Arbeitsmarkteffekte des demographischen Wandels

Die Diskriminierung der älteren Arbeitssuchenden auf dem Arbeitsmarkt


Hausarbeit, 2012
31 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Überbau
2.1. Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit
2.2. Der demographische Wandel und seine Folgen
2.3. Definitionen von Diskriminierung

3. Die Diskriminierung älterer Erwerbspersonen auf dem Arbeitsmarkt
3.1. Die Entwicklung bis hin zur aktuellen Arbeitsmarktsituation
3.2. Altersdiskriminierung älterer Bewerber
3.3. Anonymisierte Bewerbungsverfahren in Deutschland

4. Fazit

Anhang.

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Da mit dem demographischen Wandel eine Alterung der Gesellschaft einhergeht, soll folgende These, die dieser Arbeit zugrunde liegt, untersucht werden: Bei der derzeit niedrigen Geburtenrate ist zu erwarten, dass künftig sowohl der Anteil derälteren Erwerbslosen als auch das Angebot an jüngeren Arbeitskräften sinkt, wobei zugleich der Bedarf an Arbeitskraft relativ konstant bleibt.

Um dem auf den Grund zu gehen, wird beschrieben, wie sich der demographische Wandel künftig auswirkt, wobei der Schwerpunkt auf der Personengruppe der älteren erwerbslosen Bevölkerung und ihrer Situation auf dem Arbeitsmarkt liegt. Diese ist nämlich jene Personengruppe, welcher auf dem deutschen Arbeitsmarkt - und nicht nur hierzulande - mit am häufigsten Diskriminierung und Benachteiligung widerfährt. Gemeint sind Erwerbslose, beziehungsweise Erwerbssuchende ab einem Alter von 50 Jahren.

Einleitend werden für die Ausarbeitung wichtige Begrifflichkeiten definiert. Es wird auf den Arbeitsmarkt und die Arbeitslosigkeit eingegangen und erklärt, was genau mit dem demographischen Wandel gemeint ist. Um die Folgen des demographischen Wandels zu beleuchten, wird auf die natürliche (Fertilität und Mortalität) und räumliche Bevölkerungsbewegung (Wanderungsgeschehen) eingegangen. Desweiteren folgen Definitionen von Diskriminierung und ihres Verbots, welches unter anderem im Grundgesetz und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verankert ist.

Das anschließende Kapitel behandelt die Situation Älterer, hauptsächlich Erwerbsloser, auf dem Arbeitsmarkt; dazu wird eingangs die Entwicklung der Arbeitsmarktsituation der Gruppe der über 50-Jährigen dargestellt. Aktuelle Daten geben einen Überblick der gegenwärtigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Nachfolgend wird auf Diskriminierung, beziehungsweise Altersdiskriminierung - besonders die Benachteiligung älterer Bewerber durch andere Marktakteure - eingegangen und schließlich wird sich mit einer möglichen Gegenmaßnahme beschäftigt.

Zum Abschluss der Arbeit werden wichtige Ergebnisse zusammengefasst und bewertet. Desweiteren wird die aufgestellte These beantwortet und ein Ausblick über die künftig prognostizierte Situation des Arbeitsmarktes gegeben.

2. Theoretischer Überbau

Nachfolgend werden Termini erläutert und definiert, welche für den weiteren Verlauf der Ausarbeitung von großer Bedeutung sind.

2.1. Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit

Ökonomisch betrachtet ist der Arbeitsmarkt der Markt, auf dem die Arbeitskräfte ihre Arbeitskraft gegen Lohn anbieten und Arbeitgeber diese suchen. Die Arbeitskräfte sind die Anbieter und Unternehmen, die die angebotene Arbeitskraft nachfragen, sind demnach die Nachfrager.

Abbildung 1 zeigt das neoklassische Standardmodell von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage in Abhängigkeit vom Reallohnsatz; befinden sich sowohl Angebot als auch Nachfrage im Gleichgewicht, besteht idealerweise Vollbeschäftigung. Somit stehen alle arbeitswilligen Arbeitskräfte in einem Beschäftigungsverhältnis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das neoklassische Standardmodell: Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage (eigene Darstellung)

In der Realität existieren jedoch sogenannte freiwillige und unfreiwillige Arbeitslosigkeit1. Zu freiwilliger Arbeitslosigkeit kommt es beispielsweise, wenn Arbeitskräfte zum gängigen Marktlohn keine Arbeit annehmen möchten. Dies zeigt Abbildung 2. Auf freiwillige Arbeitslosigkeit wird nicht näher eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Freiwillige Arbeitslosigkeit im neoklassischen Standardmodell (eigene Darstellung)

Für diese Ausarbeitung von Bedeutung sind die vier Formen der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit, welche unterschiedlichen Ursprungs sind.

