Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Wohnungspolitik der DDR ab 1971 und deren Darstellung im DEFA-Film. Kurz nach seinem Amtsantritt 1971 beschloss Erich Honecker die Lösung der Wohnungsfrage, als soziale Frage, bis 1990. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket, das sogenannte Wohnungsbauprogramm, wurde kurze Zeit später verabschiedet. Kernstück des Programms war der Bau bzw. die Modernisierung von drei Millionen Wohnungen zur Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen. Als Mittel zur Umsetzung bediente sich die DDR-Bauwirtschaft vor allem der industriellen Bauweise. 1988 übergab Honecker in Berlin schließlich feierlich die dreimillionste Wohnung und ließ die Bevölkerung wissen, die Wohnungsfrage sei gelöst. Meine Arbeit wird in einem interdisziplinären Vergleich den sozialpolitischen, theoretischen Anspruch der Wohnungspolitik auf dessen praktische, bauliche Umsetzung und dessen filmische Inszenierung, besonders in Bezug auf Ost-Berlin, überprüfen. Dabei handelt es sich um eine alltagsgeschichtliche, mikrohistorische Untersuchung, deren Ansätze sich in makrohistorische Ansätze der DDR-Geschichte einordnen lassen. Sie wird deshalb zum einen nach den sozialpolitischen Rahmenbedingungen ab 1971 fragen und zum anderen danach, welche Ursachen zur Fokussierung auf den Wohnungsbau in der Sozialpolitik führten. Ferner wird sie der Frage nachgehen, aus welchen Gründen die Bauwirtschaft so nachhaltig auf die industrielle Bauweise setzte. Weiter rückt die Frage in den Blickpunkt, ob die Wohnungsfrage tatsächlich gelöst wurde, weshalb die Ergebnisse und Folgen zu erörtern sind. Ausgehend davon ist nach der filmischen Umsetzung zu fragen, wobei der Fokus auch auf die kulturpolitischen Rahmenbedingungen, sowie die Bedeutung des Films in sozialistischen Gesellschaften geweitet wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Wohnungspolitik der DDR ab 1971
1.1 Sozialpolitische Rahmenbedingungen
1.2 Theoretische Grundlagen: Industrielle Bauweise
1.3 Ergebnisse und Folgen
2. Die filmische Darstellung der Wohnungspolitik im DEFA-Gegenwartsfilm
2.1 „Die Legende von Paul und Paula“
2.2. „Insel der Schwäne“
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die DDR-Wohnungspolitik ab 1971 unter Erich Honecker und deren filmische Inszenierung in den DEFA-Gegenwartsfilmen „Die Legende von Paul und Paula“ und „Insel der Schwäne“. Ziel ist es, den interdisziplinären Vergleich zwischen dem sozialpolitischen Anspruch, der praktischen, industriellen Bauweise und der kritischen oder konformen filmischen Darstellung aufzuzeigen, um zu klären, inwiefern die Wohnungsfrage als soziales Problem gelöst werden konnte und welche Rolle der Film dabei als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen einnahm.
- Sozialpolitische Rahmenbedingungen und Ideologie der DDR
- Entwicklung und industrielle Umsetzung des Wohnungsbauprogramms
- Filmische Ästhetik und Rezeption im Spiegel gesellschaftlicher Konflikte
- Vergleich von Altbau-Sanierung und industriellem Plattenbau
- Die Rolle des Films in der sozialistischen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 „Die Legende von Paul und Paula“
„Die Legende von Paul und Paula“ wurde 1973 uraufgeführt. Die Produktion, nach dem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf und unter der Regie von Heiner Carow, entstand 1972 und nutzte dabei die vorsichtige kulturpolitische Liberalisierung aus: Zu Beginn der 1970er standen in der DDR-Kulturpolitik die Zeichen auf Stabilisierung und Entspannung. Die Parteiführung signalisierte den Kunstschaffenden verstärkte inhaltliche Diskussionsmöglichkeiten, sowie eine größere Toleranz im formalen Bereich. Sowohl die Gängeleien als auch die Verbote und Bevormundungen der letzten Jahre sollten öffentlichen Diskussionen weichen, mit der Einschränkung, dass an den Positionen des Sozialismus nicht gerüttelt werden dürfte.
