Ungarische Revolution 1956

Auswirkungen auf Innen- und Außenpolitik Ungarns


Hausarbeit, 2012
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Historische Einordnung der Ungarischen Revolution von
2.1 Situation Ungarns im Vorfeld der Revolution
2.2 Situation der Sowjetunion im Vorfeld der Revolution

3. Verlauf der Revolution
3.1 Ausgangsbedingungen
3.2 Ausbruch und Niederschlagung der Revolution

4. Auswirkungen der Revolution auf Ungarn
4.1 Beziehung zur Sowjetunion
4.2 Repressalien im Inland

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Die Ungarische Revolution von 1956 rief eine äußerst brutale Reaktion der UdSSR auf die Abkehr vom gemeinsamen Kurs der Staaten des Warschauer Paktes hervor. Insgesamt 16 ½ Divisionen standen Marschall der Sowjetunion Iwan S. Konew zur Niederschlagung des Aufstandes zur Verfügung.1 Trotz anfänglicher Zugeständnisse und weitgehender Unterschätzung der Budapester Geschehnisse durch die KPdSU2 hatte der Aufstand die Entwaffnung der gesamten ungarischen Volksarmee und weitreichende politische Säuberungen durch das abschließend von der Sowjetunion eingesetzte Regime Janos Kádárs zur Folge.1,3 In einem umfassenderen Blick befand sich die Sowjetunion in der prekären Lage, einerseits eine militärische Intervention in Ungarn voranzutreiben und anderseits die Aggressionen Israels gegen Ägypten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu verurteilen.4

Die führenden Mitglieder der ungarischen KP5 durchliefen ebenfalls alle Stationen des ungarischen Volksaufstandes. Von Ablehnung und Bezeichnung des Aufstandes als „Konterrevolution“6 über Zurückhaltung und Opportunismus zu offener Unterstützung wie im Falle Imre Nagys.7,8

Diese Arbeit befasst sich mit der Frage der Auswirkungen der Ungarischen Revolution auf die ungarisch-sowjetischen Beziehungen sowie auf das Verhältnis zwischen ungarischer KP und dem ungarischen Volk. Vorab wird die Ungarische Revolution in einen historischen Kontext im Sinne der politischen Situation Ungarns und der Sowjetunion gebracht. Anschließend werden die herausragenden Akteure des Volksaufstandes und der folgenden Repressalien vorgestellt. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht hierbei die im Nachhinein zum nationalen Märtyrer erhobene Person Imre Nagy, als Führungspersönlichkeit der versuchten Konsolidierung der Revolution und vorheriger Reformpolitiker.9 Mit der Erläuterung des Verlaufs und den Folgen der Revolution für Teilnehmer und das gesamte ungarische Volk sowie der Reaktionen der KPdSU wird die Fragestellung schließlich beantwortet.

2. Historische Einordnung der Ungarischen Revolution von 1956

2.1 Situation Ungarns im Vorfeld der Revolution

Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Ungarn, nach dem Tode Stalins und der damit einhergehenden neuen Ausrichtung der KPdSU, griffen tief in das System des Parteichefs Mátyás Rákosi ein. Die ungarische Führung war stets treu dem Kurs Stalins gefolgt10 und hatte somit für eine weitreichende Entfremdung des Volkes mit der eigenen kommunistischen Partei MDP11,12 geführt. Zudem hatte die kommunistische Bewegung stets einen schweren Stand beim ungarischen Volk.13,14 Über den neuen Kurs verloren die ungarischen Stalinisten einen Großteil ihres Einflusses und neue reformierende Intellektuelle gewannen gleichermaßen an Einfluss und Popularität.15

