenntnis. Der Meinende steht dabei in der Mitte, er sieht mehr als der Nichterkennende, aber weniger als der Erkennende. Eine „wache“ Person ist demnach der Erkennende, der das Sein erkennt.

Außerdem gibt es aber auch noch die Sophisten, die allerdings ihre Aussagen den Meinungen der Allgemeinheit anpassen, um vor ihr (dem Volk) gut dazustehen, die gern Philosophen wären aber eben keine echten sind.

Um jetzt eindeutig die wahren Philosophen abgrenzen zu können, erklärt Sokrates, dass die Erkenntnis nicht mit den Sinnen zu erfassen sei. Ein Schaulustiger oder Hörbegieriger kann also nicht zur Erkenntnis kommen.

Der Grund, wieso die Theorie vom gerechten Staat noch nicht verwirklicht werden konnte, ist nach Sokrates der, dass bisher immer die falschen das „Steuer in die Hand“ bekommen haben, wie er an seinem Schiffsgleichnis verdeutlichen will: Man muss sich ein Schiff mit einem geistigbeschränktem und auch schwerhörigen Reeder vorstellen. Viele andere Personen würden gern die Leitung des Schiffs übernehmen und sind überzeugt die Qualifizierteren zu sein, ohne vorher gelernt zu haben, wie man ein Schiff steuert. Sie betäuben den Reeder und lenken das Schiff selbst. Wenn nun ein erfahrener Steuermann auf das Schiff kommen würde und ihnen erzählen würde, sie müssten sich erst einmal zum Beispiel mit der Theorie beschäftigen, würden sie ihn als unnütz bezeichnen.

Mit diesem Gleichnis zeigt Sokrates Adeimantos, wieso die Philosophen im Staat als unbrauchbar angesehen werden. Der Reeder stellt das Volk dar, die Möchtegern-Steuermänner, verschiedene Personen die nach Machtpositionen streben, in dem sie dem Volk schmeicheln. Der Philosoph ist der Fachkundige, den niemand für nützlich hält. Doch Sokrates erklärt diese Einstellung folgendermaßen: Zum Beispiel kommt ein Arzt auch nicht zum Patienten, um ihn zu bitten, ihn behandeln zu dürfen. Genauso geht kein Philosoph zum Volk und bittet es, es regieren zu dürfen. Doch daraus schließe ich für mich, dass Philosophen eigentlich gar nicht wirklich regieren wollen, sondern lediglich am besten dafür geeignet wären. Jedoch stellt sich dann wieder die Frage, ob ein Staat gut regiert werden kann, wenn der Herrscher selbst es im Prinzip nicht tun möchte.

Eine andere stark vereinfachte Variante, Sokrates´ These zu erklären wäre zu sagen, dass immer die Fähigsten des Landes Staatsführer seine sollten, woraus folgt, dass eben Philosophen die Geeignetsten sind. Außerdem ist interessant zu beobachten, dass die Anforderungen an einen wahren Philosophen in Teilen sehr deckungsgleich sind mit denen eines Herrschers an und für sich. Was natürlich wieder für Sokrates These sprechen würde, aber ich empfinde Sokrates´ Argumentation teilweise zu weit ausgeholt. Vor allem überrascht es nicht, dass jemand, der selbst ein Philosoph ist, mehr oder weniger überzeugend erklären kann, warum er Philosophen für die besseren Herrscher hält. Ich versuche mir ganz simpel vorzustellen, was es bedeuten würde einen Philosophen an der macht zu haben. Es würde sich um eine Person handeln, die in unheimlich vielen Bereichen bewandert ist, also auch auf die meisten Lösungen von Problemen kommen würde. Jedoch besteht für mich der Eindruck, dass Philosophen nicht nur damals nicht immer ernstgenommen wurden und als „Sternegucker“ abgetan wurden, sondern, dass auch heute ein Philosoph eher belächelt wird. Eben weil ein Philosoph in unserer Zeit noch weniger bewirken kann als vielleicht damals schon. Auch kann man nicht die Berufsbezeichnung „Philosoph“ tragen, man kann höchstens Philosophie studieren, philosophieren und Bücher über seine Ansichten schreiben. Ich fragen mich auch, ob Philosophen je eindeutig zu einer Antwort gelangen, oder ob immer die Möglichkeit mitschwingt, dass es auch eine andere Antwort auf eine bestimmte Frage gibt. Ich denke zum Beispiel an ewige Diskussionen, wie die zur Stammzellenforschung. Die positiven Aspekte leuchten allen ein, doch gibt es auch einige negative. Wenn es so ist, wie kann so ein Herrscher in einem Staat wichtige und schwerwiegende Entscheidungen treffen? Jedoch würde ich es für eine gute Idee halten, wenn sich Regierende in komplizierten moralischen und ethischen Fragestellungen, in denen sie sich nicht sofort sicher sind, immer Rat bei einer Gruppe von Philosophen einholen können. Sie geben ihm zwar keine Antwort, aber helfen ihm in soweit, dass sie die Sache in verschiedenen Blickwinkeln sehen und von allen Seiten beleuchten. Also in etwa so, wie es bei uns zum Beispiel ja auch die Ethikkommission gibt, auch wenn ihr überwiegend Naturwissenschaftler, Mediziner und Theologen angehören. Doch kann man also auch nicht sagen, dass sie die Regierung gar nicht oder kaum mit Ethik beschäftigen würde. Heutzutage würden auch die Menschen sofort auf die Barrikaden gehen, wenn sie merken würden, die Regierung fängt an vollkommen rücksichtslos Menschenrechte zu missachten, um an schnelles Geld zu kommen oder sonstiges. In Sokrates Zeit waren die Handlungen der Herrscher einfach nicht so „transparent“, wie heute. Die Bürger wurden damals höchstwahrscheinlich nie nach ihrer Meinung gefragt. Genauso denke ich nicht, dass ihnen groß mitgeteilt wurde, was die Herrscher neues beschlossen haben, was bei uns, meines Erachtens einfach um längen weiter entwickelt ist, im Vergleich zu Griechenland zu Sokrates Lebzeit. Deswegen halte ich seine These auch einfach für veraltet, zumal ich, wie schon erwähnt, auch der Meinung bin, dass er auf Biegen und Brechen zeigen wollte, dass eben seine These stimmt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Sind Philosophen die besseren Politiker bzw. Herrscher?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Platon, Politeia
Note
2,0
Jahr
2011
Seiten
3
Katalognummer
V200706
ISBN (eBook)
9783656292579
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophen, Politiker, Platon, Politeia, Staat, Werte und Normen, Philosophie
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Sind Philosophen die besseren Politiker bzw. Herrscher?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200706

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