Die DDR-Wohnungspolitik ab 1971 und ihre Darstellung in den DEFA-Filmen „Die Legende von Paul und Paula“ und „Insel der Schwäne“.


Hausarbeit, 2011
33 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wohnungspolitik der DDR ab 1971
1.1 Sozialpolitische Rahmenbedingungen
1.2 Theoretische Grundlagen: Industrielle Bauweise
1.3 Ergebnisse und Folgen

2. Die filmische Darstellung der Wohnungspolitik im DEFA-Gegenwartsfilm
2.1 „Die Legende von Paul und Paula“
2.2. „Insel der Schwäne“

3. Zusammenfassung

Filmverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Wohnungspolitik der DDR ab 1971 und deren Darstellung im DEFA-Film. Kurz nach seinem Amtsantritt 1971 beschloss Erich Honecker die Lösung der Wohnungsfrage, als soziale Frage, bis 1990. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket, das sogenannte Wohnungsbauprogramm, wurde kurze Zeit später verabschiedet. Kernstück des Programms war der Bau bzw. die Modernisierung von drei Millionen Wohnungen zur Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen. Als Mittel zur Umsetzung bediente sich die DDR-Bauwirtschaft vor allem der industriellen Bauweise. 1988 übergab Honecker in Berlin schließlich feierlich die dreimillionste Wohnung und ließ die Bevölkerung wissen, die Wohnungsfrage sei gelöst. Meine Arbeit wird in einem interdisziplinären Vergleich den sozialpolitischen, theoretischen Anspruch der Wohnungspolitik auf dessen praktische, bauliche Umsetzung und dessen filmische Inszenierung, besonders in Bezug auf Ost-Berlin, überprüfen. Dabei handelt es sich um eine alltagsgeschichtliche, mikrohistorische Untersuchung, deren Ansätze sich in makrohistorische Ansätze der DDR-Geschichte einordnen lassen. Sie wird deshalb zum einen nach den sozialpolitischen Rahmenbedingungen ab 1971 fragen und zum anderen danach, welche Ursachen zur Fokussierung auf den Wohnungsbau in der Sozialpolitik führten. Ferner wird sie der Frage nachgehen, aus welchen Gründen die Bauwirtschaft so nachhaltig auf die industrielle Bauweise setzte. Weiter rückt die Frage in den Blickpunkt, ob die Wohnungsfrage tatsächlich gelöst wurde, weshalb die Ergebnisse und Folgen zu erörtern sind. Ausgehend davon ist nach der filmischen Umsetzung zu fragen, wobei der Fokus auch auf die kulturpolitischen Rahmenbedingungen, sowie die Bedeutung des Films in sozialistischen Gesellschaften geweitet wird.

