Komposition in der deutschen und der türkischen Gegenwartssprache – eine kontrastive Analyse zur Wortbildung


Seminararbeit, 2004

21 Seiten


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Substantivkomposita im Deutschen
2.1 Determinativkomposita im Deutschen
2.2 Kopulativkomposita im Deutschen
2.3 Übergangsbereich zwischen Determinativ- und Kopulativkomposita
2.4 Die Kompositionsfuge

3. Allgemeine Merkmale der Typologie des Türkischen und des Deutschen

4. Substantivkomposita im Türkischen
4.1 Juxtapositionelle Substantivkomposita

5. Problem eines semantischen Vergleichs zwischen deutschen und türkischen Substantivkomposita
5.1 Dreigliedrige Determinativkomposita des Deutschen und ihre Entsprechungen im Türkischen

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit werde ich mich einer kontrastiven Betrachtung der Wortbildung im Deutschen und im Türkischen widmen. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten der Wortbildung ergeben sich in jeder Sprache unbegrenzt viele Darstellungsmöglichkeiten. Eine vollständige Darstellung deutscher und türkischer Wortbildung würde daher den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Somit können einige zentrale Themenschwerpunkte, die für die deutsche bzw. türkische Wortbildung relevant sind, hier nicht berücksichtigt werden, wie beispielsweise die Darstellung möglicher Derivationen bzw. flexionsmorphologische Inhalte, darunter besonders das Gebiet der affixalen Wortbildung.

Auf semantischer und struktureller Ebene empfand ich im Deutschen die nominale Wortbildung, im besonderen die Bildung der „Substantivkomposita“ als äußerst interessant.

Zudem bietet die Eingrenzung in einen spezifischen Teilbereich den Vorteil einer umfassenden Analyse.

Ein kontrastiver Vergleich beider Sprachen auf semantischer Ebene wäre nur bedingt möglich, formale Entsprechungen hingegen bilden eine fundiertere Grundlage für einen kontrastiven Ansatz. Semantische Aspekte werden daher überwiegend bei der Darstellung deutscher Substantivkomposita berücksichtigt werden, beim Türkischen beschränke ich mich hauptsächlich auf formale Gegebenheiten.

Da ich selbst zweisprachig aufgewachsen bin –meine Muttersprache, sofern dieser Terminus sprachwissenschaftlich korrekt ist, ist türkisch-, sind mir kontrastive Betrachtungen in beiden Sprachen naturgemäß nicht fremd und bieten für mich einen Anreiz, meine bilingualen Kenntnisse zu vertiefen. Daher werde ich weitestgehend versuchen, eigene Beispiele in diese Arbeit einfließen zu lassen.

Es existiert vergleichsweise wenig Literatur zu einer kontrastiven Analyse deutscher und türkischer Wortbildung, insbesondere auf dem Gebiet der nominalen Wortbildung. Vural Ülkü hat Studien zu affixaler Wortbildung verfaßt[1], die jedoch das von mir zu behandelnde Teilgebiet nur am Rande thematisiert. Desweiteren existieren eine Reihe konstrastiver Studien wie Tekinays Sprachvergleich[2] zu einzelnen Wortarten[3], die für diese Arbeit auch nicht relevant sind.

Für die Darstellung der deutschen Substantivkomposita ist Wolfgang Fleischers Standardwerk[4] zur deutschen Wortbildung eine ergiebige Quelle, während ich für den türkischen Teil Kuthan Kahramantürks[5] kontrastive Studie zu deutsch-türkischen Nominalkomposita heranziehen werde.

2. Substantivkomposita im Deutschen

2.1 Determinativkomposita im Deutschen

Das Substantivkompositum stellt im Deutschen die häufigsten und produktivsten Wortbildungsmodelle dar. „Der deutsche Wortschatz“, so Wellmann[6], „besteht zum größten Teil, nämlich aus zu etwa zwei Dritteln aus Nominalkomposita“. Substantivkomposita werden im Deutschen durch mindestens zwei Konstituenten gebildet, einem Bestimmungswort (A), das an erster Stelle steht, und einem Grundwort (B) das an zweiter Stelle steht, wie z.B. Tischlampe oder Wunderkerze.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hierbei bestimmt das Grundwort (B) Wortart, Genus, Numerus und Flexionsklasse des Substantivkompositums. Wellmann schreibt hierzu: Der Hauptakzent liegt auf dem vorderen, in der Regel merkmalangebenden und dadurch informativ wichtigen, lexikalisch sonst auch selbständig verwendeten Teil A, der Nebenakzent auf dem hinteren, von ihm abgehobenen, lexikalisch sonst auch selbständig vorkommenden Basisteil B [...][7].

