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Die postmortale Gesellschaft

Von der Verschiebung der Grenzen bis hin zur Dekonstruktion des Todes?

Titel: Die postmortale Gesellschaft

Hausarbeit , 2012 , 12 Seiten

Autor:in: Fabian Babst (Autor:in)

Soziologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Laufe der Zeit ist die einst als unerschütterlich geltende Grenze zwischen Leben und Tod zunehmend verschwommen und sogar das Gedankenexperiment der völligen Dekonstruktion des Todes rückt zunehmend in den Fokus der thanatosoziologischen Debatte. Dies ist zum einen dem technisch-medizinischen Fortschritt geschuldet. Zum anderen reagiert die wissenschaftliche Disziplin immer auf gesellschaftliche Problemlagen und versucht den Menschen Lösungen für spezifische, aus der Entwicklung resultierende, Probleme zu präsentieren.
Bevor zunächst das Motiv der akribischen Forschung, die gesellschaftliche Problemlage, auf die die Forschung reagiert, untersucht wird, sollen im Folgenden die neuen Grenzen des Todes beschrieben und ein Ausblick auf eine mögliche Zuspitzung der Entwicklung, nämlich eine Dekonstruktion des Todes, und deren Folgen für die Gesellschaft gewagt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 DIE ANGST VOR DEM TOD

2 DIE NEUEN GRENZEN DES TODES

2.1 VOM TOD ALS ZEITPUNKT ZUM TOD ALS PROZESS: DER HERZTOD UND DER HIRNTOD

2.2 DIE NEUE TODESDEFINITION. FLUCH ODER SEGEN?

3 DIE DEKONSTRUKTION DES TODES?

4 EIN LEBEN OHNE TOD

5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologische Dimension des Todes im Kontext des modernen medizinischen Fortschritts. Ziel ist es, die Verschiebung der Todesgrenzen sowie die daraus resultierende gesellschaftliche Transformation – hin zur sogenannten postmortalen Gesellschaft und den Visionen der Dekonstruktion des Todes – kritisch zu hinterfragen und deren Auswirkungen auf das menschliche Selbstverständnis zu beleuchten.

  • Die soziologische Bedeutung des Todes und der Umgang mit Sterblichkeit in der modernen Gesellschaft.
  • Die Transformation des Todes vom zeitlich fixierten Ereignis hin zum medizinisch steuerbaren Prozess.
  • Der Einfluss der Hirntod-Definition auf die Medizinisierung und Regionalisierung des menschlichen Seins.
  • Die ethischen und sozialen Implikationen transhumanistischer Zukunftsvisionen und der Kryonik.
  • Die Auswirkungen der potenziellen Dekonstruktion des Todes auf Lebensentwürfe und soziale Strukturen.

Auszug aus dem Buch

2.1 Vom Tod als Zeitpunkt zum Tod als Prozess: Der Herztod und der Hirntod

Die Grenze zwischen Leben und Tod wurde lange als unerschütterlich begriffen. Wenn die Atmung stoppte bzw. das Herz aufhörte zu schlagen, wurde ein Mensch für tot erklärt und der Todeszeitpunkt konnte genau bestimmt werden. Es war eine unumstößliche Gewissheit, dass der Tod zu einem bestimmten Zeitpunkt eintritt und klar und deutlich wahrnehmbar ist, ob man eine Leiche vor sich hat oder einen Menschen, der noch um sein Leben kämpft. Erinnert man sich zurück an die alten Wildwest Filme der 1950er und 60er Jahre, so war dem Protocowboy Jack direkt klar, dass sein Freund Bill tot ist, nachdem er überprüft hat, ob sein Herzschlag noch zu spüren ist. Wie würde Jack in der heutigen Zeit vorgehen? Vermutlich würde er seinen Freund schnellstmöglich in die Notaufnahme bringen und hoffen, dass sein Leben noch zu retten ist. Er hätte sogar noch berechtigte Hoffnungen, dass Bill maschinell am Leben erhalten wird.

Die Grenzen des Todes sind durch Medikalisierung, Technisierung und Biologiesierung flexibler geworden. Reanimation und künstliche Beatmung wurden möglich gemacht und stellen keine Seltenheit mehr im medizinischen Alltag dar. Herzschlag und Atmung können künstlich erzeugt werden und die Position des körperlichen Zentrums wird demzufolge zunächst vakant. Im komatösen Zustand verschwimmt die Grenze zwischen Leben und Tod. Laut Celine Lafontaine beginnt genau da die Postmortalität. Es handelt sich um eine undefinierte Zone, die sowohl ethische als auch politische und juristische Probleme aufwirft (vgl. Lafontaine 2010, Die Postmortale Gesellschaft, S. 61/62). Wie ist also mit dieser undefinierten Zone umzugehen? Eine beliebte öffentliche Debatte stellt die Frage nach einem eventuellen Abschalten der lebenserhaltenden Maschinen dar. Sollte man die künstliche Lebenserhaltung eines Menschen beenden? Und wenn ja, wann?

