Der Mensch ist in seinem Leben dazu gezwungen tagtäglich tausende Entscheidungen, von mehr oder minder großer Bedeutung, zu treffen, sich zwischen „richtig“ und „falsch“ zu entscheiden, zwischen „gut“ und „böse“ zu wählen. Manchmal scheint es überhaupt keine zufriedenstellende Lösung zu geben: Jede Entscheidung bringt Nachteile mit sich oder bewirkt ein „schlechtes Gewissen“. Diese moralischen Zwickmühlen, diese Dilemmata, zählen zu unserem Alltag und es bedarf der Fähigkeit mit solchen Situation umzugehen lernen. Die Befähigung dazu kann und soll im erziehenden Unterricht, vor allem in der Religionslehre, angestrebt werden. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass DilemmaDiskussionen die moralische Urteilsfähigkeit beim Heranwachsenden steigern können, unterstreicht die Bedeutsamkeit dieser unterrichtlichen Methode. In dieser Arbeit werden, neben der Begriffsbestimmung, allgemeine Anmerkungen zum Einsatz von Dilemmageschichten im Religionsunterricht getroffen, ein methodisches Konzept wird vorgestellt und konkrete Inszenierungsmöglichkeiten sowie ein Praxisbeispiel werden ausführlicher thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dilemma – Begriffsbestimmung
3. Dilemmata im Religionsunterricht – allgemeine Überlegungen
4. Methodische Konzepte
5. Konkrete Möglichkeiten der Inszenierung
6. Praktische Umsetzung
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit dem gezielten Einsatz von Dilemmageschichten im Religionsunterricht, um die moralische Urteilsfähigkeit von Jugendlichen zu fördern und sie bei der Werteorientierung im Alltag zu unterstützen.
- Grundlagen und Begriffsbestimmung moralischer Dilemmata
- Moralpädagogische Ansätze im modernen Religionsunterricht
- Methodische Konzepte zur Implementierung von Dilemmadiskussionen
- Konkrete Inszenierungsmöglichkeiten und Praxisbeispiele für Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
3. Dilemmata im Religionsunterricht – allgemeine Überlegungen
Im Zuge der Neukonzeptionierung des Religionsunterrichts in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts (u.a.: „Würzburger Synode“) fanden unterschiedliche pädagogisch und psychologisch begründete Ansätze Eingang in die Religionspädagogik und bewirkten eine interdisziplinäre Erweiterung der religionsdidaktischen Perspektive.
Es kam zu einer „moralpädagogische Renaissance“ (Kuld/Schmid 2001, S.50), bei der vor allem auch die Studien Lawrence Kohlbergs zur Entwicklung des moralischen Urteils beim Menschen teilweise große Beachtung gefunden haben.
Exeler verfasst in den 70er – Jahren seine „Zehn Postulate an die Moralpädagogik“ und fordert:
„Eine Moralpädagogik, • die den Glauben der Schüler nicht selbstverständlich voraussetzt; bezogen auf eine christliche Moral, die nicht nur binnenkirchlich verständlich ist; • die sich nicht selbst im Wege steht, sondern Wert legt auf den Durchbruch zum Selberwollen; • die auf die Förderung des Menschen bedacht und dabei nicht nur am je einzelnen Menschen interessiert ist, sondern zugleich an der menschlichen Gemeinschaft; • die nicht bestimmt ist von der Frage »erlaubt oder nicht«, sondern von der personalen Relation zu Gott; • mit weitem Horizont und entsprechenden Zielsetzungen; • welche die anthropogenen und soziokulturellen Voraussetzungen des jeweiligen Menschen in Rechnung setzt; • die nicht auf sündenloses, sondern auf gestaltetes Leben hinzielt; • die Wahlmöglichkeiten aufzeigt; • die nicht für die jungen Menschen entwickelt wird, sondern zusammen mit ihnen; • die über eine Vielfalt methodischer Formen verfügt.“ (vgl. Exeler 1977, S.6-23)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Allgegenwärtigkeit moralischer Entscheidungen und stellt die Methode der Dilemmadiskussion als wirksames Instrument zur Förderung der moralischen Urteilsfähigkeit im Religionsunterricht vor.
2. Dilemma – Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert den Begriff Dilemma als Wertkonflikt und beleuchtet die Bedeutung von Normen und Werten für das gesellschaftliche Zusammenleben.
3. Dilemmata im Religionsunterricht – allgemeine Überlegungen: Es wird die historische Entwicklung der Moralpädagogik in den 70er Jahren dargestellt und die Rolle des Schülers als aktives Subjekt im Lernprozess hervorgehoben.
4. Methodische Konzepte: Hier werden pädagogische Ansätze und Strukturmodelle für die Durchführung von Dilemmadiskussionen in der Schule präsentiert.
5. Konkrete Möglichkeiten der Inszenierung: Dieses Kapitel liefert praktische Anregungen, wie verschiedene lebensweltliche Konflikte inszeniert und medienpädagogisch aufbereitet werden können.
6. Praktische Umsetzung: Anhand einer konkreten Dilemmageschichte aus dem Lebensumfeld Jugendlicher wird eine beispielhafte Unterrichtseinheit von der Darbietung bis zur Diskussion skizziert.
7. Schluss: Das Fazit unterstreicht, dass Dilemmageschichten bei fachlich kompetenter Begleitung eine wertvolle Bereicherung für einen reflektierten Religionsunterricht darstellen.
Schlüsselwörter
Dilemmadiskussionen, Religionsunterricht, Moralische Urteilsfähigkeit, Werte, Normen, Moralpädagogik, Wertekonflikt, Lebenswelt, Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung, Urteilskompetenz, Didaktik, Ethik, christliche Moral, Rollenspiel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz von Dilemmageschichten als didaktisches Werkzeug, um moralische Lernprozesse bei Schülern im Religionsunterricht anzustoßen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Klärung von Dilemmata, den moralpädagogischen Grundlagen und der praktischen unterrichtlichen Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch Dilemmadiskussionen die moralische Urteilsfähigkeit gefördert und Schüler zur eigenverantwortlichen Wertung befähigt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf pädagogische und psychologische Theorien, insbesondere auf Ansätze zur Moralerziehung und Erkenntnisse der Religionsdidaktik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden methodische Konzepte vorgestellt, konkrete Inszenierungsmöglichkeiten diskutiert und ein praxisnahes Fallbeispiel detailliert ausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Dilemmadiskussion, Urteilsfähigkeit, Wertekonflikt, Moralerziehung und Religionsdidaktik.
Wie unterscheidet sich die vorgestellte Methode von reinem Frontalunterricht?
Die Methode zielt auf das aktive Aushandeln von Standpunkten und das spielerische Abwägen von Handlungsalternativen ab, anstatt Wissen lediglich zu vermitteln.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Durchführung der Dilemmadiskussion?
Die Lehrkraft fungiert als Moderator, der sensibel für die Lernenden agiert, ohne dabei eigene Meinungen zu indoktrinieren oder die Diskussion zu verflachen.
Warum sind gerade Dilemmata aus der Lebenswelt der Jugendlichen so wirksam?
Durch den hohen Lebensweltbezug steigt die persönliche Betroffenheit, was die Reflexion über eigene Normen und Entscheidungen im Alltag verstärkt.
Wird im praktischen Beispiel eine spezielle Lösung für das Dilemma vorgegeben?
Nein, es geht nicht um ein richtiges Ergebnis, sondern um den Prozess des Abwägens und Begründens, der die Urteilsbildung fördert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2010, Dilemma im Religionsunterricht - Praxisbezogene Einsatzmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202085