Ägypten zählt mit seiner 5000 Jahre alten Hochkultur und seinem orientalischen Flair schon sehr früh zu einem der begehrtesten Fremdenverkehrsgebiete der Welt. (Meyer, 1996, 582) Besonders für Europäer war es im 19. Jahrhundert die erste Reisedestination außerhalb des eigenen Kontinents. Dieses Interesse wurde durch die napoleonische Ägypten - Expedition von 1798 bis 1801 geweckt. Besonders die Tatsache, dass Napoleon von einer Gruppe von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen begleitet wurde, welche ihre Entdeckungen und Beobachtungen in dem Werk Description de l´Egypte niederschrieben und dieses mit, gerade erst erfundenen Photographien, ausstatteten, erregte in Europa aufsehen und weckte Interesse an Kultur, Land und Wüste. (Ibrahim, 1996, 131 - 132) Besonders die europäische Oberschicht war vom „Land der Pyramiden und Pharaonen“ (Meyer, 1996, 582) angetan und kam zu individuellen Bildungsreisen nach Ägypten. Erst der Erste Weltkrieg konnte die stetig wachsenden Besucherzahlen bremsen.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden etwa 20.000 Touristen erfasst und kurz vor dem Ausbruch des Krieges 1914 waren es bereits etwa 50.000, welche meist für ein paar Wochen oder gar Monate blieben. Dies war eine Steigerung um 150% über einen Zeitraum von etwa 60 Jahren (Ibrahim, 1996, 132). Obwohl sich die schlechte Lage nach dem Krieg mit der Entdeckung des Grabes von Tut-ench-Amun durch den britischen Archäologen und Ägyptologen Howard Carter im Jahre 1922 wieder verbesserte, war dieser Aufwärtstrend nicht anhaltend. 1929 ließ zunächst die Weltwirtschaftskrise die Besucherzahlen erneut sinken, um wenig später vom Zweiten Weltkrieg und den anschließenden Kämpfen zwischen dem neu gegründetem Staat Israel und Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien noch weiter gedrückt zu werden. (Meyer, 1996, 582) Doch schon wenige Jahre nach Beilegung des Konflikts, etwa ab 1952, kamen die Touristen zurück.
Inhaltsverzeichnis
1. Touristische Entwicklung in Ägypten
2. Geschichte des Tourismus im Sinai
2.1. Tourismus während der Besatzungszeit von 1967 bis 1982
2.2. Entwicklung nach der Rückübertragung von 1982 bis zur Jahrtausendwende
2.3. Aktuelle Situation im Südsinai
3. Probleme des Massentourismus
4. Auswirkungen von politischen Unruhen und Terror auf den Tourismus
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die touristische Erschließung und Entwicklung der Sinai-Halbinsel, analysiert die Auswirkungen des Massentourismus auf Umwelt und lokale Infrastruktur sowie den Einfluss von politischer Instabilität und Terrorismus auf die Besucherzahlen der Region.
- Historische Entwicklung des Tourismus im Sinai
- Klimatische und geografische Gunstfaktoren für den Tourismus
- Ökologische und sozioökonomische Probleme des Massentourismus
- Einfluss politischer Unruhen und Terroranschläge auf die Tourismusbranche
- Analyse der Widerstandsfähigkeit der ägyptischen Tourismuswirtschaft
Auszug aus dem Buch
3. Probleme des Massentourismus
Obwohl die Korallenriffe, besonders im Ras Mohammed Nationalpark bei Sharm el Sheik, noch als Eldorado für Sporttaucher gelten und oft als „die besten Tauchgründe Ägyptens, wenn nicht in der Welt“ (Ibrahim, 1996, 145) bezeichnet werden, ist der Tourismus nicht spurenlos daran vorbei gegangen. Auch die Landschaft leidet zusehends unter der intensiven touristischen Nutzung. So wurden beispielsweise in Masbat, dem Beduinendorf bei Dahab, die gesamte Strandpromenade mit Restaurants und Souvenirläden zugebaut. Abgesehen vom landschaftlich fragwürdigem Aussehen, wurde hierbei auch das Wadi Dahab fast komplett blockiert. Bei starken Regenfällen sind Überflutungen und der Existenzverlust vieler Bewohner fast sicher. Zudem würde es bei einer Überschwemmung zu einer straken Verschmutzung des Meeres kommen, da mehrere hunderte Tonnen Müll der Hotelanalgen, offen im Bett des Wadi Dahab gelagert werden und somit einfach ins Meer geschwemmt würden. Abgesehen von diesem worst case Szenario wird aber bereits täglich eine beträchtliche Menge an leichtem Abfall, besonders Plastiktüten, in die Wüste geblasen oder verfangen sich in den entlang der Wüste aufgestellten Drahtzäunen. (Meyer, 1996, 587)
Ebenso bedenklich wie die Müllentsorgung ist der Umgang der Touristen, aber auch der Hotelbetreiber, mit der Ressource Wasser. Touristen bewegen sich meist in einer für sie künstlich geschaffenen Oase und verhalten sich dementsprechend, obwohl der Sinai, wie Abbildung 9 zeigt in einer hyperariden Vollwüste befindet. (Ibrahim, 1996, 143)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Touristische Entwicklung in Ägypten: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Attraktivität Ägyptens für Reisende seit dem 19. Jahrhundert und beleuchtet die Schwankungen der Touristenzahlen durch historische Ereignisse wie Weltkriege und Krisen.