Bereits vor Stalins Tod war auf Grund von sich rapide verschlechternden Lebensbedingungen die Bevölkerung der kommunistischen Regierung stark negativ eingestellt. Das Realeinkommen sank zwischen 1949 und 1956 um beinahe 20% und die Bauern hatten über das System der LPGs16 jegliche Autonomie eingebüßt und litten unter kaum zu bewältigenden Steuersätzen.17 Wenige Tage vor den Aufständen in der DDR18 1953 wurde der bisher weitgehend erfolglose, aber linientreue, Mátyás Rákosi zur Niederlegung seines Amtes als Ministerpräsident gezwungen und von Imre Nagy beerbt. Mit der Hoffnung über die Beliebtheit Imre Nagys die Bevölkerung besänftigen und einen Volksaufstand verhindern zu können, wurde von der KPdSU ein sanfter Reformkurs angesetzt. Nagy setzte auf den Kommunismus aus Überzeugung. Zur Wahrung des sozialistischen Systems bedürfe es keinerlei Terror oder gewaltsamen Zwang, sondern lediglich aus politischem Erfolg und wirtschaftlicher Prosperität sowie Gerechtigkeit erwachsendem Rückhalt in der gesamten Bevölkerung.19 Trotz der Bemühungen Rákosis eine Absetzung Nagys zu erzielen, konnte dieser den „Neuen Kurs“ mit dem Rückhalt eines deutlichen Teils der Bevölkerung und der Intellektuellen über die Ziele des Kremls hinaus umsetzen.20,21

1954 hatte sich die Erfolgsaussicht der Reformen Imre Nagys grundlegend geändert. Durch den NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland war die KPdSU beunruhigt. Die Reformen in Ungarn hatten zu einer bedrohlichen Entfernung vom zentralistischen Programm der Sowjetunion geführt. Im Bewusstsein der Abhängigkeit von der Gunst der Sowjetunion wandelte sich das Meinungsbild der politischen Elite zur Seite Rákosis. Imre Nagy wurde für die KPdSU und somit auch für die politische Öffentlichkeit Ungarns zu einem „Rechtsabweichler“.22 Mit der Aufgabe des Amtes des Ministerpräsidenten durch Nagy waren die innerparteilichen Spannungen der MDP jedoch nicht erledigt - im Gegenteil blieb ein harter Kern innerparteilicher Opposition vorhanden.23

Bis zum Herbst 1956 vergrößerte sich der - besonders aus intellektuellen Kreisen stammende - Kreis der Unterstützer des abgesetzten Nagys und dem mit ihm untrennbar verbundenen Reformprogramm. Die Verbesserung der sowjetisch- jugoslawischen Verhältnisse und nicht zuletzt die Geheimrede Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU ließen eine Rückkehr zu bereits angestoßenen demokratisierenden Reformen plausibel erscheinen. Die Führung unter Rákosi konnte sich indes der Akzeptanz ihres Handelns weder beim Volk noch bei der KPdSU gewiss sein. Der Drang nach politischen Umwälzungen drohte sich ob der fehlenden politischen Handlungsfähigkeit und Autonomie sowie der dauerhaften Erfolglosigkeit des Rákosi-Regimes handfest Gehör zu verschaffen, gleich welche Maßnahmen gegen diese politische Demonstration ergriffen würden.24

2.2 Situation der Sowjetunion im Vorfeld der Revolution

Der von der Sowjetunion geführte monolithisch-kommunistische Block hatte sich mit dem Bruch Stalins 1948 mit Josip Tito deutlich gewandelt. 1953 setzte mit Stalins Tod ein deutlicher Reformprozess der Entstalinisierung ein. Mit dem XX. Parteitag der KPdSU25 vom 14. bis zum 25. Februar 1956 in Moskau und der damit einhergehenden Verurteilung der politischen Säuberungen Stalins der 1930er Jahre durch den Parteichef der KPdSU Nikita Chruschtschow wendete sich die bis dahin strikt zentralistische Politik zu Gunsten vorsichtiger Möglichkeiten einer Reformation.26

Die Sowjetunion befand sich somit am Scheideweg: Entweder musste den Satellitenstaaten des Warschauer Paktes eine gewisse nationale Autonomie im Sinne der einzelnen kommunistischen Parteien zugestanden werden oder die Beibehaltung der zentralistischen Ausrichtung auf die KPdSU musste gewaltsam durchgesetzt werden.27 In den Staaten des Ostblocks hatte sich trotz der „Befreiung“ durch die Rotarmisten vielerorts ein starkes Nationalgefühl konserviert, das im starken Widerspruch zur zentralisierten Ausrichtung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems stand.28

[...]


