Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen 1919-1932. Vom Wirtschaftskrieg zum Handelsabkommen.


Seminararbeit, 2001
16 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung
1. Die Ausgangslage nach dem Ersten Weltkrieg
1.1. Die polnische Ausgangslage
1.2. Die deutsche Ausgangslage
1.3. Wirtschaftliche Festlegungen für Deutschland und Polen Im Versailler Vertrag

II Hauptteil
2. Die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen
2.1. Die Jahre 1919 und 1920
2.2. Auf dem Weg zum Wirtschaftskrieg 1921 bis 1924
3. Der Ausbruch des Wirtschaftskrieges 1925
3.1. Die Folgen des Wirtschaftskrieges und die weitere Entwicklung bis 1932
3.2. Ausblick

III Zusammenfassung

IV Literaturnachweis

I Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werden die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen in den Jahren von 1919 bis 1932 untersucht. Das Ziel ist, die Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten darzustellen. Was geschah in dieser Zeit? Was prägte dieses Verhältnis? Welche Voraussetzungen existierten, wo lagen die Ursachen und welche Folgen ergaben sich daraus?

Da die Grundlagen zwischenstaatlicher Handelsbeziehungen zumeist auf politischen Aspekten beruhen, ist es insofern notwendig, auch das politische Verhältnis zwischen Deutschland und Polen näher zu beleuchten. Dabei ist jedoch zu erwähnen, dass eine vollständige Darstellung und Erklärung der politischen Beziehungen auf Grund der Aufgabenstellung nicht möglich ist. Es werden lediglich die für beide Staaten bedeutsamen Ereignisse in der politischen Entwicklung kurz dargestellt.

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten in Versailles am 28.6.1919. Den Endpunkt markiert die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.1.1933.

Zunächst werden im ersten Teil die Ausgangslagen der beiden Staaten nach dem Ersten Weltkrieg dargestellt sowie die Festlegungen des Versailler Vertrages skizziert. Im Hauptteil wird dann die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen chronologisch erläutert. Zunächst werden die Beziehungen in den Anfangsjahren von 1919 bis 1924 dargestellt. Unter besondere Berücksichtigung fällt danach das Jahr 1925, das Ausbruchsjahr des Wirtschaftskrieges zwischen Deutschland und Polen. Hierfür wird nach Gründen geforscht und untersucht, welche Auswirkungen dieser Krieg für beide Staaten hatte, ob sie von positiver oder von negativer Natur waren. Im Folgenden wird die weitere Entwicklung bis zum Jahr 1932 aufgezeigt. Abschließend werden die Ergebnisse zusammenfassend dargestellt.

Die Materiallage zu den deutsch- polnischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen 1919 und 1932 ist eher durchschnittlich. Zwar lassen sich einzelne Aufsätze finden, die das Thema grob anreißen, jedoch mangelt es meiner Meinung nach an Gesamtdarstellungen zu diesem Thema. Solche Aufsätze schrieben z.B. Georg Strobel oder Czeslaw Luczak, aber auch Adam Krzeminski. Die Materiallage lässt sich also auf keinen Fall mit der Literatur vergleichen, die z.B. zu den innenpolitischen Krisen oder zu der Frage nach den Gründen des Scheiterns der Republik von Weimar erschienen ist.

1. Die Ausgangslage nach dem Ersten Weltkrieg

1.1. Die polnische Ausgangslage

Der polnische Staat hatte eine 125jährige Teilung erfahren müssen. Erst nach Beendigung des Ersten Weltkrieges erlangte er im Jahre 1918 seine Unabhängigkeit wieder. Dementsprechend sahen auch seine Wirtschaftsstrukturen aus. Diese waren recht unterschiedlich entwickelt. Die Ursache dafür war, dass sich das neu entstandene Polen aus drei Teilgebieten zusammensetzte. Es bestand aus einem preußischen Teil, in dem vor allem die Landwirtschaft und in Teilen Oberschlesiens die Schwerindustrie und der Kohlebergbau vorherrschten, in den vormals russischen Gebieten existierte hauptsächlich die Leichtindustrie, während der Landwirtschaftssektor nur schwach entwickelt war, und in den ehemaligen österreichischen Gebieten fand man hauptsächlich die Landwirtschaft vor, während Industriebetriebe dort nur schwach angesiedelt waren.[1]

Es traten jedoch noch weitere Probleme auf.

Während des Ersten Weltkrieges fanden auf dem nun polnischen Staatsgebiet große Kampfhandlungen statt. Durch den zweimaligen Durchzug der Front waren die Industrieanlagen sehr stark beschädigt worden und Russland sowie Deutschland trugen durch die Demontage von Maschinen einen weiteren Teil dazu bei, dass die polnische Industrie sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es mangelte auch an Export- und Importmärkten, da die Industrie sowie die Landwirtschaft infolge des Krieges und den Gebietsveränderungen von diesen abgetrennt war.[2]

Die Industrieanlagen waren zu 60% stillgelegt. Im ehemals russischen Teilgebiet waren 80% des rollenden Materials der Eisenbahn verloren gegangen, 60% der Bahnhöfe sowie 50% der Brücken waren zerstört. Die Hektarerträge der Landwirtschaft waren in Galizien um fast über die Hälfte gesunken. Dies betraf ebenso den Viehbestand. Die Produktionskapazitäten waren soweit zerstört, dass nicht einmal ein Drittel der Produktion des Jahres 1913 erreicht worden wäre.[3] Es lässt sich also zusammenfassend sagen, dass die Ausgangslage für den jungen polnischen Staat auf wirtschaftlicher Basis äußerst schlecht war.

