Alles verboten? - Sozialraum als Spiegel der Gesellschaft


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Sozialraum als Spiegel der Gesellschaft
2.1 Der öffentliche Raum im Zivilisationsprozess
2.2 Sozialraum und Soziale Arbeit
2.3 Sozialraum und Gemeinwesen
2.4 Sozialraum und Freiraum
2.5 Fairkehr? – Verkehrsraum und Soziale Ungleichheit

3. Zusammenfassung

Literatur

Vorwort

„Wenn wir brav sind, das verspricht man uns, werden wir alle dieselben Bilder sehen und dieselben Töne hören

und dieselben Kleider tragen und dieselben Hamburger essen und in derselben Einsamkeit einsam sein,

in gleichen Häusern gleicher Stadtviertel gleicher Städte,

wo wir denselben Müll atmen und unseren Autos mit derselben Ergebenheit dienen,

und wir gehorchen den Befehlen derselben Maschinen in einer Welt,

die herrlich sein wird für alles, was keine Beine und Flügel und Wurzeln besitzt.“

(Eduardo Galeano: Die Füße nach oben:

Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt)

In unserer funktionalisierten und mechanisierten Welt halten wir es für normal, dass parkende und fahrende Autos unseren Lebensraum besetzen, dass wir uns nicht frei zu Fuß im öffentlichen Raum bewegen können, dass wir unsere Bedürfnisse den Regeln des Autoverkehrs unterordnen und uns auf schmale Gehsteige an den Rand verweisen lassen.

Welche Stellung hat der Mensch im öffentlichen Raum? Und was hat die Soziale Arbeit damit zu schaffen? Diese und ähnliche Fragen haben mich dazu bewogen, mich im Rahmen dieser Arbeit mit dem Sozialen Raum zu befassen und das Wertesystem im urbanen Lebensraum kritisch zu hinterfragen. Das Thema Sozialraumorientierung kommt mir auch deshalb entgegen weil es sich besonders gut mit ökologischen Anliegen verknüpfen lässt. Gleichzeitig möchten die folgenden Seiten eine Brücke schlagen zwischen Sozialraumarbeit, Geschichte und Soziologie.

1. Einleitung

Da sich der sozialräumliche Blick der Sozialen Arbeit in Österreich bereits ausgiebig mit Kindern und Jugendlichen befasst, möchte ich hier den Schwerpunkt auf den Aspekt der sozialen Ungleichheit und Benachteiligung legen. Zentrale Begriffe für die Sozialräumliche Jugendarbeit (wie z.B. der Begriff der Aneignung) werden daher in dieser Arbeit nicht beschrieben.

Um den „Sozialraum als Spiegel der Gesellschaft“ darzustellen wird zunächst der öffentliche Raum im Licht der Elias’schen Theorie vom Zivilisationsprozess betrachtet.

Danach werden die Grundlagen der sozialraumorientierten Sozialarbeit beschrieben und ein kurzer historischer Einblick in die Ursprünge der Gemeinwesenarbeit gegeben.

Auf den öffentlichen Raum zurückkommend werden im Anschluss die Begriffe Sozialraum und Freiraum geklärt und – im Speziellen – auf den Freiraum als Verkehrsraum und dessen Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit eingegangen. Da sich die Soziale Arbeit im Bereich der Sozialraumorientierung als „ideale Partnerin für Planungswissenschaften im Bereich der Freiraumplanung“ (Lobendanz 2008, S. 10) eignet, kommen an jener Stelle auch zwei einschlägige Experten kurz zu Wort.

Im letzten Teil der Arbeit werden die wesentlichen Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst.

2. Sozialraum als Spiegel der Gesellschaft

2.1 Der öffentliche Raum im Zivilisationsprozess

„Zivilisation (lat.civilis = den Staatsbürger betreffend), in der engl./franz. Bedeutung „civilisation“/ „civilite“, die sich seit 1945 auch weitgehend im deutschen Raum durchgesetzt hat (wo der Begriff Zivilisation ursprünglich nur auf die guten Sitten sowie höfische bzw. gutbürgerliche Lebensart bezogen war), das Selbstverständnis der modernen bürgerlichen Gesellschaft als ein Konglomerat von Stand der Technik, Umgangsformen sowie der wissenschaftlichen Erkenntnis. In diesem Sinne wird Zivilisation als Resultat eines historischen Prozesses begriffen [...]“ (Meyers 1990, S. 306).

Der Soziologe Norbert Elias beschreibt mit seiner Zivilisationstheorie die zusammenhängende Entwicklung von Gesellschaft und Mensch, das heißt, er stellt im Allgemeinen dar, dass die menschliche Psyche mit der Gesellschaft verwoben ist und dass Gesellschaft und Mensch sich in ständiger, wechselwirkender Entwicklung befinden, also die Synthese von Psychogenese und Soziogenese (vgl. Elias 1997).

Elias nimmt (analog zu Max Webers Rationalisierung des öffentlichen und privaten Lebens) an, dass der Mensch im Laufe der vergangenen Jahrhunderte immer selbstdisziplinierter und affektgebundener wurde, dass er in zunehmendem Maß lernte seine Triebe zu regulieren, sich zu kontrollieren und zurückzuhalten und seinen Gefühlsausdruck zu mäßigen (vgl. Van Krieken 1991, S. 212) bedingt durch die allmählichen Staatsbildung und die damit verbundenen Gewaltmonopolisierung, sowie die Zentralisierung von Autorität:

„Während in der vormodernen Gesellschaft die Menschen durch äußeren Druck von seiten der Feudalherrschaft und der staatlichen Gewalt an der Verletzung gesellschaftlicher Regeln gehindert werden mussten, sollen sie in zunehmend vernetzteren Gesellschaften deren Einhaltung aus eigenem Antrieb gewährleisten. Impulsive, leidenschaftliche und unkontrollierte Ausbrüche ursprünglicher ungebändigter Triebhaftigkeit, insbesondere ungezügelte Gewaltausbrüche sollen durch abwägendes, rationales und langfristig kalkuliertes Handeln ersetzt werden. Zentraler Mechanismus für diesen Wandel der menschlichen Psychen ist die Belegung von immer mehr Handlungsweisen mit Scham- und Peinlichkeitsgefühlen, die mit der Zeit die gewohnten Wahrnehmungsweisen ersetzen und von den Menschen als ihre natürlichen Reaktionsweisen erfahren und als von ihnen selbst gewollte Handlungen verinnerlicht werden sollen“ (Rathmayr 2006, S. 48).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Alles verboten? - Sozialraum als Spiegel der Gesellschaft
Hochschule
Fachhochschule Salzburg  (Soziale Arbeit)
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V203273
ISBN (eBook)
9783656298328
ISBN (Buch)
9783656299042
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit;, Sozialraum;, Zivilisationsprozess
Arbeit zitieren
Karin Gschnitzer (Autor), 2010, Alles verboten? - Sozialraum als Spiegel der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203273

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