Zur Beziehung zwischen Ritualen und Selbstmordterrorismus


Hausarbeit, 2010
16 Seiten, Note: 2,1
Marie Luedtkes (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Terrorismus als Kult

3. Die Beziehung zwischen Religion und Terrorismus
3.1 Gemeinsame Beteiligung an Ritualen
3.2 Der Glaube an übernatürliche Kräfte
3.3 Trennung des Heiligen vom Profanem

4. Kulturtheoretische Ansätze zu Selbstmordterrorismus
4.1 Die Rituale
4.2 Rituale und Hingabe zum Kollektiv

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit dem 11. September haben sich viele Wissenschaftler die Frage, welche Bezie- hung zwischen Terrorismus und insbesondere Selbstmordterrorismus und Re- ligion besteht, gestellt. Da Selbstmordterrorismus sowohl bei religiösen als auch säkularen Terrorgruppen als Taktik genutzt wird, kann nicht davon ausgegangen werden, dass Selbstmordterrorismus ein Produkt der Hingabe zu spezifischen reli- giösen Überzeugungen ist. Anstatt dessen stelle ich in der vorliegenden Arbeit je- doch die These auf, dass die Hingabe zum Kollektiv ein entscheidendes Moment für Handlungen wie Selbstmordterrorismus ist, und dass diese Hingabe durch kol- lektive Rituale (ob nun religiöser oder säkularer Natur) bestärkt und manifestiert werden.

Gemeinschaftliche religiöse Rituale haben einen verbindenden Charakter (vgl. Durkheim 1981), die hilft kollektive Handlungsprobleme zu überwinden und die Ingroupkooperation zu steigern (vgl. Ginges 2009, 1).

Terroristen benutzen aufwendige Rituale um Emotionen mit geheiligten Symbolen zu verbinden und Gruppenzugehörigkeit zu symbolisieren. Diese geheiligten Symbole sind emotional evokativ und in ihrer Motivation kraftvoll. Sie unterstützen die Ingroupsolidarität, das Vertauen und die Kooperation innerhalb dieser. Religiöse Glaubenssätze, einschließlich der versprochenen Belohnungen im Jenseits, dienen weiterhin dazu die Kooperation zu fördern, indem sie den wahrgenommenen Kosten von Handlungen wie Selbstmordterrorismus ändern.

Um der Antwort auf die Frage welche Rolle Rituale i n Bezug auf Terrorismus im All- gemeinen und Selbstmordterrorismus im Besonderen, wende ich mich im 1. Kapi- tel zunächst kurz einer These von Yoeli und Pratos (2008) zu, die in ihrem Aufsatz „Terrorism is the Ritual Abuse of the Twenty-first Century“ Terrorismus als einen Kult definieren.

Mein Anliegen im 2. Kapitel ist es darzulegen wie Terrororganisationen Religion in- trumentalisieren, um ihre Ziele zu erreichen sowie aufzuzeigen, dass ein religions- theoretischer Ansatz bedeutend für das Verständnis der aktuellen Trends terrori- stischer Aktivitäten sein kann. Fragen, die in diesem Zusammenhang aufgeworfen werden, ist warum religiös motivierter Terrorismus immer verbreiteter wird und wenn Terroristen im Allgemeinen und Selbstmordattentäter im Besonderen keine verrückten Fanatiker sind, welche Beziehung dann zwischen Religion und Terro- rismus besteht.

Verschiedene Forscher haben argumentiert, dass Terroristen politische und nicht religiöse Ziele verfolgen (vgl. Bloom 2005; Juergensmeyer 2003; Pape 2005). Sie betonen außerdem , dass Religion nicht die Ursache von Konflikten ist, sondern als Werkzeug von Terrororganisationen gebraucht wird, welches sie zu Erreichung ihrer Ziele einsetzen. Eine Neu- bzw. Umgestaltung von Ritualen sind in diesem Zusammenhang unmittebare Mechanismen, die ansonsten eher unwahrschein- liche religiöse Verhaltensweisen hervorbringen. Im 2. Kapitel werde ich aus diesem Grund vier Mechanismen vorstellen, wie Religion als wirksames Instrument für Terrorismus dient.

Im folgenden Kapitel werde ich abschließend unter Einbeziehung kulturtheore- tischer Ansätze konkrete Rituale, die in Bezug auf religiös motiviertem Selbstmord- terrorismus vollzogen werden, anreißen. Und versuchen mittels dieser Ansätze zu erklären wie militante Gruppen religiöse Texte, Traditionen und öffentiche Rituale benutzen, um Selbstmordanschläge als beispiellosen Heroismus, religiöse Hingabe und persönliche Erlösung zu rahmen. Selbstaufopferung wird in diesen Ansätzen als rationales, legitimes und notwendiges Mittel gerahmt, um gewünschte Ziele zu erreichen.

2. Terrorismus als Kult

Yoeli und Pratos (2008, 265) kategorisieren sogar Terrorismus an sich als Kult. Ih- nen zu Folge zeigen die folgenden Kriterien, warum Terrorismus als Kult aufgefasst werden kann: Erstens sind Terrorgruppen, wie Kulte, die sichtbar destruktivsten Beispiele für Missbrauch, den Gebrauch von Gedankenkontrolle und anderen Kon- trolltechniken. Zweitens haben Terrororganisationen die selben Techniken stu- diert und gebraucht, um die rekrutierten Mitglieder zu indoktrinieren und dazu zu motivieren terroristische Handlungen auszuführen. Wie bei jedem Kult ist es nicht die Agenda, die die Terrororganisation motiviert und als Kult definiert, sondern es sind die Mittel der Organisationen wie sie diese Agenda durch Rationalisierungen und das Generieren von Werten in die Köpfe der Mitglieder eingepflanzt werden. Drittens und letztens kommt ein effektives Mittel um Terrorismus zu bekämpfen aus dem Verständnis, dass die Mitglieder so programmiert wurden, dass sie ihre Handlungen und an sie gerichtete Aufgaben nicht in Frage stellen (ebd.).

Ein destruktiver Kult kann als geschlossenes System oder geschlossene Gruppen definiert werden dessen Anhänger durch Täuschung rekrutiert werden und durch den Gebrauch manipulativer Techniken wie Gedankenreform kontrolliert werden (vgl. Davis 1996).

Dem Kultaspekt von Terrorismus kann man sich durch das Element der Gedan- kenkontrolle annähern, welcher ein Prozess ist, der entweder unbewusst oder ziel- gerichtet Veränderungen des Verhaltens, der Gedanken und emotionaler Muster eines Individuums durch subtile, täuschende und zerstörerische Mittel durch une- thische spirituelle Führer vollzogen wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zur Beziehung zwischen Ritualen und Selbstmordterrorismus
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Veranstaltung
Rituale und Ritualität
Note
2,1
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V200880
ISBN (eBook)
9783656272274
ISBN (Buch)
9783656272335
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstmordterrrorismus, Terrorismus, Rituale, Kult
Arbeit zitieren
Marie Luedtkes (Autor), 2010, Zur Beziehung zwischen Ritualen und Selbstmordterrorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200880

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