Die Schlacht von Tannenberg 1410 - Mehr als nur eine Schlacht?


Essay, 2011

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Deckblatt

II. Inhaltsverzeichnis

III. Einleitung

IV. Historischer Kontext

V. Weshalb standen sich der Deutsche Orden und Polen-Litauen gegenüber?

VI. Wie konnte aus dieser Schlacht ein politisch so starkes Symbol werden?

VII. Warum konnte der Mythos die Zeit überdauern?

VIII. Wieso wurde die Schlacht von Tannenberg 1914 als Revanche gewertet?

IX. Zusammenfassung

X. Quellen und Literaturverzeichnis und Abbildungsverzeichnis

XI. Eidesstattliche Erklärung

Einleitung

Die Schlacht von Tannenberg, für die Deutschen, oder die Schlacht von Grunwald, für die Polen, im Jahr 1410 ist zu einem Symbol geworden.

Niederlage und Schmach des Deutschen Ordens auf der einen, Sieg und Triumph Polen-Litauens auf der anderen Seite.

Aber weshalb standen sich der Deutsche Orden und die Personalunion aus Polen und Litauen gegenüber? Ging es dabei um Glauben oder politische Macht? Wie konnte aus dieser Schlacht ein so starkes politisches Symbol werden? Warum wurde sie in Polen zu einem Nationalmythos? Und wieso wurde die Schlacht 1914 unter anderen Bedingungen auf deutscher Seite als Revanche gewertet?

Ich sehe darin einen der wichtigsten Momente in der deutsch-polnischen Geschichte, aber keinen Grund, dass es als Nationalmythos Polens fungiert.

Um diese Fragen zu beantworten und meine Meinung zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen, nehme ich einen eine zeitgenössische Quelle eines unbekannten Chronisten über die Schlacht zur Hilfe.

Dieser Chronist führte die Ordenschronik nach dem Tod des eigentlichen Verfassers Johannes Posilge weiter. Zu finden ist diese Quelle als Originalnachdruck im Sammelband Scriptores rerum Prussicarum Band 3, welches 1866 von Theodor Hirsch in Leipzig herausgegeben wurde. Die Quelle wurde von Johannes Bühler, in seinem Sammelband Deutsche Vergangenheit Band 7 – Ordensritter und Kirchenfürsten, welcher 1927 in Leipzig erschien, ins Deutsche übersetzt. Diese Übersetzung ist in dem Sammelwerk Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellungen Band 2 – Spätmittelalter 1250-1495 zu finden welches 2000 in Stuttgart erschien. Die Quelle berichtet aus der Sicht des Deutschen Ordens über die Schlacht und muss daher kritisch betrachtet werden.

Historischer Kontext

Der Deutsche Orden wurde 1190 vor Akko als Spitalbrüderschaft von deutschen Kaufleuten gegründet und 1198 in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt.

Eine seiner Hauptaufgaben war die Missionierung von Heiden im Mittelmeer-

und im Ostseeraum.

Durch die Heirat der polnischen Thronerbin Jadwiga mit dem litauischen Großfürsten Wladislaus II. Jagiello, kam 1386 im Ostseeraum die Personalunion Polens mit Litauen zustande. Als neuer König von Polen wurde der heidnische Jagiello unter dem christlichen Namen Wladyslaw getauft und gehörte, wie auch seine gesamten Untertanen, von da an der katholischen Kirche an.

Damit wurde dem Deutschen Orden die Legitimation entzogen, eine Missionierung in Litauen durchzuführen. 1396 erteilte zunächst der römisch-deutsche Kaiser, 1404 schließlich auch der Papst dem Orden formell das Verbot, die Bekehrung der Heiden fortzuführen[1] Somit standen sich in der Schlacht auf beiden Seiten Christen. Und auch wenn der Orden die Litauer und weitere Söldner des Gegners als Heiden betrachteten,[2] war es doch kein reiner Kampf um den Glauben. Ein Kampf ausschließlich zwischen Polen und Deutschen war es zudem auch nicht.

Weshalb standen sich der Deutsche Orden und Polen-Litauen gegenüber?