Die DEFA nutzte den neugewonnen Freiraum und wandte sich dem Gegenwartsfilm zu. Dieser zeichnete sich besonders durch eine realistische Darstellung der Verhältnisse aus und versuchte dem bisherigen Dogmen, sowie politischen Parolen zu entgehen. Stattdessen beschäftigte sich dieses Genre mit alltäglichen zwischenmenschlichen Problemen. Es dauerte nicht lange, bis sich die Filmschaffenden den Vorwurf der Partei gefallen lassen mussten, sie würden privates Glück von gesellschaftlicher Entwicklung trennen. Das kulturpolitische Tauwetter erwies sich als Schein, denn tatsächlich hatten Künstler nur dann keine Repressionen zu befürchten, wenn sie sich absolut an die ideologischen Richtlinien hielten. So entpuppten sich die Hoffnungen auf eine einsetzende Liberalisierung der Kulturpolitik als Illusion.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der DDR-Wohnungspolitik ab 1971 und die Fragestellung bezüglich der filmischen Umsetzung im DEFA-Gegenwartsfilm.
1. Wohnungspolitik der DDR ab 1971: Analyse der sozialpolitischen Rahmenbedingungen, der Einführung der industriellen Bauweise zur Bewältigung der Wohnungsnot und der tatsächlichen Ergebnisse des Programms.
2. Die filmische Darstellung der Wohnungspolitik im DEFA-Gegenwartsfilm: Untersuchung der filmischen Verarbeitung politischer Vorgaben und gesellschaftlicher Realität in den ausgewählten DEFA-Produktionen.
3. Zusammenfassung: Rekapitulation der Forschungsergebnisse bezüglich der Wohnungspolitik und deren filmischer Inszenierung als Spiegel der DDR-Gesellschaft.
Schlüsselwörter
DDR-Wohnungspolitik, DEFA-Film, Erich Honecker, Wohnungsbauprogramm, industrielle Bauweise, Plattenbau, Die Legende von Paul und Paula, Insel der Schwäne, Sozialpolitik, Wohnungsnot, Kulturpolitik, DDR-Geschichte, Städtebau, DDR-Gesellschaft, Sozialistischer Realismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die DDR-Wohnungspolitik ab 1971, die auf die Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem abzielte, und vergleicht diese mit ihrer filmischen Darstellung in zwei ausgewählten DEFA-Gegenwartsfilmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die sozialpolitischen Rahmenbedingungen der SED, die industrielle Bauweise (Plattenbau), die Auswirkungen auf die Altbausubstanz sowie die Rolle des Films als Massenmedium in einer sozialistischen Gesellschaft.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?
Ziel ist ein interdisziplinärer Vergleich, um zu prüfen, ob der theoretische Anspruch der Wohnungspolitik mit der baulichen Realität korrespondierte und wie Filmschaffende mit diesen gesellschaftlichen Gegebenheiten und politischen Vorgaben umgingen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine alltagsgeschichtliche, mikrohistorische Untersuchung, die in einen makrohistorischen Kontext der DDR-Geschichte eingebettet ist, ergänzt durch eine filmwissenschaftliche Analyse der ausgewählten Produktionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Strukturanalyse der sozialpolitischen Richtlinien und die Überprüfung der filmischen Darstellung anhand der Filme „Die Legende von Paul und Paula“ und „Insel der Schwäne“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind DDR-Wohnungspolitik, industrieller Wohnungsbau, DEFA-Gegenwartsfilm, SED-Kulturpolitik, soziale Frage und Plattenbau.
Warum stand der industrielle Wohnungsbau so stark im Fokus der SED?
Aufgrund von Ressourcenknappheit und der Notwendigkeit einer schnellen, kosteneffizienten Massenproduktion zur Bewältigung der Wohnungsnot und zur Stabilisierung des Systems durch soziale Zugeständnisse wurde die industrielle Bauweise als Kernstück propagiert.
Welche unterschiedlichen Perspektiven bieten die beiden untersuchten Filme auf die Wohnungspolitik?
Während „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) die Wohnungsthematik in eine Liebesgeschichte einbettet und die Abrisspolitik eher subtil hinterfragt, kritisiert „Insel der Schwäne“ (1983) die durchstrukturierte „Betonwelt“ und das ideologische System deutlich expliziter und emotionaler.
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- Eric Richter (Author), 2011, Die DDR-Wohnungspolitik ab 1971 und ihre Darstellung in den DEFA-Filmen „Die Legende von Paul und Paula“ und „Insel der Schwäne“., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201388