Die Wohnungspolitik ab 1971 wurde in der DDR-Geschichtsschreibung bereits häufig behandelt. Bezüglich des theoretischen Anspruchs der Wohnungspolitik bezieht sich diese Arbeit vordergründig auf Christine Hannemanns „Die Platte. Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR.“ und Anita Maaß‘ „Wohnen in der DDR. Dresden Prohlis: Wohnungspolitik und Wohnungsbau 1975 bis 1981.“ Grundlegend für die Bewertung ist Joachims Teschs „Der Wohnungsbau in der DDR 1971-1990. Ergebnisse und Defizite eines Programms in kontroversen Sichten“. Der kulturpolitische, filmische Teil bezieht sich besonders auf Dagmar Schittlys „Zwischen Regie und Regime: Die Filmpolitik der SED im Spiegel der DEFA-Produktionen.“ und Sabine Brummels „Die Werktätigen in DEFA-Spielfilmen: Propaganda in den Filmen der DDR“, sowie im analytischen Teil auf Guntram Vogts „Die Stadt im Kino. Deutsche Spielfilme 1900-2000“ und Felix Rutzens „Film im Spiegel gesellschaftlicher Konflikte in der DDR. Audio-visuelle Intention und Presse-Rezeption des Spielfilms ,Insel der Schwäne‘“. Als Primärquellen dienten formelle Quellen, wie Dokumente und Beschlüsse der Parteitage, aber auch Dokumente der Tagungen des ZK der SED, sowie Gesetze und Statistiken, aber auch Zeitzeugenberichte,etwa in Interviews oder Briefen.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile: Im ersten Teil wird eine Strukturanalyse der Sozialpolitik vorgenommen. Hier stehen zunächst ihre Aufgaben, sowie ihre ideologische Bedeutung für die SED und die sozialpolitischen Richtlinien ab 1971 im Fokus. Die Analyse kreist dabei die Wohnungspolitik als das entscheidende Merkmal der Sozialpolitik ein und eruiert in der Folge die Gründe. Anschließend werden die theoretische Grundlagen gelegt, um abschließend das Ergebnis, sowie die Folgen der Wohnungspolitik zu diskutieren. Im zweiten Teil wird die filmische Darstellung der Wohnungspolitik an den DEFA- Gegenwartsfilmen „Die Legende von Paul und Paula“, sowie „Insel der Schwäne“ überprüft. Dabei werden sowohl die kulturpolitischen Rahmenbedingungen als auch die Bedeutung des Films in sozialistischen Gesellschaften berücksichtigt. Der dritte Teil rekapituliert die Erkenntnisse, stellt Tendenzen heraus und entwirft einen abschließenden, kurzen Ausblick.

1. Wohnungspolitik der DDR ab 1971

1.1 Sozialpolitische Rahmenbedingungen

Wie in vielen sozialistischen Staaten Europas, muss auch die Sozialpolitik der DDR in einem weiten Sinne verstanden werden. Zum einen sollte sie sozialintegrative Aufgaben erfüllen, d. h., die Sozialpolitik zielte darauf, die sozialistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu stabilisieren, sowie deren parteipolitischen Unter- und Überbau zu flankieren und zu schützen. Sie sollte zudem einen Beitrag zur Motivationsstärkung leisten, um so die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Zum anderen sollte die Sozialpolitik systemintegrative Aufgaben erfüllen, womit der Schutz aller Staatsbürger gegen materielle Not, als auch der Schutz gegen typische Risiken einer Industriegesellschaft gemeint sind.1 So garantierte die Sozialpolitik, dessen überwölbendes Ziel die klassenlose Gesellschaft war, eine soziale, einheitliche Grundsicherung seiner Staatsbürger „(...) auf niedrigem Niveau von der Wiege bis zur Bahre“, welche dem egalitären und harmonistischen Gesellschaftsideal der Parteiführung entsprach.2 Darüber hinaus war die Sozialpolitik für die SED ein Mittel zur Legitimierung des Systems. Sie sollte die fehlende demokratische Legitimation kompensieren, wodurch sie selbst zum Bestandteil der Diktaturpraxis wurde. Die Bedürfnisse der Gesellschaft traten dabei hinter die Ansprüche der Herrschaftslogik zurück. „Dies zeigte sich daran, dass Sozialpolitik nicht als Ergebnis konkurrierender Angebote, widerstreitender Interessen und regulierender Aushandlungsprozesse entstand, sondern als obrigkeitsstaatliches Geschenk daherkam.“3 Durch umfassende sozialpolitische Maßnahmen wurde seitens des sozialistischen Regimes versucht, sich die Ruhe und Zustimmung des Volkes zu erkaufen.4 Die Parteiführung ging in ihrem Bestreben nach Machtsicherung soweit, dass mehr ausgegeben als eingenommen wurde. Schließlich hatten die hohen Subventionsleistungen Auswirkungen auf andere Bereiche der Politik, in denen die dringend benötigten finanziellen Mittel fehlten, worauf in der Folge am Beispiel der Wohnungspolitik eingegangen wird.5

