Gender Mainstreaming in Kindertageseinrichtungen -für eine Männerquote in Kindertagesstätten?


Essay, 2012
6 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Anna fragt ihren Kommilitonen Tom: „Was machst du, wenn du nach deinem Studium keinen Job findest?“- „Ich studiere Sozialpädagogik. Ich finde da doch immer was, als Mann.“

Ich kann mich noch wage an meine Kindheit erinnern, in der die einzige männliche Person bei uns zu Hause mein Bruder und im Kindergarten, sowie später in der Grundschule der Hausmeister war.

Meine Kindheit war somit sehr weiblich geprägt, aber damit bin ich in keiner Ausnahmesituation groß geworden. Kindertagesstätten sind vor allem weiblich geprägte Räume. Männer in Kindergärten sind Mangelware und könnten dabei doch so viel zu geschlechtssensibler Pädagogik beitragen. Wie funktioniert Gender Mainstreaming in Kindergärten und wäre eine Männerquote für den Bereich Vorschulpädagogik eine zu überdenkende Möglichkeit?

Die Zahl der männlichen Beschäftigten in Kindergärten ist erschreckend gering. Im Jahr 2010 waren es nur 3,7%[1] der Beschäftigten. Und diese Zahl setzt sich nicht nur aus ausgebildeten Fachkräften zusammen, sondern auch aus Praktikanten und Zivildienstleistenden - die mit Ende des Zivildienstes 2011 ohnehin wegfallen - sowie aus Männern im Freiwilligen Sozialen Jahr und ABM-Kräfte.[2] Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind vor allem frauendominiert, was sich auch in der Gestaltung der Kindergartenräume wiederspiegelt. Man könnte meinen, Männer machen sich rar. Denn meist hört man von Frauen, die zu Hause bleiben und sich in den ersten Jahren um die Kinder kümmern. Dann kommen sie in den Kindergarten und dort gibt es wieder kaum männliche Bezugspersonen. So wird den Kindern schon frühzeitig ein Rollenbild vermittelt, in dem der Mann der Versorger ist und die Frau sich um die Erziehung kümmert. Im Alltag der Kitas treten auch ganz praktische Fragen auf, bei denen der Mangel an Männern bemerkbar wird: Wer zum Beispiel ist Ansprechpartner vor allem für die Jungs, wenn es um sexuelle Fragen geht, die schon früh aufkommen können? Wer erklärt ihnen, wie man sich zum Beispiel bei einem Spaziergang im Stehen erleichtert? Wer klettert mit den Kindern? Wer bringt ihnen handwerkliches Können bei? Wer könnte sie für Technik begeistern? Natürlich sind dies alles Dinge, die Frauen auch könnten, aber meist ist es dann doch nicht so, weil z.B. einfach die Lust fehlt.

Sich selbst mit der eigene Annahme: „Ich behandle aber alle Mädchen und Jungen gleich! Wozu brauchen wir also männliche Mitarbeiter?“ zufrieden zu geben, ist falsch. Denn Mädchen und Jungen kommen schon mit unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen in den Kindergarten und haben somit auch verschiedene Bedürfnisse.

Das Jungs im Spiel oft aggressiver sind, als Mädchen, könnte damit zusammenhängen, dass sie beweisen wollen, wie männlich sie sind. Woher sollen sie auch wissen, dass Männer nicht immer nur „stark, überlegen, erfolgreich und ohne Angst“[3] sind, dass Männer auch Gefühle zeigen können und dies auch tun, wenn keine Männer da sind, die als Vorbilder dienen könnten, an denen sich Kinder orientieren könnten?

Vielleicht kam das Gender Mainstreaming Konzept Mitte der 1990`er Jahre gerade richtig, denn 1998 lag der Anteil der männlichen Fachkräfte in Kitas noch bei 2,56% und 2007 schon bei 3,23%.[4] Dennoch ist dies noch weit vom Ziel entfernt, das 1995 vom Netzwerk für Kinderbetreuung der Europäischen Kommission vorgeschlagen wurde, nämlich den Anteil in der Kinderbetreuung bis 2006 auf 20% zu steigern.[5],[6]

Gender Mainstreaming - ein „top-down Modell“, das von oben nach unten arbeitet, folglich auf der Grundlage basiert, was auf oberster politischer Ebene entschieden wird - ist nicht mehr nur Frauenförderung, sondern hat als Ziel die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen. „Diesen Grundsatz hat sich auch die Bundesregierung in ihrer Stellungnahme zum 11. Kinder- und Jugendbericht zu eigen gemacht, indem sie herausstellt: ‚dass Gender-Mainstreaming - wie in allen anderen Politikfeldern - auch in der Kinder- und Jugendhilfe handlungsleitend sein soll.‘ (BMFSFJ, 2002, S. 6). Die Kommission des 11. Kinder- und Jugendberichts fordert eine differenzierte Sichtweise von Geschlecht von allen Akteuren, auf allen Ebenen und für alle Entscheidungsprozesse. Die besonderen Lebenslagen von Mädchen und Jungen sollen überall berücksichtigt, Angebote und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe geschlechtsgerecht ausgerichtet und Mädchen- und Jungenarbeit gefördert und evaluiert werden.“[7], wie auch seit 2003 im SGB VIII festgehalten ist: „§9 Grundrichtung der Erziehung, Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen

[...]


[1] Hintergrundinformationen: Mehr Männer in Kitas, aber… .

[2] Hintergrundinformationen: Mehr Männer in Kitas, aber… .

[3] Rohrmann, Tim: Wofür ein Mann gebraucht wird…, S. 1.

[4] Rohrmann, Tim: Es werden mehr- aber nur sehr allmählich, S. 4.

[5] Rohrmann, Tim: Es werden mehr- aber nur sehr allmählich, S. 4.

[6] Rohrmann, Tim: Wofür ein Mann gebraucht wird…, S. 3.

[7] Rohrmann, Tim: Gendermainstreaming in Kindertageseinrichtungen.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Gender Mainstreaming in Kindertageseinrichtungen -für eine Männerquote in Kindertagesstätten?
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
6
Katalognummer
V204692
ISBN (eBook)
9783656307310
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gender, mainstreaming, kindertageseinrichtungen, männerquote, kindertagesstätten
Arbeit zitieren
Margaretha Seifferth (Autor), 2012, Gender Mainstreaming in Kindertageseinrichtungen -für eine Männerquote in Kindertagesstätten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204692

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