Wie relevant ist Stundenstruktur speziell für den Bläserklassenunterricht? Unterrichtsforschung, vor allem in Deutschland, beschränkte sich lange Zeit ausschließlich auf die Fächer Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften. Der Unterricht in den musisch-künstlerischen Fächern blieb bis vor wenigen Jahren noch völlig unerforscht. Es existierte somit kein durch empirische Forschung gestütztes Wissen darüber, auf welche Weise Lehr- und Lernprozesse im Musikunterricht konkret gestaltet werden.
Unser kleines Forschungsprojekt im Rahmen des Seminares "Empirische Studien zur Bedeutung musisch-kultureller Bildung an Schulen" der Erforschung verschiedener Aspekte von Musikunterricht dienen.
Als Datengrundlage erstellten die Studenten in fünf Gruppen Beobachtungsbögen von Unterrichtsstunden und führten fokussierte Interviews mit mehreren Lehrern und Schülern einer Gesamtschule. Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf alle innerhalb des Seminars erhobenen Daten (insgesamt handelt es sich um zehn Schülerinterviews, vier Lehrerinterviews und drei Beobachtungsbögen), behandelt jedoch thematisch nur einen Teilaspekt, nämlich die Bedeutung der Stundenstrukturierung innerhalb des musikpädagogischen Modells Bläserklasse.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung – Begründung des Forschungsinteresses
II. Die Untersuchung
1. Definition von Gegenstand und Thema: Bläserklasse und Stundenstruktur
2. Methodische Einordnung
3. Analyse der Daten
III. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung der Stundenstrukturierung innerhalb des musikpädagogischen Modells der Bläserklasse zu untersuchen und zu bewerten. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern eine klare Stundenstruktur zur Effektivität des Musikunterrichts beiträgt und wie Schüler sowie Lehrkräfte die methodischen Abläufe wahrnehmen.
- Stundenstrukturierung als Qualitätsmerkmal von Unterricht
- Bläserklasse als spezifische Form des Klassenmusizierens
- Qualitative Forschungsmethoden (Interviews und teilnehmende Beobachtung)
- Rolle von Motivation und Disziplin im Bläserklassenunterricht
- Optimierungspotenziale in der Zeitplanung und Raumorganisation
Auszug aus dem Buch
1. Bläserklasse und Stundenstruktur
Bläserklassen werden von Johannes Bähr als besondere Form des erweiterten Musikunterrichts kategorisiert und dem Überbegriff des Klassenmusizierens zugeordnet. Alle Unterrichtsformen, in denen jeder Schüler in aufbauender Weise ein Instrument oder Gesang erlernt, fasst Bähr unter dem Begriff der „Musikklassen“ zusammen. Er sieht diese Unterrichtsform als Folge einer neuen musikpädagogischen Orientierung, die sich unter anderem aus den Theorien Gordons, Kaisers und Niermanns entwickelt hat. Die Kernaussage dieser Theorien lässt sich (natürlich unter Vernachlässigung der jeweiligen Schwerpunktsetzung und der gebildeten Referenzen durch das jeweilige Vokabular) in der Erkenntnis zusammenfassen, dass musikbezogenes Wissen am effizientesten über „musikalische Tätigkeit“ erreicht werden kann, weshalb die Autoren eine Abkehr von praxisfernem, ausschließlich theoriegeleitetem Unterricht fordern.
Mit Wurzeln in Amerika hat die Unterrichtsform der Bläserklasse in Deutschland in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen, was sich an den von Yamaha veröffentlichten Zahlen belegen lässt. Bähr erklärt den Erfolg der Unterrichtsform folgendermaßen: Die Musikklasse scheint die erfolgreichste Form erweiterten Musikunterrichts zu sein. Das hat mehrere Gründe: Sie ist relativ leicht zu organisieren, ihre Besonderheit ist für Eltern, Kollegien und Schulbehörden leicht nachzuvollziehen, und sie ist, wenn man die wenigen vorliegenden Forschungsergebnisse heranzieht (Bastian 2000, Bähr 2001), auch das in vieler Hinsicht effektivste und erfolgreichste Modell.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung – Begründung des Forschungsinteresses: Einführung in die Problematik der Unterrichtsforschung im Musikbereich und Vorstellung der MUKUS-Studie als Kontext der Arbeit.
II. Die Untersuchung: Detaillierte Betrachtung der Bläserklasse als musikpädagogisches Modell sowie Erläuterung der qualitativen Forschungsmethoden und der Datenauswertung.
1. Definition von Gegenstand und Thema: Bläserklasse und Stundenstruktur: Theoretische Einordnung der Bläserklasse und Definition der Kriterien für eine gelungene Stundenstruktur nach Hilbert Meyer.
2. Methodische Einordnung: Darlegung der gewählten qualitativen Forschungsinstrumente, insbesondere des fokussierten Interviews und der teilnehmenden Beobachtung.
3. Analyse der Daten: Auswertung der erhobenen Beobachtungen und Interviewaussagen hinsichtlich Stundenverlauf, Rollenverteilung und Zeitmanagement.
III. Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die eine hohe Motivationswirkung und Strukturklarheit der Bläserklasse belegen, bei gleichzeitigem Optimierungsbedarf der räumlichen Situation.
Schlüsselwörter
Bläserklasse, Stundenstrukturierung, Klassenmusizieren, qualitative Forschung, Musikunterricht, Unterrichtsqualität, Zeitplanung, Motivation, Lehrerinterview, teilnehmende Beobachtung, Schulmusik, Lernzeit, Gruppenunterricht, Methodik, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Qualität der Stundenstrukturierung im Rahmen des musikpädagogischen Konzepts der "Bläserklasse" an Gesamtschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Klassenmusizierens, die Anwendung von Kriterien für guten Unterricht nach Meyer sowie die Analyse von Zeitmanagement und Motivationsfaktoren im Musikunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie Stundenstrukturen in Bläserklassen konkret gestaltet sind, welchen Einfluss sie auf den Unterrichtserfolg haben und wie sie von den beteiligten Schülern und Lehrern reflektiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein qualitatives Forschungsprojekt, das auf der Triangulation von fokussierten Interviews und teilnehmender Beobachtung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Gegenstandes, der methodischen Einordnung, der Analyse der erhobenen Daten aus den Beobachtungsbögen und den Lehrer- sowie Schülerinterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bläserklasse, Stundenstrukturierung, Klassenmusizieren, Musikdidaktik und qualitative Forschung definiert.
Warum wird im Musikunterricht der Bläserklasse selten auf Disziplinarmaßnahmen zurückgegriffen?
Die hohe intrinsische Motivation der Schüler, die das gemeinsame Musizieren als wertvoll empfinden, führt dazu, dass ein Ausschluss vom Unterricht als so harte Strafe empfunden wird, dass Fehlverhalten weitgehend ausbleibt.
Welcher Aspekt wird von den Schülern kritisch bewertet?
Die Schüler kritisieren vor allem die Zeitplanung, insbesondere wenn das Überziehen der Unterrichtszeit den pünktlichen Abschluss der Stunde oder das Erreichen von Anschlussverbindungen (Bus) erschwert.
Welche Rolle spielt das Teamteaching?
Das Teamteaching wird als großer Vorteil für die Stundenstruktur hervorgehoben, da es ermöglicht, auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten innerhalb einer Instrumentengruppe einzugehen, ohne den Gesamtunterrichtsverlauf zu unterbrechen.
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- Britta Baier (Author), 2012, Bläserklassenunterricht an einer Gesamtschule. Analyse der Stundenstrukturierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205426