In den 1970er kam es zu korrektiven Aufstockungen der Sozialpolitik. Der Ausbau der Frauen- und Familienpolitik und vordergründig der Wohnungsbau rückten ins sozialpolitische Zentrum. Ferner wurden Waren des Grundbedarfs, sowie Mieten und Energie, als Ausdruck stärkerer sozialpolitischer Maßnahmen gegen materielle Verelendung, noch höher subventioniert. Diese Vorgehensweise wurde „von dem Grundgedanken getragen, wenn die Menschen ein Dach über dem Kopf, einen gefüllten Magen und einen Arbeitsplatz hätten, bliebe das System trotz aller anderen Mängel stabil.“6 Die sozialpolitischen Richtlinien der DDR lassen sich besonders am VIII. Parteitag der SED im Jahr 1971 aufzeigen. Kurz nach seinem Amtsantritt sah Erich Honecker in der Verbesserung der Versorgungslage, sowie in der Hebung des Lebensstandards die Hauptaufgabe der DDR, um die Loyalität der Bevölkerung in das Regime zu stärken und so wiederum die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bevölkerung zu steigern. Angelehnt an das sowjetische Vorbild formulierte Honecker auf dem VIII. Parteitag die Kernpunkte seiner Politik:7 Eine „(...) weitere Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes auf der Grundlage eines hohen Entwicklungstempos der sozialistischen Produktion, der Erhöhung der Effektivität, des wissenschaftlich- technischen Fortschritts und des Wachstums der Arbeitsproduktion“.8

Aushängeschild der Maßnahmen sollte ein umfassendes Wohnungsbau-, Renovierungs-, sowie Sanierungsprogramm werden, welches die Wohnbedingungen verbessern sollte. Die Gründe dafür lagen auf der Hand: Viele Städte waren von deutlichen Kriegsschäden gezeichnet, die Wiederaufbauarbeiten waren bis 1971 nur mäßig vorangekommen.9 Die mangelnde Instandsetzung hatte einen enormen Zerfall der Altbaubestände in den historischen Stadtzentren zur Folge. Hinzu kam das veraltete Interieur, welches viele Wohnungen unbewohnbar machte.10 Stellvertretend für viele, wandte sich eine junge Familie an Honecker:

„(...) Wir haben eine kleine Zwei-Raum-Wohnung und eine sehr kleine Küche mit Schrägdach. Wenn wir im Winter heizen, müssen wir unsere Frisierkommode auf den Flur stellen und dort regnet es auch durch. Wir haben uns schon bald die Hacken wund gelaufen und uns wurden bloß immer leere Versprechungen gemacht. (...) Nach Feierabend müssen wir uns dann in einer Schüssel waschen. Denn eine Badewanne und eine Spültoilette kennen wir gar nicht. Wir möchten auch gerne in einer Badewanne liegen können, (...). Und nachts nicht mehr zum Hof auf die Toilette gehen. Es wurde sogar schon zu uns gesagt, was wir bloß mit unserem Bad haben, wir sollten doch zufrieden sein mit dem was wir haben. (...)"11

Die desaströse Bestandsaufnahme der Wohnungssubstanz und die daraus resultierende mangelhafte Wohnungsversorgung waren die Gründe, weshalb die Wohnungsfrage seit dem VIII. Parteitag in den Vordergrund gerückt wurde, denn die DDR-Verfassung, sprach jedem Bürger das Recht auf Wohnraum zu.12 Die Parteiführung folgte in ihrem Vorgehen den Ansätzen von Friedrich Engels und Victor Huber. Bezüglich der Wohnungsfrage schrieb Engels: „(...) nicht die Lösung der Wohnungsfrage löst zugleich die soziale Frage, sondern erst durch die Lösung der sozialen Frage, wird zugleich die Lösung der Wohnungsfrage möglich.“13 Zudem würde, laut Huber, durch die Beseitigung der Wohnungsnot, die staatliche Ordnung garantiert.14 Erste konkrete Ziele wurden 1973 mit dem Wohnungsbauprogramm beschlossen.15 Es sah die Lösung der Wohnungsfrage bis 1990 vor. Dazu sollten die Wohnverhältnisse durch drei Millionen neugebaute oder zumindest modernisierte Wohnungen, insbesondere für Arbeiter und Familien, verbessert werden. Bauminister Junker hatte für dieses Unternehmen mehr als 200 Milliarden Mark veranschlagt und wollte damit ein differenziertes, familiengerechtes Wohnungsangebot mit größerem Komfort, sowie besserer Ausstattung ermöglichen.16 Als Mittel zur Lösung der Wohnungsfrage war der industrielle Neubau vorgesehen, weshalb zunächst die Frage zu klären ist, aus welchen Gründen die SED so nachhaltig auf die industrielle Bauweise setzte.