In Ausnahmefällen kann auch das Bestimmungswort an die zweite Stelle treten, wodurch sich ein abweichendes Akzentschema ergibt, so z.B. bei Kopulativkomposita wie „Schlèswig-Hólstein, Marxìsmus-Léninísmus“[8] oder „Komposita mit Durchkopplungsbindestrich, unabhängig davon, ob sie aus drei oder mehr Grundmorphemen bestehen (Èbbe-Flút-Wìrkung, Hàls-Nàsen-Óhren-Àrzt[9]

Die obige Abbildung beschreibt die typischen Merkmale deutscher Substantivkomposita. In den meisten Fällen, so auch hier, handelt es sich um Determinativkomposita, unter denen eine semantische Determinans-Determinatum-Beziehung besteht. Die zweite Konstituente (B = Grundwort) wird durch die erste Konstituente semantisch näher bestimmt. Ortner[10] schreibt hierzu: „Determinativkomposita sind eindeutig hypotaktisch organisiert, d.h. A ist B semantisch und syntaktisch untergeordnet, B ist semantisch und syntaktisch der Kern der Konstruktion“. Vereinfacht bedeutet dies, dass es sich bei einem Waldtier um ein Tier handelt, das im Wald lebt oder ein Luftbild nichts anderes ist als ein Bild, das von der Luft gemacht wurde. Ortner beschreibt Komposita als „endozentrisch“[11], d.h. die Wörter Walttier oder Luftbild können durch Tier bzw. Bild ersetzt werden, ohne dass die Bedeutung des Grundwortes verloren geht, denn das Walttier ist ein Tier: „Im Normalfall des Kompositums wird die bezeichnete Größe –endozentrisch- mit der zweiten Konstituente angesprochen, weswegen für solche Fälle die Formel ‚(Ein) [AB] ist (ein) [B]’ gilt“[12]. Endozentrisch sind ebenfalls Komposita, bei denen die Determinationsverhältnisse umgekehrt sind wie bei Vierteljahr, da „[...] immer noch eine Konstituente die Bezeichnungsfunktion übernimmt: ‚(Ein) [AB] ist (ein) [A]’“[13], siehe auch obige Beispiele Schleswig-Holstein und Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Kompositionsbildungen, bei denen innerhalb der Komposition der semantische Kopf, d.h. das Grundwort, fehlt, werden den exozentrischen Komposita zugeordnet, die im Deutschen jedoch selten vorkommen und unproduktiv sind und zum Teil unter idiomatischen Gesichtspunkten behandelt werden sollten, wie z.B. die Adjektiv-Substantiv-Komposita „Grünschnabel“ oder „Lästerzunge“. Fleischer bemerkt hierzu außerdem: „Exozentrische Kopulativkomposita sind solche, bei denen weder das Erst- noch das Zweitglied die ganze WBK [hier: Wortbildungskonstruktion] semantisch repräsentieren kann: Eine Strumpfhose hat zwar ‚etwas’ von einem Strumpf und von einer Hose, ist aber weder Strumpf noch Hose.[14] “ Fleischer führt weitere Beispiele für exozentrische Nominativkomposita an wie z.B. „Kleiderschürze – Schürzenkleid, Manteljacke – Jackenmantel“[15], die als Benennung für Kleidungsstücke gehäuft auftreten. Diese Wortbildungen gehören in den zweiten

[...]


[1] Ülkü, Vural: Affixale Wortbildung im Deutschen und Türkischen. Ein Beitrag zur deutsch-türkischen kontrastiven Grammatik (Almanca ve Türkçede Eklerle Kelime Teşkili). DTCF Yayınları No: 294. Ankara. 1980.
.

[2] Tekinay, Alev: 1987. Sprachvegleich Deutsch-Türkisch, Möglichkeiten und Grenzen einer kontrastiven Analyse. Wiesbaden: Reichert.

[3] Benzer, Halis: Eine kontrastiv linguistische Darstellung der Adjektive in der türkischen und der deutschen Gegenwartssprache

[4] W. Fleischer, I. Barz: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache, S. 88

[5] Kahramantürk, Kuthan: Nominale Wortbildungen und Nominalisierungen im Deutschen und im Türkischen, 1999

[6] Hans Wellmann: Morphologie der Substantivkomposita. Hrsg: Institut für deutsche Sprache (IDS), S. 3

[7] ebd, S. 5

[8] W. Fleischer, S. 88

[9] ebd.

[10] Ortner, Lorelies. Deutsche Wortbildung. Typen und Tendenzen in der Gegenwartssprache, S. 112

[11] ebd.

[12] ebd., S. 115

[13] ebd., S. 112

[14] W. Fleischer, I. Barz, S. 128

[15] ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Komposition in der deutschen und der türkischen Gegenwartssprache – eine kontrastive Analyse zur Wortbildung
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V205620
ISBN (eBook)
9783656332169
ISBN (Buch)
9783656332459
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
komposition, gegenwartssprache, analyse, wortbildung
Arbeit zitieren
StR Sener Saltürk (Autor), 2004, Komposition in der deutschen und der türkischen Gegenwartssprache – eine kontrastive Analyse zur Wortbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205620

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