Rudern-eine Trendsportart?


Seminararbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Was ist eine Trendsportart?
I. 1 Stilisierung
I. 2 Tempo
I. 3 Virtuosität
I. 4 Extremisierung
I. 5 Ordalisierung
I. 6 Sampling

II. Rudern als Trendsportart
II. 1 Öffentlichkeitsprobleme des Ruderns
II. 2 Fakten zum Leistungsport Rudern
II. 3 Werbung im Rudersport

III. Ruderbundesliga
III. 1 Reglement
III. 2 Die Ruderbundesliga als neue Trendsportart?

IV. Fazit

V. Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Der Deutsche Ruderverband (DRV) ist der älteste deutsche Sportverband und entsprechender Wert wird auch immer wieder auf die Tradition des Rudersports gelegt.

Die Ruderbewegung an sich ist eine sich ständig wiederholende und die Unter- schiede, warum manche Boote schneller und andere langsamer sind, erschließt sich im Spitzenbereich dem Laien bei der äußerlichen Betrachtung kaum. Rudern gilt somit nicht umsonst als monotone Sportart, die noch dazu kaum bekannt ist, wenn man die Medienpräsenz mit der anderer Sportarten ver- gleicht.

Gleichzeitig hat Rudern jedoch auch den Ruf einer elitären Sportart, die aufgrund gewisser materieller Vorraussetzungen und körperlicher Eigenschaften eben nicht jeder im Spitzenbereich betreiben kann.

Deshalb ist die Fragestellung, ob Rudern eine Trendsportart sein kann, durch- aus eine Untersuchung wert, was in dieser Abhandlung geschehen soll. Denn in einer Zeit, in der ständig neue Trendsportarten entstehen, sieht sich auch die Sportart Rudern mit immer größeren Herausforderungen konfrontiert. Einerseits gilt es, das Erbe der Sportart als Alleinstellungsmerkmal zu bewah- ren, andererseits müssen neue Wege beschritten werden, um sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft eine attraktive Sportart zu bleiben. In dieser Arbeit, die sich eng an die im Seminar vorgetragene Präsentation anlehnt, sollen zunächst die Ursachen dafür beschrieben werden, warum Ru- dern in seiner herkömmlichen Form eben keine Trendsportart ist. Im Hauptteil schließlich soll mit der sog. „Ruderbundesliga“ ein erst seit 2009 bestehendes Konzept vorgestellt werden, welches den Rudersport attraktiver machen soll und zumindest in Rudererkreisen als ein neuer Trend im Rudern bezeichnet werden kann. Den Abschluss bildet ein Fazit.

Um in dieser Abhandlung eine Verständnisgrundlage zu haben, drängt es sich auf, eine Definition von „Trendsportarten“ zu geben.

I. Was ist eine Trendsportart?

Hierzu findet sich zunächst ganz allgemein folgende Darstellung:

„ Trendsport ist eine Bezeichnung f ü r neue Sportarten, die sich von traditionellen

Sportarten abgrenzen lassen und nicht als Breitensport einzuordnen sind. Eine exak- te Definition dieses Begriffs gibt es nicht, eine begriffliche Abgrenzung zu Funsport und Extremsport ist schwierig. Der Sportwissenschaftler J ü rgen Schwier verwendet den Begriff Trendsport „ zur Kennzeichnung jener Ver ä nderungstendenzen des Sports, die (explizit oder implizit) mit bewegungskultureller Erneuerung und Innovati- on einhergehen. Trends im Feld des Sports sind ferner dadurch gekennzeichnet, dass sie unsere eingew ö hnten Sportvorstellungen ü berschreiten und zuvor unbe- kannte oder vernachl ä ssigte Auslegungen des menschlichen Sich-Bewegens in unseren Horizont r ü cken. “ Nach seinem Verst ä ndnis l ä sst sich Trendsport unterteilen in die drei Bereiche Fitnessaktivit ä ten, Funsport und Risikosport. “ 1

Es lässt sich also festhalten, dass Trendsportarten einerseits bekannte Sportvorstellungen überschreiten und andererseits unbekannte Formen der sportlichen Bewegung in den Fokus rücken. Bei Weiß findet sich noch eine einfachere Definition: „Als Trendsportarten bezeichnet man jede Sportarten, die kontinuierliche Zuwachsraten an Ausübenden über einen mehrjährigen Zeitraum aufweisen.“2 Jürgen Schwier benennt für Trendsportarten insgesamt sechs Merkmale, die im Folgenden in aller Kürze aufgeführt werden sollen3:

I. 1. Stilisierung

womit gemeint ist dass eine Sportart nicht einfach nur betrieben wird, sondern vielmehr gelebt wird.

I. 2. Tempo

wobei hier die sog. „metabolische Geschwindigkeit“ genannt wird, die im Gegensatz zur digitalen Geschwindigkeit eben noch durch den Menschen kontrollierbar ist.

I. 3. Virtuosität

was sich auf eine neue Definition von Werten einer Sportart bezieht: Die ursprünglichen Bewegungsformen einer Sportart werden neu interpre- tiert und somit wird auch die reine Leistungsproduktion durch Sieg und Niederlage ad acta gelegt.

I. 4. Extremisierung

was sich auf immer neue Limits und Grenzen bezieht, die es in einer Trendsportart zu überwinden gilt.