1.2. Theoretische Grundlagen: Industrielle Bauweise

Karl Marx schrieb 1859, dass es „(...) nicht das Bewusstsein der Menschen [ist], das ihr Sein bestimmt, sondern umgekehrt, ihr gesellschaftliches Sein, dass ihr Bewusstsein bestimmt.“17 Dem folgend, sollte in der DDR auch der Bereich Wohnen den Bedürfnissen einer sozialistischen Gesellschaft entsprechen. Durch eine nivellierende Wohnungspolitik sollten die bestehenden Klassen- und Schichtunterschiede beseitigt werden, indem die Einflüsse der individuellen, materiellen Voraussetzungen, sowie der sozialen Möglichkeiten auf den Bereich Wohnen zurückgedrängt wurden.18 Wohnen entwickelte sich zu einem entscheidenden Faktor für die Entwicklung einer sozialistischen Persönlichkeit und wurde somit fester Bestandteil der ideologischen Legitimation.19 Dementsprechend wurde das Wohnungsbauprogramm als „Kernstück des sozialistischen Programms“20 und „Kernstück der Sozialpolitik der SED“ propagiert, woraus sich der hohe gesellschaftliche Stellenwert ablesen lässt.21 Wie beschrieben, mangelte es an dem zur Umsetzung benötigten Geld. Das volkswirtschaftliche Klima litt seit Mitte der 70er Jahre unter der drohenden Weltwirtschaftskrise und wurde zuzüglich durch die hohen sozialpolitischen Subventionen belastet. Diesen Mangel löste die SED jedoch erfinderisch und machte aus der Not eine Tugend, indem die Rationalisierung des Wohnungsbaus beschlossen wurde, womit die Verringerung des Aufwandes je Wohneinheit gemeint war.22 Der Bund der Architekten formulierte daraufhin, sein „(...) vorrangiges Anliegen, bei jedem geplanten Bauvorhaben bereits vom Projekt her das günstigste Verhältnis von Aufwand und Ergebnis“ erzielen zu wollen.23

Dieser Beschluss wurde durch die Industrialisierung des Wohnungsbaus umgesetzt:24 Die Zerlegung des Bauwerkes in möglichst wenige, gleiche, vorgefertigte, serienmäßig produzierte und nutzungsfertige Bauelemente aus Beton, die in den Kombinaten hergestellt und auf den Baustellen lediglich noch montiert wurden, schien die Antwort auf die Wohnungsfrage zu sein.25 Dahinter steckte die Idee, durch eine Homogenisierung der Wohnbedingungen hohe Stückzahlen zu ermöglichen, um auf diesem Wege die Entwicklungs- und Investitionskosten gering zu halten.26 Zudem genügten zur Montage auch unqualifizierte, billigere Arbeiter. Für das Zurückdrängen individueller Wünsche waren demnach neben den ideologischen Gründen, auch finanziell bedingte Produktionsweisen verantwortlich. Zugleich übten die straffen Planvorgaben mit ihren hohen Zielsetzungen zusätzlichen Druck auf die Baukombinate aus.27 Der industrialisierte Wohnungsbau ist somit untrennbar mit einer standardisierten Gesellschaftsordnung verbunden, in der die Individualität eine untergeordnete Rolle spielte. Dieses Thema diskutiert u. a. der DEFA-Film „Insel der Schwäne“.28 Baulich umgesetzt wurden die Theorien vor allem mit der Einführung der Wohnbauserie 70 (WBS70), welche den Höhepunkt einer systematisch betriebenen Reduzierung der Wohnungsbauproduktion auf die Anwendung von Typenprojekten und Standardgrundrissen symbolisierte.29

[...]


