Ergebnisse von Maßnahmen zur Eindämmung von Desertifikation im Indus-Tiefland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
38 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Bewässerung im Indus-Tiefland
2.1. Bewässerung zwischen 1500 v. Chr. und 1819
2.2. Ausbau des Bewässerungssystems unter britischer Herrschaft zwischen 1843 bis 1947

3. Der Indus Wasservertrag - Die Teilung des kolonialen Indiens

4. Die Grüne Revolution in Pakistan und ihre negativen Folgeerscheinungen

5. Die Probleme der Desertifikation in der Landwirtschaft und der Bevölkerung im Indus-Tiefland
5.1. Vernässung
5.2. Versalzung
5.3. Sedimentierung der Kanäle und Staubecken
5.4. Die Verschmutzung des Wassers
5.5. Soziale Probleme des Pachtsystems

6. Maßnahmen zur Behebung der Probleme
6.1. Maßnahmen gegen Versalzung und Vernässung
6.2. Maßnahmen gegen die Sedimentierung der Kanäle und Dämmbecken
6.3. Maßnahmen gegen die Verschmutzung des Wassers
6.4. Vorschläge zur Verbesserung der sozialen Ungerechtigkeiten des Pachtsystems

7. Zusammenfassung

Abbildung 1: Erstreckung des Indus-Tieflands

Abbildung 2: Rati System, Shaduf, Churus und Perisches Rad

Abbildung 3: Vereinfachte Darstellung eines Shadufs

Abbildung 4: Querschnitt durch ein Qanat

Abbildung 5: Verbesserung der Bewässerungsanlagen während der Britischen Herrschaft

Abbildung 6: Hessen in Deutschland

Abbildung 7: Lage und Verteilung der Staudämme und Kanäle in Pakistan

Abbildung 8: Der indische Subkontinent mit den Staaten Pakistan, Indien und Bangladesch

Abbildung 9: Lage des Tarbela und Mangla Damms

Abbildung 10: Vernässung von landwirtschaftlicher Nutzfläche

Abbildung 11: Versalzung von landwirtschaftlicher Nutzfläche

Abbildung 12: Durchschnittlicher Jahresniederschlag

Abbildung 13: Durchschnittliche potentielle Evapotranspiration

Abbildung 14: Versalzung in für Desertifikation empfänglichen Gebieten

Abbildung 15: Verunreinigter Bewässerungskanal

1. Einleitung

Das Indus-Tiefland, das durch die Längengrade 72°33´ bis 79°50´ Nord und die Breitengrade 28°52´ bis 37°20´Nord begrenzt wird, ist die fruchtbarste und am dichtesten bevölkerte aride Gegend der Welt. (CENTRAL BOARD OF IRRIGATION AND POWER, 1992, S. 1) Abbildung 1 zeigt das System des Indus welches die Flüsse Indus, Jhelum, Chenab, Ravi, Beas und Sutlej umfasst und sich durch Teile der Länder Tibet, Afghanistan, Indien, und durch fast ganz Pakistan zieht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Erstreckung des Indus-Tieflands

(http://www.internationalhydropolitics.com/ Stand 16.02.2010)

Der Indus, der bekanntermaßen ein allochthoner Fluss ist und in Tibet entspringt, Schmelzwässer aus dem Himalaya, dem Karakorum und dem Hindukusch aufnimmt und sich dann seinen Weg durch Indien nach Pakistan und schließlich in das Arabische Meer bahnt, ist die Lebensader und somit auch Namensgeber für diese Region.

Das Indus-Tiefland war über viele Jahrhunderte der Brotkorb des Indischen Subkontinents, in der vor allem Reis, Baumwolle und Mais als Kharif- (Sommer-)Früchte Weizen und Gerste Rabi- (Winter-) Früchte. Die Kharifkulturen wurden zunächst hauptsächlich durch den Niederschlag des Südwestmonsuns gespeist, während die Rabifrüchte auf die Bewässerung aus dem Indus angewiesen waren.

