'Expressionistische Kriegslyrik' am Beispiel von Georg Heyms "Der Krieg" und Georg Trakls "Grodek"


Hausarbeit, 2012
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Expressionismus

3. Georg Heym
3.1 Leben
3.2 Analyse von Der Krieg

4. Georg Trakl
4.1 Leben
4.2 Analyse von Grodek

5. Gegenüberstellung

6. Schlussbemerkung

7. Literatur

1. Einleitung

Diese Arbeit soll einen Überblick über die Lyrik in der expressionistischen Epoche geben und dabei den Fokus auf eines der zentralen Themen – den Krieg – richten.

Anhand der Biographien von Georg Heym und Georg Trakl sollen Hintergründe der vorherrschenden Konflikte aufgezeigt und die Situation der Autoren deutlich gemacht werden. Auch der Bezug beider Autoren zu Themen wie Krieg, Kritik am Bürgertum, Aufbruchstimmung soll aufgezeigt werden.

Am Beispiel zweier exemplarischer Werke soll deren Analyse zeigen, wie unterschiedlich sich die Lyrik des Expressionismus darstellt, aber auch welche Gemeinsamkeiten auftreten.

2. Expressionismus

Expressionismus in einen starren Epochenbegriff zwängen zu wollen, dürfte schwer fallen. Vielmehr ist, was sich in der Zeitspanne zwischen 1910 und 1925 in der deutschen Literatur entwickelt, als vielschichtige Bewegung zu verstehen.

Der Begriff 'Expressionismus' stammt aus dem Lateinischen und ist wörtlich mit "Ausdruck" oder "Ausdruckskunst" zu übersetzen und wurde von Kurt Hiller geprägt.[1] Im Zentrum steht die "assoziative Schreibtechnik"[2] und somit ist der Expressionismus als Gegenbewegung des vorangehenden Naturalismus zu sehen, der sich der exakten Abbildung der Wirklichkeit verschrieb.

Die Gliederung in Früh-, Kriegs- und Spätexpressionismus rückt in dieser Arbeit in den Hintergrund, da aufgrund der Auswahl der Werke der Fokus auf den ersten beiden Phasen liegt.

Historisch wichtig für den Expressionismus sind neben dem ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) die Industrialisierung und Modernisierung.

Für die Jugend dieser Zeit bedeutet das, neben dem gefühlten Verlust der Jugend[3] auch, in eine einer Welt aufzuwachsen, "in der schon alles getan ist, in der man nur noch erben und weiterführen kann."[4]

In dieser Wahrnehmung ist auch die Langeweile zu deuten, die Heym dazu verleitet, sich sogar einen Krieg als Ausbruch aus alltäglichen Strukturen zu wünschen.[5]

Der Wunsch nach dem Ausbruch aus dem Alltäglichen, Flucht vor der Langeweile wohnt zu Beginn des 19. Jahrhunderts vielen Heranwachsenen und jungen Menschen inne. So unterschiedlich die persönlichen Beweggründe auch waren, gemeinsam war der Gedanke des Aufbruchs.[6]

So organisierte sich unter anderem der 'Neue Club' in Berlin, dem auch Georg Heym beiwohnte. Die Mitglieder dieses Lesezirkels dienten sich gegenseitig als Publikum und Kritiker, aber auch als geistige Gemeinschaft in der Kritik am traditionellen Gesellschaftsbild.[7]

Die Kriegsbegeisterung und Forderungen nach Aufbruch zahlreicher Interlektueller und Künstler hat den Krieg jedoch weniger als realen Ort von Grausamkeiten und Tod verstanden, sondern vielmehr als "Scharnier einer durch ihn beendeten und einer mit ihm beginnenden Phase"[8].

3. Georg Heym

3.1 Leben

Am 30. Oktober 1887 wird Georg Heym im niederschlesischen Hirschberg geboren. Seine Eltern, Hermann und Jenny, stammen aus Beamtenfamilien mit Gutsbesitz und sind dem Bürgertum zuzurechnen.[9]

Heym besucht mehrere Schulen, bevor er auf das Königlich Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin kommt, an welchem er 1907 das Abitur besteht.

In das traditionelle und konservative Wertesystem seiner Eltern fügt sich auch die Wahrnehmung Heyms auf die eigene Schulzeit. Die Akzeptanz dieser Werte bedeutet für Heym genau die Unterwerfung, welche von ihm in der Schule gefordert wird.[10]

Durch das Einfordern von Konformität und Anpassung ist die Schule als Institution der elterlichen Werte zu verstehen. So gerät Heym in einen Konflikt mit seinem Vater und der Schule, beides Repräsentanten des vorherrschenden gesellschaftlichen Systems.[11]

Trotz dieses Spannungsverhältnisses folgt Heym dem beruflichen Werdegang seines Vaters und beginnt in Würzburg das Jurastudium. Genau wie sein Vater tritt auch Georg Heym einer schlagenden Studentenverbindung bei.[12]

Schon ein Jahr später spielt Heym mit dem Gedanken eine Militärlaufbahn zu beginnen, vor allem weil er eine zunehmende Abneigung gegen sein aktuelles Studienfach verspürt.[13]

Im Januar 1912 erhält seine Familie eine positive Rückmeldung auf eine Bewerbung beim Infanterie-Regiment in Metz, allerdings ist Heym zu diesem Zeitpunkt schon verstorben.