1 Schmidt, Manfred G., Sozialpolitik der DDR, Wiesbaden 2004, S.17: Mit den Staatsbürgern sind in erster Linie die Werktätigen gemeint, besonders die der sozialistischen Betriebe, welche gegen die Risiken des Einkommensausfalls infolge von Arbeitslosigkeit, Alter, Invalidität oder Krankheit, sowie Mutterschaft und Tod geschützt werden sollten. Zum Begriff Staatsbürger mahnt Schmidt jedoch an, dass damit bewusst Teile der Bevölkerung ausgegrenzt wurden, die nicht als rechtmäßige Staatsbürger angesehen wurden, wie etwas Ausreiseantragsteller oder sonstige Oppositionelle; siehe auch: Bauerkämper, Arnd, Die Sozialgeschichte der DDR, München 2005, S. 6.

2 Kowalczuk, Ilko-Sascha, Endspiel: Die Revolution von 1989 in der DDR, München 2009, S. 118; siehe auch: Schmidt (2004), S. 17; Bauerkämper (2005), S.7; zur klassenlosen Gesellschaft auch: Weber, Hermann, Die DDR 1945-1990, München 1993, S. 90.

3 Kowalczuk (2009), S. 118; siehe auch: Bauerkämper (2005), S. 6; Maaß, Anita, Wohnen in der DDR. Dresden Prohlis: Wohnungspolitik und Wohnungsbau 1975 bis 1981, München 2006 S. 12.

4 Bauerkämper (2005), S. 1, 6: Insbesondere die Arbeiter sollten an die Parteiführung gebunden werden.

5 Kowalczuk (2009), S. 119: Diese Tatsache, sowie der Fakt, dass das benötigte Geld von Krediten westlicher Staaten stammte, wurde der Bevölkerung verschwiegen; siehe auch: Autorenkollektiv, Deutschland in den 70er/80er Jahren, in: Informationen zur politischen Bildung (Hg.), 270 (2001), S. 20.

6 Kowalczuk (2009), S. 118; Noch bis in die 1960er unterlag diese weitreichende und als selbstverständlich wahrgenommene Sozialpolitik der 1970er und 1980er einem Missverständnis zwischen ideologischer Theorie und nüchterner Praxis. In der Realität spielten sozialpolitische Maßnahmen zwar bereits eine wichtige Rolle, in der Ideologie blieb dieser Politikbereich jedoch zunächst randständig. Die Gründe dafür sind aus ideologischer Sicht eindeutig: Die materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung wurden im wesentlichen durch die, von der Planwirtschaft ermöglichte, Vollbeschäftigung gedeckt. Da auch die Löhne im Planungsbüro einberechnet wurden, verfügte folglich jeder Bürger über ein existenzsicherndes Einkommen, wodurch eine eigenständige Sozialpolitik überflüssig war. Das diese Theorie nicht auf die Praxis zutraf, beweist der erwähnte Ausbau sozialpolitischer Maßnahmen ab 1971, siehe: Schmidt (2004), S. 18; Maaß (2006), S. 36.

7 Autorenkollektiv (2001), S. 19; siehe auch: Maaß (2006), S. 30f.

8 Dokumente zur Geschichte der SED, Bd.3: 1971 bis 1986, Berlin 1986, S.24; Zur „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“: Sie unterlag der Annahme, wonach zwischen dem Lebensniveau der Bevölkerung und dem Entwicklungsstand der Produktion ein untrennbarer Zusammenhang bestand. Der Sozialpolitik wurde hier eine Ökonomiefunktion zugeschrieben. Die Hoffnung war, dass ein gesteigertes Lebensniveau nicht nur politisch legitimiert, sondern zusätzlich wirtschaftliche Stabilität verleiht, indem sie sich auf die benötigte Steigerung der Arbeitsproduktivität und Effektivität der gesellschaftlichen Produktion auswirken sollte, siehe Autorenkollektiv (2001), S.20: Honecker progaierte zudem die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“; Schmidt (2004), S. 22-24, Maaß (2006), S. 30f.

