Quelleninterpretation zum Thema: Der Kommissarbefehl


Seminararbeit, 2001

15 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Quellenkritik
1.1. Quellenbeschreibung
1.2. Innere Kritik
1.2.1. Sprachliche Aufschlüsselung
1.2.2. Sachliche Aufschlüsselung

2. Quelleninterpretation
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Einordnung in den historischen Kontext
2.2.1. Kriegssituation Anfang Juni 1941
2.2.2. Kriegsziel und Ideologie der Nazis
2.2.3. Zustandekommen des Kommissarbefehls
2.2.4. Ausführung des Befehls

3. Ergebnis und Ausblick

4. Quellen und Literatur

5. Anhang: -Die Quelle
-Skizze der an der Ausarbeitung der „verbrecherischen Befehle“beteiligten Stellen

1.Quellenkritik

1.1. Quellenbeschreibung

Bei der ausgewählten Quelle handelt es sich um Hitlers „Kommissarbefehl“, welcher in überarbeiteter Form am 6.Juni 1941 durch Generalmajor Warlimont[1] an das Oberkommando des Heeres(OKH) und das Oberkommando der Luftwaffe(OKL) zur Weiterleitung an die Truppe übersandt wurde.

„Dem Charakter des Befehls entsprechend war eine ungewöhnliche Geheimhaltung verfügt worden: schriftliche Exemplare durften nur bis zu den Armeen gelangen, unterhalb dieser Ebene war er nur mündlich zu verbreiten.“[2]

Durch diesen Befehl war die Einbeziehung der Wehrmacht in die NS-Ausrottungspolitik unwiderruflich vollzogen. Dieser Befehl wurde weitergegeben und er wurde auch befolgt.

Die Quelle liegt in gedruckter Form vor.[3] (Auszug)

1.2. Innere Kritik

1.2.1. Sprachliche Aufschlüsselung

-„Bolschewismus“

Der Begriff Bolschewismus leitet sich aus dem russischen Wort Bolschewik, also “Mehrheitler“, ab. Die „ Bolscheweki“ waren die Mitglieder der von Lenin geführ-

ten revolutionären Fraktion in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands bis 1917.Der Bolschewismus beinhaltet die Theorie und Taktik des revolutionären marxistischen Flügels der russischen Arbeiterbewegung mit dem Ziel, die Diktatur des Proletariats zu verwirklichen.

Der Begriff Bolschewismus wird auch oft abwertend für Sozialismus bzw. Kommunismus verwendet.[4]

-„ Erledigen“

Das Wort ist ein typisches Beispiel für die „ Sprache des Dritten Reiches“ im nationalsozialistischen Deutschland .Es steht verharmlosend für töten bzw. morden

Und macht deutlich wie menschenverachtend und zynisch dieses Regime war.[5]

1.2.2. Sachliche Aufschlüsselung

-„ politische Kommissare“

„Die Rote Armee operierte die meiste Zeit während ihres Bestehens unter einem „zweigleisigen“ Kommando, bei dem die Berufsoffiziere die politischen Kommissare konsultieren mußten, bevor sie wichtige Befehle erteilten...“[6]

Die Anwesenheit der Kommissare gewährleistete, daß die Armee sich nicht eines Ta-

ges gegen die kommunistische Partei erheben würde. Sie waren aber trotzdem in die „kämpfende Truppe“ voll integriert.

-„völkerrechtliche Rücksichtnahme“

Als Rechtfertigung für die Nichtbeachtung völkerrechtlicher Prinzipien benutzte die nationalsozialistische Führung vor allem zwei Argumente:1.Ein Kommissar sei kein richtiger Soldat im Sinne der Haager Landkriegsordnung(1907).[7]

2.Rußland, also die Sowjetunion, gehöre nicht der Haager Konvention an und könne sich daher nicht auf sie berufen.[8]

2. Quelleninterpretation

2.1. Inhaltsangabe

Die „Urheber barbarisch asiatischer Kampfmethoden“, also die politischen Kommissare, sind sofort mit der Waffe zu „erledigen“. Dies ist die Quintessenz des auf Anweisung Hitlers vom Oberkommando der Wehrmacht herausgegebenen Kommissarbefehls. Hier kommt die Beseitigung elementarster Regeln des Völkerrechts –„Kriegsgefangene sollen mit Menschlichkeit behandelt werden“-(so schon Artikel 4 der ersten Haager Landkriegsordnung von 1899)deutlicher zum Vorschein als in anderen nazionalsozialistischen Befehlen.

„Mit ihm wurde eine genau definierte Gruppe von Angehörigen einer feindlichen Armee in ihrer Gesamtheit noch vor Beginn der Feindseligkeiten zur verfahrenslosen Liquidierung bestimmt.“[9]

2.2. Einordnung in den historischen Kontext

2.2.1. Kriegssituation Anfang Juni 1941

Seit der Annexion Östereichs 1938, der Einverleibung „der alten deutschen Reichslande Böhmen und Mähren“[10] als Protektorat unter deutscher Obhut bis hin zum Waffenstillstandsersuchen Frankreichs am 17.Juni 1940[11] war die Eroberungspolitik der Nationalsozialisten eine einzige Erfolgsstory. Mit dem Über-

fall auf Polen am 1. September 1939, welches innerhalb von vier Wochen besetzt wurde, zeigte sich zum ersten Mal die östliche Hauptrichtung der deutschen Expansionspolitik.

Die Machtverhältnisse in Mittel- bzw. Westeuropa schienen nach der Besetzung der Be- Ne- Lux- Staaten, der kampflosen Kapitulation Dänemarks und der Aufgabe Norwegens am 10. Juni 1940 zu Gunsten Deutschlands, obwohl England nicht zu bezwingen war, entschieden zu sein.

[...]


[1] Streit, Christian: Keine Kameraden ,Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945.Bonn 1997,S.48.

[2] Ebenda , S.49.

[3] Salewski, Michael und Lippert, Stefan(Hrsg.):Deutsche Quellen zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges .Darmstadt 1998,S.190.

[4] Dose, Maria u.a. : Duden Fremdwörterbuch , Bd. 5. Mannheim ,Leipzig ,Wien , Zürich 1990 , S.120.

[5] Vgl. Klemperer, Victor: LTI, Notizbuch eines Philologen. 18. Auflage, Leipzig 1999.

[6] Rees,Laurence: Hitlers Krieg im Osten. München 2000,S.37.

[7] Buchheim, Hans, Broszat, Martin, Jacobsen, Hans-Adolf und Krausnick, Helmut: Anatomie des SS-Staates. 7. Auflage, München 1999, S.464.

[8] Shirer, William: Aufstieg und Fall des Dritten Reiches. Köln ohne Jahr, S.757.

[9] Strei, Keine Kameraden, S.44.

[10] Chronik des 20. Jahrhunderts. 14. Auflage, Gütersloh/München 1995, S. 532.

[11] Shirer, Aufstieg und Fall, S.721.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Quelleninterpretation zum Thema: Der Kommissarbefehl
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der Geschichtswissenschaften
Note
2.0
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V20430
ISBN (eBook)
9783638243049
ISBN (Buch)
9783638788595
Dateigröße
1023 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Quelleninterpretation
Schlagworte
Quelleninterpretation, Thema, Kommissarbefehl, Einführung, Studium, Geschichtswissenschaften
Arbeit zitieren
Christian Zarend (Autor), 2001, Quelleninterpretation zum Thema: Der Kommissarbefehl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20430

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