Zusammenfassung der Kapitel

1 DIE ANGST VOR DEM TOD: Dieses Kapitel thematisiert die gesellschaftliche Verdrängung des Todes und die Rolle der Religion sowie medizinischer Institutionen bei der Konstruktion von Todesbildern.

2 DIE NEUEN GRENZEN DES TODES: Hier wird analysiert, wie moderne medizinische Verfahren den Tod von einem abrupten Zeitpunkt in einen kontrollierbaren, prozesshaften Zustand transformiert haben.

2.1 VOM TOD ALS ZEITPUNKT ZUM TOD ALS PROZESS: DER HERZTOD UND DER HIRNTOD: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Verschiebung der Todesdefinition hin zur Hirnfunktion und die damit einhergehende Regionalisierung des Lebens.

2.2 DIE NEUE TODESDEFINITION. FLUCH ODER SEGEN?: Dieses Kapitel beleuchtet das veränderte Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, insbesondere im Kontext von Organspenden und ethischen Debatten zur Lebensverlängerung.

3 DIE DEKONSTRUKTION DES TODES?: Hier wird die Unsterblichkeitsbewegung diskutiert, die durch technologische Optimierung und Amortalität den Tod als unvermeidliches Ende überwinden will.

4 EIN LEBEN OHNE TOD: Das Kapitel reflektiert über die demographischen und sozialen Konsequenzen einer Gesellschaft, in der die Lebenszeit nicht mehr als limitierender Faktor für individuelle Lebensentwürfe fungiert.

5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse, die die Herausbildung einer postmortalen Gesellschaft unterstreicht.

Schlüsselwörter

Thanatosoziologie, Postmortale Gesellschaft, Hirntod, Dekonstruktion des Todes, Medizinische Ethik, Transhumanismus, Amortalität, Kryonik, Lebensverlängerung, Sterbehilfe, Biopolitik, Körper-Geist-Dualismus, Technisierung, Organspende, Posthumanität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie sich das Verständnis vom Tod in der modernen westlichen Gesellschaft durch den medizinischen Fortschritt gewandelt hat und welche soziologischen Konsequenzen diese Entwicklungen mit sich bringen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die Verschiebung der Todesgrenzen, die Definition des Hirntods, ethische Dilemmata der modernen Medizin sowie die Visionen einer technologisch induzierten Unsterblichkeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Dekonstruktion des Todes als naturgegebenes Ende die gesellschaftliche Ordnung sowie die individuelle Lebensplanung fundamental verändert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch-analytische Herangehensweise, wobei insbesondere die thanatosoziologischen Konzepte von Céline Lafontaine kritisch reflektiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der neuen Todesgrenzen (Hirntod), die Diskussion über die gesellschaftliche Bedeutung dieser Neudefinition sowie die Untersuchung der transhumanistischen Bestrebungen nach einer Dekonstruktion des Todes.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Thanatosoziologie, Postmortale Gesellschaft, Amortalität und die technologische Optimierung des menschlichen Körpers charakterisiert.

Warum wird Japan im Text als Gegenbeispiel zum westlichen Verständnis angeführt?

Japan dient als Beispiel für einen Kulturkreis, der den Körper-Geist-Dualismus ablehnt, was die dortige Akzeptanz einer Hirn-zentrierten Todesdefinition im Vergleich zum westlichen Kontext erschwert.

Was bedeutet der Begriff „Postmortale Gesellschaft“ im Kontext der Arbeit?

Er beschreibt einen gesellschaftlichen Zustand, in dem der Tod durch medizinische und technologische Eingriffe nicht mehr als absolutes Ende, sondern als steuerbare Option oder Prozess wahrgenommen wird.

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Details

Titel
Die postmortale Gesellschaft
Untertitel
Von der Verschiebung der Grenzen bis hin zur Dekonstruktion des Todes?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Thanatosoziologie
Autor
Fabian Babst (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V202466
ISBN (eBook)
9783656286493
ISBN (Buch)
9783656288183
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesellschaft verschiebung grenzen dekonstruktion todes
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fabian Babst (Autor:in), 2012, Die postmortale Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202466
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  12  Seiten
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