Der enorme Bevölkerungsanstieg im 20 Jahrhundert, vor allem in Pakistan, machte einen Ausbau des Bewässerungssystems dringend notwendig um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Lebten im Jahre 1901 noch 16 Millionen Menschen alleine in Pakistan, waren es 1981 bereits 83,8 und 2008 erfasste der Zensus offiziell 172,8 Millionen Menschen. Das Zusammenspiel aus arider Gegend und immer ausgeprägter werdender Bewässerung führte bald zu schweren Desertifikationserscheinungen. Der stete Ausbau des Bewässerungssystems kann in der Geschichte des Indus-Tieflandes erkannt werden. (Mullick, 1972, S. 332 - 337 )

2. Die Geschichte der Bewässerung im Indus-Tiefland

2.1. Bewässerung zwischen 1500 v. Chr. und 1819

Das Bewässerungssystem im Indus-Tiefland ist mit seinen 14,2 Millionen Hektar nicht nur das weltweit größte zusammenhängende, sondern auch das älteste System. (Wolff, 1996, S. 4) Schon etwa 1500 v.Chr. wurde von den Menschen der Indus-Tiefland Zivilisation aktiv Bewässerung betrieben. Diese wurde durch zusätzlich zum Niederschlag gefördertes Brunnenwasser, mit Hilfe von den in Abbildung 1 abgebildetenChurus oderPersischen Rädern bewerkstelligt. BeimPersischen Rad wird eine Welle über ein Nutztier angetrieben wodurch ein Schleifensystem aus Tonkrügen oder Lederbeuteln Wasser aus dem Brunnen fördert. Beim Umkehren am höchsten Punkt wird das Wasser in eine Rinne gekippt, die dieses dann in die Bewässerungskanäle einleitet. DasChurus basiert ebenfalls auf der Nutzung von Tieren. Hierbei wird das Nutztier auf einer schiefen Ebene angetrieben, wobei es ein Seil strafft, das mit einem Eimer oder ähnlichem im Brunnen verbunden ist. Durch die Bewegung des Tieres wird der Eimer aus dem Brunnen gezogen und ein Bauer kann dann das Wasser aus dem Eimer in die Kanäle umfüllen. Im Gegensatz zum Persischen Rad jedoch benötigt man hier zusätzlich zu Tier und Tierführer noch einen weiteren Arbeiter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Rati System, Shaduf, Churus und Perisches Rad

(CENTRAL BOARD OF IRRIGATION AND POWER, 1992, S. 10)

Ebenfalls wurdenShaduf Systeme zur erleichterten Förderung von Wasser aus Brunnen genutzt, wie man sie Ägypten noch heute kennt. DieseShaduf Systeme basieren auf einem Hebel mit einem Gewicht am Ende, wobei am anderen Ende des Hebels ein Krug zur Wasserförderung in den Brunnen getaucht wird. Hierbei soll die Anstrengung für die Bauern vermindert werden. Ein vereinfachtes Modell einesShaduf kann in Abbildung 3 gesehen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Vereinfachte Darstellung eines Shadufs

(http://www.wigmore-pri.hereford.sch.uk/images/Shaduf10.jpg Stand 16.02.2010)

Ein weiteres genutztes System zur Wasserförderung war das derQanate , regional auch unter den NamenKarez, Rhetara oderFoggara bekannt. Wie in Abbildung 4 zu sehen ist werden hier in Hanglage Aquifere an gegraben, wodurch dann Wasser auf die Felder geleitet werden kann. Problematisch ist allerdings der Bau dieses Systems, da um den Wasserstollen aus zu schachten viele Baustollen nötig sind und diese nur unter extrem schweren Bedingungen in den Berg getrieben werden müssen. Durch die meist nicht vorhandenen oder nur äußerst primitiven Sicherheitsvorkehrungen ist der Bau derQanate mit einem sehr großen Risiko für die Arbeiter verbunden, welche daher meist Sklaven waren. Ein weiterer Nachteil derQanate besteht darin, dass man, ist der Aquifer erst einmal an gegraben, die Wasserzuführ nicht mehr oder nur noch durch Zerstörung des Systems stoppen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Querschnitt durch ein Qanat

(Verändert nach http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Qanat-3.svg Stand 16.02.2010)

Mit steigernder Bevölkerung wurde jedoch die Nachfrage nach Wasser Im Indus-Tiefland immer größer und es wurden die ersten kleineren Bewässerungskanäle gegraben. Passiv wurden die Felder am Ufer des Indus durch die alljährlichen Überschwemmungen sowohl bewässert als auch durch den auf die Felder gespülten Schlamm gedüngt. (CENTRAL BOARD OF IRRIGATION AND POWER, 1992, S. 9 - 11)