Häufiges Thema in Heyms Tagebucheinträgen ist die Sehnsucht, die Lust neue und fremde Welten zu sehen, so dass Heym beabsichtigt, als Dolmetscher zu arbeiten.[14]

Die Sehnsucht bezieht sich jedoch nicht blos auf Abenteuer im Sinne der Reise, sondern entwickelt sich zum Wunsch nach dem Ausbruch einer Revolution, dem Mord am Kaiser oder dem Ausbruch eines Krieges.[15]

Das manifestiert sich konkret im "Hunger nach einer Tat"[16], die nötig ist, um dem "faden Geschmack der Alltäglichkeit"[17] zu entkommen.

Im Alter von vierundzwanzig Jahren verstirbt Georg Heym, als er mit seinem langjährigen Freund Ernst Balcke beim Eislaufen einbricht und ertrinkt.

3.2 Analyse von Der Krieg

Im Jahr 1911 wurde das Gedicht Der Krieg von Georg Heym verfasst und im folgenden Jahr, nach seinem Tod, veröffentlicht.

Wie der Titel ahnen lässt, ist die Kriegsthematik zentral, doch dass auch die Rolle des Menschen selbst Thema ist, soll im Folgenden gezeigt werden.

Der formale Aufbau des Gedichts ist mit 11 Strophen, die aus jeweils 4 Versen bestehen, als geordnet zu bezeichnen. Die Verse bestehen aus 5 bis 10 Wörtern und liegen dem Reimschema aabb, also einem Paarreim, zu Grunde.

Der Buchstabe zu Beginn jedes Verses ist groß geschrieben, sonst hält sich Heym an bestehende grammatikalische Regeln.

Die Strophen 1 bis 9 sind im Präsens gehalten, ab Strophe 10 ändert sich der Tempus zum Präteritum.

Mit insgesamt 44 Versen ist Der Krieg eines der längeren lyrischen Werke dieser Zeit, besonders im späteren Vergleich mit Trakls Grodek wird der Unterschied deutlich.

[...]


[1] Vgl. Mende, Claudio: Expressionismus. www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/761.pdf (Stand 20.03.2012) S. 1.

[2] Jeßing/Köhnen: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Stuttgart [u.a.]: Metzler 2007. 2. Auflage. S.84.

[3] Vgl. Heym, Georg: Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe. Band 3. Hamburg: Ellermann 1960. S. 79.

[4] Eibl, Karl: Expressionismus. In: Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. von Walter Hinderer. Würzburg: Königshausen & Neumann 2001, 2. Auflage. S. 420.

[5] Vgl. Korte, Herrmann: Krieg in der Lyrik des Expressionismus. S. 41.

[6] Vgl. Eibl, Karl: Expressionismus. In: Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. von Walter Hinderer. Würzburg: Königshausen & Neumann 2001, 2. Auflage. S. 420.

[7] Vgl. Korte, Herrmann. Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S. 24.

[8] Schöning, Matthias: Gewaltkur. Expressionistische Kriegslyrik der Vorkriegszeit. In: Euphorion. Band 104.2010. Heidelberg: Winter 2010. S. 413.

[9] Vgl. Korte, Herrmann. Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S. 12-13.

[10] Vgl. Korte, Herrmann: Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S. 14

[11] Vgl. Korte, Herrmann: Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S. 14, 17.

[12] Vgl. Korte, Herrmann: Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S. 13.

[13] Vgl. Korte, Herrmann: Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S 19-20.

[14] Vgl. Korte, Herrmann: Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S 21.

[15] Vgl. Korte, Herrmann: Georg Heym. Stuttgart: Metzler 1982. S. 21

[16] Heym, Georg: Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe. Band 3. Hamburg: Ellermann 1960. S.135.

[17] Heym, Georg: Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe. Band 3. Hamburg: Ellermann 1960. S. 138.

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Details

Titel
'Expressionistische Kriegslyrik' am Beispiel von Georg Heyms "Der Krieg" und Georg Trakls "Grodek"
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V206467
ISBN (eBook)
9783656335696
ISBN (Buch)
9783656338185
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Expressionismus, Lyrik, Krieg, Trakl, Heym, expressionistisch
Arbeit zitieren
Moritz Sehn (Autor), 2012, 'Expressionistische Kriegslyrik' am Beispiel von Georg Heyms "Der Krieg" und Georg Trakls "Grodek", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206467

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