Aufkommen und Hintergründe von Literaturagenten in Deutschland im Kontext schriftstellerischer und buchhändlerischer Professionalisierung


Hausarbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Begriffsdefinition

3. Geschichtliche Hintergründe
3.1 Entwicklung von Buchhandel und Urheberrecht
3.2 Professionalisierung und Emanzipation des Schriftstellers

4. Literaturagenten
4.1 Aufkommen und Anfänge
4.2 Arbeitsweisen und Rezeption
4.3 Heutige Entwicklung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im heutigen Buchhandel sind Literaturagenten unumgänglich. Nach dem zweiten Weltkrieg haben sie sich soweit etabliert, dass sie mittlerweile zwischen Verleger und Autoren vermitteln und im Tagesgeschäft mit beiden Seiten interagieren. Ihr massiver Aufstieg seit der Nachkriegszeit hat überdies zu der weit verbreiteten Fehlannahme geführt, Literaturagenturen hätten sich erst rund 100 Jahre nach ihrem Aufkommen in Großbritannien auch in Deutschland etabliert.

Betrachtet man die einschlägige Fachliteratur zur Buchhandelsgeschichte, so fällt dieser Schluss leicht, da die Berufsgruppe der Literaturagenten nahezu gänzlich ausgespart wird. Die vorliegende Hausarbeit will deshalb versuchen, ihr Aufkommen in Deutschland geschichtlich zu verorten und Hintergründe für ihr Entstehen zu erläutern.

Dazu soll zuerst eine Begriffsdefinition des Literaturagenten vorgenommen werden. Danach ist es notwendig, die Entwicklung des Buchhandels und der Urheberrechte im 18. und 19. Jahrhundert zu betrachten, gleichzeitig muss auf die Professionalisierung und Emanzipation des Schriftstellers eingegangen werden. Nachdem dieser geschichtliche Rahmen definiert ist, sollen Entstehungs-hintergründe der ersten Literaturagenturen in Deutschland, sowie Tätigkeitsbereiche und Rezeption in Buchhandel und Schriftstellerkreisen behandelt werden.

Auf Grund des geringen Umfangs dieser Hausarbeit wird es nicht möglich sein, ein fortlaufendes und vor allem detailiertes Bild der Literaturagenten bis zur heutigen Zeit zu zeichnen, weshalb zum Abschluss der Arbeit ein kurzer Ausblick auf aktuelle Verhältnisse genügen soll.

2. Kurze Begriffsdefinition

Entstanden im 19. Jahrhundert fungiert der Literaturagent als Bindeglied zwischen dem Schriftsteller und dem Literaturmarkt. Im Namen des Autors vertritt er dessen Rechte bei Buch-, Zeitschriften-, sowie Hörfunkverlagen, kümmert sich um Vertragsangelegenheiten, Rechts- und Steuerfragen und finanziert sich dabei über eine vorher festgelegte Provision an durch ihn vermittelten Einnahmen. Er ist sowohl dem Verleger, als auch dem Autoren zuträglich, indem er Ersterem eine Vorauswahl potentiell zu verlegender Manuskripte abnimmt und Letzterem beratend mit einer Art Vorlektorat zur Seite steht.

Heute sind Literaturagenten fest etabliert und werden sogar als Vorteil im vielschichtigen Autor-Verleger-Verhältnis gesehen. Ihre Daseinsberechtigung gründet sich auf der seit dem 18. Jahrhundert zunehmenden Komplexität des Literaturmarktes, der Entstehung von großen Verlagshäusern und dem ungleichen Kräfteverhältnis von Autor und Verleger[1].

„Wo immer und wann immer literarische Agenturen aufkamen, war […] die psychologische und gesellschaftliche Ausgangssituation die gleiche. Der Autor war gegenüber dem Verleger ein armer und rechtloser Wicht, und das ist er in Maßen bis auf den heutigen Tag geblieben.“[2]

Die Bezeichnung Literaturagent klingt jedoch nachwievor subversiv. Nicht nur, dass seine Geschäfte in keinerlei Statistiken verzeichnet und sein Name in keinem der durch ihn vermittelten Werke auftaucht[3], sondern auch, dass seine Arbeit, vor allem seine finanzielle Abhängigkeit von lukrativen Vertragsaushandlungen, den Literaturbetrieb nachhaltig kommerzialisiert, verleiht dieser Einschätzung Auftrieb[4].