Im Jahre 325 v.Chr. kam Alexander der Große, dessen Geschichtsschreiber das erste Mal ein ausgebautes System von Flutkanalbewässerung schriftlich niederschrieben. Diese Art der Bewässerung basierte auf der Verteilung des Wasserüberschusses über die Kanäle, die allerdings lediglich einfache Gräben waren, (Rahman, 1967, S.262

Später, während der arabischen Herrschaftsphase um 800 n. Chr. wurden diese Bewässerungssysteme dann erweitert und zweckentfremdet. Diese sollten hauptsächlich Wasser von den Flüssen Beas, Chenab, Ravi, Sutlej und dem Indus zu den Herrschersitzen, Gärten und Freizeitanwesen bringen. Jedoch sollten diese später den Grundstein für die Bewässerung der Felder des Indus-Tieflandes legen.

2.2. Ausbau des Bewässerungssystems unter britischer Herrschaft zwischen 1843 bis 1947

Die bereits zwischen 1500 v.Chr. und 1843 entstandenen Kanäle waren der Grundstein für die Fortschritte, die unter der britischen Herrschaft von 1843 bis1947 errungen wurden. All die Anstrengungen, die von den Briten während dieser Zeit in das Indus-Tiefland gesteckt wurden, waren freilich nicht aus humanitären Gründen entstanden. An vorderster Stelle sollte die Agrarnutzfläche vergrößert werden um zum Einen ein Mehr an Steuereinnahmen zu erwirken und zum Anderen den alljährlich eintretenden Hungersnöten durch erwirtschaftete Getreideüberschüsse entgegen wirken zu können. (Dettmann, 1972, S. 325) Daher wurde im Jahre 1849 dasCanal Department gegründet, welches von nun an für den Ausbau und die Instandhaltung des Flutkanalsystems zuständig war. Zunächst wurden von diesem, in Phase I der Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit des Landes, die bestehenden Überflutungskanäle verbessert und ausgebaut. Auch wurden bekannte Hilfsmittel wie dieNorias , die Wasserschöpfräder, ausgebessert um den Wasserfluss nicht zu behindern. Die größten Projekte und der Fortschritt dieser Zeit können in Abbildung 2 gesehen werden, wie zum Beispiel der Bau desUpper Bari Doab Canals .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Verbesserung der Bewässerungsanlagen während der Britischen Herrschaft

(CENTRAL BOARD OF IRRIGATION AND POWER, 1992, S .20)

1849 wurde in Phase II beschlossen, dass der bereits mehrere hundert Jahre alteHansli Canal durch den Neubau desUpper Bari Doab Canal ersetzt werden sollte. (CENTRAL BOARD OF IRRIGATION AND POWER, 1992, S. 19 – 22) Dieser sollte eine ganzjährige Bewässerung der Felder gewährleisten und man begann 1859 mit dem Bau. DerUpper Bari Doab Canal „der über das AbleitungsbauwerkMadhopur aus demRavi River mit Wasser beschickt wurde“ (Wolff, 1996, S. 6) war der erste von vielen Kanälen und Wehren aus den Flüssen des Fünfstromlands, Ravi, Sutlej, Chenab, Jhelum und Beas. Um 1900 gab es in der Provinz Punjab etwa 2 Millionen Hektar bewässerte Fläche; Dies entspricht in etwa der Landesfläche Sloweniens oder Hessens, welches zu Vergleichszecken auf der Deutschlandkarte in Abbildung 5 gesehen werden kann (Wolff, 1996, S. 6)

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Details

Titel
Ergebnisse von Maßnahmen zur Eindämmung von Desertifikation im Indus-Tiefland
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geographie)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
38
Katalognummer
V201096
ISBN (eBook)
9783656270522
ISBN (Buch)
9783656271048
Dateigröße
7141 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Desertifikation, Pakistan, Indus, Versalzung, Wasser, Bodendegradation
Arbeit zitieren
Martin Steger (Autor), 2010, Ergebnisse von Maßnahmen zur Eindämmung von Desertifikation im Indus-Tiefland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201096

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