Ein Arbeitsangebotsüberhang ergibt sich aus der Divergenz von nachgefragter Arbeit der Unternehmen und angebotener Arbeitskraft der Arbeitnehmer bei gleichzeitig gestiegenem Reallohn. Dies spiegelt sich in einer unfreiwilligen Unterbeschäftigungssituation (Arbeitslosigkeit) auf dem Arbeitsmarkt wider, die daraus resultiert, dass bei einem höheren Reallohn das Angebot an Arbeit steigt während die Nachfrage von Unternehmensseite sinkt.2 Zur Veranschaulichung dessen dient Abbildung 3.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Der Angebotsüberhang: Arbeitslosigkeit (eigene Darstellung)

Zu unterscheiden sind vier Formen der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit3 mit jeweils divergierenden Ursachen:

1. die friktionelle Arbeitslosigkeit entsteht durch den Übergang von einem zum anderen Arbeitsplatz - deshalb wird sie auch als Such-Arbeitslosigkeit bezeichnet,
2. die konjunkturelle Arbeitslosigkeit - auch keynesianische Arbeitslosigkeit genannt - entsteht durch einen temporären Mangel wirtschaftlicher Arbeitskräftenachfrage,
3. die saisonale Arbeitslosigkeit ist, wie der Name bereits vermuten lässt, abhängig von der Jahreszeit - sie entsteht durch jahreszeitbedingte Unterschiede in der Arbeitskräftenachfrage und
4. die strukturelle Arbeitslosigkeit, welche aufgrund von verschiedenen Diskrepanzen zwischen Arbeitskräfteangebot und Arbeitskräftenachfrage resultiert.

Als Arbeits-, beziehungsweise Erwerbslose werden nach Paragraph 16 des dritten Sozialgesetzbuches (SBG III) all jene „Personen [bezeichnet], die [erstens] wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld

1. vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen,
2. eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und
3. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben. [Und zweitens gelten Teilnehmer] [a]n Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik […] als nicht arbeitslos.“4

2.2. Der demographische Wandel und seine Folgen

Der demographische Wandel beschreibt die Bevölkerungsstruktur und -entwicklung.5 Bedeutungsvolle Einflussfaktoren sind die Geburtenrate, die Lebenserwartung und die Wanderungsbewegung einer Gesellschaft; die Fertilität ist rückläufig, die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt und trotz eines positiven Wanderungssaldos im Jahre 2010 ist ein leichter Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen6. Mit dem demographischen Wandel geht eine wachsende Heterogenität der Gesellschaft einher, welche sich nicht nur auf die Zusammensetzung der Gesellschaft, sondern auch auf die Lebensverhältnisse auswirkt.

Abbildung 4 (siehe Anhang, Seite 24) zeigt die Entwicklung der Fertilitäts- und Mortalitätsrate der Jahre 1946 bis 2009 in Deutschland. In der Nachkriegszeit, zur Zeit des sogenannten Baby-Booms, übersteigt die Geburtenzahl die Anzahl der Sterbefälle. Wie der Graphik zu entnehmen ist, erreicht die Anzahl der registrierten Geburten im Jahre 1964 ihren Höchststand; knapp 1,4 Millionen Kinder wurden geboren - 2010 waren es nur noch etwa halb so viele (678 000 Geburten7 ). Ab Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre ist deutlich zu erkennen, dass die Fertilität unter der Zahl der Sterbefälle liegt. Dieser rasante Abfall der Geburtenkurve ab Mitte der 60er Jahre wird auch Pillenknick genannt, welchem eine anhaltend niedrige Geburtenrate folgt.8 Gründe für den Geburtenrückgang sind unter anderem die Emanzipation der Frau und die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz von Kinderlosigkeit. Derzeit liegt die Fertilitätsrate in Deutschland bei 1,36 Kindern pro Frau9.

Mit dem großen technologischen und medizinischen Fortschritt geht der stetige Anstieg der Lebenserwartung einher. Die Lebenserwartung10 beträgt im Jahre 2011 für neugeborene Jungen 77 Jahre, für neugeborene Mädchen 82 Jahre. Vergleicht man dies mit dem Stand der Lebenserwartung Neugeborener Mitte der 80er Jahre lässt sich feststellen, dass die Lebenserwartung bei Jungen um knapp 6 % und bei Mädchen um über 4 % gestiegen ist.