2. Geschichte des Tourismus im Sinai: Hier wird der Einfluss der israelischen Besatzungszeit auf die Infrastruktur und die spätere touristische Inwertsetzung der Sinai-Halbinsel nach 1982 detailliert analysiert.
3. Probleme des Massentourismus: Dieses Kapitel widmet sich den ökologischen Herausforderungen durch den massiven Tourismus, insbesondere der Abfallproblematik, dem Wasserverbrauch in ariden Zonen und der Abhängigkeit von internationalen Reisekonzernen.
4. Auswirkungen von politischen Unruhen und Terror auf den Tourismus: Die Auswirkungen politischer Instabilität und terroristischer Anschläge auf die Tourismusbranche werden anhand von historischen Daten und konkreten Ereignissen wie dem Anschlag in Taba untersucht.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die wirtschaftliche Bedeutung des Sinai-Tourismus zusammen und bewertet die Resilienz der Branche gegenüber externen Risikofaktoren.
Schlüsselwörter
Tourismus, Sinai, Ägypten, Massentourismus, Tourismusentwicklung, Besatzungszeit, Umweltbelastung, Wasserverbrauch, politisches Risiko, Terrorismus, Reiseziel, Besucherzahlen, Infrastruktur, Naher Osten, Hotelkapazitäten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die touristische Erschließung und Entwicklung der Sinai-Halbinsel als bedeutende Tourismusregion Ägyptens und beleuchtet die damit verbundenen Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese des Tourismus, die ökologischen Auswirkungen des Massentourismus sowie die Vulnerabilität der Tourismuswirtschaft gegenüber politischen Unruhen und Terrorismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung der Region zu skizzieren und kritisch zu hinterfragen, wie stark der Tourismus durch ökologische Probleme und die instabile Sicherheitslage in der Region beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und datengestützte Analyse, bei der vorliegende Tourismusstatistiken, geografische Berichte und historische Daten ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die historische Aufarbeitung der Besatzungszeit, die aktuelle Marktsituation, eine Analyse der ökologischen Probleme wie Wasserknappheit und Müllentsorgung sowie eine Auswertung der Auswirkungen von Terroranschlägen auf die Besucherströme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tourismus, Sinai, Massentourismus, politisches Risiko und ökologische Nachhaltigkeit charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Wasserversorgung im Sinai für den Tourismus?
Da der Sinai eine hyperaride Wüstenregion ist, stellt der enorme Wasserverbrauch der Hotelanlagen, der oft durch aufwendige Pipelines aus dem Niltal gedeckt werden muss, ein kritisches ökologisches Problem dar.
Wie reagieren Touristen auf politische Ereignisse oder Terroranschläge?
Touristen, insbesondere aus westlichen Ländern, reagieren sehr sensibel auf politische Instabilität und Terrorismus, was oft zu einem signifikanten und kurzfristigen Einbruch der Besucherzahlen führt, auch wenn die Ereignisse nicht direkt im Urlaubsort stattfanden.
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- Martin Steger (Author), 2010, Tourismus im Sinai, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201155