1.2. Die deutsche Ausgangslage

Deutschland war im Ersten Weltkrieg eine kriegführende Nation gewesen. Demzufolge stellte die plötzliche Umstellung von Kriegs- auf Friedensproduktion ein großes Problem für die deutsche Wirtschaft dar. Die bis zum 12. Juni 1919 bestehende Blockade behinderte die Produktion in vielen Wirtschaftszweigen sehr stark. Deutschland war infolge der Kriegsanleihen stark verschuldet, wodurch staatliche Aufträge in den einzelnen Wirtschaftszweigen fehlten. Weiterhin wurden während des Krieges Nettoinvestitionen unterlassen, die nun eine wirtschaftliche Stagnation nach sich zogen.[4]

Die Festlegungen des Versailler Vertrages trafen Deutschland wirtschaftlich sehr schwer. Durch die Abtretung von Elsaß- Lothringen sowie des ostoberschlesischen Industriegebietes, die vorläufige Herauslösung des Saargebietes, der Ausschluss Luxemburgs aus dem deutschen Zollgebiet und durch den Verlust der ehemaligen Kolonien und bedeutender landwirtschaftlicher Gebiete im Osten ergaben sich bedeutende Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur Deutschlands.[5]

Durch diese Abtretungen gingen ungefähr 6 bis 7% der verarbeitenden Industrie,

15% der landwirtschaftlichen Produktion und etwa 20% des Bergbaus und der eisenschaffenden Industrie verloren.[6] Sehr schwerwiegend war der Verlust von Elsaß- Lothringen, weil die deutsche Wirtschaft dadurch weit über zwei Drittel ihrer Eisenerzvorräte verlor. Auch große Produktionskapazitäten gingen Deutschland verloren. Aus dem ehemaligen deutsch- luxemburgischen Zollverband entfielen nun 25 % der Steinkohleproduktion, 80% der Eisenproduktion, fast 35% der Walzerzeugnisse und 35% der Gussstahlerzeugung. Weiterhin fehlten in Zukunft 42% der Roheisenerzeugung und 37% der Flussstahlerzeugung.[7] Insgesamt hatte Deutschland rund 13,5% seines Vorkriegsgebietes und 10% seiner Bevölkerung verloren.[8] Dies offenbart, dass die vor dem Krieg existierenden Wirtschaftsverflechtungen des Deutschen Reiches nun durch die neuen Grenzziehungen des Versailler Vertrages völlig zerstört wurden, der am 28.6.1919 zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten unterzeichnet wurde. Ein weiteres Problem für die deutsche Wirtschaft stellten die zu erwartenden Reparationsforderungen der Alliierten dar.

[...]


[1] Vgl. Tomala, Mieczyslaw: Deutsch- polnische Wirtschaftsbeziehungen seit 1919, in: Hahn, Hans Henning / Jacobmeyer, Wolfgang / Krzeminski, Adam / Tomala, Mieczyslaw / Orlowsky, Hubert u.a.:

Polen und Deutschland, Nachbarn in Europa, Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung,

Hannover 1995, S. 45.

[2] Vgl. Tomala, Mieczyslaw: Deutsch- polnische Wirtschaftsbeziehungen seit 1919, a.a.O., S. 45.

[3] Vgl. Krzeminski, Adam: Polen im 20. Jahrhundert, Ein historischer Essay, München 1993, S. 54.

[4] Vgl. Henning, Friedrich Wilhelm: Das industrialisierte Deutschland 1914- 1992, 8., durchgesehene und wesentlich erweiterte Auflage, Paderborn 1993, S. 51/52.

[5] Vgl. Pohl, Karl Heinrich: Weimars Wirtschaft und die Außenpolitik der Republik 1924- 1926,

Vom Dawes- Plan zum Internationalen Eisenpakt, Düsseldorf 1979, S. 15.

[6] Vgl. Pohl, Karl Heinrich: Weimars Wirtschaft und die Außenpolitik der Republik 1924- 1926, a.a.O., S. 15.

[7] Vgl. Pohl, Karl Heinrich: Weimars Wirtschaft und die Außenpolitik der Republik 1924- 1926, a.a.O., S.16.

[8] Vgl. Dengg, Sören: Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund und Schachts „Neuer Plan“, Europäische Hochschulschriften, Frankfurt/M. 1986, S. 47.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen 1919-1932. Vom Wirtschaftskrieg zum Handelsabkommen.
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Seminar Das deutsch- polnische Verhältnis In der Zwischenkriegszeit 1919- 1939
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V2023
ISBN (eBook)
9783638112444
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft-Weimarer Republik-Polen-Außenhandel-Außenwirtschaft-Bilaterale Beziehungen
Arbeit zitieren
Stephan Fischer (Autor), 2001, Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen 1919-1932. Vom Wirtschaftskrieg zum Handelsabkommen., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2023

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