9 Tesch, Joachim, Der Wohnungsbau in der DDR 1971-1990. Ergebnisse und Defizite eines Programms in kontroversen Sichten, Berlin 2001, S. 8.

10 Autorenkollektiv (2001), S. 45; so auch: Kowalczuk (2009), S. 122; Müller, Werner, Die DDR in der deutschen Geschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B28 2001, S. 46; Maaß (2006), S. 29; Hübner Peter und Hübner, Christa, Sozialismus als soziale Frage. Sozialpolitik in der DDR und Polen, 1968-1976, Köln u.a. 2008, S. 127; Tesch (2001), S. 7.

11 Zit. nach: Dertz-Schröder, Monika / Staadt, Jochen (Hg.), „Teurer Genosse!“ Briefe an Honecker, Berlin 1994, S.74f.

12 DDR-Verfassung vom 9. April 1968, Artikel 37, Absatz 1: „ Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht auf Wohnraum für sich und seine Familie entsprechend den volkswirtschaftlichen Möglichkeiten und örtlichen Bedingungen. Der Staat ist verpflichtet, dieses Recht durch die Förderung des Wohnungsbaus, die Werterhaltung vorhandenen Wohnraumes und die öffentliche Kontrolle über die gerechte Verteilung des Wohnraums zu verwirklichen.“

13 Engels, Friedrich, Zur Wohnungsfrage, S. 243 in: Marx-Engels-Werke, Bd. 18, Berlin 1973, S. 209-287.

14 Huber, Victor A., Über innere Kolonisation, S. 123f., in: Frank / Schubert (Hg.), Lesebuch zur Wohnungsfrage, Köln 1983, 122ff. Zit. nach: Hannemann, Christine, Die Platte. Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR, Berlin 2005, S. 21.

15 Junker, Wolfgang, Das Wohnungsbauprogramm der Deutschen Demokratischen Republik für die Jahre 1976 bis 1990, Berlin 1973.

16 Junker (1973), S. 16; so auch: Müller (2001), S. 47; Kowalczuk (2009), S. 123; Maaß (2006), S. 11, 38; Tesch (2001), S. 9; Hannemann, Christine, Die Platte. Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR, Berlin 2000, S. 100.

17 Zit. nach: Marx, Karl, Zur Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1859, in: Marx-Engels-Werke, Bd.13, Berlin 1967, S.8.

18 Junker (1973), S. 15f.; so auch: Maaß (2006), S. 38; Tesch (2001), S. 10.

19 Hannemann (2005), S. 11; so auch: Maaß (2006), S. 53.

20 Protokoll der 6. Baukonferenz des ZK der SED und des Ministerrates der DDR. Schlußwort / Referat, Berlin 1975, S. 11.

21 Programm der SED. Beschluß des IX. Parteitages der SED, Berlin 1976, S. 23.

22 Dokumente des VIII. Parteitages, Berlin 1971, S.118f; Später wurde das Vorhaben mehrmals aktualisiert, Beispiel: Bericht des Politbüros an das ZK der SED, 5. Tagung. Berichterstatter: Hermann Axen, Berlin 1982, S. 32.

23 Zit. nach: Dertz-Schröder / Staadt (Berlin 1994), S. 68.

24 Hannemann (2005), S. 11; Definition „industrielles Bauen“: Testa, Carlo, Die Industrialisierung des Bauens, Zürich 1972, S.9: „Industrialisierung ist ein Prozess, der mit Hilfe von technischen Entwicklungen, organisatorischen Konzepten und Methoden und investierten Kapital dazu dient, die Produktivität zu steigern und Leistung zu verbessern.“; Halász, Robert, Industrialisierung der Bautechnik. Bauen und Bauten mit Stahlbetonfertigteilen, Düsseldorf 1966, S.2: Industrialisierung ist „(...) durch totale Vorfertigung des Entwurfs, durch weitgehende Automatisierung der Planung; allgemein: durch weitgehende Verwissenschaftlichung von Plan und Ausführung“ gekennzeichnet.