1 Vgl. Gosztony, Peter 1999: Die langfristigen Auswirkungen des ungarischen Volksaufstandes und aktuelle Reflexionen darüber, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.501.

2 Entspricht Kommunistische Partei der Sowjetunion.

3 Vgl. Alföldy, Géza 1996: Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution, Freiheitskampf, S.28.

4 Vgl. Kyrow, Alexander u. Zselicky, Béla 1999: Ungarnkrise 1956. Lagebeurteilung und Vorgehen der sowjetischen Führung und Armee, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.118-120.

5 Entspricht Kommunistische Partei.

6 Vgl. Alföldy, Géza 1996: Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution, Freiheitskampf, S.39-41.

7 Wenn auch erst nach einer Phase des Zweifelns.

8 Vgl. Rainer, Janos M. 2002: Imre Nagy - Vom Parteisoldaten zum Märtyrer des ungarischen Volksaufstandes, S.124-126.

9 Vgl. Rainer, Janos M. 2002: Imre Nagy - Vom Parteisoldaten zum Märtyrer des ungarischen Volksaufstandes, S.192-196.

10 so etwa in der anti-titoistischen Kampagne.

11 Magyar Dolgozok Partja; erzwungene Vereinigung aus sozialdemokratischer und kommunistischer Partei.

12 Vgl. Litván, György 1999: Die Ungarische Revolution, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.153.

13 Lediglich 17% bei Wahlen im Herbst 1945 nach Absetzung des Hórthy-Regimes.

14 Vgl. Alföldy, Géza 1996: Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution, Freiheitskampf, S.16.

15 Vgl. Litván, György 1999: Die Ungarische Revolution, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.149-152.

16 Entspricht Landwirtschaftliche Produktionsgmeinschaften.

17 Vgl. Rainer, Janos M. 2002: Imre Nagy - Vom Parteisoldaten zum Märtyrer des ungarischen Volksaufstandes, S.124-126.

18 Entspricht Deutsche Demokratische Republik.

19 Vgl. Alföldy, Géza 1996: Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution, Freiheitskampf, S.16-22.

20 Vgl. Litván, György 1999: Die Ungarische Revolution, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.151.

21 Vgl. Kyrow, Alexander u. Zselicky, Béla 1999: Ungarnkrise 1956. Lagebeurteilung und Vorgehen der sowjetischen Führung und Armee, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.96-99.

22 Vgl. Litván, György 1999: Die Ungarische Revolution, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.151-152.

23 Vgl. Alföldy, Géza 1996: Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution, Freiheitskampf, S.20-23.

24 Vgl. Litván, György 1999: Die Ungarische Revolution, in Heinemann, Winfried (Hrsg.) 1999: Das internationale Krisenjahr 1956 - Polen, Ungarn, Suez, S.153-156.

25 Der erste nach dem Tode Stalins 1953.

26 Vgl. Singer, Ladislaus 1978: Der ungarische Weg, S.10-15.

27 Vgl. Lendvai, Paul 2006: Der Ungarnaufstand 1956 - Die Revolution und ihre Folgen, S.33-47.

28 Vgl. Singer, Ladislaus 1978: Der ungarische Weg, S.13-15.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ungarische Revolution 1956
Untertitel
Auswirkungen auf Innen- und Außenpolitik Ungarns
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Internationale Politik insb. Osteuropa)
Veranstaltung
Seminar Osteuropa
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V205698
ISBN (eBook)
9783656326373
ISBN (Buch)
9783656327899
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ungarische, revolution, auswirkungen, innen-, außenpolitik, ungarns
Arbeit zitieren
Maximilian Cawi (Autor), 2012, Ungarische Revolution 1956 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205698

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