I. 5. Ordalisierung:

Das Ordal bezeichnet ursprünglich ein Gottesurteil, nach welchem sich ein Proband in eine lebensgefährliche Situation begibt, um durch das Meistern dieser Situation seine Existenzberechtigung nachzuweisen. In manchen Trendsportarten finden sich solche Charakteristika durchaus wieder.

I. 6. Sampling:

Dieser der Musikindustrie entliehene Begriff bezeichnet nichts anderes als eine Neukombination von Sportarten bzw. das Remixing einer Sportart.

II. Rudern als Trendsportart?

Können diese aufgeführten Merkmale also auf das Rudern angewandt werden? Vor dem Hintergrund dieser vorangegangenen Definitionen von Trendsportarten zunächst einige Basics zum Rudern selbst.

Die olympische Distanz beträgt 2000m, für die im Weltspitzenbereich im Frau- eneiner 7:10 und im Männerachter 5:20 benötigt werden. Insgesamt gibt es 22 verschiedene Bootsklassen, die sich auf die beiden Disziplinen Riemen und Skullen, Leichtgewichte und Schwergewichte und natürlich Männer und Frauen verteilen. Von diesen 22 Bootsklassen sind 14 olympisch. Neben einigen weni- gen internationalen Regatten gibt es in der Saison drei Weltcups und eine U19-, U23 und Senioren Weltmeisterschaft, daneben seit 2009 auch noch jährlich eine Europameisterschaft. 2010 wird Rudern erstmals an den Olympischen Jugendspielen teilnehmen. Berühmte Ruderrennen sind das Ruderrennen der Universitäten Oxford vs. Cambridge, aber auch Langstreckenregatten bzw. Headrennen in London auf der Themse und in Boston auf dem Charles River sind neben der Henleyregatta in London oder den Regatten in Luzern auf dem Rotsee zumindest in Rudererkreisen sehr bekannte Wettkämpfe. Nach der eigenen Definition, die sich zum Thema Rudern auf der Homepage des Deutschen Ruderverbandes findet, ist Rudern zunächst alles andere als ein Trendsport:

„ Rudern bedeutet, der Natur nahe zu sein und k ö rperlichen Ausgleich zu finden.

F ü r jede Leistungsklasse und jeden Anspruch gibt es die passende Veranstaltung.

Rudern beansprucht alle Muskeln und trainiert Ausdauer, Koordination, Herz und Kreislauf. 1883 entstand als erster deutscher Sportverband der Deutsche Ruderverband (DRV). In fast 500 Vereinen bundesweit k ö nnen Sie das Rudern lernen. “ 4

Das alles hört sich zwar alles nach einem durchaus auch vielfältigen Sport an, kann jedoch in keiner Weise mit einem wirklichen Trendsport verglichen werden. Als ich im Rahmen meiner Präsentation das Auditorium nach seinen ersten Implikationen zum Thema Rudern fragte, wurden entsprechend Begriffe wie „traditionell“, „monoton“, „langweilig“, „immergleiche Bewegung“ oder „Karl Adam“ genannt. Und tatsächlich hat Rudern mit einer Trendsportart im obig definierten Sinne wenig zu tun:

1. Stilisierung: Selbstverständlich erfordert auch Erfolg im Rudern ein „Leben

als Ruderer“. Allerdings sind damit kaum Verhaltensweisen gemeint, die eine neue Jugendkultur- oder szene begründen könnten. Extremer Trainingsfleiß, lange Trainingseinheiten, monotone Aspekte wie Krafttraining und Ergometer- fahren, ausreichend Schlaf, gute Noten in der Schule bzw. in der Universität, keine Verdienstmöglichkeiten, wenig Medienpräsenz, Disziplin und Ausdauer: Das sind keine Begleitumstände, aus denen sich eine Trendsportart stilisieren ließe.

2. Tempo: Die höchste Geschwindigkeit wird im Rudern im sog. Achter erreicht, der im Spurt auf ca. 30 km/h beschleunigt werden kann. Dass diese Ge- schwindigkeit im Vergleich zu anderen Sportarten mehr als bescheiden ist, erklärt sich von selbst.

3. Virtuosität: Hier wiederum stellt Rudern vielleicht die Teamsportart dar, in der nur derjenige erfolgreich rudern kann, der mit seiner Mannschaft die größt- mögliche Koordination und den gemeinsamsten Rhythmus erreicht. In einem funktionierenden Achter, die Königsklasse im Rudern, kann also durchaus von Virtuosität gesprochen werden. In keiner anderen Mannschaftssportart sind die Mitglieder einer Mannschaft so ganzheitlich voneinander abhängig und können aber gerade über die erzwungene Gemeinsamkeit zu einer fantasti- schen Virtuosität gelangen.

[...]


1 http://de.wikipedia.org/wiki/Trendsportart, eingesehen am 5.6.2010

2 Weiß, Otmar: „Einführung in die Sportsoziologie“, München 1999, S. 63

3 Schwier, J.: „Do the right things“- Trends im Feld des Sports, dvs informationen 13, 1998, S. 10ff.

4 http://www.rudern.de/, eingesehen am 11.6.2010

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Rudern-eine Trendsportart?
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V203087
ISBN (eBook)
9783656295440
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rudern, Trendsportart, Rudern als Trendsportart
Arbeit zitieren
Paul Langner (Autor), 2011, Rudern-eine Trendsportart?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203087

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