25 Junker (1973), S. 31; so auch: Halász (1966), S. 253; Maaß (2006), S. 41; Weber (1993) S. 80; Kowalczuk (2009), S. 124; Hannemann (2005), S. 20; Zur Frage des bevorzugten Betonbaus, siehe: Hannemann (2005), S. 35-37: Stahlbauten waren im großen Stil nicht möglich, denn in Folge der beiden Weltkriege herrschte akute Eisenknappheit. Zudem konnte sich das StahlBauwesen in der Zeit vor, zwischen und nach den Weltkriegen im Gegensatz zum Beton-Bauwesen kaum weiter entwickeln. Eine bau-technische Errungenschaft für den Betonbau war die Monier-Versteifung von Beton durch das Einlegen von Eisenstangen, wodurch ein Großteil der Produktionskosten gesenkt werden konnten.

26 Um günstig im Sinne des Sozialismus produzieren zu können, wurde ferner das sowjetische Modell der Taylorismus- Rezeption in Verbindung mit mit dem Marxismus-Leninismus übernommen; Hannemann (2005), S. 38f.: Taylorismus als Grundlage für kostengünstige Massenproduktion, meint die Unterordnung des Menschen unter den maschinellen Produktionsprozess und ist das Sinnbild des technischen Fortschritts, als auch der Steigerung der Produktivität. Ford entwickelte die Ideen weiter und entwarf das erste Fließband der Geschichte. Die Produktionsorganisation nach dem Förderbandprinzip, führte zu einer Standardisierung und Typisierung der Produkte; Zum sowjetischen Modell des Taylorimus: Murray, Robin, Fordismus und sozialistische Entwicklung, in: Prokla 81, 20. Jg., 1990, S. 91-122, S. 94, zit. nach: Hannemann, Christine, Die Platte. Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR, Berlin 2005, S. 39: Lenin wollte das „(...) technische Herz des Taylorismus in den sowjetischen Organismus verpflanzen“; Hannemann (2005), S. 40-41.

27 Maaß (2006), S. 43; so auch: Hannemann (2000), S. 103.; dies. (2005), S. 27, 36; Häußermann, Hartmut, Vorwort, in: Hannemann, Christine, Die Platte. Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR, Berlin 2005, S. 7-9 , S. 7.

28 Häußermann (2005) S. 7; Wolle Stefan, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Berlin 1998, S. 184. S. 187.

29 Maaß (2006), S. 44; so auch: Wolle (1998), S. 187; Hannemann (2000), S. 96; dies. (2005), S. 36: Das Grundprinzip der „Platte“ wurde bereits 1908 durch den New Yorker Ingenieur Grosvenor Atterbury entwickelt. Es bestand aus vorgegossenen Betonplatten mit Hohlräumen und Einheiten mit geschoßwerkhohen Panelen; WBS70 sollte je Wohnung 1/4 des Arbeitsaufwandes, sowie 10% Stahl und Beton einsparen.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die DDR-Wohnungspolitik ab 1971 und ihre Darstellung in den DEFA-Filmen „Die Legende von Paul und Paula“ und „Insel der Schwäne“.
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
33
Katalognummer
V201388
ISBN (eBook)
9783656273363
ISBN (Buch)
9783656274421
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Insel der Schwäne, Wohnungspolitik, DDR, DEFA, Die Legende von Paul und Paula, Industrielle Bauweise, Honecker, 1971-1990
Arbeit zitieren
Eric Richter (Autor), 2011, Die DDR-Wohnungspolitik ab 1971 und ihre Darstellung in den DEFA-Filmen „Die Legende von Paul und Paula“ und „Insel der Schwäne“., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201388

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