Die räumliche Bevölkerungsbewegung ist ebenso bedeutsam wie die zuvor beschriebene natürliche Bevölkerungsbewegung. Wanderungsstatistiken11 zeigen, dass der Wanderungssaldo nach 1991 kontinuierlich sinkt. Im Jahre 2008 liegt er erstmals im negativen Bereich. Wie bereits zuvor erwähnt, ist 2010 trotz positivem Wanderungssaldo ein leichter Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. Tabelle 1 stellt dar, wie viele Personen in den angeführten Jahren über die Grenzen Deutschlands zu- und abgewandert sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Anzahl der Zu- und Fortzüge über die Grenzen Deutschlands (eigene Darstellung)

Da die aktuelle Zuwanderung - gerade qualifizierter und hochqualifizierter Arbeitskräfte - sehr gering ist, macht der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration Reformvorschläge des Zuwanderungssystems. Dazu wird ein Drei-Säulen- Modell12 vorgeschlagen, um die Attraktivität Deutschlands für hochqualifizierte Einwanderer zu steigern.

Zusammenfassend lässt sich sagen; wenn die Geburtenrate weiterhin auf einem dermaßen niedrigen Niveau verbleibt wie bisher, die Lebenserwartung der Neugeborenen weiter steigt und sich der Wanderungssaldo nicht erhöht, schrumpft und vergreist die Bevölkerung. Dies wäre folgenreich für die „[d]auerhafte Absicherung der Sozialstaatlichkeit, [die] Sicherung der Vermögensbildung in unserer Gesellschaft [und die] Verwirklichung von Generationengerechtigkeit“13. Für die nähere Zukunft gilt jedoch das Gesetz der demographischen Trägheit, welches besagt, dass es weder möglich ist „die Entwicklungen […] kurzfristig [zu] korrigieren noch auf dem erreichten Niveau [zu] stabilisieren“14. Mittelfristig können die Folgen des demographischen Wandels nur mithilfe von Migration abgefedert werden, da Effekte einer Erhöhung der Geburtenrate auf den Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung erst mit einer Verzögerung von ungefähr 20 Jahren eintreten würden.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Bevölkerung nach Altersgruppen - 2008 und 2060 im Vergleich

Laut der Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes werden sich die Relationen zwischen der alten und jungen Bevölkerung bis zum Jahre 2060 stark verändern, wie Abbildungen 5 und 6 (siehe Anhang, Seite 25) veranschaulichen. Sowohl der Anteil der jungen Bevölkerungsgruppe als auch der Anteil der Bevölkerung im Erwerbsalter, sprich das Erwerbspersonenpotenzial, wird schrumpfen, während die Anteile der älteren und alten Bevölkerung zunehmen.16

[...]


1 Vgl. HENNEBERGER, 2005, S. 26 ff.

2 Vgl. BOFINGER, 2007, S. 347.

3 Vgl. HENNEBERGER, 2005, S. 28 ff.

8

4 BUNDESMINISTERIUM DER JUSTIZ, 1997, SGB III, § 16.

5 Vgl. SCHÄFERS, 2010, S. 39.

6 Vgl. CONRAD, 2011. CONRAD, 2011.

7 Vgl. BÖRSCH-SUPAN, 2011, S. 19ff.

9 PÖTZSCH, 2012, S. 41.

10 Vgl. BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG, 2011, S. 11 ff.

11 Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT, 2012.

12 Vgl. SVR DEUTSCHER STIFTUNGEN FÜR INTEGRATION UND MIGRATION, 2011, S. 79 ff.

13 WALLA et al., 2006, S. 9.

14 WALLA et al., 2006, S. 9.

15 Vgl. SVR ZUR BEGUTACHTUNG DER GESAMTWIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG, 2011, S. 14 ff.

16 Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT, 2009, S. 5 ff.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Arbeitsmarkteffekte des demographischen Wandels
Untertitel
Die Diskriminierung der älteren Arbeitssuchenden auf dem Arbeitsmarkt
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Sektion: Sozialpolitik & Sozialökonomie)
Veranstaltung
Arbeitsmarktökonomik
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
31
Katalognummer
V202268
ISBN (eBook)
9783656285175
Dateigröße
1308 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsmarkt, Arbeitsmarkteffekte, Arbeitsmarktökonomik, Demografie, Demographie, Demografischer Wandel, Demographischer Wandel, Diskriminierung, Erwerbsbevölkerung, Arbeitssuchende, Anonyme Bewerbung, Anonymisierte Bewerbungsverfahren, Bewerbung, Altersdiskriminierung, Ältere, Erwerbspersonenpotenzial
Arbeit zitieren
Christiane Böhm (Autor), 2012, Arbeitsmarkteffekte des demographischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202268

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