Im 14. Jahrhundert gab es zwischen Polen und dem Ordensstaat kaum Spannungen. Stattdessen beteiligten sich polnische Adlige an den Kreuzzügen gegen die Prussen[3] . Konflikte gab es mit Polen erst seit dem Vertrag von Soldin 1309[4] um das Gebiet der Pommerellen als der Orden diese Erwarb. Für den Deutschen Orden waren sie die strategisch wichtige Verbindung zum Heiligen Römischen Reich und für Polen hatten sie den Reiz als direkte Verbindung zur Ostsee und den sich damit bietenden Möglichkeiten. Zusätzlich erachtete die polnische Krone die Pommerellen als natürlichen Besitz.

Auch dies widerlegt meiner Ansicht nach den Missionierungsaspekt des Ordens. Die Polen waren bereits Christen und das Gebiet der Pommerellen wäre auf polnischer Seite ebenfalls christlich gewesen, da die Untertanen den Glauben des Königs annehmen mussten. Und dieser war bereits Christ. Für mich lässt sich nur auf einen machtpolitischen Grund zu Ungunsten der Polen schließen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Polen die Menschen in den Pommerellen von der Macht des Deutschen Orden befreien wollten.

Mit Litauen gab es Konflikte um das Gebiet Schamaiten (bezeichnenderweise ungefähr das heutige Gebiet Litauens), das wiederum seit dem Vertrag von Sallinwerder 1398[5] für den Orden eine Verbindung zu Kurland und Livland bildete. Eben dieser Gebietsstreit führte 1409 zu einem bewaffneten Aufstand der Schamaiten[6] unter dem neuen litauischen Großfürst, und Vetter Jagiellos, Witold (Vytausas). Die Waffen erhielt Witold von Jagiello. Daraufhin erklärte der Hochmeister Ulrich von Jungingen sowohl Witold, als auch Jagiello, den Krieg.

Der Erwerb des heidnischen Schamaiten scheint auf den ersten Blick Teil einer Missionierung zu sein, doch der Aspekt der Landbrücke zu den Gebieten Kurland und Livland ist viel naheliegender. Da die Schmaiten mit der Situation als Vasallen unter dem Orden unzufrieden waren, erhoben sie sich. Hiermit gibt es einen weiteren Hinweis auf die Befreiung eines weiteren Volkes, des schamaitischen, vom Deutschen Orden. Zudem hätte der Orden nur den heidnischen (litauischen) Schamaiten den Krieg erklären müssen um ihren Missionierungwillen gerecht zu werden, und nicht auch den polnischen Mitchristen.

Wie in der Quelle beschrieben sollte Wenzel IV. König von Böhmen[7] den Konflikt schlichten und entschied aufgrund des Vertrags von Sallinwerder zugunsten des Deutschen Ordens. Weil Jagiello und Witold dies nicht akzeptierten fielen sie in Preußen ein. Zwischenzeitlich versuchte auch der König von Ungarn, Sigismund I.[8] , die Ausseinandersetzung zu schlichten. Doch wieder lehnte Jagiello ab. So kam es zur entscheidenden Schlacht von Tannenberg.

[...]


[1] Vgl. Jean Marie Moeglin/Rainer A. Müller „Die Schlacht von Tannenberg (1410)“ in: Deutsche Geschichten in Quellen und Darstellungen Band 2 – Spätmittelalter 1250-1495, Stuttgart 2000 [S. 288]

[2] Ebd. [S. 290]

[3] Vgl. Hartmut Boockmann, „Der Deutsche Orden“, München 1981 [S. 138]

[4] Vgl. Jürgen Sarnowsky, „Der Deutsche Orden“, München 2007 [S. 45]

[5] Ebd. [S. 45 Z. 4-10]; 1404 von Papst Innozenz II. ratifiziert

[6] Vgl. Marian Tumler/Udo Arnold, „Der Deutsche Orden“, Bad Münstereifel 1992 [S. 50]

[7] Vgl. „Die Schlacht von Tannenberg (1410)“ in: Deutsche Geschichten in Quellen und Darstellungen Band 2 – Spätmittelalter 1250-1495, Stuttgart 2000 [S. 289-290]

[8] Ebd. [S. 290]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht von Tannenberg 1410 - Mehr als nur eine Schlacht?
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Europa im späten Mittelalter – Politik, Kultur, Gesellschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V202182
ISBN (eBook)
9783656295501
ISBN (Buch)
9783656296997
Dateigröße
3488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tannenberg, Polen-Litauen
Arbeit zitieren
Marcel K. Schwertel (Autor:in), 2011, Die Schlacht von Tannenberg 1410 - Mehr als nur eine Schlacht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202182

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