3. Geschichtliche Hintergründe

3.1 Entwicklung von Buchhandel und Urheberrecht

Während in Großbritannien bereits 1709 mit dem Statute of Anne ein erstes Urheberrechtsgesetz etabliert wurde[5], das dem Autor das Recht an seinem Werk zugestand und das exklusive Druckrecht mit einer einmalig verlängerbaren Schutzfrist von 14 Jahren garantierte, dauerte es in Deutschland wesentlich länger, einen ähnlichen Schutz geistiger Werke durchzusetzen.

Manchenorts sogar bis ins 19. Jahrhundert hinein determinierten in Deutschland die durch Tradition, Religion und Gewohnheit legitmierten Stände, Monopole und Berufe die Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen. Allein durch Obrigkeiten verliehene Privilege ermächtigten zur Entwicklung, Publikation und kommerziellen Nutzung von Wissen. Ein Autoren- und Erfinderrecht war nicht vorhanden, sodass die Herstellung, Verbreitung, Bearbeitung von Text, Bild und Aufführungen ausschließlich über das Konzessionsprinzip des Privilegs funktionierte und allein im Hoheitsgebiet der Obrigkeit Gültigkeit fand[6].

Somit lagen auch Druck, Herstellung und Verbreitung von Büchern in den Händen weniger über Spezialwissen verfügender Privilegierter. Verleger beanspruchten das so genannte ewige Verlagsrecht für sich, bei dem sie Autoren ihre Werke mit allen Rechten abkauften und fortan alle durch Verkauf und Wiederauflage erzielten Gewinne für sich beanspruchen konnten[7]. Gleichzeitig ergab sich aus der territorial beschränkten Durchsetzbarkeit der Privilegien aber auch das Problem des illegalen Nachdrucks, denn außerhalb des Hoheitsgebietes der Obrigkeit waren die Bücher des Originalverlegers nicht geschützt. So konnten sie leicht kopiert und unabhängig von dessen Einnahmen, vielmehr zu seinem Nachteil, in anderen Ländern vertrieben werden. Der illegale Nachdruck schwächte und beflügelte den Buchmarkt zugleich, einerseits schädigte er die Originalverleger, andererseits brachte er Werke auch in Regionen, deren Leserschaften auf Grund des schwach entwickelten Versand- und Transportwesens anderenfalls gar nicht erschlossen worden wären[8].

Nichtsdestotrotz war das Interesse der Drucker und Verleger daran, ihre Lage rechtlich eindeutig geregelt zu wissen, sehr groß[9], insbesondere da sich im Zuge von Aufklärung und Säkularisierung die deutsche Sprache an Stelle des Lateinischen zunehmend im Schriftgebrauch etablierte, die Nachfrage nach Literatur, besonders nach Erzählprosa und Poesie[10], sowie die Zahl der Literaturproduzenten stieg[11] und sich im Buchhandel selbst eine kleinere Revolution vollzog.

Noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts funktionierte der Buchhandel überwiegend über ein geldloses Tauschsystem, den so genannten Changehandel, bei dem Händler bogen- oder werkweise ihre Verlagsobjekte tauschten und auf dem heimischen Markt verkauften. Da dieses Tauschgeschäft schon bald an minderwertiger Tauschware krankte[12], begann parallel dazu der so genannte Konditionsverkehr. Hierbei übersandten sich die Buchhändler ihre jeweiligen Novitäten und konnten sie, im Falle eines Nichtabsatzes, nach einer bestimmten Frist wieder an den Originalverleger zurück schicken. Somit blieben die Händler nicht auf unverkäuflicher Ware sitzen und gleichzeitig zwang die Rücksendemöglichkeit sie dazu, möglichst verkäufliche Bücher im Sortiment zu haben[13]. Jedoch insbesondere Leipziger Verleger, die den Literaturmarkt für deutschsprachige Literatur anführten, begannen ab 1760, die Barbezahlung ihrer insgesamt oft aufwändiger produzierten und hochwertigeren Artikel zu verlangen. Der von ihnen gewährte geringe Händlerrabatt ermöglichte vielen der an den Tausch Gewöhnten eine nur geringe bis keine Gewinnspanne, sodass ein Großteil west- und süddeutscher Händler, die sich fortan selbst Reichsbuchhändler nannten, begannen, Leipziger Artikel konsequent nachzudrucken[14]. Zwar forderten Zeitgenossen schon Ende des 18. Jahrhunderts eine reichsrechtliche Regelung bezüglich des illegalen Nachdrucks[15], doch ließ eine solche noch mehrere Jahrzehnte auf sich warten. Die in der Nürnberger Schlußnahme, einer 1788 von den Reichsbuchhändlern vorgebrachten Resolution, getätigten Vorschläge zur Einrichtung eines parallel zum Konditionssystem laufenden Kommisionsbetriebs, einer Börse, sowie die sich langsam bildenden Berufe des Sortimentbuchhändlers und des Antiquars, entspannten die Lage jedoch wesentlich[16].

[...]


[1] Liepmann, Ruth: Die Aufgaben des literarischen Agenten. In: Deutsche Akademie für Sprache

und Dichtung: Jahrbuch 1977, Heidelberg 1978, S. 116f.

[2] Liepmann, ebd. (Anm. 1), S. 117.

[3] Heinold, Ehrhardt: Der Literatur-Agent – ein unbekanntes Wesen? In: Arnold, Heinz Ludwig (Hg.): Literaturbetrieb in der Bundesrepublik Deutschland. Ein kritischers Handbuch. 2., völlig veränderte Auflage. München: Edition + Kritik 1981, S. 196.

[4] Vgl. Heinold, ebd. (Anm. 3), S. 203.

[5] Vgl. Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. München 1999, S. 156.

[6] Vgl. Siegrist, Hannes: Geschichte des geistigen Eigentums und der Urheberrechte. Kulturelle

Handlungsrechte in der Moderne, in: Hofmann, Jeanette (Hg.): Wissen und Eigentum. Geschichte,

Recht und Ökonomie stoffloser Güter, Bonn 2006, S. 66f.

[7] Vgl. Gieseke, Ludwig: Vom Privileg zum deutschen Urheberrecht. Die Entwicklung des

Urheberrechts in Deutschland bis 1845. Baden-Baden 1995, S. 179.

[8] Vgl. Gieseke: Vom Privileg zum deutschen Urheberrecht (Anm. 7), S. 160f.

[9] Vgl. Siegrist: Geschichte des geistigen Eigentums und der Urheberrechte (Anm. 6), S. 68.

[10] Vgl. Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels (Anm. 5), S. 122f.

[11] Vgl. Estermann, Monika/ Jäger, Georg: Voraussetzungen und Entwicklungstendenzen. In: Geschichte des deutschen Buchhandelns im 19. und 20. Jahrhundert. Band 1. Das Kaiserreich 1871-1918, Teil 1. De Gruyter 2001. S. 27.

[12] Vgl. Gieseke, ebd. (Anm. 7), S. 158.

[13] Vgl. Wittmann, ebd. (Anm. 5), S. 125.

[14] Vgl. Wittmann, ebd. (Anm. 5), S. 131ff., sowie Gieseke, ebd. (Anm. 3), S. 158f.

[15] Vgl. Gieseke, Vom Privileg zum deutschen Urheberrecht (Anm. 7), S. 183.

[16] Vgl. Wittmann, Geschichte des deutschen Buchhandels (Anm. 5), S. 137ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Aufkommen und Hintergründe von Literaturagenten in Deutschland im Kontext schriftstellerischer und buchhändlerischer Professionalisierung
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V203228
ISBN (eBook)
9783656297642
ISBN (Buch)
9783656298090
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturagent, Agent, Literatur, Agentur, Literarische Agentur
Arbeit zitieren
André Herrmann (Autor), 2011, Aufkommen und Hintergründe von Literaturagenten in Deutschland im Kontext schriftstellerischer und buchhändlerischer Professionalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203228

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